Nachricht

30.11.2022 |

Brasilien: Sojaanbau für die EU heizt Entwaldung im Cerrado an

cer
Typische Cerrado-Landschaft bei Mato Grosso: Soja, soweit das Auge reicht (Foto: Jeff Belmonte, bit.ly/CerJeff bit.ly/4_CC_BY_2-0)

Der Sojaanbau im brasilianischen Cerrado – unter anderem auch für die Fütterung deutscher Masttiere – hat in den letzten 20 Jahren zur Zerstörung von 4,2 Millionen Hektar Land geführt. Darauf weist ein neuer Bericht hin, den die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am 29. November gemeinsam mit der brasilianischen Recherche-NGO Repórter Brasil veröffentlichte. Das Papier belegt die dramatischen Auswirkungen des Sojaanbaus auf das Biom, das sich über knapp 25% des brasilianischen Staatsgebiets in elf Bundesstaaten erstreckt und eine zentrale Rolle als „Wasserspeicher“ für das Land ausübt, da dort Flüsse entspringen und drei wichtige Grundwasserspeicher liegen. „Der brasilianische Cerrado ist nicht nur die artenreichste Savanne der Welt. Mittlerweile zählt sie längst zu einem Hotspot für den Sojaanbau in Brasilien und wurde bereits zu großen Teilen zerstört. Und wofür? Für billiges Futtermittel und die deutsche Massentierhaltung“, kritisiert Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Veröffentlichung des Berichts ist nicht zufällig gewählt: Anfang Dezember entscheiden die EU-Kommission, Rat und Parlament abschließend über eine EU-Verordnung gegen Entwaldung und über entwaldungsfreie Produkte. Doch die DUH befürchtet, der Cerrado könne hier nicht ausreichend berücksichtigt werden und fordert daher die Bundesregierung auf, sich für eine starke EU-Verordnung einzusetzen und den Cerrado darin aufzunehmen.

Gegenwärtig entfallen 52% der gesamten Sojaanbaufläche Brasiliens auf den Cerrado und dort insbesondere auf die Region Matopiba, dem neuen landwirtschaftlichen Grenzgebiet Brasiliens, das Gebiete in Maranhão, Piauí, Bahia sowie das gesamte Gebiet von Tocantins umfasst, heißt es in der Einleitung des Berichts. Die Sojaanbaufläche im Cerrado nahm von 7,5 Millionen Hektar in der Erntesaison 2000/2001 auf 20 Millionen Hektar im Jahr 2020/2021 zu – ein Anstieg von fast 170%. Im selben Zeitraum stieg die Anbaufläche für Soja in Matopiba von 970.000 Hektar auf 4,7 Millionen Hektar und somit fast auf das Fünffache. Die Geschichte der Besiedlung der Cerrado-Region zeigt, „dass die Ausweitung des Sojaanbaus für den globalen Rohstoffhandel nicht ohne Abholzung der einheimischen Vegetation, Ausbeutung von Wasserressourcen und Konflikte mit traditionellen Gemeinschaften vonstattenging“, schreiben die Autor*innen. Dies lässt sich nun auch in der Matopiba ablesen, wo die Expansion der Agrarindustrie zu einer enormen Belebung des Immobilienmarkts und einer intensiven Suche nach Land geführt, das schnell in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden kann. „Unermessliche Flächen einheimischen Waldes wurden – und werden – eingezäunt, abgeholzt und in Plantagen umgewandelt, und es gibt deutliche Anzeichen für illegale Landnahme“, so der Bericht, der anhand von drei Fallstudien darstellt, wie einige der größten derzeit im Cerrado tätigen Handelsunternehmen Geschäftsbeziehungen zu Sojaproduzenten unterhalten, die in Landkonflikte und Fälle von Entwaldung verwickelt sind.

In dem Bericht werden Zahlen zur Abholzung zusammengetragen. Demnach war Soja zwischen 2000 und 2016 für 9% der Abholzung von Urwäldern in Südamerika verantwortlich. In diesem Zeitraum wurde fast die Hälfte (44%) der neuen Anbauflächen auf dem Kontinent im Cerrado erschlossen. Laut einem vom Brasilianischen Verband der Pflanzenölindustrie (ABIOVE, Associação Brasileira das Indústrias de Óleos Vegetais) finanzierten Bericht wird im Cerrado Soja auf 4,19 Millionen Hektar Flächen angebaut, die in den letzten 20 Jahren abgeholzt wurden – eine Fläche doppelt so groß wie Hessen. Das entspricht 14,4% der gesamten Entwaldung im Cerrado, doch die Hauptursache für die Abholzung dort bleibt nach wie vor die Viehzucht: 67% der Fläche wird als Weideland genutzt.

Als Reaktion auf öffentlichen Druck hin haben einige der größten in den Sojahandel involvierten Agrarkonzerne vor kurzem Pläne angekündigt, in ihren Lieferketten „Nullentwaldung“ zu erreichen. Cargill und ADM wollen dieses Ziel bis 2030 erreichen, wobei alle Biome einbezogen werden sollen, während Bunge und LDC für 2025 ähnliche Ziele angekündigt haben. „Theoretisch gibt es die „Nullentwaldung“ im brasilianischen Amazonasgebiet bereits seit über einem Jahrzehnt. Im Rahmen des Sojamoratoriums haben sich die größten Handelsunternehmen des Sektors verpflichtet, nach 2008 kein Soja mehr zu erwerben, das in entwaldeten Gebieten der Region angebaut wurde“, so die Autor*innen. Die Übertragung ähnlicher Kriterien auf den Cerrado ist nun erneut ein Zankapfel zwischen den verschiedenen Interessengruppen und es bestehen erhebliche Zweifel daran, dass sich die wichtigsten Agrarunternehmen im Cerrado daran halten werden. Zudem lässt sich dem Bericht zufolge der tatsächliche Ursprung von Soja durch Fälschung von Dokumenten durch die Farmer leicht verschleiern oder wenn Soja von Erzeugern bezogen wird, die nachweislich Sojabohnen aus illegal entwaldeten Gebieten angebaut haben, bleiben Sanktionen oft aus. Die Misserfolge bei der Überwachung des Sojamoratoriums im Amazonasgebiet sind ein Warnsignal auch für künftige Initiativen im Cerrado, so das Fazit des Berichts, der fordert, daraus Lehren für den Cerrado zu ziehen.

Die EU ist hier in der Verantwortung. 2021 exportierte Brasilien 86,1 Millionen Tonnen Sojabohnen, wobei China mit 70% der wichtigste Handelspartner war, gefolgt von der EU mit 8,4 Millionen Tonnen. Beim Sojaschrot (Gesamtexport 17,1 Millionen Tonnen) ist die EU der Hauptabnehmer. Die Niederlande waren mit 2 Millionen Tonnen der größte Importeur innerhalb der EU, gefolgt von Frankreich (1,3 Mio. Tonnen) und Deutschland (1 Mio. Tonnen). Schätzungsweise 20% der Sojaexporte aus dem Cerrado und dem Amazonasgebiet in die EU könnten Soja umfassen, die durch illegale Entwaldung gewonnen wurde, wie eine Studie brasilianischer Wissenschaftler im Fachjournal Science besagt. Laut der non-profit Transparenzinitiative Trase konzentriert sich ein Großteil des Entwaldungsrisikos durch den Import von Sojafuttermitteln in die EU auf den Cerrado. Die 4,6 Mio. Tonnen Soja, die 2018 direkt von dort in die EU exportiert wurden, stehen laut Trase in Verbindung mit einem Entwaldungsrisiko von knapp 26.000 Hektar. Somit konzentrieren sich fast zwei Drittel (65%) der durch Sojaimporte in die EU verursachten Entwaldung auf den Cerrado. Trotz illegaler Entwaldung und Landraubs soll der Cerrado womöglich nicht im Anfang Dezember stattfindenden finalen Trilog zur EU-Verordnung aufgenommen werden, wie die DUH befürchtet. Grund sei, dass der Europäische Rat sich mehrheitlich auf klassische Wälder wie den Amazonas-Regenwald beschränken möchte. Laut einer FAO-Definition wird die Savanne nur zu geringen Teilen als Wald und zu über 70% als sogenanntes „other wooded land“ eingestuft. Sollte sich der EU-Rat auf die Definition der FAO stützen, wären nur knapp 26% des Cerrado geschützt. Damit würde ein Großteil der durch die EU verursachten Entwaldung jedoch außer Acht gelassen, bemängelt der Umweltschutzverband. „Sollten sich die Hardliner im EU-Rat durchsetzen, besteht die Gefahr, dass Soja aus Landraub und Entwaldung weiter zu uns gelangt. Damit das nicht passiert, muss die Bundesregierung jetzt ihr politisches Gewicht in die Waagschale werfen, denn wir dürfen diese historische Chance nicht verpassen“, so Müller-Kraenner. Die DUH fordert daher die Bundesregierung auf, sich für die Aufnahme von Buschland und Trockenwäldern in die EU-Verordnung einzusetzen. (ab)

11.11.2022 |

IPES-Food: COP27 soll auf Agrarökologie statt nebulöse Konzepte setzen

Nebel
Nebulöse Konzepte bei COP27? (Foto: CC0)

Bevor die Weltklimakonferenz (COP27) in Ägypten überhaupt erst ihre Pforten öffnete, wurden erhebliche Zweifel daran laut, dass in Scharm el-Scheich der große Wurf im Kampf gegen den Klimawandel gelingen werde. Stattdessen mehrten sich Greenwashing-Vorwürfe – sei es gegen den UN-Gipfel, dessen Hauptsponsor Coca-Cola ist, als auch gegen dort vertretene Staaten, Konzerne und sonstige Akteure. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hatte ihre Teilnahme im Vorfeld abgesagt, da sie unter anderem zu geringe Beteiligungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft beklagte. „Die Klimakonferenzen sind vor allem eine Bühne für Staats- und Regierungschefs und Menschen in Machtpositionen, um Aufmerksamkeit zu erhalten, indem sie viele verschiedene Arten des Greenwashing betreiben“, sagte sie dem Guardian. Vertreter*innen der NGOs Powershift Africa, Greenpeace und Climate Action Networks kritisierten, es seien viele Gas-Lobbyisten auf der Konferenz vertreten und sie drohe, zu einem „Greenwashing“-Festival zu verkommen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres richtete scharfe Worte gegen die Öl- und Kohleindustrie, da manche Konzerne ihre üblen Klimabilanzen bewusst mit falschen Null-Emissions-Versprechen schönzureden versuchten. Dieses „toxische“ Greenwashing müsse aufhören. Am 12. November stehen nun die Landwirtschaft, die von ihr verursachten Emissionen und ihr möglicher Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel beim „Adaptation and Agriculture Day“ im Fokus. Vor Gipfelbeginn wartete eine Arbeitsgruppe der Sustainable Markets Initiative (SMI), der Konzerne wie Mars, McDonald’s, Bayer und Yara angehören, mit einem Aktionsplan auf, in dem sie die Ausweitung der regenerativen Landwirtschaft fordern. Andere sprechen von klimasmarter Landwirtschaft, wieder andere fordern mehr Gelder für „naturbasierte Lösungen. Doch was ist damit genau gemeint?

