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20.02.2019 |

IPES-Food: Vision für ein nachhaltiges Ernährungssystem in Europa

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Nachhaltige Lebensmittelsysteme (Foto: CC0)

Führende Agrar- und Ernährungsexperten haben ihre Vision für nachhaltige europäische Lebensmittelsysteme vorgestellt – die Gemeinsame Lebensmittelpolitik. Sie fordern eine grundlegende Reform der Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme der EU, um den Klimawandel zu bekämpfen, das Artensterben zu stoppen, Fettleibigkeit zu verringern und eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu ermöglichen. Wie das gelingen kann, zeigt IPES-Food – ein internationales Expertenteam, dem auch mehrere am Weltagrarbericht beteiligte Wissenschaftler angehören – in einem am 7. Februar veröffentlichten Bericht. Er ist das Ergebnis eines dreijährigen partizipativen Prozesses, an dem mehr als 400 Landwirte, zivilgesellschaftliche Akteure, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger mitwirkten. Zudem flossen zahlreiche Studien und Bewertungen sowie aktuelle Empfehlungen der wissenschaftlichen EU-Gremien ein. IPES-Food schlägt eine „Gemeinsame Lebensmittelpolitik“ vor – einen Politikrahmen, der alles Handeln auf Nachhaltigkeit neu ausrichtet, die Fahrtrichtung für das gesamte Lebensmittelsystem festlegt und alle Politiken zusammenbringt, die die Erzeugung, Verarbeitung, Verteilung und den Konsum von Lebensmitteln betreffen. „Eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik kann den Übergang zu nachhaltigen Ernährungssystemen auslösen und zwar auf eine Art und Weise, wie es die GAP, als Gemeinsame Agrar-Politik, nicht kann“, sagte der Hauptautor und Vorsitzende von IPES-Food, Olivier De Schutter.

Die Experten argumentieren, dass es eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik brauche, um Zielkonflikte und kostspielige Ineffizienzen zu beenden. Politiken, die sich auf Lebensmittelsysteme in Europa auswirken – Landwirtschaft, Handel, Lebensmittelsicherheit, Umwelt, Entwicklung, Forschung, Bildung, Steuer- und Sozialpolitik, Marktregulierung, Wettbewerb und viele andere mehr – seien über viele Jahre ad hoc entwickelt worden. „Das Resultat ist, dass Strategien gegen Fettleibigkeit neben Agrarhandelspolitiken existieren, die Junkfood billig und reichlich verfügbar machen. Die GAP bietet Prämien für Junglandwirte, neben einem Agrarsubventionsmodell, das die Landpreise nach oben treibt und den Zugang zu Land untergräbt. Und wir haben strenge Umweltstandards, während die Beratungsdienste, die die Landwirte benötigen würden, um diese zu erfüllen, unterfinanziert sind“, erklärt De Schutter. „Eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik kann diesen kostspieligen Widersprüchen ein Ende setzen, indem sie die Wurzel des Problems angeht: die Art und Weise, wie wir politische Maßnahmen festlegen und Prioritäten in Lebensmittelsystemen setzen.“ Zudem ist laut den Autoren eine Reform nötig, um soziale Innovation und Basisinitiativen einzubeziehen. Auf lokaler Ebene gibt es zahlreiche Experimente, von Solidarischer Landwirtschaft über Bauernmärkte bis hin zu lokalen Ernährungsräten und urbanen Lebensmittelpolitiken. Diese Initiativen sind oft sehr nachhaltig, verringern die Umweltauswirkungen und bringen Erzeuger und Verbraucher näher zusammen. Doch sie erhalten kaum Unterstützung und erfüllen meist nicht die Förderkriterien der GAP.

Der Bericht enthält 80 kurz-, mittel- und langfristige Reformvorschläge, mit denen fünf Ziele erreicht werden sollen: Die Gewährleistung des Zugangs zu Land, Wasser und gesunden Böden; der Wiederaufbau klimaresistenter, gesunder Agrarökosysteme; die Förderung einer ausreichenden, gesunden und nachhaltigen Ernährung für alle; der Aufbau fairerer, kürzerer und sauberer Lieferketten sowie die Ausrichtung des Handels auf nachhaltige Entwicklung. „Es kann nicht nur von Landwirten erwartet werden, dass sie auf ein neues Produktionsmodell umstellen. Wir müssen auch Schritte unternehmen, um den Zugang zu Land zu garantieren, um regionale Verarbeitungsstrukturen wiederaufzubauen, den Zugang zu Märkten zu erleichtern und eine Veränderung der Konsumgewohnheiten anzustoßen“, erklärte De Schutter.

IPES-Food fordert die Einrichtung eines Vizepräsidenten der Europäischen Kommission für nachhaltige Lebensmittelsysteme und einer interfraktionellen Arbeitsgruppe „Lebensmittel“ im EU-Parlament, um die sektorbezogenen Politiken zu überwachen und zu harmonisieren. Zudem müsse die EU die Vorschriften für die öffentliche Beschaffung und die Mehrwertsteuer reformieren und die Vermarktung von Junkfood einschränken, um Anreize für eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu setzen. EU-Mitgliedstaaten sollten nur GAP-Gelder erhalten, wenn sie verpflichtende Pläne für gesunde Ernährung entwickeln, die öffentliche Beschaffung, Stadtplanung, Steuer- und Sozialpolitik, Marketing und Ernährungserziehung einbeziehen.

Nach Ansicht der Experten muss die EU-Politik dringend auf agrarökologische Systeme mit geringem Input ausgerichtet werden. Sie schlagen die Einführung einer EU-weiten „Agrarökologieprämie“ als Basis für die GAP-Zahlungen vor, Anreize für mehr stickstoffbindende Leguminosen, Weiden und Agroforstwirtschaft, die Einrichtung unabhängiger landwirtschaftlicher Beratungsdienste, die Förderung des Wissensaustauschs zwischen Landwirten sowie letztendlich ein Ende der routinemäßigen Verwendung von Chemikalien. Zudem sollten Lebensmittelimporteure zur Verantwortung gezogen werden können, wenn es in ihren Lieferketten zu Abholzung, Land Grabbing oder Rechtsverletzungen kommt. IPES-Food will auch mehr Unterstützung für Initiativen, die Landwirte und Verbraucher miteinander verbinden („kurze Lieferketten“), mehr Verarbeitung und Wertschöpfung auf lokaler Ebene, regionale Ernährungsräte und städtische Lebensmittelpolitik. „Letztlich ist dieser Bericht eine Aufforderung zum Handeln“, sagte De Schutter. Er forderte die europäischen Institutionen auf, die Herausforderung anzunehmen, mit allen Akteuren des Lebensmittelsystems zusammen eine Ernährungspolitik für Europa fertigzustellen, zu verabschieden und umzusetzen. „Die Gemeinsame Lebensmittelpolitik bietet einen Plan B für Europa: Es geht darum, öffentliche Politik für das Gemeinwohl zurückzuerobern und das Vertrauen in das europäische Projekt wiederherzustellen.“ (ab)

