Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Rund 815 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,9 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,5 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2016 weltweit geerntet, mehr denn je zuvor. Doch nur 43% des Getreides dient als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Weltbank und der UN den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, bietet alle Original-Berichte sowie Fakten und Zahlen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen - vor allem aber zum Handeln.

„Weiter wie bisher ist keine Option”, lautete die Botschaft des 2009 veröffentlichten Weltagrarberichts. Seither hat sich die globale Debatte über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung weiterentwickelt, doch die Erkenntnisse des Berichts besitzen immer noch Relevanz. Die englischsprachige Broschüre „Agriculture at a Crossroads” fasst die Kernaussagen des Weltagrarberichts auf 52 Seiten zusammen und verknüpft diese mit aktuellen Herausforderungen und Zielen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Demo am 20.1.2018: Der Agrarindustrie die Stirn bieten!

11/17: Am 20. Januar 2018 treffen sich Landwirtschaftsminister aus der ganzen Welt in Berlin. Als Gastgeberin der Agrarministerkonferenz steht die Bundesregierung dann im Licht der Weltöffentlichkeit. Das Bündnis "Wir haben es satt" ruft dazu auf, an diesem Datum für die globale Agrar- und Ernährungswende auf die Straße zu gehen. Gemeinsam, bunt und lautstark soll für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung, globale Bauernrechte und gerechten Welthandel demonstriert werden. "Die Politik muss endlich den Interessen der Menschen folgen, statt Konzernen zu mehr Macht zu verhelfen. Deswegen müssen wir den Konzernen die Stirn bieten und die nächste Regierung in die Pflicht nehmen", heißt es im Aufruf. Weitere Infos zur Demo gibt es hier.

Doku „Das Grüne Gold“ über die Jagd nach Ackerland jetzt im Kino

10/17: Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den globalen Markt, eine der lukrativsten neuen Spielflächen ist Äthiopien. In der Hoffnung auf große Exporteinnahmen verpachtet die äthiopische Regierung Millionen Hektar Land an ausländische Investoren. Der Traum von Wohlstand hat jedoch seine dunklen Seiten: es folgen Zwangsumsiedlungen riesigen Ausmaßes, über 1 Million Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage, die Böden werden überfordert – die Antwort ist eine Spirale der Gewalt im Angesicht einer paradoxen Umweltzerstörung. Der Dokumentarfilm "Das grüne Gold" ist den perfiden Verwicklungen zwischen internationaler Entwicklungshilfe und globaler Spekulation um Ackerland in Äthiopien auf der Spur. Der Film läuft ab 5. Oktober im Kino. Zum Trailer geht es hier.

Zwei Jahre SDGs: Ziele für eine Welt ohne Armut und Hunger

9/17: Vor zwei Jahren beschlossen die Vereinten Nationen in New York eine neue Entwicklungsagenda für die Zeit bis 2030: Im September 2015 wurden offiziell 17 Nachhaltigkeitsziele verabschiedet, die Armut und Hunger bekämpfen, aber auch Umwelt und Klima schützen wollen. Die Sustainable Development Goals (SDGs), die 169 Unterziele enthalten, lösen die 2015 endenden Millenniums-Entwicklungsziele ab und gelten für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen. Ziel 2 mit seinen acht Unterzielen widmet sich der Beseitigung des Hungers und der Förderung von Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bis 2030 sollen alle Menschen das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung erhalten, alle Formen der Mangelernährung beseitigt sein und die Produktivität und das Einkommen von Kleinbauern verdoppelt werden.