Zu diesen Begriffen meldete sich Ende Oktober das International Panel of Experts on Sustainable Food (IPES-Food) mit einem neuen Papier zu Wort. Dessen Fazit lautet, dass auf internationalen Klima-, Biodiversitäts- und Ernährungsgipfeln immer mehr „grüne Schlagworte“ verwendet werden, die die Transformation der Ernährungssysteme eher behindern als sie zu beschleunigen. Das Expertengremium unter dem gemeinsamen Vorsitz von Olivier De Schutter, UN-Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte und einst für das Recht auf Nahrung, sowie Maryam Rahmanian, einer unabhängigen Expertin für Agrar- und Ernährungssysteme, ist der Ansicht, dass sich Agrar- und Lebensmittelkonzerne, internationale Wohltätigkeitsorganisationen und einige Regierungen derzeit verstärkt des Begriffs „naturbasierte Lösungen“ bedienen, um in der Diskussion um Agrar- und Ernährungssysteme die Nachhaltigkeitsagenda zu „kapern“. Oft hätten sie dabei problematische „Carbon Farming“-Programme zur Kohlenstoffspeicherung in Böden oder Kompensationsmechanismen („Carbon Offsetting“) im Gepäck, die in Partnerschaft mit großen Naturschutzverbänden durchgeführt werden. IPES-Food, dem auch mehrere einst am Weltagrarbericht beteiligte Wissenschaftler*innen angehören, nahm daher im Vorfeld von COP27 genauer unter die Lupe, wie die konkurrierenden Begriffe „Agrarökologie“, „naturbasierte Lösungen“ und „regenerative Landwirtschaft“ auf internationalen Konferenzen in letzter Zeit verwendet wurden und tauschte sich mit Forscher*innen des Institute of Development Studies (IDS) dazu aus. „Es herrscht ein Meinungsstreit über die Zukunft der Lebensmittelsysteme. Auf internationalen Gipfeltreffen wird mit sehr vagen Begriffen wie ‚naturbasierte Lösungen‘ um sich geworfen, die keine klare Definition aufweisen und die für jegliche Agenda eingespannt werden können“, sagte Melissa Leach, Expertin von IPES-Food und Direktorin des IDS. Schlimmstenfalls seien sie ein Deckmantel für ‚green grabs“, bei denen unter dem Vorwand von Klima- und Umweltschutz die Rechte von Menschen untergraben werden sowie eine Aneignung von Land und Ressourcen stattfindet, von denen diese abhängig sind. „COP27 muss sehr vorsichtig bei der Verwendung dieser mehrdeutigen Begriffe sein und Lösungen ablehnen, die nicht klar definiert sind“, betonte sie.

Laut dem IPES-Papier (Smoke & Mirrors: Examining competing framings of food system sustainability) herrscht breiter Konsens über die Notwendigkeit, Ernährungssysteme nachhaltiger zu machen, aber es besteht Uneinigkeit darüber, auf welche Art und Weise dieses Ziel verfolgt werden soll. In den letzten Jahren hätten Begriffe wie „regenerative Landwirtschaft“ und „naturbasierte Lösungen“ auf dem internationalen Parkett, in der Entwicklungspolitik und bei Agrar- und Lebensmittelkonzernen an Popularität gewonnen. Diese Begriffe reihen sich ein in eine wachsende Sammlung von Konzepten und Ideen, die oft als Schlagworte für nachhaltige Entwicklung verwendet werden, wenn über die Zukunft von Ernährungssystemen debattiert wird. Dazu gehören z.B. ‚nachhaltige Landwirtschaft‘, ‚klimasmarte Landwirtschaft‘, ‚naturverträgliche Lebensmittelproduktion‘, ‚nachhaltige Intensivierung‘, ‚konservierende Landwirtschaft‘ und so weiter. Das Papier konzentriert sich auf drei Konzepte: Agrarökologie, naturbasierte Lösungen und die regenerative Landwirtschaft und betrachtet ihre Ursprünge, Entwicklung und Verwendung in Diskussionen über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung. Die Autor*innen analysieren, wie diese Begriffe vor, während und im Nachgang zu drei wichtigen Konferenzen im Jahr 2021 verwendet wurden: dem UN Food Systems Summit (UNFSS), der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) und der UN-Biodiversitätskonferenz (CBD COP15). Zudem schauten sie sich auch deren Verwendung in anderen Bereichen an, z.B. bei Nachhaltigkeitspläne von Unternehmen, Entwicklungsinitiativen und Stiftungen.

IPES-Food beobachtet, dass die umstrittene Idee der „naturbasierten Lösungen“ auf internationalen Gipfeltreffen rasch an Boden gewinnt. Der Begriff war auf dem UNFSS-Gipfel sehr präsent, wurde bei einigen COP26-Verhandlungen kontrovers diskutiert und bei Verhandlungen zum „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“ (CBD) für die Zeit nach 2020 von einigen Parteien stark gepusht, während andere es vehement ablehnten. Beim UNFSS wurde in früheren Phasen der Begriff ‚naturverträglich‘ (nature-positive) bevorzugt. In den Dokumenten und Prozessen zum Gipfel wurden ‚naturbasiert‘ und ‚naturverträglich‘ allen möglichen Substantiven vorangestellt, von naturbasierter Landwirtschaft bis hin zu naturverträglichen Ernährungssystemen, Ansätzen, Praktiken und Lösungen. Das deutet den Autor*innen zufolge darauf hin, dass die Begriffe auf eine unpräzise Weise verwendet werden, die möglicherweise dazu diene, die genauen und eventuell umstrittenen Ansätze dahinter (z. B. Kohlenstoffausgleich), die von Befürwortern naturbasierter Lösungen vorangebracht werden wollen, zu verschleiern. Der UNFSS war um fünf Themenschwerpunkte (action tracks) herum organisiert und Track 3 widmete sich einer „naturverträglichen Produktion“. IPES-Food beklagt, dass dem Konzept der naturbasierten Lösungen keine allgemein anerkannte Definition und keine auf Transformation ausgerichtete Vision zugrunde liege und es genutzt werde, um das Weiter-wie-bisher der Agrarindustrie fortzuschreiben. Es sei ein „entpolitisiertes Konzept, das Macht- und Wohlstandsgefälle außer Acht lasse, die bedingen, dass Ernährungssysteme nicht nachhaltig sind“. Daher sei das Konzept ungeeignet, um den tiefgreifenden, strukturellen Wandel anzustoßen, der nötig ist, um Ernährungssysteme zu schaffen, die wirklich nachhaltig in allen drei Dimensionen sind: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Zudem sei der Begriff oft mit riskanten Programmen zur CO2-Kompensation verknüpft, deren Nutzen nicht belegt sei, die aber die Macht der Agrarindustrie festigen. Eine Transformation der Ernährungssysteme würde so verwässert.

Im Gegensatz dazu ist Agrarökologie – das zweite Konzept im Fokus – durch demokratische und inklusive Governance-Prozesse definiert worden und wird durch jahrelange wissenschaftliche Forschung und soziale Bewegungen unterstützt. Auf internationalen Gipfeltreffen dagegen wird sie recht selten erwähnt. Den Autor*innen zufolge stellt die Agrarökologie einen inklusiveren und umfassenderen Weg hin zur Transformation unserer Lebensmittelsysteme dar, weil sie soziale und ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit miteinander verbindet, das gesamte Ernährungssystem in den Blickt nimmt, Machtungleichheiten berücksichtigt und aus einer Breite an Wissen schöpft, wobei marginalisierte Stimmen gehört werden. „Die Agrarökologie ist das einzige der drei Konzepte, das in einem langen Prozess umfassender und internationaler Beratungen Klarheit und konzeptionelle Reife erlangt hat“, heißt es in dem Papier. 2018 legte die Welternährungsorganisation FAO nach einem vierjährigen Beratungsprozess die ‚10 Elemente der Agrarökologie‘ fest. Dieser Rahmen markierte einen Meilenstein auf dem Weg, die Agrarökologie in die allgemeine politische Debatte einzubringen und eine ganzheitliche Version davon zu etablieren, die auch Komponenten der sozialen Gerechtigkeit umfasst. Das Konzept reifte 2019 weiter, als das Hochrangige Expertengremium (HLPE) des UN-Ausschusses für Welternährungssicherheit (CFS) diese 10 Elemente in 13 Handlungsgrundsätze überführte, die als Leitschnur für die agrarökologische Transformation des Lebensmittelsystems dienen sollten. Beim UNFSS wurde die Agrarökologie als eine ‚naturbasierte Lösung‘ unter Track 3 erwähnt, die sich als „bahnbrechende Lösung“ abzeichne. IPES-Food kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Agrarökologie bei COP, CBD und UNFSS nicht als übergeordneter Rahmen verwendet wird. Die fehlende Einbeziehung von Agrarökologie und Ernährungssouveränität war einer der Gründe, warum Hunderte zivilgesellschaftlicher Gruppen den Welternährungsgipfel boykottierten. Seine Ergebnisse bleiben nach wie vor heftig umstritten. Auch beim Klimagipfel in Glasgow wurde die Agrarökologie stiefmütterlich behandelt und in dem bisher konkretesten Ergebnis der CBD, der Erklärung von Kunming, findet sie keine Erwähnung.

Die „regenerative Landwirtschaft“ als drittes Konzept ist in der internationalen Politik weniger präsent, besagt das Kurzdossier. Geprägt wurde er vom „Rodale Institute“, einer US-Organisation, die sich für die Erforschung des ökologischen Landbaus einsetzt und seit über 40 Jahren einen Systemvergleich zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft durchführt. Akteure, die sich für nachhaltige Lebensmittelsysteme einsetzen, verwenden den Begriff, um sich auf die Regeneration natürlicher Ressourcen und vor allem von Böden zu beziehen. Aber auch Agrar- und Lebensmittelkonzerne (darunter Walmart, Pepsi und Cargill) berufen sich auf das Konzept in ihren Nachhaltigkeitsstrategien, oft in Verbindung mit Programmen zur CO2-Kompensation, bei denen die Dimension der sozialen Gerechtigkeit keine Rolle spielt - oder wie zuletzt der SIM-Aktionsplan. „Regenerative Landwirtschaft ist ein Begriff am Scheideweg. Die Hervorhebung der Prinzipien, die er mit der Agrarökologie teilt (...), kann dazu beitragen, die regenerative Landwirtschaft der Vereinnahmung durch Unternehmen wieder zu entziehen und sie mit konzeptioneller Klarheit zu füllen“, betonen die Autor*innen.