14.02.2019 |

Bioboom: Öko-Anbaufläche wächst 2017 weltweit um 20%

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Mehr Möhren vom Biobauer! (Foto: A. Beck)

Bio boomt weltweit wie nie zuvor: Rund um den Globus wurden 2017 rund 69,8 Millionen Hektar Land ökologisch bewirtschaftet – ein rasanter Anstieg um 20% gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt der Bericht „The World of Organic Agriculture“, der vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und IFOAM – Organics International am Mittwoch auf der Messe BIOFACH präsentiert wurde. Ausgewertet wurden Daten zum Ökolandbau in 181 Ländern. Die Bioanbaufläche nahm demnach 2017 um 11,7 Millionen Hektar zu. Fast die Hälfte der Biofläche (35,9 Millionen Hektar) liegt dank Spitzenreiter Australien in Ozeanien, gefolgt von Europa mit 14,6 Millionen Hektar (21%) und Lateinamerika mit 8 Millionen Hektar (11,5%). Das Länder-Ranking führt Australien mit einer absoluten Bioanbaufläche von 35,6 Millionen Hektar an, gefolgt von Argentinien und China mit 3,4 bzw. 3,0 Millionen Hektar. Global betrachtet beträgt der Anteil des Ökolandbau erst 1,4%, doch einige Länder sind deutlich weiter: Liechtenstein liegt mit einem Bioanteil von 37,9% an der Gesamtfläche vorne – vor Samoa (37,6%) und Österreich (24%). Weltweit gab es 2017 dem Bericht zufolge rund 2,9 Millionen Bioproduzenten. Davon sollen 835.200 in Indien, 210.352 in Uganda und 210.000 in Mexiko leben. Der globale Markt für Bioprodukte betrug 2017 umgerechnet 86 Milliarden Euro. Spitzenreiter sind die USA mit mehr als 35 Milliarden Euro Umsatz.

Auch in Deutschland befindet sich der Ökolandbau im Aufwind, zeigen die aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die deutsche Öko-Fläche vergrößerte sich 2018 um 109.863 Hektar auf 1.483.020 Hektar Biofläche – ein Plus von 8% gegenüber 2017. Damit wird 8,9% der gesamten Landwirtschaftsfläche hierzulande von Bio-Bauern bewirtschaftet. Die Zahl der Bio-Betriebe erhöhte sich letztes Jahr auf 31.122 Höfe, ein Anstieg um 5,9% oder 1.727 Höfe. „2018 stellten jeden Tag fast fünf Bauern ihren Betrieb auf ökologische Landwirtschaft um. Auch auf der neuen Öko-Fläche, die einer Größe von über 150.000 Fußballfeldern entspricht, punkten die Bio-Betriebe auf jedem Hektar mit Boden-, Gewässer-, Tier- und Klimaschutz“, erklärte Peter Röhrig, Geschäftsführer des BÖLW.

Und auch die Nachfrage nach Bioprodukten nimmt stetig zu. Der Markt mit Biolebensmitteln und -getränken verbuchte 2018 ein Umsatzplus von 5,5% und ein Marktvolumen von rund 10,91 Milliarden Euro. Nach der Berechnung des ‚Arbeitskreises Biomarkt‘ wurden 2018 mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein Umsatzplus von 5,5 % und ein Marktvolumen von insgesamt 10,91 Milliarden Euro erzielt. Die Kunden ließen vor allem mehr Geld für Bio in Discountern und Supermärkten, die nun einen Umsatzanteil von fast 60% haben, während der Naturkostfachhandel und sonstige Geschäfte ein bescheideneres Umsatzplus verbuchten. BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein appellierte an die Bundesregierung, jetzt entschieden zu handeln, um die Dynamik zu verstetigen. „Damit noch mehr Unternehmen die Bio-Chance nutzen, damit Natur, Umwelt und Betriebe profitieren und die Bundesrepublik ihre Umwelt- und Klimaziele erreichen kann, müssen die agrar- und wirtschafts-politischen Maßnahmen kohärent und konsequent aufeinander abgestimmt werden.“ Es sei nötig, das neue Bio-Recht sinnvoll auszugestalten, mehr in Bio-Forschung und Entwicklung zu investieren, Umweltleistungen verlässlich zu honorieren und den Absatz heimischer Bio-Produkte zu stärken.

Von entscheidender Bedeutung für Bio sei die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik, betonte Löwenstein. Sie müsse schrittweise so umgebaut werden, dass Bauern für Leistungen entlohnt würden, welche die Gesellschaft benötige und für die der Markt die Landwirte nicht bezahle. Dazu müssten 70% der Steuergelder künftig die Bauern honorieren, die freiwillig mehr für Umwelt, Klima und Artenvielfalt tun. „Schon jetzt muss Bundesministerin Klöckner Mittel aus den Flächenzahlungen (1. Säule) in die Agrarumweltprogramme (2. Säule) umschichten“, so Löwenstein. Sonst gehe den Bundesländern das Geld für Agrarumweltprogramme, den Umbau der Tierhaltung und Öko aus. „Auch 2019 sollten alle interessierten konventionellen Bauern auf Bio umstellen können. Das geht nur, wenn ihre Öko-Leistungen auch honoriert werden.“ (ab)

13.02.2019 |

„Kollaps der Natur": Forscher warnen vor globalem Insektensterben

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Schmetterling ade! (Foto: A. Beck)

Über 40% der Insektenarten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben und damit einen „katastrophalen Kollaps der Ökosysteme“ auslösen, warnt eine Ende Januar im Fachblatt „Biological Conservation“ erschienene Studie. Wenn es so weitergeht wie bisher, könnten Insekten in 100 Jahren nur noch im Museum oder in Büchern zu bewundern sein. Schon 2017 hatte eine Studie gestützt auf Ergebnisse des Entomologischen Vereins Krefeld für Aufsehen gesorgt, die belegt, dass die Gesamtmasse der Fluginsekten in Deutschlands in den letzten 30 Jahren um 75% abnahm. Ende 2018 stellten Forscher einen dramatischen Schwund der Gliederfüßer im Regenwald von Puerto Rico fest. Nun hat Francisco Sánchez-Bayo von der Universität Sydney mit Kris Wyckhuys von der China Academy of Agricultural Sciences insgesamt 73 Studien ausgewertet, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen und die Ursachen für das Insektensterben zu ermitteln. Das wenig überraschende Ergebnis: Die Artenvielfalt von Insekten ist überall auf der Welt gefährdet.

