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15.08.2019 |

Studie: Kleine Ackerflächen und Vielfalt fördern die Biodiversität

Field
Eine heterogene Agrarlandschaft (Foto: Jordi Recasens)

Kleine Felder und eine Vielzahl von Nutzpflanzen erhöhen die Artenvielfalt in Agrarlandschaften. Das zeigt eine großangelegte Studie im Rahmen des EU-Projekts FarmLand, deren Ergebnisse im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurden. „Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zerstörung naturnaher Lebensräume (Buschland, Hecken, kräuterreiche Streifen) ist eine der Hauptursachen für den beobachteten Verlust der biologischen Vielfalt“, erläutern die Autoren in der Zusammenfassung der Studie. Das Schaffen von mehr Heterogenität in der Agrarlandschaft durch mehr naturnahe Lebensräume könne dazu beitragen, den Biodiversitätsverlust zu verringern. Jedoch sei gerade in vielen intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften der Anteil an naturnahen Lebensräumen meist gering und nur schwer zu steigern. Doch es gibt eine wirkungsvolle Maßnahme: Die Unterteilung der Agrarlandschaft in ein Mosaik aus kleineren Ackerflächen führt zu einer stark erhöhten Artenvielfalt und ist ebenso wirkungsvoll wie die Erhöhung des Anteils naturnaher Lebensräume.

Das internationale Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Kanada untersuchte acht unterschiedliche Agrarregionen in Europa und Kanada. In 435 verschiedenen Agrarlandschaften, die bezüglich der Ackergröße, Vielfalt der Nutzpflanzen und der naturnahen Lebensräume unterschiedlich geprägt sind, erhoben sie auf einem Quadratkilometer Daten an jeweils drei Probenahmestellen. Die Forscher identifizierten rund 2.795 Arten aus sieben taxonomischen Gruppen: Vögel, Schmetterlinge, Bienen, Schwebfliegen, Spinnen, Laufkäfer und Pflanzen. Sie gelangten zu dem Ergebnis, dass eine heterogene Agrarlandschaft mit einem Mosaik aus kleinen und mit unterschiedlichen Kulturarten bewirtschafteten Ackerflächen deutlich mehr Artenvielfalt aufwies als durch großflächige Monokulturen geprägte Landschaften. Schon eine Verkleinerung der durchschnittlichen Feldgröße von rund fünf Hektar auf 2,8 Hektar hatte den gleichen Effekt auf die Biodiversität wie eine Erhöhung des Anteils naturnaher Lebensräume von 0,5% auf 11%. Selbst wenn naturnahe Vegetation wie Hecken und Randstreifen zwischen den Felder fehlten, wirkte sich eine reduzierte Feldgröße positiv auf die Artenvielfalt aus.

Die Studie ergab zudem, dass der Anbau von mehr unterschiedlichen Kulturarten ebenfalls zu einem größeren Artenreichtum auf den Feldern führte. „Die Kulturartenvielfalt wirkte sich auch positiv auf die Biodiversität aus, da verschiedene Nutzpflanzen häufig unterschiedliche Arten beherbergen, aber auch, da verschiedene Kulturen ergänzende und notwendige Ressourcen für bestimmte Arten in der Agrarlandschaft bieten“, sagte Teammitglied Jordi Recasens von der Universitat de Lleida. Der Effekt von einer erhöhten Kulturartenvielfalt zeigte sich jedoch nur, wenn die Agrarlandschaften auch einen höheren Anteil naturnaher Lebensräume aufwiesen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Art der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe einen wesentlichen, bisher unterschätzten Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt in unseren Agrarlandschaften leisten kann“, sagt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Uni Göttingen. „Kleine Felder und wechselnde Bepflanzung können erheblich zur Bekämpfung der dramatischen Biodiversitätskrise bei Insekten und Vögeln beitragen. Leider steht dagegen die aktuelle Intensivierung in der Landwirtschaft mit immer größeren Äckern und großflächigeren Monokulturen“, so Tscharntke. Der Studie zufolge können Agrarumweltmaßnahmen, die eine Verringerung der durchschnittlichen Größe der Anbauflächen fördern und zu mehr Vielfalt auf dem Acker führen, die biologische Vielfalt erhöhen, ohne dass Flächen für die landwirtschaftliche Produktion verloren gehen. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse in der aktuellen Debatte über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU gehört werden. (ab)

09.08.2019 |

Weltklimarat fordert nachhaltige Landnutzung und Ernährung

Boden
Wie nutzen wir die Böden? (Foto: CC0)

Eine rasche und radikale Kehrtwende hin zu einer nachhaltigen Landnutzung und Ernährung ist zwingend notwendig, um dem Klimawandel einzudämmen und auch künftig alle Menschen gesund und ausreichend ernähren zu können. Diese Botschaft ist nicht neu – wurde nun aber unmissverständlich deutlich von 107 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 52 Ländern im neusten Sonderbericht des Weltklimarates IPCC zu Papier gebracht. Die Zusammenfassung dieser wissenschaftlichen Bestandsaufnahme über Klimawandel und Landsysteme wurde in Genf von den 195 IPCC-Mitgliedsstaaten Zeile für Zeile abgestimmt und am 7. August angenommen. „Land spielt eine bedeutende Rolle im Klimasystem“, sagt Jim Skea, Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe III. Einerseits sind Land- und Forstwirtschaft und das gesamte Ernährungssystem eine signifikante Treibhausgasquelle: 23% der gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen entfielen 2007–2016 auf diesen Sektor – bei den Methanemissionen betrug der Anteil 44% und beim Ausstoß von Lachgas sogar 82%. Rechnet man die der Lebensmittelproduktion vor- und nachgelagerten Emissionen im globalen Ernährungssystem hinzu, verursacht der Sektor 21‐37% aller Treibhausgasemissionen. „Gleichzeitig absorbieren die Land-Ökosysteme auch fast ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Industrie“, betont Skea. Böden und Landsysteme bergen also ein riesiges Potenzial, den Klimawandel auf unter 2ºC bzw. 1,5ºC zu begrenzen – wenn sie nachhaltig genutzt werden und auch in anderen Bereichen rasch gehandelt wird.

