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24.05.2019 |

UN: Ernährung und Gesundheit benötigen Artenvielfalt

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Gesundheit braucht Vielfalt (Foto: CC0)

Unsere Ernährungssysteme und unsere Gesundheit sind abhängig von Artenvielfalt und gesunden Ökosystemen. Doch statt diese wertvolle Lebensgrundlage zu schützen, trägt der Mensch dazu bei, dass immer mehr Tier- und Pflanzenarten immer schneller schwinden. Darauf machte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UN Environment, anlässlich des Internationalen Tages der Biologischen Vielfalt am 22. Mai aufmerksam. Dieser stand 2019 unter dem Motto „Biodiversität, unsere Nahrung, unsere Gesundheit” und will daran erinnern, dass wir an dem Ast sägen, auf dem wir selbst sitzen: Denn ohne eine ausgewogene und vielfältige Ernährung leidet auch die menschliche Gesundheit und ohne Artenreichtum ist unsere Ernährungssicherheit in Zeiten des Klimawandels in Gefahr. Ohne Bestäuber, wie Insekten, Vögel und andere Lebewesen, die durch den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden aus der Agrarlandschaft verdrängt werden, würden viele der Lebensmittel verschwinden, die wir kennen und benötigen, warnt UN Environment. Und der Verlust von durch Vielfalt geprägten Ernährungsweisen hängt direkt mit Krankheiten oder gesundheitlichen Risikofaktoren wie Diabetes, Fettleibigkeit und Mangelernährung zusammen.

Doch erst kürzlich zeigte ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), dass das Artensterben rasant voranschreitet. Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, viele drohen innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu verschwinden. Es wird zu wenig getan, um das Ruder herumzureißen, kritisierten die Autoren. „Auf globaler Ebene wurden nur geringe Fortschritte dabei erzielt, Subventionen, die der biologischen Vielfalt schaden, zu streichen oder auslaufen zu lassen“, schreiben sie und nennen unter anderem die Preise für Waren und Industriegüter, die häufig nicht die ökologischen und sozialen Kosten widerspiegeln, die durch ihre Produktion verursacht werden. Die großflächige Industrialisierung hat zu einer weitgehenden Fragmentierung natürlicher Landschaften auf der ganzen Welt geführt, warnte ein anderer Bericht von UN Environment. Bisher verbundene Lebensräume sind jetzt unterteilt und isoliert, was bei einigen Arten zu einem starken Rückgang geführt hat, da ihre Suche nach Nahrung oder einem Partner eingeschränkt wird.

Die Vielfalt, die in Supermarktregalen und in Restaurants suggeriert wird, täuscht, erklärt das UN-Umweltprogramm. In den letzten hundert Jahren sind mehr als 90% der Pflanzenarten von den Feldern der Landwirte verschwunden. Im Jahr 2016 galten 559 der 6.190 domestizierten Säugetierrassen, die für die Ernährung und Landwirtschaft genutzt werden, als ausgestorben. Mindestens 1.000 weitere sind laut IPBES bedroht. Von den weltweit 90.000 Reissorten werden nur 40.000 angebaut und im Supermarkt wird nur ein Dutzend davon verkauft. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit, Biodiversität und Gesundheit ist dies besorgniserregend, betont UN Environment. Vielfältige lokale Systeme der Lebensmittelproduktion, die dem Klimawandel trotzen könnten, sind bedroht. Die Agrobiodiversität verschwindet und damit auch das Wissen über traditionelle Medizin und lokale Lebensmittel. „Das muss sich ändern“, fordert Marieta Sakalian, Biodiversitäts-Expertin von UN Environment. „Das nachhaltige Management der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften und Meeresgebieten kann den Übergang hin zu einer gesunden Ernährung und zu nachhaltigeren Konsum- und Produktionsmustern in Zeiten des Klimawandels unterstützen.“ (ab)

13.05.2019 |

Bündnis protestiert gegen Patent auf Lachse

Fisch
Kein Patent auf Fische! (Foto: CC0)

