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16.11.2018 |

Zivilgesellschaft präsentiert Maßnahmenkatalog zum Klimaschutz

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Geringere Tierbestände, Klasse statt Masse (Foto: CC0)

Deutschland muss in allen Sektoren schnell und entschlossen gegensteuern, um zumindest seine Klimaziele für 2030 noch zu erreichen. Mehr als 60 Organisationen der Zivilgesellschaft haben nun einen umfassenden Maßnahmenkatalog zum Klimaschutz vorgelegt, der am Donnerstag in Berlin präsentiert wurde. Kernforderungen der Klima-Allianz sind ein baldiger Kohleausstieg, die schnelle Umsetzung der Verkehrs- und Agrarwende sowie ein ambitionierter CO2-Preis. Dass dies dringend notwendig ist, zeigt der in Kürze erscheinende Klimaschutzbericht 2018, in dem die Bundesregierung eine Lücke von acht Prozentpunkten zum Erreichen des Klimaziels für 2020 eingestehen muss. „Deutschland wird das Klimaziel 2020 drastisch verfehlen. Für das 2030-Ziel ist das keine Option“, erklärte Antje von Broock vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. „Der Klimawandel wartet nicht auf politische Entscheidungen. Bis Mitte des Jahrhunderts müssen wir weitgehende Treibhausgasneutralität erreichen. Die Bundesregierung ist dringend gefragt, ihrerseits geeignete Maßnahmen vorzulegen und sofort mit der Umsetzung zu beginnen“, fordert sie.

Das zivilgesellschaftliche Bündnis beleuchtet im „Maßnahmenprogramm Klimaschutz 2030“ unter anderem die Handlungsfelder Energie, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft aus dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung. Der Agrarsektor trägt erheblich zum Klimaproblem bei: 2016 verursachte die Landwirtschaft fast 60% der Methan- und 80% der Lachgasemissionen – in absoluten Zahlen stieß der Sektor 72 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus. Laut Klimaschutzplan 2050 sollen diese Emissionen bis 2030 um 31 bis 34% im Vergleich zu 1990 auf 58 bis 61 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sinken. „Damit fällt das mittelfristige Reduktionsziel für den Sektor Landwirtschaft weniger ambitioniert aus als in allen anderen Sektoren“, kritisieren die Autoren. Ein Großteil der Emissionen stammt aus der Tierproduktion. Die Herausforderung liege daher in einer deutlichen Verringerung der Tierbestände, so die Organisationen. Vor allem an den Hotspots mit hohen Bestandsdichten müsse angesetzt werden. „Um einen Umbau der Nutztierhaltung einzuleiten, muss die Bundesregierung verbindliche Schritte im Rahmen der nationalen Nutztierstrategie festlegen“, heißt es. Zudem müssten die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass Tierhaltungsanlagen ohne entsprechende Flächen keine Genehmigung erhalten und eine flächengebundene Tierhaltung von maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar verbindlich sei.

Doch laut Gerald Wehde von Bioland werde eine Reduzierung der Tierbestände nur gelingen, wenn sowohl der Konsum in Deutschland als auch der Export tierischer Lebensmittel erheblich gesenkt werden. Die Verantwortung liege hier nicht allein bei den Verbrauchern. Gefragt sei vielmehr eine staatliche Hilfestellung in Form von Anreizen, die es den Menschen erleichtern, weniger Fleisch zu essen und weniger Lebensmittel wegzuwerfen. „Als Richtschnur können die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung herangezogen werden. Die DGE empfiehlt unter anderem weniger Fleischkonsum, aus dem sich – würden sich alle an eine solche Reduzierung halten – eine Treibhausgasreduktion von etwa 22,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr ergäbe“, so die Autoren. Um die Verschwendung von Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich zu reduzieren, brauche es eine nationale Strategie gegen die Verschwendung unter Einbindung der Wirtschaft. Auf Basis gesetzlicher Regelungen und Branchenverpflichtungen sollte bis 2030 eine Reduzierung der Wegwerfverluste um 60% erreicht werden.