Das Papier enthält auch eine Reihe von Empfehlungen für jene politischen Akteure und Beobachter, die sich mit Ernährung, Klima und Umwelt befassen, inklusive staatliche Vertreter*innen auf internationaler Ebene. IPES-Food ruft sie dazu auf, Lösungen abzulehnen, denen es an klaren Definitionen mangelt, die Mehrdeutigkeit ausnutzen und ein Weiter-wie-bisher der Agrarindustrie verschleiern. Es reiche nicht, Ernährungssysteme auf die Agenda zu setzen. Sichergestellt werden müssen inklusive globale Prozesse, die auf einem gemeinsamen Verständnis bezüglich der Transformation der Ernährungssysteme beruhen, sowie eine umfassende sozial und ökologisch nachhaltige Vision für das Ernährungssystem. Business as usual durch naturbasierte Lösungen, wie sie beim UNFSS zum Ausdruck kamen, sollten auf der Klimakonferenz in Ägypten abgelehnt werden. „COP27 steht vor wichtigen Entscheidungen zur Landwirtschaft. Ein rascher Übergang zu nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Ernährungssystemen ist unerlässlich, wenn wir die globale Erwärmung begrenzen und massive Ernteausfälle verhindern wollen“, sagte IPES-Food-Expertin Molly Anderson, die am Middlebury College lehrt. Undefinierte Begriffe wie ‚naturbasierte Lösungen‘ würden international verwendet werden, um den Fokus auf vage Bestrebungen zu lenken und dies sei nur eine weitere Form des Greenwashing. Echte Lösungen für Ernährungssysteme entstünden durch globale, beratende und demokratische Prozesse und die Agrarökologie erfülle diese Kriterien am besten. (ab)

14.10.2022 |

WHI 2022: Krisen verschärfen weltweite Hungersituation

Tansania
Zugang zu Nahrung: ein oft verwehrtes Menschenrecht (Foto: CC0)

Die weltweite Hungersituation hat sich aufgrund mehrfacher Krisen und Konflikte dramatisch zugespitzt und die Bemühungen, den Welthunger bis 2030 zu beseitigen, geraten immer weiter ins Stocken. Das ist die Kernaussage des Welthunger-Index (WHI) 2022, der am 13. Oktober im Vorfeld des Welternährungstages von der Welthungerhilfe und Concern Worldwide veröffentlicht wurde. Sie deckt sich mit den Botschaften vieler anderer Berichte von UN-Organisationen und NGOs, die in den letzten Monaten vor einer sich anbahnenden Hungerkrise warnen. Der aktuelle Welthunger-Index zeigt, dass sich die aktuellen Krisen gegenseitig verstärken: „Durch die toxische Mischung aus bewaffneten Konflikten, Klimakrise und Covid-19 Pandemie waren bereits vor dem Krieg in der Ukraine Millionen Menschen mit enormen Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln konfrontiert gewesen. Der Krieg in der Ukraine hat dies verschärft und so werden aus den weltweiten Hungerkrisen zunehmend Katastrophen“, sagte Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. Im Jahr 2021 mussten bis zu 828 Millionen Menschen hungern. Besonders besorgniserregend ist die Lage am Horn von Afrika, wo die schlimmste Dürre seit 40 Jahren herrscht. In Somalia erleben Menschen in einigen Regionen bereits eine lebensbedrohliche Hungersnot. Die Weltgemeinschaft wird den Hunger in der Welt bis 2030 nicht einmal ansatzweise beseitigen können, wenn wir so weitermachen wie bisher, lautet die traurige Prognose des Berichts, die sich damit kaum von denen der letzten Ausgaben unterscheidet.

Der Welthunger-Index wird jedes Jahr von der Welthungerhilfe und der irischen Hilfsorganisation Concern Worldwide herausgegeben. Die diesjährige Ausgabe wertete Daten zur Ernährungslage von 136 Ländern aus. In den Index fließen vier Indikatoren ein: Der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung gemessen an der Deckung des Kalorienbedarfs, den Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die an Auszehrung leiden (zu niedriges Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße) oder die wachstumsverzögert sind (zu geringe Körpergröße im Verhältnis zum Alter, ein Anzeichen für chronische Unterernährung) sowie die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf. Darauf basierend wird der WHI-Wert auf einer 100-Punkte-Skala ermittelt, wobei 100 der schlechteste Wert ist. Die Lage jedes Landes wird als niedrig, mäßig, ernst, sehr ernst oder gravierend eingestuft. Für 121 Länder lagen 2022 verlässliche Daten zu allen Indikatoren vor, während 15 Länder eine unvollständige Datenlage aufwiesen, sodass kein WHI-Wert berechnet werden konnte. Für acht dieser Länder reichte die Datenlage zumindest für eine vorläufige Einstufung des Hunger-Schweregrads. Demnach ist in 44 Ländern die Hungersituation nach wie vor ernst oder sehr ernst. Sehr ernst ist sei in neun Ländern: der Zentralafrikanischen Republik, Tschad, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar und Jemen. Auch Burundi, Somalia, Südsudan und Syrien wurden dieser Kategorie vorläufig zugeordnet, auch wenn Datengrundlage unsicher ist. „Vor allem für Teile Somalias ist eine dramatische Entwicklung zu befürchten: Bis Juli 2023 könnten etwa 1,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren (54,5 Prozent aller Kinder des Landes) von akuter Fehlernährung betroffen sein“, heißt es in dem Bericht. Der Jemen ist das Land mit dem höchsten WHI-Wert. Gewaltkonflikte und die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten beeinträchtigen die Ernährungssicherheit der Menschen massiv. Die Zentralafrikanische Republik verzeichnet den zweithöchsten WHI-Wert. Dort sind Gewalt und Vertreibung Hauptursachen für den Hunger.

Bei 20 Ländern, die den Kategorien mäßiger, ernster oder sehr ernster Hunger zugeordnet sind, lagen die WHI-Werte 2022 höher als im Jahr 2014, dem ersten Referenzjahr des Berichts. Betrachtet man den globalen Durchschnittswert, gab es in den letzten Jahren bei der Bekämpfung des Hungers kaum noch Fortschritte. Der globale WHI-Wert lag 2022 bei 18,2 und damit einem mäßigen Hungerniveau. 2014 lag er nur geringfügig höher bei 19,1. Positiv zu verbuchen seien zwar leichte Fortschritte in 32 Ländern, in denen sich die WHI-Werte seit dem Jahr 2000 mindestens halbiert haben. Diese Fortschritte entwickeln sich jedoch zu langsam. Ohne einen grundlegenden Richtungswechsel werden schätzungsweise 46 Länder bis 2030 kein niedriges Hungerniveau erzielen können. Doch allein die Tatsache, dass ein Land oder eine Region „nur“ einen niedrigen oder mäßigen Schweregrad an Hunger aufweist, heißt nicht, dass die Lage dort nicht allzu verheerend ist. Dem Bericht zufolge zeigt einer der vier WHI-Indikatoren – die Verbreitung von Unterernährung – auf, dass der Anteil der Menschen ohne regelmäßigen Zugang zu ausreichend Kalorien zunimmt. So ist die Unterernährungsrate in Westasien und Nordafrika in den letzten Jahren gestiegen und zwar von 6,1 % im Jahr 2010 auf 8,6 % im Jahr 2021, den höchsten Wert seit 2001. Auch in der Region Lateinamerika/Karibik ist der Trend problematisch: Zwar gilt hier ein noch niedriges Hungerniveau, aber die Unterernährungsquote ist seit 2014 (5,3 %) auf 8,6 % im Jahr 2021 geklettert.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts weist darauf hin, wie wichtig neben kurzfristigen Nothilfemaßnahmen die Schaffung von gerechten, nachhaltigen und krisenfesten Ernährungssystemen ist. Die Mitbestimmung lokaler Akteure bei der nationalen Ernährungspolitik spielt dabei eine Schlüsselrolle. Danielle Resnick, die für Brookings Institution und das International Food Policy Research Institute arbeitet, hat hierzu als Gastautorin ein Kapitel beigesteuert. „Angesichts eines globalen Ernährungssystems, das ungeeignet ist, Armut und Hunger nachhaltig zu beenden, finden Bürger*innen innovative Wege, die Ernährungspolitik auf lokaler Ebene zu verbessern und Entscheidungsträger*innen im Kampf gegen Ernährungsunsicherheit und Hunger zur Verantwortung zu ziehen“, schreibt sie. Durch aktuelle Entwicklungen zur Dezentralisierung von Regierungsfunktionen hätten Lokalregierungen in einer Reihe von Ländern mehr Autonomie und Autorität gewonnen, auch in Bezug auf entscheidende Funktionen der Ernährungssysteme. Doch in anderen Ländern werden zivilgesellschaftliche Räume zunehmend eingeschränkt, was die Bürger*innen daran hindert, ihr Recht auf angemessene Nahrung einzufordern und zu verwirklichen. „Das Recht auf Nahrung muss bei der Transformation der Ernährungssysteme im Mittelpunkt stehen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass die Zivilgesellschaft vor Ort Möglichkeiten hat, die jeweiligen staatlichen Strukturen zu überprüfen und Verbesserungen einklagen zu können“, betont daher auch Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Nur wenn die Gemeinschaften und Bäuerinnen und Bauern mit ihrem lokalen Wissen und ihren konkreten Bedürfnissen mitbestimmen, können nachhaltige Lösungen für die Beseitigung des Hungers gefunden werden.“

Der Bericht enthält zudem eine Reihe an Handlungsempfehlungen. Das Recht auf Nahrung sollte in nationalem Recht verankert und durch Beschwerdemechanismen gestützt werden. Regierungen sollen auf allen Ebenen eine inklusive Koordinierung ernährungsbezogener Strategien fördern. Planungs- und Haushaltsverfahren sollten Machtungleichgewichte und die Stimmen der vulnerabelsten Gruppen vorrangig berücksichtigen. Dies erfordert ein klares Verständnis der Bürger*innen ihrer Rechte, der relevanten Prozesse in Ernährungssystemen sowie Zugang zu Daten und Informationen. Zuständigkeiten für die Ernährungssicherung sollten auf untere Verwaltungsebenen übertragen und vermehrt lokale Ressourcen bereitgestellt werden. Mehr Geld müsse auch die internationale Gemeinschaft definitiv in die Hand nehmen, um Erfolge zu erzielen: „Wir müssen schnell auf die humanitären Notlagen reagieren und sowohl flexible und höhere Mittel zur Verfügung stellen und zugleich größere Investitionen für die Transformation der Ernährungssysteme bereitstellen“, fordert Marlehn Thieme. Je länger wir warten, desto geringer die Erfolgsaussichten. „Prävention zahlt sich aus. Investitionen, die heute getätigt werden, können künftige Krisen abwenden, die noch teurer und tragischer sein könnten“, schreiben Mathias Mogge und Dominic MacSorley, Vorstandsvorsitzender von Concern Worldwide, in ihrem Vorwort zum Bericht. „Die Verantwortung für die Beendigung des Hungers und die Sicherstellung des Rechts auf Nahrung für alle dürfen wir nicht der nächsten Generation zuschieben. Es ist unsere Pflicht, jetzt zu handeln.“ (ab)

12.10.2022 |

Rote Liste: 37% der Schwebfliegenarten in Europa könnten schwinden

Schweb
Eine Schwebfliegenart (Foto: CC0)

Wenn vom Insektensterben die Rede ist, stehen häufig Bienen, Hummeln und Schmetterlinge im Fokus. Die Schwebfliege fristet dagegen ihr Dasein fernab des Rampenlichts, auch wenn sie nach den Bienen die zweitwichtigsten Bestäuber in der Landwirtschaft sind. Nun schlägt jedoch der Weltnaturschutzverband IUCN Alarm, der die Rote Liste der bedrohten Arten herausgibt: Rund 37% aller Schwebfliegenarten in Europa sind vom Aussterben bedroht. Dies geht aus einer Auswertung der Roten Liste für Europa hervor, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben und finanziert wurde. Vor allem der Klimawandel, Pestizide und eine nicht nachhaltige Land- und Forstwirtschaft machen den Schwebfliegen zu schaffen. „Diese erste Auswertung der Europäische Roten Liste in Bezug auf Schwebfliegen unterstreicht ihre immense Vielfalt und ihre zentrale Rolle in unseren Agrar- und Ernährungssystemen. Genau diese Systeme sind jedoch eine der Hauptursachen für den Rückgang der Schwebfliegen“, beklagt Dr. Bruno Oberle, Generaldirektor der IUCN.