„Unsere Arbeit zeigt dramatische Rückgangsraten, die in den nächsten Jahrzehnten zum Aussterben von 40% aller Insektenarten führen könnten“, schreiben sie im Abstract der Studie. Die Aussterberate ist achtmal höher als bei Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Die jährliche Verlustrate bei Insekten von 2,5% in den letzten 25 bis 30 Jahren sei „schockierend“, sagte Sánchez-Bayo der britischen Zeitung The Guardian. „Es geht rasant. In 10 Jahren wird es ein Viertel weniger Insekten geben, in 50 Jahren ist nur noch die Hälfte übrig und in 100 Jahren wird es gar keine Insekten mehr geben.“

In terrestrischen Ökosystemen waren Schmetterlinge, Hautflügler wie Wespen, Bienen und Ameisen sowie Mistkäfer am stärksten betroffenen. Außerdem haben Wasserinsekten wie Libellen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen bereits einen beträchtlichen Anteil an Arten verloren. Die Autoren schreiben, dass zu den betroffenen Insektengruppen nicht nur Spezialisten gehören, die bestimmte ökologische Nischen besetzen, sondern auch viele häufige Arten und „Generalisten“. Einige Insekten profitieren aber auch: „Das sind alles anpassungsfähige, generalistische Arten, die die freigewordenen Nischen besetzen, die von den abnehmenden Arten hinterlassen wurden. Bei den Wasserinsekten ersetzen Arten, die mit allen Lebensräumen und Ernährungsformen sowie mit Schadstoffen klarkommen, jene großen Biodiversitätsverluste, die in Gewässern in landwirtschaftlichen und städtischen Gebieten zu verzeichnen sind “, so die Wissenschaftler.

Als Hauptursachen des Insektensterbens nennt die Studie den Verlust von Lebensräumen und die Umstellung auf intensive Landwirtschaft sowie Verstädterung. Die Forscher machen vor allem synthetische Pestizide und Düngemittel verantwortlich. „Wenn wir unsere Produktionsweise von Nahrungsmitteln nicht ändern, wird die Gesamtheit der Insekten in einigen Jahrzehnten aussterben“, zitiert der Guardian. „Die Auswirkungen, die das für die Ökosysteme des Planeten haben wird, sind katastrophal, um es gelinde auszudrücken.“ Als weitere Ursachen machen die Wissenschaftler biologische Faktoren aus, darunter Krankheitserreger und eingeführte Arten sowie der Klimawandel. Der Klimawandel spielt besonders in tropischen Regionen eine wichtige Rolle, betrifft jedoch nur eine Minderheit von Arten in kälteren Gegenden und Gebirgslagen der gemäßigten Zonen.

„Wenn der Verlust von Insektenarten nicht gestoppt werden kann, wird dies katastrophale Folgen sowohl für die Ökosysteme des Planeten als auch für das Überleben der Menschheit haben“, sagte Sánchez-Bayo dem Guardian. Der Rückgang der Insektenpopulationen trifft vor allem Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische hart, die Insekten fressen. „Wenn ihnen diese Nahrungsquelle genommen wird, verhungern all diese Tiere“, fügte er hinzu. Um den Rückgang aufzuhalten, sind entschlossene Maßnahmen erforderlich. Den Autoren zufolge „ist ein Umdenken in Bezug auf die derzeitigen landwirtschaftlichen Praktiken, insbesondere eine erhebliche Verringerung des Pestizideinsatzes und der Übergang zu nachhaltigeren, ökologischen Praktiken, dringend nötig, um die aktuellen Trends zu verlangsamen oder umzukehren. Nur so können sich rückläufige Insektenbestände erholen und die lebenswichtigen Ökosystemdienstleistungen bewahrt werden, die sie bereitstellen. „Darüber hinaus sollten mit Einsatz von wirksamen Technologien verunreinigte Gewässer in landwirtschaftlichen und städtischen Gebieten gereinigt werden“, fordern die Wissenschaftler. (ab)

08.02.2019 |

Fettleibigkeit: Experten fordern „radikalen Umbau der Ernährungssysteme“

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Fettleibigkeit - eine Pandemie (Foto: CC0)

Ein internationales Team von Gesundheitsexperten hat eine radikale Umgestaltung der Ernährungssysteme und Geschäftsmodelle gefordert, damit Fettleibigkeit, Unterernährung und der Klimawandel bekämpft werden können. Regierungen müssen dringend den politischen Einfluss großer Lebensmittelkonzerne einschränken und das Gemeinwohl über Wirtschaftsinteressen stellen, fordert die „Kommission zu Fettleibigkeit“ des medizinischen Fachblatts „The Lancet“. In einem Mitte Januar erschienenen Bericht, den 26 Experten aus 14 Ländern über drei Jahre hinweg ausarbeiteten, warnen sie, dass sich die drei Pandemien Fettleibigkeit, Unterernährung und Klimawandel zu einer „globalen Syndemie“ vereinen. Diese gehe einher mit steigenden Fettleibigkeitsraten und Treibhausgas-Emissionen sowie stagnierenden Unterernährungsraten. Diese „Syndemie“ stelle „die größte gesundheitliche Herausforderung für Mensch, Umwelt und Planet im 21. Jahrhundert dar“. Schädliche wirtschaftliche Anreize, fehlende politische Führung und zu wenig Druck der Gesellschaft verhindern den Autoren zufolge, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden. „Momentan treiben uns ökonomische Anreize zu Überproduktion und -konsum, wodurch Übergewicht und Klimawandel verursacht werden“, sagte Kommissionsmitglied Prof. Corinna Hawkes von der University of London. „Gleichzeitig haben viele Millionen immer noch nicht genügend nahrhafte Nahrung, was zu Unterernährung führt. Es ist ein verzerrtes System, dem ein veraltetes Wirtschaftsmodell zugrunde liegt.“

Als Hauptursachen der „globalen Syndemie“ benennt die Kommission Ernährung und Landwirtschaft, Verkehr, Städteplanung und Landnutzung. „Bis jetzt wurden Unterernährung und Fettleibigkeit als Gegensätze von entweder zu wenig oder zu viel Kalorien angesehen“, erklärte der Ko-Vorsitzende der Kommission, Prof. Boyd Swinburn von der University of Auckland. „In Wirklichkeit werden beide von denselben ungesunden, ungerechten Ernährungssystemen angetrieben, die von einem Wirtschaftssystem getragen werden, das einseitig auf Wachstum ausgerichtet ist und die negativen Folgen für Gesundheit und Gerechtigkeit ignoriert.“ Auch wenn Ernährungssysteme bisher erfolgreich die Menschen ernährten und ihre Gesundheit und Lebenserwartung verbesserten, sind sie heute zunehmend industrialisiert, globalisiert und von großen Akteuren mit langen Lieferketten beherrscht, die Skaleneffekte erzielen. Agrarsysteme setzen vor allem auf die Produktion von energiereichen Grundnahrungsmitteln statt ausreichend nährstoffreicher Nahrung. Zudem befördern hochverarbeitete Lebensmittel die weltweite Adipositas-Pandemie: Fast 2 Milliarden Menschen sind übergewichtig oder fettleibig. Das Ernährungssystem führt auch zu schweren Umweltschäden, ist verantwortlich für bis zu 29% der anthropogenen Treibhausgasemissionen und verursacht das Abholzen der Wälder, Bodendegradation und ein massives Artensterben. „Eine grundlegende Neuausrichtung der Ernährungssysteme ist erforderlich“, betonen die Autoren. „Schönheitsreparaturen an der Oberfläche werden nicht die Ergebnisse liefern, die die Welt für das 21. Jahrhunderts braucht.“