Der Ökolandbau weist Wege aus vielen mit der traditionellen Landwirtschaft verbundenen Problemen, betont das Papier. Er diene sowohl dem Schutz des Klimas, als auch der Biodiversität, des Bodens und des Wassers sowie nicht zuletzt den Landwirten und Kunden. „Dem Motto ‚Klasse statt Masse‘ folgend muss der ökologische Landbau als klimafreundliches Anbausystem konsequent ausgebaut werden. Wir brauchen weniger Stickstoffeinsatz, mehr Dauergrünland und eine an die Fläche angepasste Zahl von Tieren sowie vielfältige Fruchtfolgen auf dem Acker“, fordert Wehde. Ende 2017 betrug der Flächenanteil jedoch erst 8%. Der Ökolandbau müsse ausgebaut und das Ziel, einen Flächenanteil von 20% zu erreichen, klar an die Zeitvorgabe 2030 geknüpft werden, betont die Klima-Allianz. Dafür brauche es die konsequente Umsetzung der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau mit einer Aufstockung des Budgets. Ab 2019 sollten das Budget des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) auf 60 Millionen Euro aufgestockt und am Bedarf des Ökolandbaus ausgerichtet werden. Die Allianz fordert auch einen schnellen Ausbau des Anteils der öffentlichen Agrarforschungsmittel für den Ökolandbau. Wehde betont zudem die Notwendigkeit, alle Hebel auf EU-Ebene in Bewegung zu setzen. „Eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2020 muss Umweltleistungen, eine artgerechte Tierhaltung und den Erhalt vielfältiger bäuerlicher Strukturen in den Fokus der Mittelverwendung stellen. Dies bedingt eine langfristig sichere Finanzierung der Umstellungs- und Beibehaltungsprämien für ökologischen Landbau durch die EU, den Bund und die Bundesländer“, heißt es im Maßnahmenkatalog. (ab)

14.11.2018 |

Klimaschutz: Deutschland hinkt Zielen hinterher, auch in der Landwirtschaft

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Seit Jahren stagnieren die Emissionen der Landwirtschaft statt zu sinken (Foto: CC0)

Deutschland hinkt beim Klimaschutz weiter hinterher und wir seine Klimaziele 2020 klar verfehlen, wie aus einem durchgesickerten Entwurf des Klimaschutzberichts 2018 hervorgeht. Statt bis 2020 wie geplant 40% weniger Treibhausgase als noch 1990 auszustoßen, wird wohl nur eine Minderung von 32% gelingen. Die Emissionen im Verkehrssektor werden steigen, in der Landwirtschaft bleibt es bei einer Stagnation. Das stand auch schon im Bericht für 2017, doch die Lücke wird nicht kleiner. Um das 40%-Ziel zu erreichen, müssten die deutschen Emissionen im Vergleich zu 1990 um etwa 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf 750 Millionen Tonnen sinken. Doch nach ersten Schätzungen des Umweltbundesamtes wurden 2017 insgesamt noch rund 905 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt und damit nur 4 Millionen Tonnen weniger als 2016. „Dass die berüchtigte ‚Handlungslücke‘ beim Erreichen des deutschen Klimaschutzziel 2020 weiterhin ziemlich genauso groß bleibt wie im letzten Jahr, ist ein klimapolitisches Komplettversagen“, kritisierte Lisa Badum, Sprecherin für Klimapolitik der Grünen Bundestagfraktion. „Gäbe es für die Klimapolitik Noten, dann wäre das eine rote Note 6 im Zeugnis der Bundesregierung.“