Die Einteilung der IUCN umfasst mehrere Kategorien, die von „unzureichende Datengrundlage“ über „nicht“ und „potentiell gefährdet“ sowie drei Gefährdungsstufen bis hin zu ausgestorben reichen. Die Auswertung der Roten Liste für Europa ergab, dass 314 von 890 Schwebfliegenarten in Europa den hohen Gefährdungskategorien „gefährdet“, „stark gefährdet“ oder „vom Aussterben bedroht“ zuzuordnen sind. Schwebfliegen (Syrphidae) werden auch Schwirrfliegen genannt und gehören zu der Familie der Zweiflügler. Sie bringen es auf bis zu 300 Flügelschläge in der Sekunde und können daher wie auch der Kolibri längere Zeit an einer Stelle in der Luft „schweben“. Um sich Vögel und weitere Fressfeinde vom Leibe zu halten, versuchen viele Schwebfliegen, mit einer schwarz-gelben Farbzeichnung des Hinterleibs gefährlich auszusehen, aber sie stechen nicht. Ausgewachsene Schwebfliegen ernähren sich von Nektar und Pollen und sind daher neben Bienen die zweitwichtigste Bestäubergruppe. Sie spielen auch eine wichtige Rolle in der „Schädlingsbekämpfung“, da viele heimische Arten mit Vorliebe Blattläuse auf dem Speiseplan stehen haben. Sie kontrollieren z.B. auf natürliche Weise die Grüne Pfirsichblattlaus, die im Pfirsichanbau gerne Schäden verursacht.

Die intensive Landwirtschaft ist die größte Bedrohung für Schwebfliegen in Europa und betrifft mehr als die Hälfte (475) aller 890 Arten, teilt der IUCN mit. Zu den nicht nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken, die den Schwebfliegen das Leben schwer machen, gehören die Umwandlung von geeignetem Lebensraum, die Verschlechterung ihrer Habitate durch Überweidung sowie die Fragmentierung von natürlichen Lebensräumen. Außerdem sind mindestens 55 Arten in Europa durch den Einsatz von Pestiziden bedroht. „Um etwas am Schicksal der Schwebfliegen zu ändern, müssen wir dringend alle Sektoren unserer Wirtschaft und insbesondere die Landwirtschaft so umgestalten, dass sie sich positiv auf die Natur auswirken und nachhaltig sind“, sagte Dr. Bruno Oberle. Weitere Gefahren für die Schwebfliegen gehen von dem grundsätzlichen Verlust oder der Verschlechterung ihrer Lebensräume aus, vor allem dem Verschwinden von alten Bäumen, unter anderem durch kommerzielle Forstwirtschaft, Stadtentwicklung und Klimawandel. Bei mehr als einem Viertel (244) der untersuchten Arten wurde ermittelt, dass sich ihre Lebensräume infolge des Klimawandels und der damit verbundenen größeren Häufigkeit von Bränden verschlechtern, verlagern und verändern. Da Waldbrände besonders Totholz und alte Bäume und damit einen Lebensraum von Schwebfliegen vernichten, müssen Schwebfliegen in neue Gebiete ausweichen.

Der IUCN betont, dass eine Transformation der Landwirtschaft notwendig sei, um die Lebensräume vieler Schwebfliegenarten zu schützen und sie vorm Aussterben zu bewahren. Es seien gezielte gebietsbezogene Erhaltungsmaßnahmen erforderlich, um gerade Feuchtgebiete, alte Wälder mit alten Bäumen und naturnahe Lebensräume außerhalb von formell geschützten Gebieten zu bewahren. „Die wichtigste Maßnahme, um den Rückgang der Schwebfliegenpopulationen aufzuhalten, ist der Schutz ihrer Lebensräume und die Vernetzung von Lebensräumen in der Landschaft. Am vordringlichsten ist es, alte Bäume mit Stammhöhlen, Baumlöchern, Saftrinnen, herabgefallenen Ästen und Baumstümpfe zu schützen – die Mikrohabitate, in denen sich die Larven einer Vielzahl von Arten ernähren, darunter auch viele bedrohte Arten“, erklärt Dr. Francis Gilbert, Ko-Vorsitzender einer IUCN-Expertengruppe für Schwebfliegen. Aber auch Blühstreifen mit Wildblumen am Ackerrand oder die Wiederherstellung von Hecken in der Agrarlandschaft können Schwebfliegen helfen. Neben der Wiederherstellung von Ökosystemen ist die Reduzierung von Treibhausgasemissionen, um den Klimawandel abzumildern, ein wichtiger Beitrag zur Rettung der Schwebfliegen und damit zu unserer Ernährungssicherheit. (ab)

22.09.2022 |

Oxfam: Akuter Hunger in „Klima-Hotspots“ nimmt stark zu

Vertrocknet
Klimawandel und Hunger gehen Hand in Hand (Foto: CC0)

In den zehn weltweit am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffenen „Klima-Krisenherden“ ist die Zahl der Menschen, die an akutem Hunger leiden, in den letzten Jahren enorm angestiegen. Darauf macht eine neue Publikation von Oxfam International aufmerksam, die am 16. September erschienen ist. Demnach hat sich der akute Hunger in diesen Ländern während der letzten sechs Jahre mehr als verdoppelt. Laut der Organisation ist der Zusammenhang zwischen wetterbedingten Krisen und dem Anstieg des Hungers in diesen und anderen Ländern „eindeutig und unbestreitbar“. In dem Kurzbericht „Hunger in a heating world“ heißt es: „Die Klimakrise verstärkt zunehmend Bedrohungen und verbündet sich so mit anderen Hauptursachen von Hunger, wie Konflikten, wirtschaftlichen Schocks, Vertreibung, Armut und wachsender Ungleichheit.“ Der Klimawandel erhöhe den Druck auf die Ernährungssysteme, untergrabe die Ernährungssicherheit und erhöhe Sicherheitsrisiken. „Klimawandel ist nicht länger nur eine tickende Zeitbombe, sondern eine, die gerade vor unseren Augen explodiert“, betont Gabriela Bucher, die Generaldirektorin von Oxfam International. „Die Klimakrise bringt mehr und mehr extreme Wetterverhältnisse wie Dürren, Wirbelstürme und Überschwemmungen mit sich – diese haben sich in den letzten 50 Jahren verfünffacht, treten immer öfter auf und fordern immer mehr Todesopfer.“

Oxfam nahm jene zehn Länder genauer unter die Lupe, für die es von den Vereinten Nationen seit dem Jahr 2000 die meisten humanitären Hilfsaufrufe in Reaktion auf extreme Wetterereignisse gegeben hatte. Das waren Somalia, Haiti, Dschibuti, Kenia, Niger, Afghanistan, Guatemala, Madagaskar, Burkina Faso und Simbabwe. Für Somalia und Haiti etwa zählte Oxfam in den letzten zwei Jahrzehnten 16 bzw. 12 UN-Hilfsaufrufe. Die Berechnungen zu den von akutem Hunger betroffenen Menschen basieren auf dem „Global Report on Food Crises“ (GRFC), einem UN-Bericht, der seit 2016 jährlich vom Food Security Information Network veröffentlicht wird. Der GRFC verwendet eine Skala (IPC), die das Ausmaß der Ernährungsunsicherheit in fünf Phasen (minimal, angespannt, Krise, Notfall und Katastrophe/Hungersnot) einteilt. Aktuell leiden 47,5 Millionen Menschen in den zehn untersuchten Ländern an akutem Hunger (IPC-Phase 3+), gegenüber 21,3 Millionen im Jahr 2016. Das ist ein Anstieg um 123 %. Fast 18 Millionen Menschen in diesen zehn Ländern stehen derzeit am Rande des Hungertodes (Gesamtzahl der Menschen, die im Jahr 2021 in die IPC-Phase 4 und 5 eingestuft wurden). „Millionen von Menschen, die bereits unter anhaltenden Konflikten, grassierender Ungleichheit und Wirtschaftskrisen leiden, verlieren nun durch Unwetterkatastrophen, Klima-Extreme und die schleichenden Veränderungen ihre Lebensgrundlagen“, beklagt Bucher. „Die Zunahme solcher Ereignisse ist so extrem, dass Menschen mit niedrigem Einkommen die Folgen immer weniger abfangen können und schließlich hungern müssen.“

Unter den zehn Ländern hat Burkina Faso mit einem Plus von 1350 % seit 2016 die höchste Zunahme akuten Hungers zu verzeichnen. Mit Stand Juni 2022 litten mehr als 3,4 Millionen Menschen dort aufgrund bewaffneter Konflikte und der zunehmenden Versteppung von Acker- und Weideland unter extremem Hunger. Im Landwirtschaftsjahr 2021/22 ging die Getreideproduktion in Burkina Faso im Vergleich zum Vorjahr um 10 % zurück. Bei einer globalen Erwärmung von mehr als 2°C könnten die Erträge von Getreide wie Hirse und Sorghum in Ländern wie Burkina Faso und Niger um 15-25 % zurückgehen. In Niger sind heute 2,6 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen (ein Anstieg um 767 % gegenüber 2016). Die Getreideproduktion ist um fast 40 % eingebrochen, da häufige Klimaschocks und anhaltende Konflikte die Ernte zunehmend erschweren. Auch in Lateinamerika nimmt der Hunger zu, obwohl es dort viele Länder mit mittlerem Einkommen gibt. In El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua hat sich die Zahl der Hungernden in den letzten zwei Jahren fast vervierfacht von 2,2 Millionen Menschen im Jahr 2018 auf fast 8 Millionen Menschen im Jahr 2021 – eine Folge von Extremwetterereignissen in den letzten Jahren und der durch COVID-19 verursachten Wirtschaftskrise. Guatemala befindet sich auch in der traurigen Top Ten mit 6 UN-Aufrufen, die Wetterextreme als Hauptursache hatten. Das Land verzeichnete zwischen 2016 und 2021 einen Anstieg des akuten Hungers (IPC3+) um 147 %. Eine schwere Dürre hat zuletzt zum Verlust von fast 80 % der Maisernte beigetragen und Kaffeeplantagen verwüstet. „Wir hatten fast acht Tage lang kaum etwas zu essen“, wird Mariana López, die mit ihren Kindern in Naranjo im Trockenkorridor Guatemalas lebt, von Oxfam zitiert. Die anhaltende Dürre zwang sie, ihr Land zu verkaufen.