Die Kommission hat neun Empfehlungen und über 20 Maßnahmen parat: Auf nationaler und internationaler Ebene müssen die Maßnahmen vollständig umgesetzt werden, die in internationalen Richtlinien, Resolutionen und Verträgen vereinbart wurden. Die Autoren schlagen ein rechtlich bindendes Rahmenwerk zu Ernährungssystemen vor, ähnlich den UN-Rahmenübereinkommen zu Tabak und Klimawandel, um Länder bei der Ausarbeitung einer nachhaltigen und gesunden Lebensmittelpolitik zu helfen. Kommunalverwaltungen und das Engagement der Zivilgesellschaft sollten gestärkt werden, um auf allen Ebenen Druck zu erzeugen. Zudem müsse der Einfluss der Wirtschaftslobby auf die Politik reduziert werden, damit Regierungen politische Maßnahmen im öffentlichen Interesse umsetzen können, die der menschlichen Gesundheit, der Umwelt und der Erde dienen. Dazu sollten klare Leitlinien zu Interessenkonflikten verabschiedet und institutionalisiert werden. „Eigeninteressen sind eine Hauptquelle für politische Trägheit, die Änderungen an den bestehenden Systemen verhindert. So üben etwa nationale Lebensmittelkonzerne und transnationale Hersteller von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken oft einen unverhältnismäßigen Einfluss auf die Gesetzgeber und den politischen Entscheidungsprozess aus“, kritisiert der Bericht.

Die Politik sollte auch nachhaltige und gesundheitsfördernde Geschäftsmodelle anregen, damit es für Unternehmen nicht rentabel ist, den Fokus nur auf kurzfristige Gewinne zu legen. „Um dieses Ziel zu erreichen, sollten die nationalen Regierungen zunächst Subventionen für Produkte, die zur „globalen Syndemie“ beitragen, beseitigen oder umlenken auf Produktions- und Konsumpraktiken, die für die Gesundheit, die Umwelt und die Erde gut sind.“ Eine Verringerung der Subventionen für Ölkonzerne und große Agrarbetriebe, die Monokulturen anbauen, würde es ermöglichen, Innovationen im Bereich saubere Energie und Transport sowie gesunde, lokale Ernährungssysteme zu fördern. Außerdem müssten Wirtschaftssysteme entstehen, in denen die Produktkosten den Preis für Krankheiten, Umweltschäden und Treibhausgasemissionen einbeziehen.

Die Kommission fordert aber auch mehr Rechte für Verbraucher. Sie brauchen Informationen über die Umweltbelastung und die gesundheitlichen Auswirkungen von Produkten. „Die Menschen müssen sich der Vor- und Nachteile dessen, was sie essen, bewusst sein und dazu angehalten werden, gesund zu essen. Die Verbraucher wissen jedoch oft nicht einmal, was sie zu sich nehmen, weil die Etiketten keine verständlichen Informationen liefern“, schreibt José Graziano da Silva, Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO in einem Kommentar. „Verbraucher müssen befähigt werden, fundierte Entscheidungen für eine gesunde Ernährung zu treffen.“ Die Autoren gehen davon aus, dass eine klare Kennzeichnung durch die Nachfrage Druck auf Konzerne ausüben würde, zu gesünderen und nachhaltigeren Praktiken und Produkten überzugehen. „Wir brauchen weitsichtige politische Entscheidungsträger und Führungskräfte des Privatsektors, um Maßnahmen voranzubringen, die Fettleibigkeit und Unterernährung reduzieren und sich positiv auf die Wirtschaft und Nachhaltigkeit auswirken“, sagt Hawkes. (ab)

01.02.2019 |

Metastudie: Ökolandbau bringt Vorteile für Umwelt‐ und Ressourcenschutz

Sonne
Insekten fliegen auf Bio (Foto: A. Beck)

Der Ökolandbau bringt vor allem beim Umwelt‐ und Ressourcenschutz deutliche Vorteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Zu diesem Ergebnis gelangt eine umfassende Metaanalyse unter Leitung des staatlichen Thünen-Instituts und der Universität Kassel, die am 21. Januar veröffentlicht wurde. Ziel des interdisziplinären Verbundprojekts von acht Universitäten und Forschungseinrichtungen war es, die gesellschaftlichen Leistungen des Ökolandbaus für Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl zu bewerten. Dies taten die 22 Wissenschaftler anhand von insgesamt 33 Indikatoren und werteten dafür 528 Vergleichsstudien mit 2.816 Einzelvergleichen aus. Das Resultat zeigt über alle Indikatoren hinweg, dass die ökologische Bewirtschaftung gegenüber der konventionellen Variante im Bereich des Umwelt‐ und Ressourcenschutzes bei 58% der analysierten Vergleichspaare Vorteile aufwies und bei 28% gleichauf war. Nur bei 14% der Vergleichspaare war die konventionelle Variante vorteilhafter. Der Ökolandbau punktete insbesondere in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Ökolandbau ein hohes Potenzial zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser zu zuschreiben ist“, lautet das Fazit in puncto Gewässerschutz. „Positiv wirkt sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus. Im Mittel vermindert eine ökologische Bewirtschaftung in den ausgewerteten Untersuchungen die Stickstoffausträge um 28%. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wird der Eintrag von Wirkstoffen mit einer potenziell hohen Umwelttoxizität unterbunden.“ Auch bei Tierarzneimitteln sei wegen der Produktionsvorschriften für die ökologische Tierhaltung von deutlich geringeren Einträgen auszugehen. Bei der Bodenfruchtbarkeit bringt der Ökolandbau ebenfalls Vorteile: „Die Abundanzen (Häufigkeiten) und Biomassen von Regenwurm-Populationen waren hier im Mittel um 78 bzw. 94% höher. Bei 62% der Vergleichspaare war die ökologische Wirtschaftsweise im Oberboden mit einer geringeren Versauerung verbunden“, teilten die Forscher mit. Beim Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphor im Oberboden konnte hingegen keine eindeutige Tendenz festgestellt werden.