Der Klimawandel stellt bereits jetzt eine erhebliche Belastung für Landsysteme dar, was bestehende Risiken für Lebensgrundlagen, die biologische Vielfalt, die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen, Infrastruktur und Ernährungssysteme verschärfen wird, heißt es im Bericht. Rund 500 Millionen Menschen leben in Gebieten, die von Desertifikation betroffen sind. Die globale Erwärmung hat auch fatale Folgen für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. „Die Ernährungssicherheit wird künftig zunehmend vom Klimawandel beeinträchtigt werden durch rückläufige Ernten, vor allem in den Tropen, steigende Preise, eine verringerte Nährstoffqualität und Unterbrechungen in der Versorgungskette“, warnt Priyadarshi Shukla, der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe III. „In verschiedenen Ländern werden die Auswirkungen unterschiedlich ausfallen, aber in den Ländern mit niedrigem Einkommen in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik werden die Folgen am drastischsten sein“, betont er. Vom Wirken und Wirtschaften der Menschheit und ihrem Umgang mit Landsystemen hängen die Zukunft ab. Oder wie es im Sprech der Wissenschaftler heißt: „Entwicklungspfade mit höherem Bedarf an Nahrung, Futtermitteln und Wasser, ressourcenintensiverem Konsum und ebensolcher Produktion sowie mit geringeren technologischen Verbesserungen der landwirtschaftlichen Erträge führen zu höheren Risiken durch Wasserknappheit in Trockengebieten, Landdegradierung und Ernährungsunsicherheit.“

Koordiniertes Handeln zur Anpassung an den Klimawandel kann gleichzeitig aber auch Desertifikation und Landdegradierung bekämpfen und die Ernährungssicherheit verbessern. Im Ernährungssystem sehen die Wissenschaftler effektive Hebel. Die Verhinderung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung sei einer davon. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird nie verzehrt, die Ursachen dafür sind in Industrie- und Entwicklungsländern ganz unterschiedlich. Diese enorme Verschwendung einzudämmen oder zu verhindern würde massiv Treibhausgasemissionen einsparen und zu mehr Ernährungssicherheit beitragen. Aber auch jeder Einzelne kann etwas tun: „Einige Ernährungsweisen benötigen mehr Land und Wasser und verursachen einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen als andere“, sagt Debra Roberts, Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe II. „Eine ausgewogene Ernährung mit pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse und tierischen Produkten, die nachhaltig in treibhausgasarmen Systemen produziert werden, bietet eine große Chance für die Anpassung und Begrenzung des Klimawandels.“

Der IPCC-Bericht nennt zahlreiche Handlungsoptionen für die Gestaltung von politischen Strategien, Institutionen oder Steuerungsmechanismen. „Politische Maßnahmen, die ein nachhaltiges Landmanagement fördern, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln für verletzliche Bevölkerungsgruppen sichern und den Kohlenstoff im Boden halten und zugleich Treibhausgasemissionen verringern, sind wichtig“, betont Eduardo Calvo, der Ko-Vorsitzende der Task Force für Nationale Treibhausgasinventare. Die Einführung von nachhaltigem Landmanagement und Armutsbeseitigung können durch Verbesserung des Marktzugangs, Sicherung von Landbesitz, Einbeziehung von Umweltkosten bei Nahrungsmitteln sowie Zahlungen für Ökosystemleistungen und Stärkung lokaler und gemeindebasierter kollektiver Maßnahmen ermöglicht werden. Eines sei jedoch gewiss, betonen die Forscher: Nur eine schnelle Reduktionen der anthropogenen Treibhausgasemissionen in allen Sektoren entlang ehrgeiziger Minderungspfade verringere die negativen Folgen des Klimawandels auf Landökosysteme und Ernährungssysteme. Ein Zaudern und Zögern beim Klimaschutz und dem Wandel hin zu einer nachhaltigen Landnutzung wird die Aussicht auf eine nachhaltige Entwicklung verringern. (ab)

07.08.2019 |

Studie: EU-Reformpläne machen Agrarpolitik nicht nachhaltiger

Geld
Wohin gehen die GAP-Gelder? (Foto: CC0)

Die aktuellen EU-Reformvorschläge zur Agrarpolitik werden nicht für mehr Umweltschutz sorgen – im Gegenteil, es drohe gar eine Ausweitung schädlicher Subventionen. Dies ist das Fazit einer Studie, die Anfang August im Fachjournal Science veröffentlicht wurde. Das Forschungsteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Universität Göttingen nahm die aktuellen Reformvorschläge der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 unter die Lupe. Es ging der Frage nach, ob die anvisierte Agrarpolitik mit den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) vereinbar sei, der gesellschaftlichen Diskussion zum Thema Landwirtschaft Rechnung trage und die GAP verbessere. Die Wissenschaftler analysierten etwa 450 Publikationen, die eine Bewertung der aktuellen Politik nach Kriterien wie Effektivität, Effizienz und Relevanz vornehmen. Ihr Ergebnis: Die vollmundigen Bekenntnisse der EU zu mehr Nachhaltigkeit schlagen sich in den Reformvorschlägen kaum wieder. Diese seien nicht dazu geeignet, ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit zu erzielen und stellen einen klaren Rückschritt gegenüber den bisherigen Regelungen dar.

Die EU und damit auch Deutschland haben sich in verschiedenen internationalen Abkommen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, zum Schutz der Biodiversität und des Klimas verpflichtet. Die Forscher betonen, dass die EU-Agrarpolitik eines der wichtigsten Politikfelder sei, um diese internationalen Verpflichtungen umzusetzen. „Doch gerade hier ist wenig von dieser Absicht zu erkennen“, kritisiert das Forscherteam. „Sollte die EU es mit ihrer Verpflichtung auf die SDGs ernst meinen, müssten diese sich auch in der Landwirtschaftspolitik wiederfinden und entsprechende Indikatoren zur Erfolgsmessung definiert werden“, sagt der Ökologe Dr. Guy Pe’er von der Uni Göttingen. Doch dies sei nicht der Fall. In der jetzigen Form leiste die GAP gerade einmal einen gewissen Beitrag zu zwei der 17 SDGs (Hunger- und Armutsbekämpfung in SDG 1 und 2), obwohl sie bei mindestens neun Zielen eine große Wirkung entfalten könnte. Zu Ziel 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion) etwa leiste die Agrarpolitik kaum einen Beitrag.