Ob Braugerste, Melone oder Tomate – das Europäische Patentamt (EPA) in München erteilt immer wieder Patente auf Pflanzen und Tiere aus herkömmlicher Züchtung, obwohl dies gegen die europäischen Patentgesetze verstößt. Nun hat es ein umstrittenes Patent auf Lachse erteilt, die mit bestimmten Pflanzen gefüttert wurden und dadurch mehr Omega-3-Fettsäuren aufweisen. Diese gelten als gesundheitlich wertvoll. Das Patent EP1965658 erstreckt sich auf das Futtermittel, die Haltung der Fische und ihre Fütterung, die Fische selbst sowie das Fischöl. Die Futtermittel können laut Patentschrift entweder aus konventioneller Züchtung stammen oder gentechnisch verändert sein. Beantragt wurde das Patent von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation, einer australischen Forschungseinrichtung. Die Erteilung des Patents wurde 2016 infolge von öffentlichen Protesten vorerst gestoppt, im Oktober 2018 dann jedoch erteilt.

Nach Ansicht des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!“ verstößt das Patent gegen das Verbot der Patentierung von Pflanzen und Tieren aus konventioneller Züchtung. Zudem handle es sich weder um eine Erfindung noch um ein neues Patent, denn es sei bekannt, dass die Zusammensetzung von Futtermitteln Auswirkungen auf die Lebensmittel habe, die ein Tier liefere. So gibt es etwa Erkenntnisse dazu, dass die Milch von Kühen, die auf der Weide grasen, einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufweist. „Wenn Tiere zur Erfindung werden, weil sie bestimmte Futtermittel fressen, werden bald auch Kühe und Schweine patentiert, die auf der Weide gehalten werden“, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL), eine der Mitgliedsorganisationen des Bündnisses. „Derartige Patente können die Landwirtschaft sehr direkt betreffen. Bauern und Bäuerinnen dürften dann ohne Erlaubnis des Patentinhabers keine Kuh melken, kein Schwein schlachten und kein Hühnerei verkaufen.“ Keine Patente auf Saatgut! bereitet daher einen Einspruch vor, der am 26. Juni am EPA in München übergeben werden soll.

Derzeit herrscht am EPA mit seinen 38 Vertragsstaaten rechtliches Chaos. Der Verwaltungsrat hatte 2017 nach öffentlichen Protesten und Druck der EU beschlossen, dass Patente auf Pflanzen und Tiere aus herkömmlichen Züchtungsverfahren, bei denen keine Gentechnik zum Einsatz kommt, verboten sind. Allerdings war dieser Beschluss rechtlich lückenhaft. Im Dezember 2018 erklärte die Große Beschwerdekammer des EPA den Beschluss für unwirksam. Wie es weitergeht, liegt in der Schwebe. Keine Patente auf Saatgut! appelliert daher an die Politik, sich ihrer Verantwortung zu stellen und falls nötig auch die Gesetze zu ändern. Nur so könne verhindert werden, dass weiterhin Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen und Tiere erteilt werden. „Wenn die Politik dem Patentamt keine klaren Grenzen setzt, werden ständig neue Fakten geschaffen, damit Patentanwälte, Firmen und das EPA mit diesen Patenten immer mehr Profite machen können“, kommentierte Christoph Then für Keine Patente auf Saatgut!. „Demnächst wird dann vielleicht auch das Essen und Trinken als Erfindung patentiert.“ Das Bündnis fürchtet, dass sich Konzerne solche Patente zunutze machen, um noch mehr Kontrolle über die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu erlangen.

Das Lachspatent ist nicht das erste Patent auf ein Tier, mit dem das EPA von sich reden macht. 2008 wurde bereits ein Patent auf die Zucht von Schweinen erteilt, das die Nutzung von Erbanlagen umfasst, die bei allen europäischen Schweinerassen vorkommen. Ursprünglich hatte Monsanto das Patent angemeldet. Es beschrieb eine Art Gen-Diagnose an Schweinen, mit der z.B. Tiere identifiziert werden sollten, die mageres Fleisch produzieren, und erstreckte sich auf die so gezüchteten Tiere und ihre Nachkommen. Bauern und Umweltschützer legten Einspruch ein, woraufhin das Patent 2010 widerrufen wurde. 2007 wurde auch ein Patent auf Milchkühe erteilt, die eine bestimmte natürliche Gen-Variante erhalten, die eine besondere Milchqualität bewirkt. Auch dieses Patent wurde 2015 widerrufen. Es wird sich zeigen, ob dies auch mit dem Einspruch gegen das Lachspatent gelingt. (ab)