Dokumentarfilm „Bauer unser“ ab 1.9.2017 auf DVD

09/17: Der Dokumentarfilm „Bauer unser“ von Robert Schabus zeigt gleichermaßen ungeschönt wie unaufgeregt wie es auf Österreichs Bauernhöfen zugeht. So vielfältig die gezeigten Bauern, vom Biobauern bis zum konventionellen Agraringenieur, so einhellig ihr Tenor: So wird es nicht weitergehen. Es läuft etwas falsch. Denn es zeigt sich wie Wirtschaftspolitik und Gesellschaft immer öfter vor der Industrie kapitulieren. Es sind keine rosigen Bilder und doch gibt es Momente der Hoffnung. Bauer unser ist ein Film, der Lust macht, dem Bauern ums Eck einen Besuch abzustatten und bewusst heimische Lebensmittel zu genießen. Den Film gibt es seit 1.9. auf DVD, weitere Infos hier. Einen Vorgeschmack liefert der Trailer.

8/17: Am 2. August sind die nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für 2017 aufgebraucht: Für den Rest des Jahres lebt die Weltbevölkerung wieder auf Pump und belastet die Erde stärker, als sie sich regenerieren kann. Darauf machten INKOTA, Germanwatch, die BUNDjugend, FairBindung und die Naturschutzjugend aufmerksam. Die Organisationen haben Daten des Global Footprint Network ausgewertet, das sowohl für einzelne Länder als auch die Welt insgesamt berechnet, wann die natürliche Belastungsgrenze der Erde erreicht ist – das heißt die Ressourcen verbraucht sind, die rein rechnerisch im gesamten Jahr nachhaltig genutzt werden könnten. Weiterlesen

Konzerne als Retter? Das Geschäft mit der Entwicklungshilfe

5/17: Die staatliche Entwicklungshilfe setzt verstärkt auf die Privatwirtschaft. Nur sie könne effizient Armut und Hunger in der Welt bekämpfen. Der Dokumentarfilm "Konzerne als Retter?" von Valentin Thurn und Caroline Nokel nimmt den Zuschauer mit nach Kenia, Sambia und Tansania und fragt, wie öffentlich-private Partnerschaften funktionieren und ob die Armen von ihnen profitieren. Er zeigt unterschiedliche Modelle der Zusammenarbeit im Ernährungs- und Landwirtschaftssektor: vom Versuch deutscher Unternehmen, die Produktivität kenianischer Kartoffelbauern zu steigern, bis hin zum Investmentfonds, der Entwicklungsgelder nutzt, um mit riesigen Sojaplantagen Rendite für Anleger zu erzielen. Der Film ist hier zu sehen.

04/17: Bäuerinnen und Bauern, Fischer, Hirten und andere Menschen, die im ländlichen Raum arbeiten, produzieren den Großteil der weltweit verfügbaren Nahrungsmittel. In Europa und weltweit spielen sie die tragende Rolle, um Ernährungssouveränität in unseren Gesellschaften zu verwirklichen. Sie sichern die Widerstandskraft unseres Ernährungs-systems gegen den Klimawandel. Dennoch nimmt das Höfesterben kein Ende. Durch die Ausdehnung der Agrarindustrie, Landraub und eine fehlgeleitete Subventionspolitik ist die bäuerliche Landwirtschaft in Gefahr. Daher fordert eine internationale Bewegung die EU und ihre Mitgliedstaaten mit einer Petition dazu auf, sich aktiv an der Ausarbeitung einer „UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbäuerinnen, Kleinbauern und anderen Personen, die in ländlichen Regionen arbeiten" zu beteiligen.

Konzernatlas 2017: Fusionswelle in der Argar- und Lebensmittelindustrie

01/17: Immer weniger Konzerne bestimmen weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebens­mittel­erzeugung und Ernährung – zum Nachteil von Kleinbäuerinnen und -bauern, Landarbeiterinnen und -arbeitern sowie der regionalen Lebensmittelversorgung. Das zeigt der "Konzernatlas 2017", eine Zusammenstellung von Fakten und Grafiken zur Agrarindustrie, veröffentlicht von der Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem BUND, Oxfam, Germanwatch und Le Monde Diplomatique. Die Herausgeber warnen davor, dass die laufenden Konzentrationsprozesse im Agrarsektor die 2015 beschlossenen UN-Nachhaltigkeitsziele gefährden und fordern stärkere Kontrolle im Agrar- und Ernährungsbereich.
Hier geht es zum Download der Broschüre.

