Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Fast 900 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,4 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,5 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2013 weltweit geerntet, mehr als je zuvor. Doch nur 46% dieser Ernte dienen als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungs-System ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltvergiftung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, dokumentiert alle Original-Berichte, bietet Hintergründe und Detailinformationen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, vor allem aber zum Handeln.

Die neue Broschüre zum Weltagrarbericht ist erschienen!

„Weiter wie bisher ist keine Option“ - Was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleischverbrauch und Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Boden- fruchtbarkeit, Saatgutvielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Wer von uns ist zu viel? "Population Boom" jetzt im Kino

Haben Sie schon einmal gehört, dass es auf der Welt zu viele Menschen gibt? Glauben Sie, dass die Erde die Weltbevölkerung von gegenwärtig 7 und bald schon 9 Milliarden Menschen nicht mehr ernähren kann?
Schwindende Ressourcen, Umweltverschmutzung, Hunger und Klimawandel – eine Folge der Überbevölkerung? Wer behauptet eigentlich, dass die Welt übervölkert ist? Und wer von uns ist zuviel?
Nach dem Kinoerfolg von „Plastic Planet” bereiste der österreichische Filmregisseur Werner Boote unseren Planeten und untersuchte ein jahrzehntelang festgefahrenes Weltbild. In seinem Film "Populatuion Boom" stellt er jetzt die Frage: Wer oder was treibt dieses Katastrophenszenario an?
Seit Anfang April ist Population Boom in deutschen Kinos. Hier gibt es die aktuellen Termine und da den Trailer.

UNCTAD-Bericht: Weniger Agrarindustrie, mehr Kleinbauern fördern

Der Trade and Environment Report 2013 der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD will als Weckruf dienen: Er fordert eine Abkehr von der industriellen Agrarproduktion, Vielfalt statt Mono- kulturen, agrarökologische Methoden statt Mineraldünger und Pestizide - aber vor allem mehr Unterstützung für Kleinbauern. Schnelles Handeln sei geboten angesichts des Klimawandels und dessen Folgen für die landwirtschaftliche Produktion. Steigende Lebensmittelpreise, Dürren und Land Grabbing drohen das Hunger- problem zu verschärfen: Obwohl genug für alle produziert wird, leiden 1 Milliarde Menschen an Unterernährung, die meisten auf dem Land - hier gilt es anzusetzen. Die Transformation der Landwirtschaft ist eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts, so der Bericht.

Land Matrix Reloaded: Datenbank zur globalen Landnahme online

Die überarbeitete Version der Plattform Land Matrix gibt einen Überblick über weltweite Investitionen in Land: 751 abgeschlossene Geschäfte über 32,5 Millionen Hektar Land enthält die Datenbank bisher, dazu kommen beabsichtige oder gescheiterte Verträge. Die USA sind mit 8,2 Millionen Hektar der größte Investor, beliebte Zielländer sind die Demokratische Republik Kongo oder Mosambik. Die meisten Flächen sollen dem Anbau von Lebensmitteln dienen, gefolgt von der Agrartreibstoffproduktion. Mehr Infos im Newsletter

Preise und Prognosen zur Landwirtschaft bis 2022

Die OECD hat den Landwirtschaftsausblick 2013-2022 veröffentlicht, dazu eine interaktive Datenbank, deren Grafiken Entwicklungen bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen abbilden - von schwankenden Getreidepreisen über die boomende Agrartreibstoffproduktion bis hin zu Zahlen zum weltweiten Fleischkonsum für die nächsten 10 Jahre. Die Weizenpreise sollen sich z.B. bei 260-270 US-Dollar pro Tonne einpendeln. Dass Prognosen irren können, zeigt der Ausblick 2009: Die Weizenpreise sollten 2010 auf rund 200$ sinken, sprengten dann jedoch die 300-Dollar-Marke. Der neue  Bericht räumt daher ein: Dürren und knappe Bestände könnten die Preise für Agrarprodukte um 15 bis 40% hochtreiben.