Des Weiteren kritisieren die Autorinnen und Autoren, dass die EU Instrumente aufrechterhalten wolle, die sich nachweislich als ineffizient, klima- und umweltschädlich sowie sozial ungerecht erwiesen hätten. Als Beispiel nennen sie die Direktzahlungen im Rahmen der 1. Säule der GAP. Rund 40 Milliarden Euro und damit etwa 70% des Agrarbudgets erhalten Landwirte allein in Abhängigkeit von der bewirtschafteten Fläche. Dies führe zu einer ungleichen Förderung: Auf gerade einmal 1,8% der Empfänger entfalle 32% der Gelder. „Für diese 1992 provisorisch eingeführten Ausgleichszahlungen fehlt inzwischen jede wissenschaftliche Begründung“, kritisiert Agrarökonom Sebastian Lakner von der Uni Göttingen. Versuche der EU, der Kritik daran mit dem sogenannten „Greening“ der Direktzahlungen zu begegnen, hätten nichts bewirkt. Die entsprechenden Auflagen seien politisch aufgeweicht worden und hätten sich als weitgehend wirkungslos herausgestellt, so die Forscher.

Dennoch will die EU-Kommission weiter an den Direktzahlungen festhalten. Mehr Nachhaltigkeit bringen soll die vorgeschlagene „Grüne Architektur“, die eine Ausweitung der Kriterien der „Guten landwirtschaftlichen Praxis“ sowie neue freiwillige Umweltschutzmaßnahmen in der 1. Säule enthalte. Den Forschern zufolge mangle es jedoch an geeigneten Maßnahmen für einen effektiven Klimaschutz. Die Gelder für die in Säule 2 vorgesehenen Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen sowie die Förderung ländlicher Räume würden künftig erheblich gekürzt, obwohl ihr Volumen schon heute nur rund ein Zehntel der 1. Säule betrage. „Der EU fehlt offensichtlich der Wille, der öffentlichen Forderung nach einer nachhaltigen Landwirtschaft nachzukommen und ihre mitbeschlossenen globalen Umwelt- und Entwicklungsziele umzusetzen“, kritisiert Pe’er. „Lobby-Interessen wiegen nicht nur schwerer als Fakten, sondern auch schwerer als der öffentliche Wille“, lautet sein vernichtendes Urteil. Das neu gewählte EU-Parlament habe nun jedoch eine große Chance, den Reformprozess im Sinne der Bevölkerung, der internationalen Verpflichtungen und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten. „Es gibt ausreichend wissenschaftliche Evidenz darüber, was im Umweltbereich getan werden muss“, sagt auch Lakner. „Es sollte im Interesse der EU-Kommission liegen, dass Steuermittel in der Landwirtschaft effizient und zielgerichtet eingesetzt werden.“ (ab)

29.07.2019 |

Erdüberlastungstag: Nachhaltig nutzbare Ressourcen für 2019 sind verbraucht

ERde
Überlastete Erde (Foto: CC0)

Auf den 29. Juli fällt dieses Jahr der Erdüberlastungstag – das Datum, an dem die Menschheit die für 2019 nachhaltig nutzbaren Ressourcen verbraucht hat. Für den Rest des Jahres leben wir auf Pump und strapazieren das Ressourcenbudget der Natur wieder über das regenerierbare Maß hinaus. Um unseren Konsum zu decken, wären rein rechnerisch 1,75 Erden notwendig. Und der Raubbau an der Natur beschleunigt sich immer mehr: So früh wie 2019 wurde die Belastungsgrenze noch nie erreicht: In den letzten 20 Jahren ist das Datum um ganze zwei Monate im Kalender nach vorne gerückt. Die internationale Nachhaltigkeitsorganisation „Global Footprint Network berechnet den „Earth Overshoot Day“ jährlich neu. Gegenübergestellt werden dabei einerseits die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen und andererseits der ökologische Fußabdruck – der Bedarf an Acker-, Weide- und Bauflächen, die Entnahme von Holz, Fasern oder Fisch, aber auch der CO2-Ausstoß und die Müllproduktion.

Eine Übernutzung der verfügbaren Ressourcen wird dauerhaft nicht möglich sein, denn sie erschöpft das ökologische „Vermögen“ der Erde und gefährdet die zukünftige Ressourcensicherheit der Menschheit. „Wir haben nur eine Erde – das ist der letztlich bestimmende Kontext für die menschliche Existenz. 1,75 Erden zu verwenden hat unausweichlich destruktive Folgen”, sagt Mathis Wackernagel, einer der Erfinder des ökologischen Fußabdrucks und Gründer von Global Footprint Network. Die Auswirkungen treten bereits zutage: Entwaldung, Bodenerosion, Verlust der biologischen Vielfalt oder die zunehmende CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Letztere heizt den Klimawandel an und führt zu häufigeren extremen Wetterereignissen. Die Menschheit wird letztendlich innerhalb des ökologischen Ressourcenbudgets der Erde funktionieren müssen, betont Wackernagel. Die 1,75 Erden, die die Weltbevölkerung rein rechnerisch bräuchte, um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, ist nur ein globaler Durchschnittswert. Weitaus verschwenderischer mit der Kapazität des Planeten gehen die USA und Australien um: Würde die gesamte Welt diesen Konsum- und Lebensstil übernehmen, wären 5 bzw. 4,1 Erden notwendig, Russland beansprucht 3,2 Erden, gefolgt von Deutschland mit 3 Planeten. Indien hingegen verbraucht nur die Entsprechung von 0,7 Erden.

Würden alle Menschen weltweit so leben wie wir in Deutschland, wäre der Erdüberlastungstag schon am 3. Mai. „Statt ökologisch gegen die Wand zu fahren, wäre es für Deutschland von Vorteil, wenn sich seine Regierung für eine wesentlich ambitioniertere Energie-, Verkehrs- und Agrarpolitik stark machen und sich von der ressourcenintensiven und wachstumsbesessenen Wirtschaftsweise befreien würde“, sagt Wackernagel. Das sieht auch ein Bündnis mehrerer deutscher Organisationen der Zivilgesellschaft so und fordert die Bundesregierung zum Umsteuern auf: Sie müsse etwa mit einem Klimaschutzgesetz und einem CO2-Preis in diesem Jahr gegensteuern sowie wirkungsvolle Anreize zur Ressourcenschonung setzen. „Wir können es uns nicht leisten, noch weiter Zeit zu verlieren und müssen anfangen, konsequent zu handeln! Unsere Wirtschafts- und Lebensweise und die daraus folgende Zerstörung der Umwelt geht auf Kosten der folgenden Generationen“, mahnt Jan Göldner vom Bundesvorstand der Naturschutzjugend im NABU. Lena Michelsen vom INKOTA-netzwerk betonte, eine zukunftsfähige Politik müsse außerdem die Digitalisierung dafür nutzen, nachhaltige Entwicklung zu gestalten, statt damit die bestehende Wirtschaftsweise weiter zu zementieren. „Damit Digitalisierung etwa im Bereich der globalen Landwirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 beiträgt, müssen Nachhaltigkeitsziele Vorrang haben vor kurzfristigen Wettbewerbsvorteilen und auch vor eindimensionalen Wachstumszielen.“