Der durch die Klimakrise verursachte Hunger ist auch eine Folge der globalen Ungleichheit, erklärt Oxfam. Die Länder, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, leiden am meisten unter seinen Auswirkungen und haben zugleich die geringsten Ressourcen, um ihn zu bewältigen. Dem Kurzbericht zufolge belief sich der CO2-Ausstoßes der 10 als Klimakrisenherde eingestuften Länder im Jahr 2020 auf insgesamt 0,002 Billionen Tonnen – das sind gerade einmal 0,13% der weltweiten Emissionen. Die Kohlenstoffemissionen der G20-Länder – die zusammen über 80 % der Weltwirtschaft kontrollieren und für über drei Viertel des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich sind – sind 650 Mal höher als die Emissionen dieser zehn Länder. Die Wohltätigkeitsorganisation prangert an, dass die Staats- und Regierungschefs der reichen Länder weiterhin milliardenschwere Unternehmen unterstützen, die Umwelt und Klima schädigen, weil diese oft ihre Partei und ihren Wahlkampf fördern. „Die täglichen Profite der fossilen Energiekonzerne lagen in den vergangenen 50 Jahren im Durchschnitt bei 2,8 Milliarden Dollar. Die Profite von nicht einmal ganz 18 Tagen könnten die 49 Milliarden Dollar decken, die laut der UN gebraucht werden, um den gesamten Bedarf an humanitärer Hilfe im Jahr 2022 zu decken“, rechnet Oxfam vor. „Wir können die Klimakrise nicht bewältigen, solange wir die grundlegenden Ungleichheiten in unseren Ernährungs- und Energiesystemen nicht bewältigen“, führt Bucher aus. „Die Kosten dafür können leicht gedeckt werden, indem umweltverschmutzende Unternehmen stärker besteuert würden. Ein einziges Prozent des durchschnittlichen Jahresprofits der fossilen Energiekonzerne würde 10 Milliarden Dollar freisetzen. Damit wäre der größte Teil der Finanzierungslücke für den UN-Aufruf zur Ernährungssicherung geschlossen.“ (ab)

07.09.2022 |

Studie: Gesunde Ernährung spart Fläche und Emissionen ein

Gesund
Gesund für Mensch und Klima (Foto: CC0)

Wenn sich die Deutschen nachhaltig und gesund ernähren und weitgehend auf tierische Lebensmittel verzichten würden, könnten drei Viertel der aktuell durch die Landwirtschaft und Ernährung verursachten Treibhausgase eingespart werden. Durch eine Ernährung nach dem Vorbild solch einer „Planetary Health Diet“ würden nur noch 60% der momentan bestellten landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Ernährung der Bundesbürger*innen benötigt: Auf der übrigen „freiwerdenden“ Fläche könnten entweder Lebensmittel für weitere 70 Millionen Menschen angebaut oder Wälder gepflanzt werden, um die deutsche Landwirtschaft treibhausgasneutral zu machen. Das geht aus einer Studie des Öko-Institut hervor, die am 6. September veröffentlicht wurde. „Nur wenn wir unsere Ernährung vorrangig auf pflanzliche Produkte umstellen, können wir die Treibhausgase der Landwirtschaft drastisch reduzieren und das Ziel der Treibhausgasneutralität für Deutschland überhaupt erreichen“, betont Margarethe Scheffler, Expertin für nachhaltige Landwirtschaft am Öko-Institut und eine der beiden Hauptautorinnen.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von Greenpeace mit dem Ziel, herauszufinden, wie sich eine grundlegende Veränderung unserer Ernährung auf die Landwirtschaft in Deutschland auswirken und welche neuen Chancen sich daraus ergeben würden. An die Fragestellung gingen die Verfasserinnen der Studie in vier Schritten heran. Zunächst ermittelten sie, welchen Anteil die Ernährung der inländischen Bevölkerung an der heutigen landwirtschaftlichen Produktion hat und dies von der Produktion für den Export und den Anbau von Energiepflanzen abgegrenzt. Im zweiten Schritt wurde analysiert, welche zusätzlichen Flächen nötig wären, damit Deutschland seine Umwelt- und Klimaziele erreichen kann. Laut Klimaschutzgesetz muss Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral sein. Zu den in die Analyse einbezogenen Umweltzielen gehören etwa die Ausweitung der Biodiversitätsflächen auf insgesamt 10% des Ackerlands und 10% des Grünlands gemäß den Zielen der Biodiversitätsstrategie, eine großflächige Wiedervernässung der Moore sowie die Ausweitung des Ökolandbaus von heute 10% auf 30% wie im Koalitionsvertrag festgehalten. Einkalkuliert in die Flächenberechnungen wurde auch eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades für bestimmte Ackerkulturen, Gemüse und Hülsenfrüchte. Drittens wurde untersucht, welche Produktionsumstellung sich durch eine Änderung der Nachfrage aufgrund der Planetary Health Diet ergeben und wie sich dies auf den Flächenverbrauch, die Tierhaltung und die Treibhausgasemissionen auswirken würde.

Die sogenannte „Planetary Health Diet“ wurde im Januar von der EAT Lancet Kommission vorgelegt. 37 Wissenschaftler*innen aus 16 Ländern und unterschiedlichen Disziplinen hatten sich damit befasst, wie eine nachhaltige und gesunde Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung bis 2050 aussehen könnte. Denn unsere Ernährungsweise ist nicht nur die Ursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit, sondern auch eine Reihe anderer ernährungsbedingter Leiden und sie schädigt den Planeten. Als Grundlage für die Sicherung der „planetaren Gesundheit“ nutzte die Kommission das Konzept der planetaren Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, damit wir den sicheren Handlungsbereich („Safe operating space“) der Menschheit nicht verlassen. In einer 2009 veröffentlichten und später aktualisierten Studie (Steffen et al. 2015) hatten Forscher*innen Grenzbereiche für die sechs Oberkategorien Wasser, Land, biologische Vielfalt, Klima, Stickstoff und Phosphor festgelegt. Die Ernährungsempfehlungen der EAT Lancet Kommission sehen 2.500 kcal pro Person am Tag vor. Ziel ist eine Verdopplung des Gemüseanteils auf dem Teller und eine Halbierung des Konsums von rotem Fleisch und Zucker. Die Studie des Öko-Instituts wendet nun die Empfehlungen für Deutschland an. Hier ist der Fleischkonsum mit rund 55 Kilo pro Person und Jahr noch recht hoch, auch wenn er zuletzt leicht zurückging. Gemäß der Planetary Health Diet müsste sich hier der Konsum tierischer Lebensmittel um 75% verringern und im Gegenzug müsste sich der Verzehr von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten zum Teil mehr als verdoppeln. Gleichzeitig würden Lebensmittel nach ökologischen Standards angebaut und bei Milchkühen auf grünlandbasierte Fütterung umgestellt, wodurch die Milchleistung pro Kuh sinkt. Das Öko-Institut berechnete so die gesamten Produktionsmengen für die Versorgung der inländischen Bevölkerung, den Flächenbedarf und die Emissionen.

Das Fazit der Studie lautet: Gelingt eine Ernährungsumstellung nach dem Vorbild der Planetary Health Diet und die Umsetzung der Umweltziele, dann können die Emissionen des Landwirtschaftssektor inklusive der CO2 Emissionen aus der landwirtschaftlichen Nutzung der Moorstandorte stark gesenkt werden. Das liegt vor allem daran, dass deutlich weniger tierische Produkte nachgefragt würden und sich der heutige Tierbestand drastisch verringern würde. Die Nachfrage nach pflanzlichen Produkten dagegen stiege stark an. Produkte wie Nüsse, Oliven und Öle müssten weiterhin aus dem Ausland importiert werden. Von den heute ca. 95 Millionen Tonnen von der Landwirtschaft ausgestoßenen CO2-Äquivalente entfallen allein 81 Millionen Tonnen auf die Ernährung und mehr als 80% davon stammen aus der Tierhaltung. Die Gesamtmenge von 95 Mio. t CO2-Äquivalente könnte mit einer gesunden und nachhaltigen Ernährung auf 23 Millionen Tonnen gesenkt werden. Ein Großteil dieser Minderungen (31 Mio. t CO2) ist auf die Wiedervernässung der Moore zurückzuführen. Insgesamt würden die Emissionen pro Hektar von heute ca. 8,3 t CO2e auf 2,5 t CO2e sinken. Gleichzeitig würde, was die Fläche anbelangt, nur noch 60% der Nutzfläche für die Ernährung der Bundesbürger*innen belegt werden. Es stünden 1,6 Millionen Hektar Grünland und 4,6 Millionen Hektar Ackerland für eine alternative Verwendung zur Verfügung. „Die Ergebnisse sind deutlich. Mit einer Ernährungswende können wir nicht nur das Klima schützen, sondern auch Flächen sparen und ökologischer wirtschaften“, kommentierte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter die Ergebnisse.

Die Autorinnen befassten sich im vierten Schritt mit zwei Varianten von Nutzungsmöglichkeiten für die durch die Ernährungsumstellung verfügbar gewordene Fläche. Die erste Variante betrachtet die Schaffung von zusätzlichen Kohlenstoffsenken durch neue Wälder. „Wenn die frei gewordene Fläche aufgeforstet wird, könnten die Restemissionen aus der Landwirtschaft fast komplett kompensiert werden. Durch diese zusätzliche Kohlenstoffsenke von 20,4 Mio. t CO2, die innerhalb der nächsten 23 Jahre entstehen könnten, verblieben im Saldo nur noch 2,7 Mio. t CO2e an Restemissionen aus der Landwirtschaft. Damit wäre die landwirtschaftliche Produktion fast treibhausgasneutral“, heißt es in der Studie. Alternativ könnte die Fläche genutzt werden, um zusätzliche Lebensmittel für den Export zu erzeugen. Gegenüber heute steigen damit die Exportmengen von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln, aber auch die Emissionen würden zunehmen und von 10 Millionen Tonnen CO2e auf 33 Millionen Tonnen ansteigen. Werden die Exporte aber für die Ernährung genutzt würden, könnten 70 Millionen zusätzliche Menschen nach dem Vorbild der Planetary Health Diet ernährt werden. „Kohlenstoffspeicher oder Export von Lebensmitteln – in unserer Studie zeigen wir zwei Optionen für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft auf“, erklärt Kirsten Wiegmann, Co-Autorin der Studie. „Welchen Weg wir einschlagen, ist eine gesellschaftliche Entscheidung, die von der Politik getroffen werden muss.“ Zunächst müsse es uns jedoch gelingen, unsere Ernährung entsprechend umzustellen. Das sieht auch Hofstetter so: „Um die notwendige Transformation anzustoßen, kann jeder und jede etwas beitragen. Vor allem aber müssen Politik und Wirtschaft viel stärker als bisher gestaltend wirken“, betont er: „Wir fordern von der Politik jetzt umfassende Maßnahmen, um das Ziel der Ernährungswende in den kommenden Jahren zu erreichen. Die offiziellen Ernährungsempfehlungen sind anzupassen. Vor allem sind die Umweltkosten bei der Produktion von Milch und Fleisch einzuberechnen und die Viehbestände abzubauen.“ (ab)

16.08.2022 |

Studie bescheinigt Veggie-Produkten bessere Umweltbilanz als Fleisch

Tofu
Gemüse & Tofu toppt Wurst & Co (Foto: CC0)

Wer beim Einkauf im Supermarkt Klima und Umwelt einen Gefallen tun möchte, sollte vor allem zu Obst, Gemüse und vegetarischen Produkten greifen und fürs Grillen Tofuwürstchen statt Steaks besorgen. Darauf machen Wissenschaftler*innen der Universität Oxford und Aberdeen aufmerksam. In einer Studie, die am 8. August in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde, untersuchten sie mehr als 57.000 im Supermarkt erhältliche Produkte, darunter auch viele hochverarbeitete Produkte mit mehreren Zutaten. Ihr Ergebnis: Der Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln ist besser für die Umwelt als der von Fleisch- und Milchprodukten. Die Umweltauswirkungen vieler Fleischersatzprodukte, wie Würstchen oder Burger auf pflanzlicher Basis, waren um ein Fünftel bis Zehntel geringer im Vergleich zu den tierischen Originalen. Zudem schauten sich die Forscher*innen den Zusammenhang zwischen dem ökologischen Fußabdruck und dem Nährwert der Lebensmittel an. Sie fanden heraus, dass nachhaltigere Produkte tendenziell auch nahrhafter sind. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, wie zuckerhaltige Getränke, die zwar eine geringe Umweltbelastung aufwiesen, aber in puncto Nährwert schlecht abschnitten. „Durch die standardisierte Abschätzung der Umweltauswirkungen von Lebensmitteln und Getränken haben wir einen wichtigen ersten Schritt unternommen, um Informationen bereitzustellen, die es ermöglichen, fundierte Kaufentscheidungen zu treffen“, sagte der Hauptautor der Studie, Dr. Michael Clark.