Das 2014 aufgelegte „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ sollte einen Beitrag in Höhe von 62 bis 78 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zur Erreichung des 40%-Ziels erbringen. Zwar sei dadurch ein Beitrag zur Schließung der Lücke zu erwarten, heißt es nun im Entwurf, der bald vom Bundeskabinett beschlossen werden soll. „Allerdings zeigt die aktuelle Schätzung erneut, dass die insgesamt erwartete Minderungswirkung der Einzelmaßnahmen mit 41 bis 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten für das Jahr 2020 weder die ehedem erwartete noch die aktuell zu vergegenwärtigende Lücke wird schließen können – auch wenn der Emissionshandel infolge deutlich höherer Zertifikatspreise [mit] 2,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einen höheren Minderungsbeitrag als noch vor einem halben Jahr erwarten lässt.“ Für den Sektor Energie wird mit einem Rückgang der Emissionen um 15 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bzw. 4% gerechnet. Die Emissionen in den Sektoren Verkehr und Industrie hingegen steigen 2017 mit jeweils 5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente an. In den drei Sektoren Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie private Haushalte stagnieren die Emissionen bei jeweils 72, 39 und 91 Millionen Tonnen.

Vom Jahr 1990 bis zum Jahr 2016 sind die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft von 90 auf 72 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und somit um rund 20% zurückgegangen. Ihr Anteil an den Gesamtemissionen liegt damit nahezu unverändert bei gut 7%. „Die bisherigen Minderungen in der Landwirtschaft resultieren in erster Linie aus dem Rückgang der Tierhaltung in Ostdeutschland nach 1990, den Umweltanforderungen der gemeinsamen EU-Agrarpolitik, einem verbesserten Düngemanagement und einer stärkeren Kopplung von Viehdichten an die Fläche“, ist im Entwurf zu lesen. Zusätzliche Minderungsoptionen bestünden in der Erhöhung der Effizienz beim Stickstoffdüngereinsatz und in der Ausweitung des Ökolandbaus, wie es das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 vorsieht. Doch auch dann rechnet der Bericht lediglich mit einer Senkung der Emissionen in der Landwirtschaft auf 69 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bis 2020.

In puncto Überdüngung steht in dem Papier: „Mit dem 2017 novellierten Düngerecht soll die bedarfsgerechte Düngung und der ressourcenschonende Einsatz von Stickstoff weiter gestärkt werden. Doch das Erreichen des Ziels der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, die landwirtschaftlichen Stickstoffüberschüsse in der Gesamtbilanz bis 2030 auf 70 kg pro Hektar und Jahr zu reduzieren, liegt noch in weiter Ferne. Vorläufige Daten des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass der Stickstoffüberschuss in der Gesamtbilanz Deutschlands 2016 noch rund 102 kg pro Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug. Besser fällt die Bilanz auch bei der Ausweitung der Flächen für den Ökolandbau nicht aus. Nach der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung soll der Flächenanteil des ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Zukunft 20% betragen. Doch davon ist Deutschland noch meilenweit entfernt, auch wenn die Fläche von 2016 auf 2017 um 10% zulegte. Laut Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wurde 2017 in Deutschland aber erst 8,2 % der gesamten Landwirtschaftsfläche ökologisch bewirtschaftet. (ab)

09.11.2018 |

FAO: Globale Fleischproduktion erreicht 2018 neuen Rekordwert

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Die Fleischproduktion steigt (Foto: CC0)

Die weltweite Fleischproduktion wird dieses Jahr einen neuen Rekord erreichen. Die Welternährungsorganisation FAO prognostiziert in ihrem am Dienstag veröffentlichten „Food Outlook“ für 2018 einen Anstieg auf 335 Millionen Tonnen Schlachtgewicht. Das stellt ein Plus von 1,5% gegenüber dem Vorjahr dar und ist der höchste Zuwachs seit 2014. Dies sei vor allem auf eine Erholung des Fleischsektors in China und eine erhöhte Produktion in den Vereinigten Staaten und der EU zurückzuführen, heißt es in der Marktanalyse. Vor allem in Europa und Australien hätte das trockene und warme Wetter die Kosten für Futtermittel in die Höhe schnellen lassen und dadurch zu einem Anstieg der Schlachtzahlen geführt, schreiben die Experten. Auch die Fleischexporte sollen den Prognosen zufolge 2018 mit 33,6 Millionen Tonnen einen neuen Rekordwert erreichen. Gegenüber dem Vorjahr wäre dies ein Plus von 2,7%, das vor allem Exportzuwächsen in den USA, Australien, Argentinien, Thailand und in der EU geschuldet ist. Steigende Importzahlen registriert die FAO für China, Japan, Mexiko und Südkorea.