Weltumwelttag 2013: Think.Eat.Save

Dieses Jahr steht der Weltumwelttag, der mit vielen Aktionen am 5. Juni weltweit begangen wird, unter dem Motto „Think.Eat.Save“. Verbraucher sollen zum Nachdenken über ihr Konsumverhalten angeregt werden, denn jährlich werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmitteln verschwendet – so viel wie in ganz Subsahara-Afrika produziert werden. Der Weltumwelttag 2013 will den ökologischen Fußabdruck unserer Ernährungsweise ins Bewusstsein rufen und Alternativen aufzeigen, wie Bioprodukte, für deren Herstellung keine Chemikalien verwendet wurden, oder regionale Produkte.

Afrikas Böden: Bedeutend und bedroht

Der erste Bodenatlas für Afrika betont die Bedeutung von Böden für die Nahrungs-, Futtermittel- und Brennholzversorgung und die Anpassung an den Klimawandel - sowie ihre Gefährdung:
• 500 Millionen Hektar der Landfläche sind von Degradation bedroht
• Afrikas Böden speichern 200 Gigatonnen organischen Kohlenstoff - 2,5 Mal so viel wie die Pflanzen Afrikas enthalten
• 98% des Kalorienverbrauchs in Afrika stammt von lokalen Böden
• organische Substanzen im Boden können 10 Mal ihr Gewicht an Wasser speichern und verringern so das Überschwemmungsrisiko

Fünf Fakten zum Weltwassertag

• 783 Millionen Menschen haben kein sauberes Trinkwasser
• 6 bis 8 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von verschmutztem Wasser
• Weltweit entfällt 70% der globalen Wasserentnahme auf die    Landwirtschaft - bis 2050 wird ihr Verbrauch um 19% steigen
• Um ein Kilogramm Reis zu produzieren, werden 3.500 Liter Wasser benötigt – ein Kilo Rindfleisch verschlingt 15.000 Liter
• Jeder Europäer konsumiert täglich 3 Kubikmeter virtuelles Wasser durch den Import von Nahrungsmitteln

Gleichberechtigung als Schlüssel zur Hungerbekämpfung

Frauen stellen weltweit 30% der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte – der Zugang zu Land, Saatgut, Dünger, Krediten und Geräten bleibt ihnen jedoch häufig versperrt. In einem anlässlich des Weltfrauentags am 8. März veröffentlichten Bericht fordert der Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung die Beseitigung diskriminierender Gesetze und Praktiken. In Ländern, in denen Frauen Landrechte und Kredite verwehrt werden, leben 60-85% mehr unterernährte Kinder. Bessere Bildung für Frauen in Ent- wicklungsländern ist der Schlüssel zur Hungerbekämpfung.

Neue Berichte: Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaftlichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Wege, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn die konkreten Lösungs- vorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar in Le Monde Diplomatique und unsere Sammlung wichtiger aktuellerer Berichte und Zusammenfassungen.

Internationale Fachtagung: Beyond the Crossroads

Logo Zukunft der Ernährung

Im November 2011 fand in Berlin die internationale Fachtagung „Beyond the Crossroads – New Issues, Persistent Problems. Linking food security, sustainability science and sustainability politics“ statt. 200 Wissenschaftler und PraktikerInnen aus 17 Ländern debattierten über bisherige Erfolge, neue Erkenntnisse und zukünftige Schritte des Weltagrarberichts (IAASTD). Als mögliche Strategien zur Verbesserung der konkreten Umsetzung seiner Ergebnisse wurde zum einen diskutiert, das Thema Landwirtschaft stärker auf der Agenda von Rio+20 zu verankern und zum anderen eine international anerkannte Definition von nachhaltiger Landwirtschaft zu entwickeln. Man einigte sich darauf, eine erweiterte Version des Weltagrarberichts (IAASTD II) voranzubringen, die neue Entwicklungen wie Land Grabbing ebenso wie Fragen der politischen Umsetzbarkeit stärker in den Blick nehmen soll.
Hier
finden Sie Hintergrundmaterialien zur Konferenz sowie die Präsentationen der ReferentInnen.

Zeichen der Hoffnung

Projekte, Organisationen, Initiativen mit einem Beitrag zu den Zielen:
Hunger und Armut verringern, ländliche Existenzen verbessern,
eine gerechte, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung fördern.

Ihre Zeichen der Hoffnung
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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

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