Die Studie nutzt öffentlich zugängliche Informationen. Für die am häufigsten in Supermärkten verkauften Lebensmittel und Getränke wurden die Umweltbilanz berechnet mit einem standardisierten Wert auf einer Skala von 0 bis 100. Der Fokus lag auf Produkten mit mehreren Inhaltsstoffen. „Während frühere Analysen die Auswirkungen von Lebensmitteln wie Obst, Weizen und Rindfleisch verglichen, enthalten die meisten Nahrungsmittel zahlreiche Zutaten. Da die Menge jeder einzelnen Zutat in einem Produkt jedoch oft nur der Hersteller kennt, war es bisher schwierig, die Folgen für die Umwelt zu bewerten“, schildern die Autor*innen im Abstract die Hauptschwierigkeit beim Berechnen der Bilanz. „Diese Arbeit ist sehr aufregend – erstmals haben wir eine transparente und vergleichbare Methode zur Bewertung des ökologischen Fußabdrucks von verarbeiteten Lebensmitteln mit mehreren Inhaltsstoffen gefunden. Diese Art von Lebensmitteln machen den größten Teil unserer Supermarkteinkäufe aus, aber bisher konnten wir ihre Umweltbilanz nicht direkt vergleichen“, betont Pete Scarborough, Professor für Bevölkerungsgesundheit an der Universität Oxford.

Die Forscher*innen ermittelten die einzelnen Inhaltsstoffe und ihr prozentualer Anteil am Endprodukt durch die Analyse des Zutatenverzeichnisses auf der Verpackung, wo die Zutaten der Menge nach aufgelistet sind. Die Informationen zu jeder einzelnen Zutat wurden dann mit Umwelt- und Ernährungsdatenbanken abgeglichen. Die Analyse stützt sich auf foodDB, eine große Datenmengen umfassende Forschungsplattform, die täglich Daten zu allen in 12 Online-Supermärkten im Vereinigten Königreich und in Irland erhältlichen Lebensmitteln und Getränken sammelt und verarbeitet, sowie auf eine umfassende Auswertung von 570 Studien über die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion, die Daten von 38.000 landwirtschaftlichen Betrieben in 119 Ländern enthält. Basierend auf dem prozentualen Anteil der Zutaten wurden dann die Umweltauswirkungen und die Nährwertqualität jedes einzelnen Produkts geschätzt. Die Umweltfolgen umfassen vier Indikatoren: Treibhausgasemissionen, Landnutzung, Wasserstress und Eutrophierungspotenzial (die Anreicherung von Gewässern mit zu vielen Nährstoffen und die daraus resultierende Algenbildung). Aus diesen vier Werten wurde ein Gesamtwert für die Umweltauswirkungen pro 100 g des Produkts gebildet. Die Mandelproduktion etwa verursacht relativ geringe Treibhausgasemissionen, ist aber in der Regel mit hohem Wasserstress verbunden, während der Fang von Krustentieren in der Fischerei große Mengen an Treibhausgasen ausstößt, aber kaum Landnutzung erfordert.

Die Studie ergab, dass Produkte, die aus Obst, Gemüse, Zucker und Mehl hergestellt werden, wie z.B. Suppen, Salate, Brot und viele Frühstückscerealien, geringe Umweltauswirkungen aufweisen. Viele der Produkte mit den geringsten Auswirkungen bestehen vor allem aus Wasser, daher auch die „gute“ Bilanz von Softdrinks. Zu den Produkten mit mittleren Umweltauswirkungen gehören viele Desserts und Backwaren. Produkte, die aus Fleisch, Fisch und Käse hergestellt werden, rangierten am oberen Ende der Skala. Dörrfleisch, Biltong und andere getrocknete Fleischprodukte, wie BiFi, die oft mehr als 100 g Frischfleisch pro 100 g des Endprodukts enthalten, hatten die mieseste Umweltbilanz. Bei bestimmten Lebensmittelkategorien wie Fleisch und Fleischalternativen, Lasagne, Keksen oder Pestos traten innerhalb ein- und derselben Lebensmittelart große Unterschiede zutage. Oft verursachten jene Produkte mit der besten Bilanz oft nur die Hälfte bis zu einem Zehntel der Umweltauswirkungen von den Produkten mit einem schlechteren Fußabdruck. Bei Würstchen etwa gab es einen deutlichen Unterschied bei den Auswirkungen, je nachdem, welches Fleisch im Endprodukt Hauptbestandteil war. Würste, die vor allem Rind- oder Lammfleisch enthielten, hatten im Durchschnitt eine um 240% höhere Umweltbelastung als jene aus Schweinefleisch, welche wiederum eine um 100% höhere Belastung als Würste aus Hühner- und Putenfleisch hatten, die wiederum eine um 170% schlechtere Bilanz als vegane oder vegetarische Würste hatten. Eine Limitation der Studie besteht darin, dass in den Zutatenlisten keine Infos über die Herkunft der Zutaten, wie z.B. das Herkunftsland oder die landwirtschaftliche Produktionsmethode, enthalten sind, wodurch die Umweltauswirkungen noch zuverlässiger eingeschätzt werden könnten. So hat etwa brasilianisches Rindfleisch einen ganz anderen ökologischen Fußabdruck als Rindfleisch aus Europa von Tieren aus Weidehaltung.

Den Autor*innen zufolge ist „die Bewertung und Kommunikation der Umweltauswirkungen von Lebensmitteln eine wesentliche Voraussetzung für die Umgestaltung unserer Ernährungssysteme, die dringend nötig ist, um die rasch voranschreitende Zerstörung der Umwelt zu verhindern.“ Sie kommen zu dem Schluss, dass der Ersatz von Fleisch, Milchprodukten und Eiern durch pflanzliche Alternativen dort große Vorteile für Umwelt und Gesundheit haben könnte, wo der Verbrauch dieser Lebensmittel hoch ist. Es gebe mehrere Möglichkeiten, Ernährungsweisen umzustellen. Dazu gehört der direkte und umfangreiche Ersatz tierischer Produkte (z.B. von Rindfleisch durch Bohnen) oder kleinerer Umstellungen zwischen gleichartigen Produkten. Die Wissenschaftler*innen räumen ein, dass in einigen Fällen große Substitutionen aufgrund von geschmacklichen Vorlieben, kulturellen Normen oder dem fehlenden Zugang zu geeigneten Alternativen schwierig sein können, während „kleinere Umstellungen leichter schmackhafter gemacht werden könnten“. „Diese Arbeit kann zur Unterstützung von Instrumenten dienen, die Verbraucher*innen dabei helfen, umweltverträglichere Entscheidungen beim Lebensmittelkauf zu treffen. Noch wichtiger ist, dass sie Einzelhändler und Lebensmittelhersteller dazu veranlassen könnte, die Umweltauswirkungen ihres Angebots zu verringern und uns allen eine gesündere, nachhaltigere Ernährung zu ermöglichen“, so Professor Scarborough. Nach Ansicht der Autor*innen liegt der Schlüssel für den Übergang zu ökologisch nachhaltigen Ernährungssystemen darin, die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln zu verstehen und sie richtig zu kommunizieren. „Wir müssen noch herausfinden, wie wir diese Informationen am effektivsten vermitteln können, um Verhaltensänderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit zu erzielen, aber die Bewertung der Umweltbilanz von Produkten ist ein wichtiger Schritt nach vorn“, fügte Dr. Michael Clark hinzu. (ab)

28.07.2022 |

Erdüberlastungstag am 28. Juli: Menschheit verbraucht 1,75 Planeten

Ei
Wir gehen mit den Ressourcen der Erde um als hätten wir Ersatz (Foto: CC0)

In gerade einmal 7 Monaten hat die Menschheit die nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für das gesamte Jahr bereits aufgebraucht: 2022 fällt der „Earth Overshoot Day“ oder globale Erdüberlastungstag auf den 28. Juli – zwei Tage früher als im Vorjahr. Die restlichen 156 Tage des Jahres leben wir wieder auf Kosten künftiger Generationen und strapazieren die natürlichen Ressourcen über das regenerierbare Maß hinaus. Das zeigen Berechnungen der internationalen Nachhaltigkeitsorganisation „Global Footprint Network“, die den Erdüberlastungstag alljährlich neu berechnet. Die Zahlen basieren auf den „National Footprint and Biocapacity Accounts“ (NFA), die sich auf UN-Datensätze stützen. Es werden zwei Größen gegenübergestellt: einerseits die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen und andererseits der ökologische Fußabdruck – der Bedarf an Acker-, Weide- und Bauflächen, die Entnahme von Holz, Fasern oder Fisch, aber auch der CO2-Ausstoß und die Müllproduktion. Seit Anfang der 1970er Jahre lässt sich ein rasanter Anstieg des Ressourcenverbrauchs beobachten: Nach den aktuellen Berechnungen lag der erste Erdüberlastungstag 1971 am 25. Dezember. Anfang der 90er Jahre war er bereits Mitte Oktober erreicht und 2018 fiel der Tag erstmals in den Juli. Nach einer Verschiebung auf August in 2020 durch die coronabedingten Lockdowns leben wir nun schon wieder Ende Juli auf Pump.

Der seit 50 Jahren anhaltende Overshoot bedeutet, dass sich die jährlichen Defizite zu einer ökologischen Schuld aufbauen, betont das Netzwerk. Wir haben bereits eine „Schuld“ von 19 Jahre an Regenerationskapazität des Planeten angehäuft. Der anhaltende Overshoot führte zu einem massiven Rückgang der biologischen Vielfalt, einem Überschuss an Treibhausgasen in der Atmosphäre und einem verschärften Wettbewerb um Nahrungsmittel und Energie. Die ungewöhnlichen Hitzewellen, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen, die wir aktuell erleben, führen uns dies deutlich vor Augen. „Der Earth Overshoot Day zeigt, dass das derzeitige Produktions- und Konsumsystem nicht mit der Absicht vereinbar ist, unseren Planeten weiterhin zu bewohnen“, erklärte der ecuadorianische Minister für Umwelt, Wasser und ökologischen Wandel, Gustavo Manrique, der den Tag mit Videos von Umweltminister*innen aus der ganzen Welt eröffnete. „Unsere natürlichen Ressourcen zu schützen und unsere Nachfrage nach ihnen zu steuern, braucht konkrete Maßnahmen, die auf ein neues Entwicklungsmodell abzielen, das auf Nachhaltigkeit und Regeneration beruht. Von Ecuador aus rufen wir die Welt auf, diesen Fragen wesentlich mehr Gewicht zu geben“, appellierte Manrique.

Die Daten des Netzwerkes zeigen auch den Zusammenhang zwischen Ressourcen und Ernährungssicherheit auf. Allein die Ernährung beansprucht heute 55 % der Biokapazität unseres Planeten, also mehr als die Hälfte der Erde. Die Analysen ergaben, dass bereits mehr als 3 Milliarden Menschen oder 38 % der Weltbevölkerung in Ländern leben, die weniger Nahrungsmittel produzieren als sie verbrauchen und zudem ein geringeres Einkommen als der Weltdurchschnitt erzielen. Sie verfügen also nicht nur über unzureichend Nahrung, sondern sind auch beim Zugang zu Lebensmitteln am Weltmarkt stark benachteiligt. Nepal beispielsweise produziert nur 78 % der konsumierten Lebensmittel und ist auch noch finanziell benachteiligt, da das Pro-Kopf-Einkommen nur 9% des globalen Durchschnitts beträgt. Mit derselben Kombination an Risikofaktoren sind auch Länder wie Ruanda, Äthiopien, Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Bangladesch, Mexiko, Irak und Iran konfrontiert. Wenn alle Ressourcen einkalkuliert werden, steigt die Zahl der Menschen, die in einem Land leben, das ein Biokapazitätsdefizit aufweist und weniger Einkommen erwirtschaftet als der globale Sschnitt, auf rund 5,8 Milliarden. Dieser Trend, der durch die Pandemie und bewaffnete Konflikte wie in der Ukraine verstärkt wird, führt zu einer zunehmenden Ernährungsunsicherheit.

