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30.08.2019 |

Lokale Lebensmittelproduktion kann Städte klimafreundlich ernähren

Äpfel
Neuseeland oder Deutschland? (Foto: CC0)

Eine lokale Lebensmittelproduktion birgt enormes Potenzial, die Städte heute und künftig klimafreundlicher zu ernähren. Das zeigt eine Studie von Stadtforschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die Ende August im Fachjournal „Environmental Research Letters“ erschienen ist. Äpfel aus Neuseeland oder Avocados aus Kalifornien und Peru – viele Lebensmittel im Supermarktregal wurden um die halbe Welt transportiert. Aber auch innerhalb eines Landes legen Lebensmittel oft große Distanzen zurück, bevor sie die Menschen in den Städten erreichen. Der Transport per LKW, Flugzeug, Bahn und Schiff verursacht eine gigantische Menge von CO2-Emissionen – Studien zufolge etwa 1,5 bis 2 Gigatonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. „Bereits heute sind diese Transporte für einen großen CO2-Fußabdruck verantwortlich, und es ist klar, dass eine wachsende Weltbevölkerung nicht nur wachsende städtische Infrastrukturen, sondern auch wachsenden Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen bedeutet“, sagt Prajal Pradhan, Ko-Autor der Studie. Eine optimierte lokale Produktion von Lebensmitteln könnte die transportbedingten Emissionen um den Faktor zehn reduzieren und insgesamt etwa 4% der gesamten globalen CO2 -Emissionen einsparen.

Die Forscher untersuchten mehr als 4.000 Städte mit über 100.000 Einwohnern. Dabei betrachteten sie die einzelnen Städte nicht als separate Verwaltungseinheiten, sondern auch als verbundene Ballungsräume, wie etwa eng beieinander liegende Städten in einer Region. Die Gesamtbevölkerung aller berücksichtigten Städte belief sich auf 2,5 Milliarden Menschen – rund 70% der städtischen Bevölkerung im Jahr 2010. Mit einem Urbanisierungsmodell analysierten die Wissenschaftler das Ernährungspotenzial der lokalen Landwirtschaft auf den umliegenden Flächen und untersuchten, wie eine lokalere Produktion den ökologischen Fußabdruck der Stadtgebiete reduzieren könnte. „Natürlich kann man nicht einfach einen Schalter umlegen und die Ernährung unserer Städte von heute auf morgen auf lokale Landwirtschaft umstellen“, erklärt Autor Steffen Kriewald. „Die regionale Landwirtschaft kann nicht den gesamten Speiseplan einer globalisierten Landwirtschaft produzieren – der Ernährungsbedarf könnte jedoch in vielen Regionen der Welt gedeckt werden.“

Die Studie zeigt, dass im Schnitt etwa 35% der Stadtbewohner weltweit durch lokale Landwirtschaft ernährt werden könnten. Die Situation gestaltet sich jedoch von Region zu Region unterschiedlich. Südasien hat das größte Potenzial, die Städter mit lokaler Landwirtschaft zu versorgen – 82% der Stadtbevölkerung könnte mit regionalen Lebensmitteln ernährt werden. In Ostafrika wären es 79%. In Südafrika hingegen könnte nur 43% der Stadtbevölkerung mit lokalen Lebensmitteln versorgt werden. Die Forscher identifizieren jedoch auch drei entscheidende Einflussfaktoren, die sich auf die künftige städtische Nachfrage nach Lebensmitteln und das Potenzial einer lokalen Lebensmittelversorgung auswirken können. Den stärksten Einfluss hat das Wachstum der Städte. „Wenn alle landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe von Ballungszentren durch Flächenumwandlung verloren gehen, müssen noch mehr Lebensmittel aus abgelegenen landwirtschaftlichen Gebieten in diese Städte transportiert werden“, schreiben die Autoren. Aber auch Lebensstile und Ernährungstrends, wie etwa ein weiter steigender Fleischkonsum, wirken sich aus. Dritter Faktor ist der Klimawandel und seine Folgen, wodurch die landwirtschaftliche Produktion erheblich beeinflusst wird.

Die Forscher prognostizieren, dass in Südasien das Stadtwachstum dafür sorgen könnte, dass das lokale Ernährungspotenzial im Jahr 2050 um etwa 30% sinkt. In Nordafrika drohen vor allem der Klimawandel und das urbane Wachstum, das lokale Ernährungspotenzial bis 2050 um etwa 30% zu verringern. Lebensstiländerungen und Ernährungsweisen spielen vor allem in Entwicklungsregionen eine große Rolle, während sich die Lage in Nordamerika oder Westeuropa dadurch im Wesentlichen kaum verändern wird. Das Fazit der Autoren lautet, dass eine lokale Lebensmittelproduktion mehrere Vorteile bringt: „Die lokale Produktion von Nahrungsmitteln, insbesondere für Städte, ist in der Tat eine Art Anpassung, da sie die lokale Ernährungssicherheit gewährleistet, lokale Nährstoffkreisläufe schließen und die Abhängigkeit vom Weltmarkt verringern kann. Eine weitere Optimierung in Bezug auf Ertrag und Landmanagement kann in diesem Zusammenhang zusätzliche positive Effekte bringen“, schreiben die Wissenschaftler. Ein weiteres unkontrolliertes Stadtwachstum, Ernährungs- und Klimawandel könnten diese positiven Effekte hingegen umkehren. (ab)

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