In den vergangenen Jahrzehnten legte die globale Fleischproduktion stark zu: Seit 1965 hat sie sich von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Auch der Pro-Kopf-Konsum kletterte von 25,24 Kilogramm im Jahr 1965 um gut 73% auf geschätzte 43,7 Kilo in 2018. In Deutschland hingegen ist der Fleischkonsum weiterhin leicht rückläufig. Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) vermeldet in seinem im Oktober erschienen Jahrbuch, dass der Fleischverbrauch 2017 in der Bundesrepublik statistisch 87,7 Kilogramm pro Kopf betrug. Die tatsächlich konsumierte Fleischmenge, nach Abzug von Knochen, Sehnen, Tiernahrung und Verlusten, lag bei 59,7 Kilogramm Fleisch pro Kopf – ein leichter Rückgang im Vergleich zu 60,5 Kilo in 2016 und gut 2,6 Kilogramm weniger als noch 2010. 4,88 Millionen Tonnen Fleisch wurden 2017 exportiert und 3,6 Millionen Tonnen importiert. Im Schnitt wurde 17% mehr Fleisch produziert als in Deutschland verbraucht. Bei Schweinefleisch liegt der Selbstversorgungsgrad sogar immer noch bei 120%. Laut Statistischem Bundesamt ging die Fleischerzeugung in Deutschland 2017 jedoch zurück auf 8,11 Millionen Tonnen Fleisch – ein Minus von 2% im Vergleich zum Rekordwert 2016 mit 8,28 Millionen Tonnen. (ab)

07.11.2018 |

Patent auf konventionell gezüchteten „geköpften Brokkoli“ widerrufen

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Endlich frei: der geköpfte Brokkoli (Foto: CC0)

Das Europäische Patentamt (EPA) hat das umstrittene Patent auf den „geköpften Brokkoli“ aus herkömmlicher Züchtung widerrufen. Das teilte heute das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ mit, dessen Einspruch gegen das Patent nun von Erfolg gekrönt wurde. Das Patent war dem inzwischen von Bayer aufgekauften US-Konzern Monsanto 2013 erteilt worden und erstreckte sich auf einen aufgrund seines höheren Wuchses leichter erntbaren Brokkoli – und zwar das Saatgut, den geernteten (‚geköpften‘) Brokkoli sowie „Brokkolipflanzen, die in einem Brokkolifeld gezogen werden“. Das Bündnis, dem Organisationen von A wie Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bis Z wie Zukunftsstiftung Landwirtschaft angehören, demonstrierte daraufhin 2014 unter dem Motto „Freiheit für den Brokkoli!“ vor dem EPA in München und legte Widerspruch ein. Denn die Erteilung von Patenten auf konventionell, also ohne Gentechnik, gezüchtete Pflanzen verstößt gegen das EU-Patentrecht, das Patente auf Pflanzen und Tiere, „die aus im Wesentlichen biologischen Verfahren“ gewonnen wurden, untersagt. Das sah das EPA jedoch anders: 2015 entschied seine Große Beschwerdekammer zunächst in einer Grundsatzentscheidung zum „Brokkoli-Patent“, dass Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere zulässig sind, auch wenn die Züchtungsverfahren als solche nicht patentierbar sind.