Das Global Footprint Network weist aber auch darauf hin, dass eine Trendwende möglich ist und vor allem auch wirtschaftliche Vorteile für die Vorreiter*innen mit sich bringt. „Ressourcensicherheit wird zu einem immer wesentlicheren Parameter der wirtschaftlichen Stärke. Zu warten hat keinen Vorteil. Vielmehr liegt es im Interesse jeder Stadt, jedes Unternehmens und jedes Landes, die eigene Handlungsfähigkeit in einer voraussehbaren Zukunft des Klimawandels und der Ressourcenknappheit zu schützen“, betont Mathis Wackernagel, Gründer des Netzwerkes. Er geht davon aus, dass Unternehmungen und Unternehmen, deren Produkte dazu beitragen, den Overshoot zu verringern, mit größerer Wahrscheinlichkeit an Wert gewinnen werden als jene, die den Overshoot anheizen. Wenn die Menschheit den Earth Overshoot Day jedes Jahr um 6 Tage hinauszögern würde, wäre 2050 weniger als ein Planet nötig. Das vom Weltklimarat vorgeschlagene 1,5 C°-Ziel könnte erreicht werden, wenn das Datum jedes Jahr um 10 Tage verschoben wird. Als Möglichkeiten zum Handeln nennt das Netzwerk etwa die Halbierung der weltweiten Lebensmittelverschwendung, durch die der Overshoot Day um 13 Tage verschiebbar wäre. Weltweit eine städtische Fahrradinfrastruktur zu schaffen wie in den Niederlanden würde 9 Tage einsparen. „Nutzen wir die Macht des Möglichen und gestalten unsere Zukunft so, wie wir sie wollen”, appelliert Wackernagel.

Das Netzwerk berechnet zudem die nationalen Erdüberlastungstage, wobei deutliche Unterschiede zutage treten. Um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung rechnerisch rund 1,75 Planeten. „Würden alle Menschen so wirtschaften wie wir in Deutschland, läge der Erdüberlastungstag bereits Anfang Mai. Dann bräuchten wir nicht zur zwei, sondern drei Planeten“, sagt Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die auch jedes Jahr auf den Tag aufmerksam macht. Alle EU-Staaten verzeichnen ihre nationalen Überlastungstage vor dem weltweiten Datum. In Spanien war es zum Beispiel am 12. Mai, in Italien am 15. Mai soweit. Germanwatch sieht daher die Politik in der Verantwortung, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen und den Klimaschutz vorantreiben: „Der Erdüberlastungstag macht deutlich, dass wir in grundlegender Weise unsere Art zu wirtschaften überdenken müssen“, sagt Finn Robin Schufft, Referent für Unternehmensverantwortung bei Germanwatch. „Die EU mit ihrem überdurchschnittlichen Ressourcenverbrauch darf die Kosten zerstörerischer Geschäftspraktiken nicht länger der Umwelt und den besonders Betroffenen insbesondere im globalen Süden aufbürden. Sie muss ihre Unternehmen dazu verpflichten, endlich Verantwortung zu übernehmen und ihre Geschäftsmodelle an den planetaren Grenzen und der Achtung der Menschenrechte auszurichten.“ Die Organisation zielt hier auch auf das EU-Lieferkettengesetz ab, das derzeit im EU-Ministerrat verhandelt wird, dessen erster Entwurf aber nur unzureichende Umweltpflichten enthält. Um die Klimakrise abzufedern sei es notwendig, dass Unternehmen 1,5-Grad-kompatible Pläne aufstellen mit kurz- und mittelfristigen Meilensteinen zur Minderung der Emissionen in ihrer Wertschöpfungskette, so Germanwatch. (ab)

12.07.2022 |

UN-Bericht: 828 Millionen Menschen hungern weltweit

Gemuese
Fast 3,1 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten (Foto: CC0)

Beim Kampf gegen Hunger und Unterernährung gibt es deutliche Rückschritte. Einem neuen Bericht zufolge, der am 6. Juli von fünf UN-Organisationen veröffentlicht wurde, stieg die Zahl der weltweit von chronischem Hunger betroffenen Menschen 2021 auf 828 Millionen an. Das sind rund 180 Millionen mehr Menschen als 2015, als die Agenda 2030 aus der Taufe gehoben wurde, doch der Großteil des Anstiegs (150 Millionen) erfolgte seit dem Ausbruch von COVID-19. Aktuell ist also ein Zehntel der Weltbevölkerung chronisch unterernährt. Zudem konnten sich im Jahr 2020 fast 3,1 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten – 112 Millionen mehr als noch 2019, was den gestiegenen Lebensmittelpreisen im Zuge der Pandemie geschuldet ist. „Die Herausforderungen beim Kampf gegen Hunger, Ernährungsunsicherheit und alle Formen von Unterernährung nehmen weiter zu. Die COVID-19-Pandemie hat die Fragilität unserer Agrar- und Ernährungssysteme und die Ungleichheiten in unser Gesellschaft noch sichtbarer gemacht und zu einem weiteren Anstieg des Welthungers und der schweren Ernährungsunsicherheit geführt“, schreiben die Leiter*innen der Welternährungsorganisation FAO, des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), von UNICEF, dem Welternährungsprogramm (WFP) und der Weltgesundheitsorganisation in ihrem gemeinsamen Vorwort zum Bericht.

In der diesjährigen Ausgabe des Berichts „The State of Food Security and Nutrition in the World“ wird eine Spanne von 702 bis 828 Millionen chronisch unterernährten Menschen angegeben, um den Unsicherheiten bei der Datenerhebung aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen Rechnung zu tragen. Den Autor*innen zufolge sind die Informationen über die tatsächliche Verfügbarkeit und den Verbrauch von Nahrungsmitteln in den Jahren 2020 und 2021 nach wie vor spärlich und ungenau. Nimmt man die Mitte der geschätzten Spanne (768 Millionen), so ist die Zahl der unterernährten Menschen seit 2020 um 46 Millionen gestiegen. „Es besteht die reale Gefahr, dass die Zahlen in den kommenden Monaten sogar noch weiter ansteigen werden. Der weltweite Preisanstieg von Lebensmitteln, Treibstoff und Düngemittel ist das Folge des Krieges in der Ukraine, der droht, Länder auf der ganzen Welt in Hungersnöte zu stürzen“, sagte WFP-Exekutivdirektor David Beasley. „Das Ergebnis wird eine globale Destabilisierung, Hungersnöte und Massenmigration in einem noch nie dagewesenen Ausmaß sein. Wir müssen heute handeln, um die sich anbahnende Katastrophe zu verhindern.“

Nachdem der Anteil der von Hunger betroffenen Menschen seit 2015 relativ gleich geblieben war, stieg er 2020 sprunghaft an und kletterte 2021 weiter auf 9,8 Prozent der Weltbevölkerung. Berücksichtigt man die obere Grenze der Spanne von 828 Millionen Menschen, liegt der Anteil bei 10,5 Prozent. Die Zahlen zeigen ein anhaltendes regionales Gefälle, wobei in Afrika der Anteil der Hungernden an der Bevölkerung am heftigsten ist, während Asien in absoluten Zahlen trauriger Spitzenreiter ist. Mehr als die Hälfte (56,2 %) der 828 Millionen Menschen, die im Jahr 2021 unterernährt waren, lebten in Asien (465,4 Millionen Menschen), gefolgt von Afrika mit 289,1 Millionen (34,9 %) sowie Lateinamerika und der Karibik mit 64 Millionen (7,7 %). In Afrika beträgt der Anteil der unterernährten Menschen an der Bevölkerung nunmehr 21 % gegenüber 20,3 % im Jahr 2020. Besonders alarmierend ist die Lage in Zentralafrika, wo im letzten Jahr ein Drittel der Bevölkerung (33,3 %) unterernährt war. Zu dieser Subregion gehören Länder wie der Tschad und die Demokratische Republik Kongo. In Ostafrika waren 30,8 % von Hunger betroffen. In Asien waren 9,9 % der Bevölkerung chronisch unterernährt, während der Anteil in Lateinamerika 9,7 % betrug.

Der Bericht enthält nicht nur Schätzungen zur Zahl der chronisch unterernährten Menschen, sondern auch zur moderaten und schweren Ernährungsunsicherheit. Moderate Ernährungsunsicherheit wird definiert als „ein Schweregrad der Ernährungsunsicherheit, bei dem die Menschen unsicher sind, ob sie sich mit Lebensmitteln versorgen können“, was bedeutet, dass sie gezwungen sind, zu bestimmten Zeiten im Jahr aufgrund von Mangel an Geld oder anderen Ressourcen Abstriche bei der Qualität und/oder Quantität der verzehrten Lebensmittel zu machen. Insgesamt hatte fast jeder dritte Mensch auf der Welt (2,3 Milliarden) im Jahr 2021 keinen ganzjährigen Zugang zu angemessener Nahrung – ein Anstieg um fast 350 Millionen Menschen seit 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie. Von den von moderater und schwerer Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen waren fast 40% oder 923,7 Millionen Menschen von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen, was bedeutet, dass ihnen die Nahrungsmittel ausgingen, sie Hunger litten und im Extremfall einen Tag oder länger nichts zu essen hatten. Dies ist ein Anstieg um 207 Millionen Menschen im Vergleich zu 2019. Auch eine gesunde Ernährung ist für Menschen in allen Regionen der Welt immer unerschwinglicher geworden. 2021 konnten sich fast 3,1 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten, 112 Millionen mehr als 2019. Diese Zahlen könnten sogar noch höher sein, sobald Daten vorliegen, die die Einkommensverluste im Jahr 2020 berücksichtigen.

Der Bericht zeichnet auch ein düsteres Bild von der Ernährungssituation bei Kindern. Schätzungsweise 45 Millionen Kinder unter fünf Jahren litten an Auszehrung (wasting), der tödlichsten Form der Unterernährung, die das Sterberisiko von Kindern um das Zwölffache erhöht. Darüber hinaus waren 149 Millionen Kinder unter fünf Jahren in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung gehemmt (stunting), was bedeutet, dass sie aufgrund eines chronischen Mangels an essenziellen Nährstoffen in ihrer Ernährung zu klein für ihr Alter sind. Weitere 39 Millionen Kinder waren übergewichtig. „Das noch nie dagewesene Ausmaß dieser Ernährungskrise erfordert eine noch nie dagewesene Reaktion. Wir müssen unsere Bemühungen verdoppeln, um sicherzustellen, dass die schutzbedürftigsten Kinder einen sicheren Zugang zu nahrhafter und bezahlbarer Ernährung haben – sowie Zugang zur frühzeitigen Prävention, Erkennung und Behandlung von Mangelernährung“, betonte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Wenn die Zukunft und das Leben von so vielen Kindern auf dem Spiel stehen, ist das nun die richtige Zeit, um unser Engagement für Kinderernährung zur verstärken – wir haben keine Zeit zu verlieren.”