Doch das Global Footprint Network glaubt an die Möglichkeit einer Trendwende und nennt fünf Schlüsselbereiche, die das größte Potenzial zur Begrenzung des ökologischen Overshoot bergen: Städte, Energie, Nahrung, Bevölkerung und Planet. Zum Beispiel würde ein 50% Reduktion der CO2-Emissionen der fossilen Brennstoffe den Erderschöpfungstag um 93 Tage verschieben. Schon wenn es gelingen würde, das Datum des Earth Overshoot Day nur um 5 Tage pro Jahr nach hinten zu verschieben, würde die Menschheit es noch vor 2050 schaffen, wieder innerhalb der Kapazität des einen Planeten zu leben. „Meine Generation will nicht länger zuschauen, wie wir unserer Lebensgrundlage beraubt werden“, safte Myriam Rapior aus dem Bundesvorstand der BUNDjugend. „Die Politik muss jetzt Entscheidungen fällen, um die systematische Zerstörung unseres Planeten zu beenden! Ansonsten werden wir 2050 auf einer kaputten Erde voller sozialer Konflikte leben.“ (ab)

24.07.2019 |

Zehn Jahre Weltagrarbericht: Weiter wie bisher ist weiterhin keine Option!

Cover
Broschüre: Zehn Jahre Weltagrarbericht

Die Botschaften des Weltagrarberichts haben sich in politischen Bekenntnissen und wissenschaftlichen Publikationen durchgesetzt, sind aber noch immer weit davon entfernt, die globale Agrar-, Handels- und Ernährungspolitik zu bestimmen. Dies ist das Fazit einer Publikation im Auftrag der bis Juli 2019 im EU- Parlament vertretenen Grünen-Politikerin und Bäuerin Maria Heubuch. „Weiter wie bisher ist keine Option“, lautete die Botschaft des „International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development“ (IAASTD), an dem mehr als 400 Expertinnen und Wissenschaftler aus aller Welt über vier Jahre arbeiteten und deren 2.500 Seiten starke Bestandsaufnahme landwirtschaftlichen Wissens 2009 offiziell veröffentlicht wurde. „Die Art und Weise, wie die Welt ihre Nahrung herstellt, muss sich radikal ändern und den Armen und Hungernden besser dienen, wenn die Menschheit mit einer wachsenden Bevölkerung und dem Klimawandel fertigwerden und gleichzeitig soziale Zusammenbrüche und Umweltzerstörung vermeiden will“, lautete ihr Fazit. In der Broschüre „Der Weltagrarbericht: 10 Jahre danach“ zieht Benedikt Haerlin, der an der Erstellung des Berichtes als Mitglied des IAASTD-Aufsichtsrates beteiligt war, ein Jahrzehnt später Bilanz zu Wirkung und Folgen des UN-Berichts. Er nimmt mehrere Folgeuntersuchungen und Publikationen unter die Lupe, die die Handschrift des Weltagrarberichts tragen oder diese weiterentwickelt haben.

„Viele der zentralen Botschaften, die der Weltagrarbericht erstmals als wissenschaftlichen Konsens formulierte, sind heute die tragenden Säulen des Bewusstseinswandels, der sich in der Wissenschaft und internationalen Gremien in Bezug auf die Herausforderungen der Landwirtschaft mehr und mehr durchsetzt“, schreibt Haerlin. Dazu gehört das Konzept der Agrarökologie, dem der Weltagrarbericht aus dem Nischendasein verhalf: Er erklärte es erstmals rein wissenschaftlich, betonte zugleich seinen transdisziplinären Charakter und sprach der Agrarökologie eine zentrale Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Landwirtschaft zu. „Es ist bemerkenswert, welch steile Karriere das Konzept der Agrarökologie seither in der agrarpolitischen und wissenschaftlichen Debatte gemacht hat“, heißt es in der Broschüre. Sogar die Welternährungsorganisation FAO hat sie mittlerweile zu einer ihrer Prioritäten gemacht. „Selbst wenn der Preis dieses Erfolges, wie zuvor bei vielen anderen Begriffen des Wandels, immer auch eine gewisse Verwässerung ist, hat das Konzept der Agrarökologie sich mittlerweile tief in Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft in Zeiten von Klimawandel, Artensterben und Landflucht hineingegraben.“

„Kleinbäuerinnen und Kleinbauern machen den Unterschied“ war eine weitere zentrale Botschaft des IAASTD. Die Überwindung des Hungers mit nachhaltigen Mitteln werde weltweit nur mit Hilfe und unter aktiver Einbeziehung der Kleinbauern und -bäuerinnen der Welt gelingen. Haerlin zeigt auf, wie sich dies mittlerweile zur Mainstream-Auffassung entwickelte. „Die 500 Millionen Kleinbauern spielen eine zentrale Rolle für eine gerechte Versorgung und für die Armutsbekämpfung. Wenn diese Kleinbauern in das Wachstum im landwirtschaftlichen Sektor einbezogen werden können, steigen die Verfügbarkeit von Lebensmitteln und die Einkommen, was wiederum Nachfrage nach lokalen Gütern und Dienstleistungen auslöst und so zu einer breit angelegten sozialen und ökonomischen Weiterentwicklung ländlicher Gebiete führt“, zitiert er aus dem Bericht der Deutsche Bank Research von 2009. Zahlreiche weitere Publikationen in den Folgejahren, z.B. der „Save and Grow“-Bericht der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO oder der Green Economy Report der Vereinten Nationen, rücken die entscheidende Rolle von Kleinbauern in den Fokus. Das 2. UN-Nachhaltigkeitsziel widmet kleinen Lebensmittelproduzenten ein eigenes Unterziel und auch andere SDGs spiegeln einen globalen Bewusstseinswandel in Bezug auf Fragen der Nachhaltigkeit in Landwirtschaft und Ernährung wider.

