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07.03.2024 |

Neue DGE-Empfehlungen: Weniger Fleisch, mehr Hülsenfrüchte

Linsen
Die DGE rät zu mehr Hülsenfrüchten auf den Tellern (Foto: Pixabay)

Auf unseren Tellern und in unseren Mägen sollten weniger tierische Produkte landen und dafür mehr Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte – das ist nicht nur der menschlichen Gesundheit zuträglich, sondern schützt auch das Klima. Mindestens drei Viertel unserer Ernährung sollte aus pflanzlichen Lebensmitteln bestehen. Das geht aus den überarbeiteten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hervor, die am 5. März veröffentlicht wurden und damit pünktlich zum Tag der gesunden Ernährung, der alljährlich am 7. März begangen wird. Die Empfehlungen gelten für gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren, die sich mit einer Mischkost ernähren. „Wenn wir uns gesund ernähren und gleichzeitig die Umwelt schonen wollen, müssen wir unsere Ernährung jetzt ändern“, sagte DGE-Präsident Prof. Dr. Bernhard Watzl. „Wer sich überwiegend von Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Ölen ernährt, schützt nicht nur seine Gesundheit. Eine pflanzenbetonte Ernährung schont auch die Umwelt.“

Die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“ sind das Resultat eines mehrjährigen Überarbeitungsprozesses unter Federführung der Arbeitsgruppe „Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen“. Sie basieren auf einem mit Unterstützung von Expert*innen unterschiedlicher Fachrichtungen erarbeiteten mathematischen Optimierungsmodell, das nun nicht mehr nur die Nährstoffversorgung in den Blick nimmt, sondern auch die Verringerung von ernährungsmitbedingten Krankheiten sowie die Reduzierung von schädlichen Umwelt- und Klimaeffekten, vor allem Treibhausgasemissionen und Landnutzung. Zu pflanzlichen Lebensmitteln wird nun noch stärker als bisher geraten: Maximal ein Viertel der Ernährung sollte sich noch aus tierischen Produkten speisen. Die überarbeiteten Empfehlungen berücksichtigen nun z. B. täglich zwei Portionen Milch und Milchprodukte – eine Portion weniger als bisher. Bei Fisch bleibt es bei 1-2 Portionen (180 Gramm) wöchentlich. Standen bisher noch 300-600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche auf dem Speiseplan, empfiehlt die DGE nun klar, nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst zu essen. „Aber auch mit der Zufuhr von weniger als 300 g Fleisch pro Woche können die Nährstoffziele erreicht werden“, betonen die Expert*innen. Sie geben zudem den Hinweis, dass zu viel Fleisch von Rind, Schwein, Lamm und Ziege und insbesondere daraus hergestellte Wurst das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Dickdarmkrebs erhöht.

Obst und Gemüse stellen auch weiterhin die mengenmäßig wichtigste Gruppe dar. 5 Portionen Obst und Gemüse sollten wir täglich verzehren – am besten in ihrer jeweiligen Erntesaison. „Obst und Gemüse liefern reichlich Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind gut für die Gesundheit und tragen zur Sättigung bei.“ Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen sowie Nüsse – die bisher Teil der Gruppe „Obst & Gemüse“ waren, werden mit einer eigenen Empfehlung gestärkt. Hülsenfrüchte sind reich an Eiweiß, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen und mindestens 1 Portion (125 Gramm) pro Woche sollte auf den Teller. Nüsse liefern zusätzlich lebensnotwendige Fettsäuren und sind gut für die Herzgesundheit, weshalb die DGE am Tag zu einer kleinen Handvoll rät. Zudem sind pflanzliche Öle zu bevorzugen, wie etwa Rapsöl und daraus hergestellte Margarine. Empfehlenswert seien außerdem Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl, Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist den Expert*innen zufolge die Vollkornvariante die bessere Variante für die Gesundheit. Vollkornlebensmittel sättigen länger und enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als Weißmehlprodukte und gerade die Ballaststoffe im Vollkorn senken das Risiko für viele Krankheiten. Süßes, Salziges und Fettiges sollten Verbraucher*innen besser im Supermarktregal stehen lassen. Wird zu viel davon gegessen, steigt das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Die neuen Empfehlungen zeigen eine Idealsituation auf, betont die DGE. Bereits kleine Veränderungen in der täglichen Ernährung seien schon ein Schritt in die richtige Richtung – hin zu einer gesundheitsfördernden und umweltschonenderen Ernährung. Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland begrüßt die neuen Empfehlungen als wichtigen Schritt hin zu einer Ernährung innerhalb der Grenzen unseren Planeten. „Die mit unseren Essgewohnheiten einhergehenden Umweltauswirkungen auf die Erde sind massiv. Insbesondere unser zu hoher Verzehr von tierischen Lebensmitteln befeuert die Klima- und Biodiversitätskrise“, sagte Elisa Kollenda, Referentin für nachhaltige Ernährung beim WWF Deutschland. „Die DGE-Empfehlungen preisen das nun erstmals ein und geben damit wichtige Impulse an die Verbraucherinnen und Verbraucher. Bei Fleisch bewegt sich die DGE auf einem Pfad gen planetare Grenzen. Bei Milchprodukten gilt dies nur eingeschränkt. Bei den Hülsenfrüchten besteht noch deutlich Luft nach oben, was die empfohlenen Verzehrmengen angeht.“ Wichtig sei nun eine Überarbeitung des Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung. „Damit Veränderungen im Qualitätsstandard dann flächendeckend in Kantinen von Kitas, Schulen oder Seniorenheimen umgesetzt werden, braucht es Verbindlichkeit und finanzielle Rahmenbedingungen. Hier müssen Bund und Länder nun nachlegen.“

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