Ganz eindeutig punktet der Ökolandbau hingegen bei der Artenvielfalt. Im Mittel lagen die Artenzahlen der Ackerflora um 95% höher, bei den Feldvögeln um 35% und bei blütenbesuchenden Insekten um 23% höher. Zu berücksichtigen sei aber, dass die Landschaftsstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt habe und diese die Effekte der Landnutzung stark überlagern könne. Auch beim Klimaschutz brachte der Ökolandbau positive Effekte, doch die Wissenschaftler differenzierten hier nach Emissionen pro Hektar und pro Tonne. Durch eine höhere Kohlenstoffspeicherungsrate – die Forscher sprechen von einem im Schnitt 10% höheren Gehalt an organischem Bodenkohlenstoff und eine um 256 kg C/Hektar höhere jährliche Kohlenstoffspeicherungsrate – sowie verminderte Lachgasemissionen stießen Ökobetriebe laut Studie im Mittel 1.082 kg weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr aus. „Aufgrund des niedrigeren Ertragsniveaus im Ökolandbau sind die ertragsbezogenen Klimaschutzleistungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft jedoch vermutlich vergleichbar.“ Geschlagen geben musste sich Bio bei einem Indikator: Die ökologische Rinderhaltung erbringe bezüglich stoffwechselbedingter Methanemissionen pro kg Milch vermutlich niedrigere Leistungen als die konventionelle. Doch die Gesamtemissionen pro kg Milch aus ökologischer und konventioneller Produktion werden wiederum als vergleichbar eingestuft.

Bei der Klimaanpassung zeigt die Studie den Beitrag des Ökolandbaus zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz auf. „Der Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden – vereinfacht gesagt der Humusgehalt – und die Aggregatstabilität waren im Ökolandbau im Mittel 26% bzw. 15% höher; bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137% festgestellt. Dadurch werden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert“, vermeldet das Thünen-Institut. Auch bei der Ressourceneffizienz lag er Ökolandbau vorn: Der sparsame Ressourcenverbrauch im Ökolandbau spiegelt sich unter anderem in der Stickstoff- und Energieeffizienz wider. Im Pflanzenbau war die Stickstoffeffizienz im Mittel 12% und die Energieeffizienz 19% höher als im konventionellen Landbau. Doch die Wissenschaftler betonen auch: „Eine der größten Herausforderungen im Ökolandbau ist die nachhaltige Steigerung der Erträge und der Energiebindung sowie die Verminderung der „Ertragslücke“ (yield gap) zu konventionellen Systemen. Hierzu sind unterschiedliche Ansätze zu verfolgen, vor allem die Züchtung leistungsfähiger, an die Bedingungen des Ökolandbaus adaptierter Sorten.“

Kein klares Bild zeigte sich beim Tierwohl. Bei 46% der Vergleichspaare wurden keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt. Die ökologische Wirtschaftsweise wies bei 35% der Vergleichspaare Vorteile auf. Bei der Tiergesundheit schien das Management entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise. Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass nur wenige Studien bisher neben der Tiergesundheit weitere Dimensionen des Tierwohls, d. h. Tierverhalten und emotionales Befinden berücksichtigen. Die vorhandenen Studien deuten hier Vorteile der ökologischen Tierhaltung an, z. B. da Bio-Tiere mehr Platz im Stall und Auslauf haben.

Die Autoren schlussfolgern, dass der ökologische Landbau „einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt‐ und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung“ gelte. „Die Studie zeigt, dass Ökolandbau beim Umwelt- und Ressourcenschutz deutliche und messbare Vorteile bringt“, kommentierte Felix Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Doch Ressourcenschutz kostet Geld. Es ist sehr entscheidend, dass Bauern, die enkeltaugliche Landwirtschaft betreiben, dafür honoriert werden. Hier ist die Politik am Zug.“ Er forderte Landwirtschaftsministerin Klöckner und ihre Kollegen in Bund und Ländern auf, „die agrarpolitischen Weichen noch entschiedener auf Öko stellen“. Die Reform der EU-Agrarpolitik biete dafür jetzt die beste Gelegenheit. (ab)

29.01.2019 |

Rezept für eine gesunde Ernährung innerhalb der planetaren Grenzen

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Mehr Gemüse auf den Teller (Foto: CC0)

Auch eine wachsende Weltbevölkerung von 10 Milliarden kann gesund und nachhaltig ernährt werden. Doch die Art und Weise, wie wir essen und Lebensmittel produzieren, muss sich grundlegend verändern. Wie das gehen soll, hat die EAT-Lancet-Kommission ausgearbeitet, ein Team von Wissenschaftlern aus den Bereichen Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft. Mitte Januar publizierten die 37 Experten aus 16 Ländern ihren Vorschlag im Fachjournal The Lancet: die „planetary health diet” – eine Ernährung, die Gesundheit und Umwelt schützt. „Ernährungssysteme haben das Potenzial, die menschliche Gesundheit und ökologische Nachhaltigkeit zu fördern, doch derzeit stellen sie eine Bedrohung für beides dar“, warnen die Autoren. Aktuell ist unsere Ernährung weltweit eine der Hauptursachen für Krankheiten. Sie führt nicht nur zu Fettleibigkeit und ernährungsbedingten, nicht übertragbaren Krankheiten, sondern schädigt auch den Planeten. „Die globale Nahrungsmittelproduktion gefährdet die Klimastabilität und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme. Sie ist der größte Treiber für die Zerstörung der Umwelt und die Überschreitung planetarer Grenzen“, sagte Prof. Johan Rockström, Co-Vorsitzender der Kommission und einer der Hauptautoren. „Eine radikale Umgestaltung des globalen Ernährungssystems ist dringend nötig. Wenn nicht gehandelt wird, riskieren wir, die UN-Nachhaltigkeitsziele und das Pariser Klima-Abkommen nicht einhalten zu können.“

Die Autoren argumentieren, dass der Mangel an wissenschaftsbasierten Zielen für eine gesunde Ernährung bisher Bemühungen zur Umgestaltung des Ernährungssystems behinderte. Daher formulieren sie Ziele für eine gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion. Die „planetarische Gesundheitsdiät“ sieht vor, dass sich der weltweite Konsum von Lebensmitteln wie rotem Fleisch und Zucker halbiert, während doppelt so viel Nüsse, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf den Teller kommen sollen. „Eine gesunde Ernährung weist eine angemessene Kalorienzufuhr und eine Vielzahl von pflanzlichen Lebensmitteln auf, geringe Mengen tierischer Lebensmittel, ungesättigte statt gesättigte Fette und wenig raffiniertes Getreide oder stark verarbeitete Lebensmittel und zugesetzter Zucker“, sagt der zweite Co-Vorsitzende, Dr. Walter Willett von der Harvard University. Der optimale Speiseplan erlaubt 2.500 Kilokalorien täglich, von denen 35% auf Vollkornprodukte und Knollen entfallen und die meisten Eiweiße pflanzlich sind. 500 Gramm Obst und Gemüse und 250g Milchprodukte, aber nur 14g rotes Fleisch und 13g Eier sind einkalkuliert. „Die Spannbreiten bei den vorgeschlagenen Lebensmittelgruppen erlauben Flexibilität für unterschiedliche Lebensmitteltypen, Agrarsysteme, kulturelle Traditionen und individuelle Ernährungspräferenzen - inklusive zahlreiche omnivore, vegetarische und vegane Ernährungsweisen.“ Würde der Ernährungsvorschlag weltweit umgesetzt, würde sich den Wissenschaftlern zufolge die Zufuhr der meisten Nährstoffe verbessern und zwischen 10,9 und 11,6 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr könnten abgewandt werden.