Haerlin betont jedoch auch, dass die Durchsetzung zwingender Erkenntnisse noch lange nicht zur praktischen Umsetzung deshalb unausweichlich erscheinender Handlungsnotwendigkeiten führt. „Vergleichen wir zentrale Parameter der Nachhaltigkeit von 2009 mit denen von 2019, müssen wir feststellen, dass die meisten von ihnen sich zum Schlechteren entwickelt haben.“ Bei der Bekämpfung des Hungers sind kaum substanzielle Fortschritte zu verzeichnen, beim Übergewicht hingegen massive Verschlimmerungen; der Klimawandel schreitet ungebremst voran; die Artenvielfalt und die Fruchtbarkeit der Böden schwinden. „Der Schlüssel, so bestätigen alle neueren Studien und Berichte, ist die Integration von Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt- und Naturschutz, ländlicher Entwicklung sowie mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, den Nationen und zwischen Arm und Reich“, so der Autor. Mit Blick auf die EU appelliert er an Parlament und Kommission, die anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik mutig neu zu gestalten und die vom Weltagrarbericht empfohlenen und vielerorts weiterentwickelten Schritte zu unternehmen. „Auf keinem anderen Gebiet könnte die Europäische Union im Laufe des kommenden Jahres einen größeren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris, zur Bekämpfung von Hunger und Armut, zur Beteiligung der Jugend insbesondere im ländlichen Raum und nicht zuletzt zur Bekämpfung von ernährungsbedingten Krankheiten leisten“, betont Haerlin. „Weiter wie bisher ist keine Option!“ (ab)

16.07.2019 |

UN: Weltweit hungern immer noch fast 820 Millionen Menschen

Hunger
Millionen Menschen hungern (Foto: CC0)

Die Zahl der unterernährten Menschen ist 2018 auf weltweit mehr als 820 Millionen gestiegen – jeder neunte Mensch hungert, warnt ein am Montag von fünf UN-Organisationen veröffentlichter Bericht. Zugleich nehmen Übergewicht und Fettleibigkeit in allen Weltregionen zu, vor allem bei Schulkindern und Erwachsenen. 2018 hatten Schätzungen zufolge 821,6 Millionen Menschen nicht genug zu essen, verglichen mit 811 Millionen im Vorjahr. Es ist bereits die dritte Ausgabe von „The State of Food Security and Nutrition in the World”, die statt Erfolgen einen Anstieg der Hungerzahlen vermelden muss. Wenn neben den hungernden Menschen noch jene dazugerechnet werden, die von einer moderaten Ernährungsunsicherheit betroffen sind, haben den UN-Schätzungen zufolge über 2 Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sicheren, nahrhaften und ausreichenden Lebensmitteln. „Unsere Maßnahmen im Kampf gegen diese besorgniserregenden Trends müssen mutiger sein, nicht nur was den Umfang betrifft, sondern auch in Bezug auf die sektorübergreifende Zusammenarbeit, die die Bereiche Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit, Wasser und Abwasser, Bildung und andere relevante Sektoren einbeziehen und sich auf verschiedene Politikbereiche erstrecken muss, einschließlich die soziale Sicherung, Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik“, betonen die Leiter der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, von UNICEF, dem Welternährungsprogramms und der Weltgesundheitsorganisation in ihrem gemeinsamen Vorwort.

Der Großteil der weltweit Hungernden lebt mit 514 Millionen Menschen immer noch in Asien (62,5%), gefolgt von Afrika mit 256,1 Millionen (31%) und Lateinamerika und der Karibik mit 42,5 Millionen. Dem Bericht zufolge blieb der Anteil der chronisch hungernden Menschen in den letzten drei Jahren unverändert hoch bei fast 11% weltweit. Die prozentual am stärksten von Unterernährung betroffene Region ist Afrika: Dort hungern fast 20% der Bevölkerung. Besonders schlimm ist die Lage in Ostafrika, wo knapp ein Drittel der Bevölkerung (30,8%) unterernährt ist. Neben dem Klimawandel und Konflikten wird der Anstieg durch Konjunkturabschwächungen und -rückgänge verursacht, sagt die UN. In Asien hungert fast jeder Achte (11,3%), während in Lateinamerika und der Karibik 6,5% der Bevölkerung betroffen sind.

Der diesjährige Bericht hebt hervor, dass der Hunger vor allem in Ländern auf dem Vormarsch ist, in denen die Wirtschaft nicht wächst, gerade in Ländern mit mittlerem Einkommen und jenen, die stark auf den internationalen Handel mit Agrarrohstoffen angewiesen sind. In vielen von Hunger betroffenen Ländern vergrößert sich die Kluft zwischen Arm und Reich beim Einkommen immer mehr – arme, schutzbedürftige oder marginalisierte Menschen leiden am meisten. Frauen haben ein höheres Risiko, unter Ernährungsunsicherheit zu leiden als Männer, vor allem in Lateinamerika. Die Chefs der UN-Organisationen verweisen im Vorwort auf die Notwendigkeit, in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs klug zu investieren und einen Strukturwandel einzuleiten, der die Armen berücksichtigt, um in turbulenten Zeiten gewappnet zu sein. Die Menschenrechtsorganisation FIAN lobt zwar, dass der Bericht die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, Austeritätsprogramme und mangelnde soziale Sicherheit als zentrale Ursachen des Hungers nennt. Sie kritisierte jedoch auch, dass dies „in den altbekannten Forderungen nach einer stärkeren Rolle von Privatsektor und Industrie durch erhöhte Investitionen und Finanzierungen“ ende. Keiner fordere im Bericht ein stärkeres Engagement für die Menschenrechte.

Die FAO führt mit dem diesjährigen Bericht einen neuen Indikator für „moderate Ernährungsunsicherheit“ ein, der auf konkreten Haushaltsbefragungen beruht. Demnach leiden über zwei Milliarden Menschen an Ernährungsunsicherheit und müssen regelmäßig Mahlzeiten auslassen. Dazu gehören auch 8% der Bevölkerung in den Industriestaaten Europas und Nordamerikas. „Es ist einer der größten Skandale unserer Zeit, dass trotz ausreichend vorhandener Nahrung so viele Menschen hungern und an den Folgen von Hunger sterben“, kritisiert FIAN-Agrarreferent Roman Herre. Somit wird das Recht auf Nahrung von fast einem Viertel der Weltbevölkerung verletzt. Doch der Bericht enthält noch weitere schlechte Nachrichten. Weltweit sind immer noch 148,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren (21,9%) aufgrund chronischer Unterernährung zu klein für ihr Alter (stunted). Dazu kommen 49,5 Millionen Kinder unter fünf (7,3%), die aufgrund von Mangelernährung zu wenig für ihre Größe wiegen (wasting). Auf Afrika und Asien entfällt der Großteil aller Formen der Mangelernährung. Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen zudem in allen Regionen zu, gerade bei Schulkindern und Erwachsenen. Waren 2012 noch 11,7% aller Erwachsenen fettleibig, so betrug der Anteil 2016 bereits 13,2%. 672 Millionen Erwachsene gelten als fettleibig. Darüber hinaus sind 338 Millionen Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter übergewichtig. Der Bericht fordert eine tiefgreifende Umgestaltung der Lebensmittelsysteme, um zu ermöglichen, dass sich die wachsende Weltbevölkerung nachhaltig und gesund ernährt. (ab)