Buchtipp: Hans Herren - So ernähren wir die Welt

11/16: Hans Herren, Ko-Präsident des Weltagrarberichts, hat ein neues Buch veröffentlicht, in dem er seine Visionen für „eine Welt mit genügend und gesunder Nahrung für alle, produziert von gesunden Menschen, in einer gesunden Umwelt“ darlegt. Herren setzt sich mit seiner Stiftung Biovision in Afrika für die Entwicklung, Verbreitung und Anwendung von ökologischen Methoden ein. Die Landwirtschaft, ja das ganze Ernährungssystem der Erde muss sich grundlegend wandeln, schreibt Herren: „Weiter wie bisher ist keine Lösung". Doch er bleibt optimistisch und zeigt anhand praktischer Beispiele auf, dass es möglich ist, einen Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft einzuleiten, die Zukunft der Menschheit zu sichern und den Hunger auf der Welt zu eliminieren. „So ernähren wir die Welt" ist erschienen im Sachbuchverlag Rüffer & Rub.

Neuauflage der Broschüre zum Weltagrarbericht

„Weiter wie bisher ist keine Option“ – was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleisch und Futtermittel, Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut- vielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von erfolgreichen Ansätzen und Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Broschüre: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten

10/16: Die Broschüre "Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten" zeigt, dass Landwirtschaft und Ernährung anders, besser geht und informiert über praxiserprobte Alternativen, in denen großes Potenzial steckt. Im Fokus der von mehreren Organisationen gemeinam herausgegebenen Broschüre stehen Beispiele agrarökologischer Anbaumethoden, innovativer Vermarktungswege und Initiativen zur politischen Mitgestaltung des Ernährungssystems. Die Publikation arbeitet heraus, welche Ansätze bereits erfolgreich umgesetzt werden, und analysiert, welche politischen Instrumente nötig sind, um eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Neuorientierung in der Landwirtschaft anzustoßen und Agrarökologie zu fördern. Zum Download der Broschüre geht es hier

Neuer Landmatrix-Bericht zeigt Ausmaß der globalen Landnahme auf

10/16: Der Run auf Ackerland hält an: Rund 26,7 Millionen Hektar Land haben sich Investoren seit dem Jahr 2000 weltweit für landwirtschaftliche Zwecke angeeignet – eine Fläche so groß wie das Vereinigte Königreich und Slowenien zusammen. Das zeigt ein neuer Bericht der Landmatrix, der Details zu Ziel- und Investorenländern, der geplanten Nutzung und den Folgen des Landraubs für die Betroffenen liefert. Zum Download

IPES fordert Umstellung auf vielfältige agrarökologische Systeme

6/16: Eine umfassende Abkehr von der industriellen Landwirtschaft hin zu diversifizierten agrarökologischen Systemen ist notwendig, um gesunde Lebensmittel für alle zu produzieren, ohne die Umwelt zu belasten. Das fordern die Wissenschaftler von IPES-Food (International Panel of Experts on Sustainable Food Systems) im Bericht From uniformity to diversity. Sie geben der industriellen Landwirtschaft Mitschuld an Problemen wie dem schlechten Zustand von Böden, Wasser und Ökosystemen, hohen Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverlust. Einer vielfältigen, ökologischen Landwirtschaft hingegen gelinge es, Ernährungssicherheit, eine ausgewogene Ernährung, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit zu vereinbaren. Hier geht es zu unserer Nachricht über den Bericht.

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaft-lichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Weg, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn konkrete Lösungsvorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten. Lesen Sie mehr dazu in unserem Kommentar in der Le Monde Diplomatique, im Interview mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts, Hans Herren, und in der Sammlung wichtiger Berichte und Zusammenfassungen. 

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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

Bayer und Monsanto wollen die Fusion ...wir wollen Saat für Vielfalt! Misereor-ECard unterzeichnen

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