10.05.2019 |

EU lebt auf Pump: Ressourcen für 2019 am 10. Mai verbraucht

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Der Ressourcenhunger der EU (Foto: CC0)

Die EU lebt über ihre Verhältnisse: Bereits am 10. Mai hat sie sämtliche Ressourcen verbraucht, die die Erde in diesem Jahr nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das zeigt ein neuer Bericht zum EU-Erdüberlastungstag, der von der Forschungsorganisation „Global Footprint Network“ und dem WWF veröffentlicht wurde. Die Berechnungen basieren auf dem Konzept des Ökologischen Fußabdrucks. Gegenübergestellt werden dabei einerseits die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen und zur Aufnahme von Müll und Emissionen sowie der ökologische Fußabdruck – der Bedarf an Acker-, Weide- und Bauflächen, die Entnahme von Holz, Fasern oder Fisch, aber auch CO2-Ausstoß und Müllproduktion. Der EU-Erdüberlastungstag markiert den Zeitpunkt, an dem weltweit das jährliche Budget an nachhaltig nutzbaren Ressourcen und ökologisch verkraftbaren Emissionen aufgebraucht wäre, wenn die ganze Welt auf so großem Fuß wie die EU leben würde. „Die Erde ächzt unter unserem Ökologischen Fußabdruck. In Europa verbrauchen wir so viele Ressourcen, als stünden uns 2,8 Planeten zur Verfügung“, sagt Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter beim WWF.

Der Bericht zeigt, dass die EU mehr verbraucht, als ihr zusteht. Sie nutzt fast 20% der Biokapazität der Erde, obwohl sie nur 7% der Weltbevölkerung ausmacht. Den größten Fußabdruck weltweit haben China, die USA, Indien, Russland und Brasilien. Wäre die EU ein Land, würde sie an dritter Stelle stehen. Während die EU rein rechnerisch 2,8 Planeten für sich beansprucht, kommen andere Länder und Regionen mit deutlicher weniger Ressourcen aus. Weltweit liegt der Verbrauch im Schnitt bei 1,7 Planeten – und ist daher ebenfalls nicht nachhaltig. Der Bericht verweist zudem darauf, dass der EU-Erschöpfungstag in den letzten Jahrzehnten im Kalender immer weiter nach vorne gerückt ist. In den 1960ern lag er noch im Oktober, das frühste Datum war der 23. April 2007.

Auch innerhalb der EU-Mitgliedsländer sind die Unterschiede groß: So erreicht Luxemburg seinen nationalen Overshoot Day schon nach 46 Tagen, Rumänien erst nach 192. Doch alle EU-Länder liegen über dem weltweiten Durchschnitt: Der globale Erdüberlastungstag fiel 2018 auf den 1. August. Deutschland hatte seinen Overshoot Day 2019 bereits am 3. Mai erreicht und lebte damit ökologisch betrachtet auf Kredit. „Wenn alle Menschen so leben würden wie in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden. Diese Verschwendung unserer Ressourcen muss aufhören. Wir tragen die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Ein Umdenken und eine Änderung unseres Verhaltens zu einer nachhaltigen Lebensweise muss jetzt stattfinden“, so Jan Göldner von der Naturschutzjugend im NABU. Auch der WWF sieht das so: „Wir müssen jetzt handeln, um uns und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen“, so Krüger. „Noch können wir zu den natürlichen Grenzen unserer Erde zurückfinden.“

