Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Bis zu 828 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,9 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,8 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2021 weltweit geerntet, mehr denn je zuvor. Doch nur 42,2% des Getreides dient als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Weltbank und der UN den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, bietet alle Original-Berichte sowie Fakten und Zahlen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen - vor allem aber zum Handeln.

7/22: Auf den 28. Juli fällt dieses Jahr der Erdüberlastungstag – das Datum, an dem die Menschheit die für 2022 nachhaltig nutzbaren Ressourcen verbraucht hat. Für den Rest des Jahres leben wir auf Pump und strapazieren das Ressourcenbudget der Natur wieder über das regenerierbare Maß hinaus. Um unseren Konsum zu decken, wären rein rechnerisch 1,75 Erden notwendig. Nach einer kurzen, pandemiebedingten Verschnaufpause in 2020 fällt das Datum nun auf den frühesten bisher ermittelten Termin. Die internationale Nachhaltigkeitsorganisation Global Footprint Network berechnet den „Earth Overshoot Day“ jährlich neu. Weiterlesen

Kritischer Agrarbericht 2022: „Preis Werte Lebensmittel" im Fokus

1/22: Das AgrarBündnis hat den Kritischen Agrarbericht 2022 veröffentlicht. Es ist bereits die 30. Ausgabe des Jahrbuches. In 48 Beiträgen analysieren 77 Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis sowie aus Verbänden und Politik die agrarpolitischen Geschehnisse des Jahres 2021 und diskutieren Weichenstellungen für die Zukunft. Der diesjährige Schwerpunkt lautet „Preis Werte Lebensmittel“. Die Expert*innen analysieren und bewerten die meist „unsichtbaren“ externen Kosten der Lebensmittelproduktion, die auf Kosten der Natur, der Allgemeinheit oder künftiger Generationen gehen. Die Publikation bietet Informationen und Argumentationshilfen für interessierte Laien und Praktiker, Entscheidungsträger und Multiplikatoren. Erstmalig enthält der Bericht auch jeweils 5 Kernforderungen an die Politik für die zehn Politikfelder, die im Kritischen Agrarbericht jedes Jahr behandelt werden. Hier geht es zur Online-Version.

Pestizidatlas: Daten und Fakten zu Giften in der Landwirtschaft

1/22: Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Pestizid Aktions-Netzwerk haben den Pestizidatlas 2022 veröffentlicht. In 19 Kapiteln liefert er Daten und Fakten über die Zusammenhänge und Folgen des weltweiten Pestizidhandels und -einsatzes in der Landwirtschaft. Die Autor*innen zeigen auf, wie sich Pestizide auf Insekten und Pflanzen auswirken, warum sie auch in Wasser und Luft zu finden sind und wie in Europa bereits verbotene Substanzen zu einem gesundheitlichen Risiko für kleinbäuerliche Produzierende im globalen Süden werden. Der Atlas widmet sich den Konzernen, die den globalen Pestizidmarkt dominieren, und beleuchtet, warum die Digitalisierung der Landwirtschaft nicht unbedingt zu weniger Pestiziden führen würde. Er legt dar, welche Politik es dringend bräuchte, um den Einsatz von Pestiziden deutlich zu reduzieren, und liefert Beispiele von Regionen und Projekten, die damit bereits erfolgreich sind. Zum Pestizidatlas und unserer Nachricht dazu.

UN Photo/Eskinder Debebe

28.09.21: Der UN Food Systems Summit ist vorbei – und er ist gescheitert: Zwei Jahre Energie und Ressourcen wurden in die falschen Bahnen gelenkt. Der Ernährungsgipfel hat weder das Recht auf Nahrung aller Menschen ins Zentrum gestellt noch gezielt die von Hunger und Armut betroffenen Gruppen angehört. Hier geht es zu einer ersten Stellungnahme der Mitglieder des Arbeitskreises Landwirtschaft und Ernährung (AGLE) des Forums Umwelt und Entwicklung (FUE) zum Welternährungsgipfel des UN-Generalsekretärs.

UN Food Systems Summit 2021: Kampf der Ernährungssysteme

21.09.21: Der am 23. September in New York und an den Bildschirmen der Welt stattfindende Food Systems Summit der UNO könnte ein Meilenstein sein: Der Kampf gegen den wachsenden Hunger in der Welt wird verbunden mit Über- und Fehlernährung, Klimawandel, Artensterben, globaler Ungerechtigkeit und Frauenrechten.
Doch leider ist das Gegenteil der Fall – es ist Gefahr im Verzuge! Warum rufen Umwelt-, Entwicklungs- und Bäuer*innen-Organisationen, engagierte Wissenschaftler*innen und hunderte NGOs zum Boykott auf? Lesen Sie mehr im Blogartikel von Benny Haerlin.