12.07.2019 |

OECD/FAO: Steigende Produktion, stabile Agrarpreise

Reis
Der Getreideverbrauch steigt (Foto: CC0)

Die Agrarproduktion wird in den kommenden zehn Jahren weltweit etwas schneller wachsen als die Nachfrage nach Agrargütern, aber auf die Landwirtschaft werden neue Herausforderungen zukommen. Davon gehen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Welternährungsorganisation FAO aus, die am Montag ihren jährlichen Ausblick veröffentlichten. Der OECD-FAO Agricultural Outlook 2019-2028 enthält Prognosen für alle wichtigen Agrarrohstoffe. Die weltweite Nachfrage nach Agrarerzeugnissen wird in den kommenden zehn Jahren um etwa 15% zunehmen. „Die Art und Weise, wie diese Nachfrage gedeckt wird, entscheidet darüber, welche Auswirkungen der Sektor auf die natürlichen Ressourcen hat, insbesondere Land, Wasser und Artenvielfalt“, schreiben FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva und OECD-Generalsekretär Angel Gurría im Vorwort. Ein Großteil der zusätzlichen Nachfrage nach Lebensmitteln in den nächsten zehn Jahren wird aus Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum stammen, vor allem aus Ländern südlich der Sahara, aus Südasien sowie aus dem Nahen Osten und Nordafrika, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts. Die Verwendung von Getreide für Nahrungszwecke wird um rund 150 Millionen Tonnen zunehmen – ein Anstieg von 13%, der vorwiegend auf Reis und Weizen entfällt.

Die landwirtschaftliche Produktion wird von 2019 bis 2028 voraussichtlich um 15% wachsen. Für fast alle Agrarerzeugnisse rechnen die Experten damit, dass die Preise inflationsbereinigt auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben oder sinken, da die Produktivität schneller steigt als die Nachfrage. Der Bericht prognostiziert Ertragssteigerungen und eine höhere Produktionsintensität aufgrund von technischen Innovationen, obwohl die landwirtschaftliche Nutzfläche weltweit weitgehend konstant bleibt. „Die steigende Agrarproduktion ist auch mit höheren Treibhausgasemissionen verbunden, wobei fast ein Viertel aller Emissionen durch Land- und Forstwirtschaft sowie Landnutzungsänderung entstehen“, schreiben Graziano da Silva und Gurría. Die direkten Emissionen aus der Landwirtschaft, vor allem durch Nutztiere, Reisanbau und synthetische Düngemittel, werden im Prognosezeitraum jährlich um rund 0,5% zunehmen. Das liegt unter der 0,7%-Rate der letzten zehn Jahre und dem prognostizierten Produktionsanstieg – den Autoren zufolge sinkt die Kohlenstoffintensität der Landwirtschaft.

Neben den üblichen Risiken werden die globalen Agrarmärkte mit neuen Unsicherheiten konfrontiert sein. Auf der Angebotsseite nennen die Autoren die Ausbreitung von Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest, die zunehmende Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen, regulatorische Schranken für neue Pflanzenzüchtungstechniken und extremer werdende klimatische Ereignisse. Auf der Nachfrageseite werden sich Gesundheits- und Nachhaltigkeitsthemen auf die Ernährungsweisen auswirken und der alarmierende Trend zur Fettleibigkeit wird politisches Handeln erfordern. Dem Bericht zufolge wird der Konsum von Zucker und Pflanzenöl steigen, was den anhaltenden Trend zu Fertiggerichten und stärker verarbeiteten Lebensmitteln widerspiegelt, gerade in vielen Ländern mit rascher Urbanisierung und geringerem Einkommen. „Eine Kombination aus übermäßigem Kalorienverbrauch, unausgewogener Ernährung und sinkender Aktivität führt in verschiedenen Ländern der Welt zu einer wachsenden Belastung durch Übergewicht und Fettleibigkeit. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen existieren diese Probleme Seite an Seite mit Unterernährung und Mikronährstoffmangel – eine dreifache Bürde der Mangelernährung“, warnt der Bericht. In den reichen Ländern machen sich die Menschen verstärkt Gedanken über Gesundheit und Wohlbefinden und der Verzehr von rotem Fleisch wird wohl zurückgehen.

Dieses Jahr stehen Lateinamerika und die Karibik im Fokus des Berichts. Auf die Region entfällt 14% der globalen Produktion und 23% der weltweiten Exporte von Agrar- und Fischereierzeugnissen. Der Anteil soll bis 2028 auf 25% steigen. Trotz des beeindruckenden Wachstums habe die Region mit Ernährungsunsicherheit zu kämpfen, da sich viele Haushalte die benötigten Lebensmittel nicht leisten können. Zudem werden die natürlichen Ressourcen verstärkt ausgebeutet. OECD und FAO betonen, dass es von Entwicklungen in den Bereichen Ernährung, Umweltschutz, soziale Sicherung und in der Unterstützung von Existenzgrundlagen abhänge, ob das Wachstum der Agrarproduktion künftig einen nachhaltigeren Weg einschlage. Die extreme Armut in der Region nimmt seit 2015 wieder zu. „Es ist von größter Bedeutung, sicherzustellen, dass das Einkommen der ärmsten Gemeinden wächst – eine Herausforderung, bei der die landwirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielt.“ Der Ausblick sieht in der Region „starke Wachstumschancen“ für die Erzeugung hochwertiger Obst- und Gemüsesorten, die den Kleinbauern bessere Chancen und der Bevölkerung eine gesündere Ernährung sichern würden. Eine gezielte Politik könnte Landwirten und Verbrauchern helfen, diese Chancen zu nutzen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schützen, so das Fazit. (ab)

05.07.2019 |

HLPE: Agrarökologie als Schlüssel zu nachhaltigen Ernährungssystemen

Food
Lebensmittel anders anbauen! (Foto: CC0)