Der WWF appelliert an die EU, endlich umzusteuern. „Die EU trägt eine besondere Verantwortung: Von ihren politischen Vertreterinnen und Vertretern erwarten wir, die Lösungen, die schon lange auf dem Tisch liegen, endlich auch umzusetzen. Dazu gehört, bis 2040 treibhausgasneutral zu werden. Dazu gehört, Produktion und Konsum insbesondere von Lebensmitteln auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen“, mahnt Krüger. Dazu gehöre auch, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten – allein schon aus Eigeninteresse, denn jede Wirtschaftsaktivität sei abhängig von Dienstleistungen der Natur. Erst vergangene Woche hatte ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES die fatalen Auswirkungen des Artensterbens dargelegt, etwa auf die Landwirtschaft durch den Verlust von Bestäubern. Der WWF verweist darauf, dass wir bei der Europawahl die Chance haben, Einfluss auf den Ökologischen Fußabdruck der EU zu nehmen. Rund 80% der geltenden nationalen Umweltschutzgesetzgebung haben ihren Ursprung in der EU. Richtlinien und Verordnungen wie die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Nitratverordnung oder die Abfallrichtlinie sowie die Gestaltung der gemeinsamen EU-Agrar- oder Fischereipolitik haben entscheidenden Einfluss auf die natürlichen Lebensgrundlagen. Die Wahl biete die Chance, Parteien und Kandidaten zu unterstützen, die verstanden haben, dass unser Wohlstand und unser Wohlergehen von der Gesundheit unserer Umwelt abhängen, so Krüger. (ab)

08.05.2019 |

Artensterben: Weltbiodiversitätsrat fordert nachhaltigere Landwirtschaft

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Monokulturen killen Biodiversität (Foto: CC0)

Die Artenvielfalt weltweit nimmt durch den Einfluss des Menschen rapide ab: Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, viele drohen innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu verschwinden, lautet die eindringliche Warnung des Weltbiodiversitätsrat IPBES. Der globale Zustandsbericht des Rates zur biologischen Vielfalt an Land, zu Wasser und in der Luft, dessen Zusammenfassung am 6. Mai von Vertretern aus 132 Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde, stellt fest, dass die Landwirtschaft zu den Haupttreibern des Artensterbens zählt. „Die überwältigenden Belege des globalen IPBES-Zustandsberichts, die aus vielen unterschiedlichen Wissensbereichen stammen, zeigen ein bedrohliches Bild“, sagte der Vorsitzende von IPBES, Sir Robert Watson. „Die Gesundheit der Ökosysteme, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, verschlechtert sich schneller denn je zuvor. Wir untergraben die Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, unserer Ernährungssicherheit, Gesundheit und Lebensqualität weltweit.“

145 Experten aus 50 Ländern haben unter Beteiligung von 310 Co-Autoren den Bericht über drei Jahre hinweg verfasst. Sie beurteilten die Veränderungen der letzten 50 Jahre, indem sie systematisch rund 15.000 wissenschaftliche und staatliche Quellen auswerteten. Der Bericht stellt fest, dass etwa eine Million der geschätzt 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde vom Aussterben bedroht sind, viele davon innerhalb von Jahrzehnten. In den meisten Lebensräumen auf dem Land schwand die Zahl der dort natürlich vorkommenden Arten im Mittel um mindestens 20% Prozent, vor allem seit 1900. Mehr als 40% der Amphibienarten, fast ein Drittel der riffbildenden Korallen und mehr als 33% aller Meeressäuger sind vom Aussterben bedroht. „Die Natur ist für die menschliche Existenz und für eine gute Lebensqualität von wesentlicher Bedeutung. Die meisten Beiträge der Natur für den Menschen sind nicht vollständig ersetzbar, und einige sind unersetzlich “, heißt es im Bericht. So sind etwa weltweit 75% aller Nahrungspflanzen, darunter Obst und Gemüse sowie wichtige Cash Crops wie Kaffee, Kakao und Mandeln, auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen. Doch die Vielfalt der Bestäuber nimmt ab. Der Anteil der weltweit vom Aussterben bedrohten Insektenarten ist nicht bekannt, Schätzungen zufolge sind es jedoch mindestens 10%. In einigen Ländern und Regionen gibt es klare Belege für ein rasantes Insektensterben.

„Die Ökosysteme der Erde werden durch den Menschen massiv beeinflusst“, sagt Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, einer der drei Co-Vorsitzenden des Berichts. „Die immer stärkere Nutzung von Böden und Meeren, der Klimawandel und die Umweltverschmutzung sind menschengemacht und einige der wesentlichen Treiber des Artensterbens.“ Als Haupttreiber nennt der Bericht „Veränderungen in der Land- und Meeresnutzung; direkte Ausbeutung von Organismen; Klimawandel; Verschmutzung und invasive Arten“. „Landnutzungsänderungen werden hauptsächlich durch die Land- und Forstwirtschaft sowie durch die Urbanisierung verursacht, die eng mit Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung verknüpft sind.“ Der Bericht stellt fest, dass sich die Produktion von Nutzpflanzen seit 1970 verdreifacht hat. Mehr als ein Drittel der Landfläche der Welt und fast 75% der Süßwasserressourcen werden jetzt für die Produktion von Pflanzen oder die Tierhaltung genutzt. Die Expansion der Landwirtschaft erfolgte vor allem in den Tropen (100 Millionen Hektar von 1980 bis 2000), verursacht zum Beispiel durch Viehzucht in Lateinamerika (ca. 42 Millionen Hektar) und Plantagen in Südostasien (etwa 7,5 Millionen Hektar, davon 80% Ölpalmen).