Eine Umstellung auf diesen Speiseplan würde die Welt auch dem Ziel einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion näherbringen, die sich innerhalb der Grenzen des Planeten bewegt. „Fünf wichtige Umweltprozesse regulieren den Zustand des Planeten“, erklärt Rockström. „Unsere Definition von nachhaltiger Lebensmittelproduktion erfordert, dass wir keine zusätzlichen Flächen nutzen, die Artenvielfalt erhalten, den Wasserverbrauch reduzieren und verantwortungsvoll mit Wasser umgehen, die Stickstoff- und Phosphorbelastung erheblich reduzieren, keine CO2-Emissionen sowie keinen weiteren Anstieg der Methan- und Lachgasemissionen verursachen.“ Die ganze Lebensmittel-Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Verbrauch müsse bis 2050 unabhängig von fossilen Brennstoffen werden und der Ausstoß von Methan und Lachgas unter 5 Gigatonnen CO2-Äquivalenten bleiben. „Es gibt kein Patentrezept für die Beseitigung schädlicher Produktionspraktiken, aber durch die Definition eines sicheren Betriebsbereichs für Ernährungssysteme können wir Ernährungsweisen identifizieren, die die menschliche Gesundheit und Umweltverträglichkeit fördern“, so Rockström. (ab)

23.01.2019 |

Appell an die Bundesregierung: „Agrarökologie stärken!“

Vielfalt
Vielfalt lautet die Devise (Foto: CC0)

Eine grundlegende Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme mithilfe der Agrarökologie – das fordern mehr als 50 zivilgesellschaftliche Organisationen von der Bundesregierung. Denn ein „Weiter-wie-bisher“ ist keine Option, wie schon die mehr als 400 Autoren des Weltagrarberichts 2009 betonten, da die industrielle Landwirtschaft die Existenz (klein-)bäuerlicher Betriebe und die natürlichen Lebensgrundlagen hier und im globalen Süden bedroht. Der Weltagrarbericht trug auch wesentlich dazu bei, dass Agrarökologie zu einem anerkannten Konzept ökologischer, klimaangepasster und sozial nachhaltiger Entwicklung wurde. Nun richten sich die 56 unterzeichnenden Organisationen – von A wie Agrar Koordination über I wie INKOTA bis Z wie Zukunftsstiftung Landwirtschaft – mit einem Mitte Januar veröffentlichten Positionspapier an die Regierung. Ihr Appell: Die Agrarökologie soll zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimawandel gemacht werden und auch bei der Reform der EU-Agrarpolitik eine gewichtige Rolle spielen. „Die Förderung der Agrarökologie zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Lebenssituation von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, mindert die Folgen der Klimakrise und schützt die natürlichen Lebensgrundlagen“, erklärt die Agrarexpertin von Oxfam, Marita Wiggerthale.

Das Konzept der Agrarökologie ist wissenschaftlich fundiert, in der Praxis hinlänglich erprobt und ganzheitlich im Ansatz, argumentieren die Verfasser. Es baut auf den Prinzipien des ökologischen Landbaus auf. Dazu zählen der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, der Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier und Mensch sowie der Verzicht auf Mineraldünger und Pestizide. „Agrarökologie entwickelt Lösungsansätze für viele soziale und ökologische Probleme in Landwirtschafts- und Ernährungssystemen in Zeiten des Klimawandels“, heißt es in dem Papier, das zehn Kernelemente der Agrarökologie formuliert. Eines lautet Vielfalt: „Agrarökologie integriert systematisch Biodiversität im Anbausystem und respektiert biologische Prozesse. Boden, Pflanzen und Tiere werden als Ökosystem verstanden und das Wissen darüber in den Vordergrund gestellt. Vielfältige Fruchtfolgen und eine kontinuierliche Bodenbedeckung durch Ackerwildkräuter und Zwischenfrüchte füttern die Bodenlebewesen, ermöglichen Humusaufbau und verhindern Bodendegradierung.“ Katrin Wenz, Agrarexpertin beim BUND, fasst zusammen: „Wer Vielfalt erhalten will, darf also nicht weiter auf die Intensivierung der Landwirtschaft setzen, sondern muss Anbausysteme fördern, die Ressourcen sparen und die Biodiversität schützen.“

Zudem ermögliche Agrarökologie mehr Resilienz und Anpassung an die Klimakrise: „Diversifizierte Anbausysteme machen Bauern und Bäuerinnen krisensicherer gegenüber externen Schocks wie Wetterextremen oder Preisschwankungen. „Böden speichern in Dürrezeiten besser Wasser und nehmen bei Starkregen Wasser leichter auf. Pflanzen können tiefer wurzeln. Der Schädlings- und Krankheitsdruck nimmt ab“, so INKOTA-Landwirtschaftsexperte Jan Urhahn. Durch eine verbesserte Bodengesundheit und die Bindung von Kohlenstoff sowie einen geringeren Energieverbrauch vermeiden agrarökologische Praktiken Treibhausgasemissionen und tragen so zum Klimaschutz bei.

Die Agrarökologie berge auch großes Potenzial, um viele der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen. Doch verfehlte Agrar-, Handels-, Forschungs- und Subventionspolitiken stünden dem entgegen. Daher richten die Autoren Forderungen zu sechs Bereichen an die Bundesregierung. Sie wollen erreichen, dass diese die notwendigen politischen Rahmenbedingungen setzt und sich zur schrittweisen Umsetzung agrarökologischer Elemente verpflichtet. In der staatlichen Entwicklungs-Zusammenarbeit solle die Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung auf dem Land werden. Bis 2021 sollten 300 Millionen Euro dafür national und international zur Verfügung gestellt werden. Kontraproduktive Programme müsse die Bundesregierung umgehend beenden. „Daher muss sie aus der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika aussteigen“, fordert Urhahn. Denn diese Initiative nütze vor allem großen Agrarkonzernen und stehe der Agrarökologie entgegen.