Das Patentamt erteilte daher munter weiter Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Auf Druck der EU und Zivilgesellschaft beschloss das EPA 2017 jedoch neue Regeln für die Auslegung, wonach keine Patente auf Pflanzen und Tiere mehr erteilt werden dürfen, wenn diese aus üblichen Züchtungsverfahren wie Kreuzung und Selektion hervorgehen. Der jetzige Widerruf stützt sich darauf und schlussfolgert, dass „im vorliegenden Fall die beanspruchten Brokkoli-Pflanzen nur durch ein im Wesentlichen biologischen Verfahren, das Kreuzung und Selektion umfasst, erhalten werden können“. Es ist der erste derartige Widerruf. „Das ist ein wichtiger Erfolg für das breite gesellschaftliche Bündnis gegen Patente auf Pflanzen und Tiere. Ohne unseren Einsatz wären die Regeln am EPA nicht verändert worden und das Patent wäre immer noch gültig“, erklärte Ruth Tippe von „Kein Patent auf Leben!“. „Die großen Konzerne wie Bayer, Syngenta und BASF sind mit ihrer Strategie gescheitert, die herkömmliche Züchtung von Pflanzen und Tieren über das Patentrecht zu monopolisieren“.

Allerdings gebe es noch immer große Schlupflöcher im Patentrecht, warnt das Bündnis. Denn nach der Neuregelung sind Pflanzen und Tiere patentierbar, bei denen genetische Veranlagungen und zufällige Mutationen identifiziert werden, die für die Züchtung wichtig sind. Das zeigen die Patente auf Gerste und Bier für die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken. Die 2016 vom EPA gewährten Patente umfassen Gerstenpflanzen aus konventioneller Züchtung, ihre Verwendung im Brauverfahren sowie das daraus gebraute Bier. Die Patente basieren auf zufälligen Mutationen im Genom der Gerste. Getreidekörner wurden mit Chemikalien in Kontakt gebracht, um eine größere Bandbreite an genetischen Variationen hervorzurufen. Dann wurden daraus spezifische Mutationen, deren Nutzen bereits bekannt war, durch Standardverfahren selektiert. Erst im Oktober 2018 hatte das EPA Einsprüche gegen die Patente zurückgewiesen und diese lediglich eingeschränkt. „Wir sehen den Beginn einer Entwicklung, die eine freie Pflanzenzucht in naher Zukunft unmöglich machen kann. Derartige patentierte Mutationen könnten in jeder Nutzpflanze versteckt sein“, warnte Johanna Eckhardt vom Bündnis. „Hier muss die Politik jetzt erneut aktiv werden“, fordert auch Tippe. (ab)

02.11.2018 |

WWF: Wirbeltierbestände schrumpften seit 1970 um 60%

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Tiere und Habitate schwinden (Foto: CC0)

Der Ressourcenhunger der Menschheit übersteigt die Regenerationsfähigkeit des Planeten und lässt die natürlichen Reserven und die biologische Vielfalt in besorgniserregendem Maße schwinden. In den letzten rund 40 Jahren schrumpften die Wirbeltierbestände um 60%. Das zeigt der Ende Oktober veröffentlichte „Living Planet Report 2018“, den die Naturschutzorganisation WWF gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London erstellte und an dem 59 Autoren von insgesamt 26 Institutionen mitwirkten. „Die schrumpfenden Wildtierzahlen und natürlichen Habitate sind ein Indikator für die enormen Auswirkungen und den Druck, den wir auf den Planeten ausüben, wodurch das lebendige Gefüge beschädigt wird, das uns versorgt: die Natur und die Biodiversität“, erklärte Marco Lambertini, Generaldirektor von WWF International. In den letzten Jahrzehnten haben menschliche Aktivitäten die Lebensräume und die natürlichen Ressourcen, auf die Wildtiere und die Menschheit angewiesen sind, wie Ozeane, Wälder, Korallenriffe, Feuchtgebiete und Mangroven, stark beeinträchtigt. 20% des Amazonasgebiets ist in nur 50 Jahren verschwunden, während die Erde in den letzten 30 Jahren ungefähr die Hälfte der Korallen einbüßte.