Auch der Ausblick in die Zukunft fällt düster aus. Der anhaltende Krieg in der Ukraine, in den zwei der weltweit größten Produzenten von Grundnahrungsmitteln, Ölsaaten und Düngemitteln verwickelt sind, unterbricht die internationalen Lieferketten und treibt die Preise für Getreide, Düngemittel und Energie in die Höhe. Die Lieferketten wurden bereits durch immer häufiger auftretende extreme Klimaereignisse beeinträchtigt, gerade in Ländern mit niedrigem Einkommen. All dies wirkt sich negativ auf die weltweite Ernährungssicherheit und Ernährung aus, warnt der Bericht. Das Ziel, Hunger, Ernährungsunsicherheit und Unterernährung in all ihren Formen bis 2030 zu beenden, rückt in immer weitere Ferne. Laut aktuellen Prognosen werden im Jahr 2030 immer noch fast 670 Millionen Menschen (8 % der Weltbevölkerung) von Hunger betroffen sein – selbst wenn man von einer wirtschaftlichen Erholung auf globaler Ebene ausgeht. Das ist eine ähnliche Zahl wie 2015, als im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung das Ziel formuliert wurde, Hunger, Ernährungsunsicherheit und Unterernährung bis zum Ende dieses Jahrzehnts zu beenden. „Dies sind deprimierende Zahlen für die Menschheit. Wir kommen immer weiter von unserem Ziel ab, den Hunger bis 2030 besiegt zu haben“, beklagte IFAD-Präsident Gilbert F. Houngbo. „Die fortlaufenden Auswirkungen der globalen Ernährungskrise werden voraussichtlich die Erträge im kommenden Jahr weiter verschlechtern. Wir benötigen einen intensiveren Ansatz, um Hunger zu beenden.” (ab)

30.06.2022 |

Bericht: ‚Patentdickicht' blockiert die konventionelle Pflanzenzüchtung

KeinePatente
Protestaktion vor dem EPA am 29.6.22 (Foto: Lukas Barth)

Die traditionelle Pflanzenzucht könnte bald unmöglich werden, da große Konzerne verstärkt versuchen, Patente auf natürlicherweise vorkommende Gene und zufällige Mutationen anzumelden. Darauf macht ein neuer Bericht des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!“ aufmerksam, der am 29. Juni veröffentlicht wurde. Die Nutzung der biologischen Vielfalt für die konventionelle Züchtung von Pflanzen und Tieren wird so behindert oder sogar blockiert, da diese Patente ein undurchdringliches ‚Patentdickicht‘ für kleinere und mittlere Züchter*innen schaffen. Ganz davon abgesehen, dass sie eigentlich unzulässig sind, da in Europa nur gentechnische Verfahren und nicht konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere patentierbar sind. „Durch die zunehmende rechtliche Unsicherheit über die Patentierung von Pflanzen und deren Genen entsteht eine ernsthafte Gefahr für die konventionelle Züchtung. Diese Patente können den Zugang zur biologischen Vielfalt blockieren, die von allen ZüchterInnen benötigt wird“, beklagt Dagmar Urban von ARCHE NOAH, einem Verein, der sich für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt und dem Bündnis angehört. „Die derzeitige Praxis des EPA steht im Gegensatz zu den politischen Zielen der europäischen Regierungen, die die Regel beschlossen haben.”

„Keine Patente auf Saatgut!“ übergab den Bericht am Mittwoch auch offiziell dem Europäischen Patentamt (EPA) in München, dem Stein des Anstoßes. Denn das Bündnis kritisierte schon seit Langem die umstrittene Praxis des EPA, Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere zu erteilen, obwohl im europäischen Patentrecht diese Patente auf „im Wesentlichen biologischen Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren“ untersagt sind. Im Juni 2017 hatte das EPA auf massiven öffentlichen Druck hin ein Ende dieser Patente beschlossen. Die neue Regel 28(2) wurde in die Ausführungsordnung des EPA aufgenommen und 2020 durch eine Entscheidung der großen Beschwerdekammer des EPA bestätigt (G3/19). Doch es gibt immer noch rechtliche Schlupflöcher: Das EPA gewährt zum Beispiel weiter Patente auf Pflanzen, die auf der Grundlage von zufälligen genetischen Veränderungen gezüchtet werden. Der Bericht kritisiert etwa ein jüngst erteiltes Patent, bei dem das Patentamt eine zufällige genetische Variation, die durch Sonnenlichtstrahlung ausgelöst wurde, als technische Erfindung durchgehen ließ: Das Patent EP3560330 der Firma KWS betrifft Mais mit einer verbesserten Verdaulichkeit. Beansprucht werden die Pflanzen mit zufällig veränderten Genen und deren Ernte. Das erteilte Patent umfasst auch die Verwendung von natürlicherweise vorkommenden Genvarianten für die konventionelle Züchtung. Es ist das erste Patent, bei dem trotz der neuen Regel 28(2) erneut ein Patent erteilt wurde, das nicht auf den Bereich der Gentechnik begrenzt ist.

Die aktuelle Patentrecherche von „Keine Patente auf Saatgut!“ zeigt, auf welche Weise große Konzerne wie BASF, Bayer-Monsanto, Syngenta oder eben KWS systematisch versuchen, die bestehenden rechtlichen Schlupflöcher so weit wie möglich auszunutzen: „Diese Firmen gehören zu denen, die das Erbgut von Pflanzen systematisch nach zufälligen Mutationen und interessanten genetischen Variationen durchsuchen, um diese dann als ihre Erfindung zu beanspruchen. Einige der 2021 veröffentlichten Patentanträge beanspruchen Dutzende, hunderte oder sogar tausende Genvarianten, die in Getreidearten wie Soja und Mais entdeckt wurden, aber auch in Gemüsearten wie Kartoffeln, Spinat, Salat, Gurken oder Früchte tragenden Pflanzen wie Tomaten oder Melonen“, heißt es in der deutschen Zusammenfassung des Berichts. „Die Konzerne beanspruchen dann alle Nutzungen dieser Gene und Genvarianten für die weitere Züchtung.“ Viele Firmen würden zudem in ihre Anträge spezielle Formulierungen einbauen, mit denen technische Elemente (wie CRISPR/Cas) mit üblichen Methoden der konventionellen Züchtung vermischt werden, um den Eindruck einer technischen Erfindung zu erwecken. „Dadurch werden die Grenzen zwischen konventioneller Züchtung und gentechnischen Eingriffen sprachlich systematisch verwischt“, kritisiert das Bündnis.

Der Bericht illustriert anhand einiger Patente, welch erhebliche Auswirkungen diese auf die konventionelle Züchtung haben. Ein Beispiel sind die Patentanträge von Syngenta /ChemChina, die die Nutzung von tausenden Genvarianten beanspruchen, u.a. von Ackerpflanzen wie Soja und Mais, die natürlicherweise vorkommen und die zum Beispiel die Widerstandskraft der Pflanzen gegenüber Krankheiten stärken können. „In den meisten Fällen wurden die jeweiligen Genvarianten in wilden Verwandten der gezüchteten Sorten entdeckt und auf diese per Kreuzung und Selektion übertragen. Der Konzern beansprucht alle züchterischen Verwendungen der beschriebenen Genvarianten und allen Pflanzen mit diesen Genen, die aus züchterischen Aktivitäten hervorgehen. Im Patent erwähnt werden gentechnische Verfahren (wie der Einsatz der Gen-Schere CRISPR/Cas) genauso wie traditionelle züchterische Verfahren wie die Selektion nach interessanten Genvarianten und die weitere Kreuzung“, so der Bericht. Beansprucht werden alle resultierenden Pflanzen, deren Saatgut und die Ernte. So würden andere Züchter durch erhebliche rechtliche Unsicherheiten abgeschreckt, da es kaum herauszufinden sei, ob eine bestimmte Sojapflanze, die eine erhöhte Resistenz gegenüber dem asiatischen Soja-Rost zeigt, einige der rund 5.000 Genvarianten in ihrem Erbgut trägt, die z.B. in der Patentanmeldung WO2021154632 aufgelistet sind. Daher können ZüchterInnen nicht mehr alle Sorten für die weitere Züchtung verwenden. Es sei nicht einmal möglich, auf wilde verwandte Arten der Soja auszuweichen, weil die Patente jegliche züchterische Verwendung der betreffenden Gene abdecken. Im Ergebnis werden diese Patente so zu einem undurchdringlichen Dschungel für alle anderen Züchter.

Ein weiteres Beispiel ist die Zucht von Tomaten mit einer Resistenz gegen das sogenannte Tomato Brown Rugose Fruit Virus. Hier beanspruchen mehrere Unternehmen verschiedene Regionen im Erbgut von Tomaten, die auf mehreren Chromosomen liegen. „Beispielsweise ist das Chromosom 11 von Tomaten das Ziel von zehn Patentanträgen, die von fünf verschiedenen Unternehmen (wie Bayer/ Seminis, BASF/Nunhems und Rijk Zwaan) eingereicht wurden und in denen ähnliche Genregionen beansprucht werden, die sich zum Teil auch überlappen. Alle Tomatenpflanzen, die diese Genvarianten aufweisen und aus irgendwelchen züchterischen Aktivitäten stammen, werden als Erfindung beansprucht. Die beanspruchten Genvarianten kommen natürlicherweise und insbesondere in wilden Arten der Tomate vor“, betonen die Autor*innen. Konventionelle Züchter, die neue Tomatensorten mit einer Resistenz gegen das Virus anstreben, werden meist den genauen Genotyp ihrer Pflanzen nicht kennen. Um Patentverletzungen zu vermeiden, müssten sie Dutzende Patentanträge analysieren, nach den beanspruchten Genvarianten durchsuchen und ggf. rund ein Dutzend Lizenzverträge abschließen. Johanna Eckhardt von „Keine Patente auf Saatgut!“ spricht von einer „Überpatentierung, die den Zugang zu dem biologischen Material blockiert, das benötigt wird, um die erwünschten Tomatensorten zu züchten.“ Bisher hätten im Rahmen des Sortenschutzes alle konventionell gezüchteten Sorten frei genutzt werden, um neue und noch bessere Sorten auf den Markt zu bringen. „Wenn die europäischen Regierungen jetzt nicht aktiv werden, wird diese Freiheit der ZüchterInnen in einem Patent-Dschungel erstickt“, warnt sie.

Dem Bündnis zufolge sind politische Entscheidungen notwendig, um die Freiheit der traditionellen Züchter*innen zu bewahren. Diese ist eine Voraussetzung dafür, dass neue Pflanzensorten auf den Markt gelangen, die beispielsweise eine Anpassung an den Klimawandel ermöglichen. „Wir fordern, dass die Vertragsstaaten des EPA zu einer internationalen Konferenz zusammenkommen, um zu entscheiden, wie die bestehenden Verbote im Patentrecht auszulegen sind”, sagt Verena Schmitt vom Umweltinstitut München. „Unser Bündnis hat bereits mehr als 200.000 Unterschriften gesammelt, jetzt wenden wir uns an die europäischen Regierungen und an den Bundesjustizminister Dr. Marco Buschmann. Wenn die notwendigen politischen Entscheidungen nicht getroffen werden, ist das das Ende der Pflanzenzucht, so wie wir sie kennen.” (ab)

Unterstützer

Unterstützer von www.weltagrarbericht.de Verlag der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Bioland biovision Brot für die Welt Brot für alle Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland Demeter Zukunftsstiftung Entwicklung in der GLS Treuhand Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Heidehof Stiftung Mission EineWelt Misereor Naturland Public Eye | Erklärung von Bern Rapunzel - Wir machen Bio aus Liebe Swiss Aid, Ihr mutiges Hilfswerk tegut W-E-G Stiftung
English versionEnglish versionDeutsche Version