Aber auch im Bereich Forschung und Beratung sowie bei Klima und Landwirtschaft sei einiges zu tun. „Die Bundesregierung sollte Klimagelder für die Landwirtschaft, insbesondere in der Forschung, verstärkt in Vorhaben zur Agrarökologie einsetzen.“ Auf EU-Ebene solle sich die Bundesregierung bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) dafür starkmachen, dass agrarökologische Elemente zentraler Bestandteil werden. Statt agrarindustrielle Betriebsmodelle zu unterstützen, sollte die GAP artgerechte Tierhaltung sowie einen Umbau im Ackerbau (mehr Fruchtfolge, Leguminosenanbau, vielfältige Flächenstruktur) fördern und wirkungsvoll zu Umwelt-, Tierschutz- und Klimazielen beitragen. (ab)

21.01.2019 |

35.000 Menschen demonstrieren in Berlin für Reform der Agrarpolitik

FotoDemo
Abschlusskundgebung der Demo (Foto: Nick Jaussi/www.wir-haben-es-satt.de)

Tausende haben am Samstag in Berlin für eine gerechte und ökologischere Landwirtschaft demonstriert. Angeführt von 171 Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren zogen rund 35.000 Menschen unter dem Motto „Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!“ vom Brandenburger Tor zum Ort der Agrarministerkonferenz und durch das Regierungsviertel. Die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer protestierten bei eisigen Temperaturen und anfangs strahlendem Sonnenschein für konsequenten Klima- und Naturschutz, mehr Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe, artgerechte Tierhaltung, ein Ende der Dumping-Exporte, gerechten Welthandel und gesundes Essen für alle. Plakate mit der Aufschrift „Summ Summ Summ... Ohne Vielfalt komm ich um“ oder „Insekten schützen, Pestizide stoppen“ wandten sich gegen den Verlust der Artenvielfalt. Andere Demonstranten forderten „Faire Preise für Landwirte“, „Tiere auf die Weide“ oder machten auf das Verschwinden kleiner Höfe aufmerksam. Viele von ihnen waren als Bienen, Schweine oder Kühe verkleidet. Aufgerufen zu der Demo hatte „Wir haben es satt!“, ein breites Bündnis von mehr als 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen. Der Protestzug findet schon seit 2011 jedes Jahr zum Auftakt der Agrarmesse Grüne Woche und der internationalen Agrarministerkonferenz in Berlin statt.

Das Demonstrationsbündnis fordert von der Bundesregierung die längt überfällige Agrarwende. Die aktuelle Reform der EU-Agrarpolitik bietet dazu eine Chance, denn hier kann die Bundesregierung mitentscheiden, welche Art der Landwirtschaft künftig durch Steuergelder finanziert wird. „Mit den über sechs Milliarden Euro, die Deutschland jedes Jahr an EU-Agrargeldern verteilt, muss der umwelt- und tiergerechte Umbau der Landwirtschaft gefördert werden”, sagt „Wir haben es satt!“-Sprecherin Saskia Richartz. In Deutschland werden jährlich 6,3 Milliarden Euro an EU-Agrargeldern ausgezahlt. Mehr als drei Viertel sind pauschale Subventionen je Hektar Fläche. „Agrarministerin Klöckner klammert sich an die pauschalen Flächensubventionen wie ihre Vorgänger ans Ackergift Glyphosat“, fügt sie hinzu. „Der Agrarindustrie immer weiter Milliarden in den Rachen zu stopfen ist agrar- und klimapolitischer Irrsinn. Wir fordern: Umverteilen jetzt!” Die 3.300 flächengrößten Betriebe erhalten eine Milliarde Euro im Jahr, während die kleinsten 200.000 Bauernhöfe sich knapp 700 Millionen teilen müssen.

Im Vorfeld der Demo hatten die 171 Bauern, die mit ihren Traktoren aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, eine Protestnote an die 70 versammelten Agrarminister aus aller Welt übergeben. Diese nahm Bezug auf das Kernthema der Agrarministerkonferenz: die Digitalisierung in der Landwirtschaft. „Wir möchten bei Ihnen in Erinnerung rufen, dass bäuerliche Erfahrungen und bäuerliches Wissen ein Schatz sind, den es zu erhalten und zu schützen gilt. (...) Digitalisierung kann den Austausch von Wissen und Informationen sowie die Vernetzung der Erzeuger*innen wesentlich vereinfachen und zu massiver Arbeitserleichterung in der Landwirtschaft führen“, schreiben sie. „Damit es aber zu keinem Missbrauch dieses Wissens und dieser Informationen kommt, braucht es hier klare und verbindliche internationale Regeln im Rahmen der Vereinten Nationen.“ Sie forderten die Agrarminister auf, die notwendigen Schritte einzuleiten, damit nicht multinationale Konzerne die Rechte erhalten, um Daten und Informationen, z.B. über Klima, Genetik oder Böden, exklusiv zu nutzen und zu bestimmen, wie die (digitale) Landwirtschaft der Zukunft aussieht. (ab)

17.01.2019 |

BÖLW fordert Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik

Gemüse
Welche Landwirtschaft fördern wir? (Foto: CC0)

Ist die deutsche Landwirtschafts- und Ernährungspolitik darauf ausgerichtet, Tiere, Umwelt und Klima zu schützen und künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen? Dieser Frage ging der Bioverband „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW) nach. „Das Ergebnis unseres Politik-Checks ist eindeutig: Bei der Agrar- und Ernährungspolitik der Bundesregierung ist viel Luft nach oben“, lautet das Fazit des BÖLW-Vorsitzenden Felix Löwenstein. „Denn auch wenn Julia Klöckner und ihre Kollegen erkannt haben, dass sich was verändern muss, ziehen sie daraus bisher kaum echte Konsequenzen.“ Mit Blick auf die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) wirft der Verband der Bundesregierung vor, nicht ausreichend aktiv zu werden. „Dürrejahr, Höfesterben, Überdüngung und Artenschwund zeigen, dass Politik in der Landwirtschaft wirksam umsteuern muss“, sagte BÖLW-Vorstand für Landwirtschaft Alexander Gerber. Die Themen würden zwar benannt, aber ambitionierte Reformen lasse die Bundesregierung vermissen – „trotz ihrer Ziele im Koalitionsvertrag, obwohl die Wissenschaft den Umbau anmahnt und die Bürger sich dringend eine nachhaltige Landwirtschaft wünschen.“

Die Bilanz zur Ernährungspolitik fällt ebenso dürftig aus. Ernährungsbedingte Gesundheitskosten von 300 Millionen Euro am Tag seien ein klarer Arbeitsauftrag an die Politik – und das im Koalitionsvertrag festgehaltene Ziel, einen ‚gesunderhaltenden und nachhaltigen Lebensstil fördern‘ zu wollen daher richtig, räumt Volker Krause, BÖLW-Vorstand für Verarbeitung, ein. „Was Ernährungsministerin Klöckner dafür tut, genügt allerdings nicht. Denn anstatt eine umfassende Ernährungsstrategie mit entsprechenden Maßnahmen und Finanzierung aufzusetzen, bleibt es bisher bei einzelnen, zumeist ‘technischen’ Nischenlösungen mit einer dünnen finanziellen Ausstattung“, erklärte Krause. Zucker in Fertigprodukten etwa durch ‚neuartige Zucker‘ auszutauschen, werde die Probleme nicht lösen. Vor allem in der öffentlichen Verpflegung in den eigenen Einrichtungen wie Kantinen, Schulen, Kitas oder Krankenhäusern müssten mehr gesunde Bio-Lebensmittel eingesetzt werden.