Neues Buch „Transformation of our food systems”

In den letzten 10 Jahren hat sich ein neues Narrativ bezüglich unserer Ernährungssysteme fest etabliert, das sich deutlich von dem immer noch vorherrschenden, chemiebasierten Narrativ der Nachkriegszeit unterscheidet. Es kam zu einem echten Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft und Ernährung. Inspiriert wurde er maßgeblich vom Weltagrarbericht IAASTD.
Das Buch „Transformation of our food systems – the making of a paradigm shift” zieht Bilanz, was durch diesen Weltagrarbericht und seit seiner Veröffentlichung erreicht worden ist. Es enthält eine Sammlung von Essays, die viel beachtete internationale wissenschaftliche und politische Berichten zusammenfassen, die seither erschienen sind. Zusammen mit aktuellen Beiträgen ehemaliger IAASTD-Autor*innen zeigen sie auf, was bis heute erreicht wurde – und was noch zu tun bleibt.

„Weiter wie bisher ist keine Option”, lautete die Botschaft des 2009 veröffentlichten Weltagrarberichts. Seither hat sich die globale Debatte über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung weiterentwickelt, doch die Erkenntnisse des Berichts besitzen immer noch Relevanz. Die englischsprachige Broschüre „Agriculture at a Crossroads” fasst die Kernaussagen des Weltagrarberichts auf 52 Seiten zusammen und verknüpft diese mit aktuellen Herausforderungen und Zielen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Fünf Jahre SDGs: Ziele für eine Welt ohne Armut und Hunger

9/20: Im September 2015 beschlossen die Vereinten Nationen eine neue Entwicklungsagenda für die Zeit bis 2030: Mit 17 Nachhaltigkeitszielen sollen u.a. Armut und Hunger bekämpft sowie Umwelt und Klima geschützt werden. Die Sustainable Development Goals (SDGs) mit ihren 169 Unterzielen lösten die auslaufenden Millenniums-Entwicklungsziele ab und gelten für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen. Ziel 2 widmet sich der Beseitigung des Hungers und der Förderung von Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bis 2030 sollen alle Menschen das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung erhalten, alle Formen der Mangelernährung beseitigt sein und die Produktivität und das Einkommen von Kleinbauern verdoppelt werden.

UN verabschiedet Erklärung für die Rechte von Kleinbauern

12/18: Die UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, wurde am 17.12. vom Plenum der UN-Vollversammlung in New York offiziell verabschiedet. Eine deutliche Mehrheit von 121 Staaten stimmte für die Resolution Nr. A/C.3/73/L30, bei acht Gegenstimmen und 54 Enthaltungen. Deutschland enthielt sich der Stimme. Die UN-Erklärung stärkt die Rechte ländlicher Bevölkerungsgruppen und hält individuelle und kollektive Rechte von Kleinbauern fest, darunter das Recht auf Land, Saatgut und Wasser. Weiterlesen

10 Jahre Weltagrarbericht: Weiter wie bisher ist keine Option!

4/18: Vor zehn Jahren am 15. April 2008 war es soweit – der Weltagrarrat verkündete das Ergebnis seiner vier Jahre andauernden Arbeit: Die Art und Weise, wie die Welt Lebensmittel anbaut, muss sich radikal ändern, damit Armut und Hunger besiegt werden können – nur so kann es gelingen, eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels zu ernähren und den sozialen und ökologischen Kollaps zu vermeiden. Das war die Kernbotschaft des International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD), besser bekannt als Weltagrarbericht. Hier geht es zur Zusammenfassung der wichtigsten Themen des Berichts.

Neuauflage der Broschüre zum Weltagrarbericht

„Weiter wie bisher ist keine Option“ – was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleisch und Futtermittel, Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut- vielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von erfolgreichen Ansätzen und Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaft-lichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Weg, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn konkrete Lösungsvorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten. Lesen Sie mehr dazu in unserem Kommentar in der Le Monde Diplomatique, im Interview mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts, Hans Herren, und in der Sammlung wichtiger Berichte und Zusammenfassungen. 

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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

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