Die Agrarökologie hat enormes Potenzial, unsere Landwirtschaft und Lebensmittelsysteme nachhaltiger zu machen. Das zeigt ein neuer UN-Bericht, dessen Botschaften und Empfehlungen der Ausschuss für Welternährungssicherung (CFS) am 3. Juli präsentierte. Der Bericht befasst sich mit agrarökologischen und anderen innovativen Ansätzen, die zur Verbesserung der Ernährungssicherheit und Ernährung und zum Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele beitragen können. Erstellt hat ihn das hochrangige Expertengremium (HLPE) des Ausschusses in einem fast zweijährigen Prozess, an dem sich auch Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftlerinnen und Experten aus aller Welt mit über 300 Kommentaren beteiligten. „Die Lebensmittelsysteme stehen am Scheideweg“, heißt es in der Zusammenfassung. „Ein tiefgreifender Wandel ist nötig, um die Agenda 2030 anzugehen und Ernährungssicherheit und Ernährung in den vier Dimensionen Verfügbarkeit, Zugang, Nutzung und Stabilität zu erreichen und vielschichtige und komplexe Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören die wachsende Weltbevölkerung, Urbanisierung und Klimawandel, wodurch der Druck auf die natürlichen Ressourcen steigt und Böden, Wasser und Artenvielfalt beeinträchtigt werden.“ Bei der Vorstellung des Berichts in Rom betonte der HLPE-Projektleiter Fergus Sinclair, dass in den aktuellen Lebensmittelsystemen Mangelernährung weit verbreitet ist und diese Systeme mitverantwortlich für das Überschreiten der planetaren Grenzen sind: „Ohne eine grundlegende Transformation der Lebensmittelsysteme, die sich darauf auswirkt, was die Menschheit isst und wie sie Lebensmittel herstellt, transportiert und verarbeitet, sind die Probleme nicht lösbar.“

Das HLPE-Expertengremium schreibt, dass Agrarökologie ein dynamisches Konzept ist, das in den letzten Jahren im wissenschaftlichen, landwirtschaftlichen und politischen Diskurs an Bedeutung gewonnen hat. „Es wird zunehmend dafür geworben, dass die Agrarökologie dazu beitragen kann, Ernährungssysteme zu transformieren, indem ökologische Prinzipien in der Landwirtschaft angewandt und die regenerative Nutzung natürlicher Ressourcen sowie Ökosystemleistungen sichergestellt werden. Gleichzeitig adressiert sie auch den Bedarf an sozial gerechten Lebensmittelsystemen, die den Menschen die Wahlfreiheit geben, was sie essen und wie und wo es hergestellt wird.“ Die Autoren betonen, dass es nicht nur eine einzige Definition von Agrarökologie und auch keine Einigung auf alle Aspekte dieses Konzept gibt, doch sie warten mit 13 Prinzipien der Agrarökologie auf: Sie beziehen sich auf Recycling; die Verringerung des Inputeinsatzes; Bodengesundheit; Tiergesundheit und -schutz; Artenvielfalt, Synergien, wirtschaftliche Diversifizierung; das gemeinsame Schaffen von Wissen; soziale Werte und Ernährung; Gerechtigkeit; die Verbindung von Produzenten und Konsumenten; die Verwaltung von Land und natürlichen Ressourcen; sowie Partizipation. Die Autoren unterteilen die innovativen Ansätze für nachhaltige Lebensmittelsysteme in zwei Kategorien: Die nachhaltige Intensivierung von Produktionssystemen und verwandte Ansätze (z.B. klimafreundliche Landwirtschaft, ernährungssensible Landwirtschaft und nachhaltige Wertschöpfungsketten für Lebensmittel) sowie agrarökologische und verwandte Ansätze (z.B. Agrarökologie, Ökolandbau, Agroforstwirtschaft, Permakultur und Ernährungssouveränität).

In bestimmten Produktionssystemen und entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette müssen dem Bericht zufolge viele Veränderungen erfolgen, um eine umfassende Transformation ganzer Lebensmittelsysteme zu erzielen. Dafür muss die Politik einen unterstützenden Rahmen schaffen und u.a. mehr öffentliche Förderung für stärker diversifizierte Agrarsysteme lockermachen. „Angesichts der Tatsache, dass viele Kleinbauern anfällig für Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung sind, hätte eine Förderung durch geeignete öffentliche Unterstützung für die Anwendung agrarökologischer Methoden eine Doppelwirkung, da zugleich die Ernährungssicherheit als auch der Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen angegangen würde.“ Öffentliche Unterstützungsmaßnahmen, die es Erzeugern ermöglichen würden, unabhängig von der Betriebsgröße verstärkt nachhaltigere Methoden der Lebensmittelproduktion zu nutzen, könnten etwa darin bestehen, Subventionen für synthetische Betriebsmittel zu streichen und zugleich Anreize für nachhaltige Methoden und die Bewirtschaftung multifunktionaler Landschaften einschließlich wilder Arten zu schaffen. Eine Patentlösung für die Umgestaltung der Ernährungssysteme gibt es nicht, betonen die Autoren, aber sie haben eine Reihe von Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger im Gepäck. (ab)

28.06.2019 |

Plädoyers für nachhaltige Landwirtschaft und Kampf gegen Klimawandel

Frau
Der Klimawandel trifft die Ärmsten (Foto: CC0)

Der Klimawandel wird die in Armut lebenden Menschen am härtesten treffen und Demokratie und Menschenrechte bedrohen. Laut einem Bericht des UN-Sonderberichterstatters zu extremer Armut und Menschenrechten Philip Alston wird sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vertiefen. „Wir riskieren ein Szenario der „Klima-Apartheid“, in dem die Reichen dafür bezahlen werden, um Überhitzung, Hunger und Konflikten zu entgehen, während der Rest der Welt leiden muss“, warnte der UN-Experte. Perverserweise seien die armen Menschen nur für einen Bruchteil der globalen Emissionen verantwortlich, doch sie werden die Hauptlast des Klimawandels tragen und am wenigsten in der Lage sein, sich selbst zu schützen. Der Klimawandel drohe, die Fortschritte der letzten 50 Jahre in den Bereichen Entwicklung, globale Gesundheit und Armutsbekämpfung zunichte zu machen. „Er könnte bis 2030 mehr als 120 Millionen Menschen in die Armut treiben und wird die gravierendsten Auswirkungen in armen Ländern, Regionen und an den Orten haben, an denen arme Menschen leben und arbeiten“, betont Alston. „Selbst wenn die derzeitigen Ziele erreicht würden, werden Millionen verarmt sein, was zu weitreichender Vertreibung und zu Hunger führt.“

Selbst das unrealistische Best-Case-Szenario mit einer Erwärmung von 1,5 Grad bis 2100 wird in vielen Regionen zu extremen Temperaturen führen und benachteiligte Bevölkerungsgruppen mit Ernährungsunsicherheit, Einkommensverlusten und schlechterer Gesundheit belasten, warnt der Sonderberichterstatter in seiner Pressemitteilung. Viele werden sich zwischen Hunger und Migration entscheiden müssen. Die Bekämpfung des Klimawandels erfordere eine grundlegende Veränderung der Weltwirtschaft, heißt es in dem UN-Bericht. Dies werde radikale und systemische Änderungen mit sich bringen und Anreize, die Preisgestaltung, Regulierung und Ressourcenverteilung einschließen, um nicht nachhaltige Ansätze zu beenden und die Umweltkosten in allen wirtschaftlichen Bereichen, inklusive Energie, Landwirtschaft, Fertigung, Bau und Verkehr, widerzuspiegeln. Eine Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft bietet zudem zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten.