Und auch das Ergebnis des Politik-Checks zur Tierhaltung und Kennzeichnung fällt durchwachsen aus: „86 % der Menschen wollen wissen, wie die Tiere gehalten, deren Fleisch sie essen, sagt der aktuelle Ernährungsreport von Bundesministerin Klöckner“, erinnert Elke Röder, BÖLW-Vorstand für Handel. „Die Bürger kennen die Eierkennzeichnung und vertrauen dem Bio-Siegel als wichtigstes Kennzeichen für gute Lebensmittel.“ Ministerin Klöckner plane mit dem nicht verpflichtenden ‚Tierwohllabel‘ dennoch einen Sonderweg, der mehr Verwirrung als Klarheit für die Kunden und sehr wenig für die Tiere bringe. Bliebe es etwa bei den Punkten, die hinsichtlich Schlachtung oder Transport als Verbesserung im ‚Tierwohllabel‘ genannt werden, würden lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen konkretisiert. „Ein staatliches ‚Tierwohllabel‘ sollte aber keine Werbung mit Selbstverständlichkeiten betreiben“, fordert Röder.

Auch mit dem Einsatz der Regierung für den Ökolandbau ist der BÖLW nicht zufrieden. „Die jetzige Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, den Flächenanteil der ökologischen Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 auf 20% zu erhöhen. Das ist ehrgeizig und gut. Allerdings genügt es nicht, was die Politik bisher tut“, sagte Löwenstein diese Woche im Interview mit dem Tagesspiegel. „Das Landwirtschaftsministerium hat sich noch immer nicht klar zu den Reformvorschlägen aus Brüssel zur Agrarförderung geäußert, und die sind jetzt neun Monate alt. Langsam werden wir ungeduldig. Denn die Zeit rennt uns und unseren Kindern und Enkeln davon, für die wir unbedingt eine zukunftsfähige Landwirtschaft brauchen.“ Der Verband fordert daher, das 20%-Ziel durch konkrete Maßnahmen umzusetzen, denn der Flächenanteil des Ökolandbaus liege erst bei 8%. Dazu müsse die „Zukunftsstrategie Öko-Landbau“ umgesetzt und mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden. Die GAP müsse darauf ausgerichtet werden, dass jene Bauern honoriert werden, die Umwelt, Klima und Tiere schützen. Und: „Wer heute 20% Bio anstrebt, muss auch ausreichend in Forschung investieren, um das Innovationspotential von Bio voll zu heben“, mahnte der BÖLW. Denn aktuell werden nur etwa 1,5 % der Agrarforschungsmittel für Bio-Themen investiert. (ab)

14.01.2019 |

Wollschwein zur gefährdeten Nutztierrasse 2019 gekürt

Wollschwein
Wollschwein im Doppelpack (Foto: A. Beck)

Für widriges Wetter ist das Wollschwein optimal gerüstet: Sein dichtes Borstenkleid und eine ordentliche Speckschicht schützen es vor extremer Witterung. Dennoch bedarf die älteste, rein erhaltene Schweinerasse Europas weiterhin eines besonderen Schutzes und steht auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). Nun hat die GEH das Wollschwein zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2019“ gekürt. Seinen Ursprung hat das Wollschwein – auch Mangalitza-Schwein genannt – auf dem Balkan, vor allem in Ungarn. Bis in die 1950er Jahre war es als Speckschwein weit verbreitet und wurde millionenfach gehalten, doch eben diese fette Speckschicht wurde dem Wollschwein zum Verhängnis. Denn aufgrund veränderter Essgewohnheiten und der verstärkten Nachfrage nach magerem Fleisch wurde Wollschwein-Fleisch ab den 1960er Jahren kaum noch nachgefragt – und die Tiere wurden daher nicht mehr gezüchtet. Die Bestände nahmen stark ab: 1993 gab es im Ursprungsland Ungarn weniger als 200 Tiere.

Doch dank der Bemühungen mehrerer Züchter und durch die in den 1970er Jahren gegründeten staatlichen Genbanken in Ungarn stieg die Zahl der Wollschweine wieder. Der GEH zufolge ist dies vor allem auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Wollschweinschinken für die Produktion von spanischen Schinkenprodukten aufgrund der genetischen Nähe des Wollschweins zum schwarzen Iberico-Schwein stark zunahm. Auch in Deutschland sind die wolligen Gesellen immer häufiger zu sehen. Das Wollschwein kommt in drei verschiedenen Farben vor, die als eigenständige Rassen angesehen werden. Hierzulande sind derzeit insgesamt 74 Blonde-, 90 Rote und 123 Schwalbenbäuchige Wollschweine bei 91 Züchtern erfasst.

Seit 1984 rückt die GEH jedes Jahr eine gefährdete Nutztierrasse in den Mittelpunkt, um darauf aufmerksam zu machen, dass neben Wildtieren und -pflanzen auch in der Landwirtschaft der Verlust der Vielfalt eingezogen ist. Das bestätigt auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). In ihrem 2016 erschienen zweiten Bericht zum weltweiten Stand der tiergenetischen Ressourcen macht sie darauf aufmerksam, dass weltweit 1.458 landwirtschaftlich genutzte Tierrassen vom Aussterben bedroht sind. Das sind gut 17% aller Nutztierrassen. Aufgrund der schlechten Datenlage ist zudem bei fast 60% der Nutztierrassen unklar, wie es um ihren Erhaltungszustand bestellt ist. Als Gründe für die zunehmende Verringerung der genetischen Vielfalt nennt die FAO wahllose Kreuzungen, den wachsenden Einsatz nicht heimischer Tierarten, den Rückgang traditioneller Produktionsformen sowie die Vernachlässigung von Rassen, die nicht als leistungsfähig genug gelten. Dabei könnten ihre genetischen Eigenschaften in Zeiten des Klimawandels für die Welternährung enorm an Bedeutung gewinnen, betont die FAO. (ab)

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