Als Messlatte für den Zustand der biologischen Vielfalt dient der „Living Planet Index“ (LPI), der auf Daten zu 16.704 untersuchten Populationen von 4005 Wirbeltierarten weltweit basiert. Er belegt, dass das Artensterben an Fahrt aufnimmt: Zwischen 1970 bis 2014 schwanden im Schnitt 60% der Bestände an Fischen, Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien, während der Rückgang im Zeitraum 1970 bis 1995 „nur“ 30% betrug. Besonders stark betroffen waren Süßwasser-Arten, deren Bestände seit 1970 um 83% schrumpften. Das Artensterben ist vor allem ausgeprägt in Süd- und Zentralamerika. Dort sanken die Wirbeltierbestände um 89% gegenüber 1970. „Deutschland hat am erschütternden Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit maßgeblich Anteil. Für unseren Lebensstil fallen in Südamerika, Afrika oder Asien Bäume, verschmutzen Flüsse, schwinden Tierbestände oder sterben Arten ganz aus“, prangert Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland an.

Als Hauptursachen für das Artensterben werden die Übernutzung von Arten – direkt durch Wilderei oder indirekt z.B. durch Beifang in der Fischerei – und eine nicht nachhaltige Landwirtschaft angeführt. „Von allen Pflanzen, Amphibien, Reptilien, Fischen, Vögeln und Säugetieren, die seit 1500 n.Chr. ausgestorben sind, nahmen 75% durch Übernutzung, landwirtschaftlichen Aktivitäten oder beides Schaden“, heißt es im Bericht. Invasive Arten und Krankheiten, deren Ausbreitung durch Handel und Transport gefördert werden, stellen eine weitere Gefahr dar. Auch Umweltverschmutzung bedroht Arten, wenn deren Lebensräume davon betroffen sind (z. B. bei einer Ölpest). Doch auch der Klimawandel spielt eine wachsende Rolle und wirkt sich bereits auf Ökosysteme und Arten aus.

Der Bericht befasst sich auch mit dem Wert der Natur für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen sowie für Gesellschaften und Volkswirtschaften. Weltweit stellt die Natur Dienstleistungen für die Menschheit im Wert von rund 125 Billionen US-Dollar pro Jahr bereit und versorgt uns mit frischer Luft, sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, Energie, Medikamenten und anderen Produkten und Materialien. Von Rohstoffen, Wasser, Lebensmitteln, Arzneimitteln und Energie bis hin zu Bestäubung, Bodenbildung sowie Schutz vor Fluten, Stürmen und Erosion – die natürlichen Systeme der Erde sind überlebenswichtig für uns alle, betont der WWF. „Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen“, mahnt Krüger. Allein Bestäuber sind für die Erzeugung von Lebensmitteln im Wert von 235 bis 577 Milliarden US-Dollar pro Jahr verantwortlich. Doch ein sich veränderndes Klima, intensive landwirtschaftliche Praktiken, invasive Arten und aufkommende Krankheiten haben sich auf ihr Vorkommen, ihre Vielfalt und Gesundheit ausgewirkt. „Die Natur hat unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften jahrhundertelang still und leise unterstützt – und tut es auch heute noch. Im Gegenzug haben wir die Natur und ihre Dienstleistungen als selbstverständlich erachtet und nichts gegen den rasant zunehmenden Verlust der Natur unternommen“, beklagt Lambertini.

„Wir müssen schleunigst umdenken, wie wir die Natur nutzen und wertschätzen – kulturell, wirtschaftlich und auf unserer politischen Agenda“, fügte er hinzu. „Viel Zeit bleibt nicht für die Trendwende, aber sie ist machbar“, sagt auch Krüger. „Dazu müssen wir national und international mutiger und konsequenter handeln.“ Der WWF nennt ein klares Zeitfenster für die Trendwende: „Die Weltgemeinschaft hat mit 2020 ein Schlüsseljahr für die Zukunft der Erde vor sich. Dann steht das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDG) ebenso auf dem Prüfstand wie das Klimaabkommen von Paris und das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD). Würden alle vereinbarten Ziele bis 2030 wirklich erreicht, könnte der Richtungswechsel gelingen“, heißt es in der Pressemitteilung des WWF. (ab)

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