Auch Papst Franziskus mahnte auf der 41. Konferenz der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO in Rom, man müsse die Ursachen anpacken, die die Tragödie des Hungers in der Welt auslösten. „Die Zunahme der Zahl der Flüchtlinge in der Welt in den letzten Jahren hat uns gezeigt, dass das Problem eines Landes das Problem der ganzen Menschheitsfamilie ist. Daher ist es notwendig, die landwirtschaftliche Entwicklung in den am stärksten gefährdeten Regionen zu fördern und die Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit des Gebiets zu stärken.“ Der Vatikan-Vertreter des Heiligen Stuhls bei der FAO, Fernando Chica Arellano, betonte, eine agrarökologisch nachhaltige Landwirtschaft sei zentral für die sozioökonomische Entwicklung eines Landes. Der Heilige Stuhl forderte mehr Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft, um die gravierenden Probleme Migration, Hunger und Armut in der Welt anzugehen. Arellano unterstrich die Bedeutung von Politiken, die darauf abzielen, junge Menschen im landwirtschaftlichen Sektor Beschäftigungsmöglichkeiten zu geben. Dazu gehöre, den Zugang zu Land, Sicherheit und Schutz des Eigentums an ihrem Land sowie Zugang zu Krediten und lokalen Märkten zu ermöglichen. Auch die Landflucht ende oft in tragischen Armutsspiralen, so Arellano. Die FAO müsse Politiken entwerfen, die ländliche Familien unterstützen, damit sie ihre Identität als Vermittler von Werten aufrechterhalten können, wie die Bewahrung von traditionellem Wissen. Zudem müsse die unersetzliche Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und im Viehzuchtsektor gestärkt werden. (ab)

18.06.2019 |

Mehr als zwei Milliarden Menschen ohne sicheres Trinkwasser

Wasser
Sauberes Trinkwasser - für Milliarden keine Selbstverständlichkeit (Foto: CC0)

Sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung liegen für Abermillionen Menschen immer noch in weiter Ferne. Rund 2,2 Milliarden Menschen haben immer noch keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser und 4,2 Milliarden müssen ohne angemessene sanitäre Einrichtungen auskommen. Das zeigt ein am 18. Juni veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks UNICEF. Demnach haben 785 Millionen Menschen noch nicht einmal Zugang zu einer grundlegenden Versorgung – sprich einer geschützten Trinkwasserquelle im Radius von 30 Minuten für den Hin- und Rückweg. Dazu gehören auch die 144 Millionen Menschen, die gezwungen sind, unbehandeltes Wasser von Oberflächengewässern wie Flüssen, Bächen oder Seen zu trinken. Mehr als die Hälfte dieser Menschen leben in Subsahara-Afrika. Bei der Versorgung mit Trinkwasser besteht auch eine deutliche Kluft zwischen Stadt und Land. Acht von zehn Menschen ohne Grundversorgung leben auf dem Land, mehr als die Hälfte von ihnen in den am wenigsten entwickelten Ländern. „Kinder und ihre Familien in armen und ländlichen Gemeinden haben das größte Risiko, abgehängt zu werden. Regierungen müssen in ihre Gemeinden investieren, damit wir diese ökonomische und geographische Kluft überwinden und dieses grundlegende Menschenrecht erfüllen“, fordert Kelly Ann Naylor, UNICEF-Expertin für Wasser, Sanitär und Hygiene.

Von den 4,2 Milliarden Menschen ohne sichere Sanitärversorgung – also hygienische Toiletten, von denen das Abwasser sicher behandelt und entsorgt wird – mangelt es 2 Milliarden selbst an einer Grundversorgung. 627 Millionen Menschen teilen eine Toilette oder Latrine mit anderen Haushalten, 701 Millionen nutzen nur einfachste Einrichtungen wie Grubenlatrinen oder Eimer und 673 Millionen Menschen – vor allem in ländlichen Gebieten – müssen ihre Notdurft im Freien verrichten. Bei dem Ziel, die „offene Defäkation“ zu beenden, gibt es sowohl Fortschritte als auch Rückschritte, heißt es im Bericht. So ging der Anteil der Bevölkerung, die ihre Notdurft im Freien verrichtet, seit 2000 von 21% auf 9% zurück. In 91 Ländern gibt es Fortschritte. Allerdings ist in 39 Ländern, mehrheitlich im südlichen Afrika mit einem hohen Bevölkerungswachstum, die Zahl sogar angestiegen.

Wenn die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) erreicht werden sollen, muss es also schneller vorangehen. Diese sehen vor, bis 2030 den allgemeinen und gerechten Zugang zu einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser für alle zu erreichen und eine angemessene und gerechte Sanitärversorgung und Hygiene für alle zu gewährleisten. Niemand soll mehr seine Notdurft im Freien verrichten müssen. „Die Staaten müssen ihre Anstrengungen bezüglich der Sanitärversorgung hochfahren oder wir werden bis 2030 keine Versorgung für alle Menschen erreichen“, sagte Dr. Maria Neira, Direktorin der WHO-Abteilung für Öffentliche Gesundheit. „Wenn die Staaten dabei versagen, ihre Bemühungen zu Sanitärversorgung, sicherem Wasser und Hygiene zu verstärken, werden wir weiterhin mit Krankheiten leben müssen, die schon seit langer Zeit der Geschichte angehören sollten: Krankheiten wie Durchfall, Cholera, Typhus, Hepatitis A und vernachlässigte Tropenkrankheiten (…). Die Investition in Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene ist kostengünstig und in so vielerlei Hinsicht gut für die Gesellschaft. Sie ist die unerlässliche Grundlage für eine gute Gesundheit.“ (ab)

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