Der Bericht betont, dass die Landwirtschaft nicht nur eine Verursacherin, sondern auch Opfer des Artensterbens ist. Bestäuberverluste bergen ein Risiko von weltweiten Ernteausfällen im Wert von jährlich bis zu 577 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus verschwinden weltweit lokale Sorten und Rassen von Nutzpflanzen und -tieren. „Dieser Verlust an Vielfalt, einschließlich genetischer Vielfalt, stellt ein ernstes Risiko für die globale Ernährungssicherheit dar, da die Widerstandsfähigkeit vieler landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Bedrohungen wie Schädlingen, Krankheitserregern und dem Klimawandel untergraben wird“, warnen die Autoren. Weltweit werden immer weniger Pflanzensorten und Tierrassen angebaut bzw. gehalten, gehandelt und vermehrt, trotz Bemühungen vieler, gerade auch von Indigenen und lokalen Gemeinschaften. Im Jahr 2016 galten 559 der 6.190 domestizierten Säugetierrassen, die für die Ernährung und Landwirtschaft genutzt werden, als ausgestorben. Mindestens 1.000 weitere sind laut IPBES bedroht.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass globale Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsziele nur durch „rasche und gemeinsame Anstrengungen zur Einleitung eines transformativen Wandels“ erreicht werden können. „Es ist nicht zu spät, etwas zu ändern, aber nur, wenn wir jetzt auf allen Ebenen beginnen, von lokal bis global“, sagte Watson. Der Bericht enthält eine Liste möglicher Maßnahmen, um den transformativen Wandel in verschiedenen Sektoren zu erzielen. Für die Landwirtschaft empfiehlt er „die Förderung nachhaltiger Agrarpraktiken, wie guter landwirtschaftlicher und agrarökologischer Praktiken“. Den Autoren zufolge sind „Optionen für eine nachhaltige Agrarproduktion verfügbar und werden weiterentwickelt“. Sie umfassen ein integriertes Schädlings- und Nährstoffmanagement, den ökologischen Landbau, agrarökologische Praktiken, Boden- und Wasserschutz, konservierende Bodenbearbeitung, Agroforstwirtschaft, silvopastorale Systeme, Bewässerungsmanagement, oder Praktiken zur Verbesserung des Tierschutzes. Diese Praktiken könnten durch gut strukturierte Vorschriften, Anreize und Subventionen, den Abbau verzerrender Subventionen sowie durch integrierte Landschaftsplanung und das Management von Wassereinzugsgebieten verstärkt werden.

„Wir müssen die staatlichen Subventionen auf eine nachhaltigere und regenerativere Landwirtschaft umlenken“, schreibt Watson im Guardian. Das käme nicht nur der Biodiversität zugute, sondern würde auch Kohlenstoff speichern und den Ausstoß anderer Treibhausgase verringern, und könnte auch die beängstigende Entwicklung stoppen, dass Ackerland so überlastet ist, dass Nutzpflanzen nicht mehr darauf gedeihen“, so Watson. Der Bericht schätzt, dass sich im Jahr 2015 Subventionen für eine potenziell umweltschädliche Landwirtschaft in den OECD-Ländern auf 100 Milliarden US-Dollar beliefen – und das, obwohl Reformen der Agrarsubventionspolitik, die auf die Verringerung von Pestiziden und nicht nachhaltigen Praktiken abzielen, in einigen Ländern bereits mit gewissem Erfolg umgesetzt wurden. Die Autoren betonen, dass Interessengruppen den Abbau schädlicher Subventionen und der Einführung neuer politischer Maßnahmen blockieren könnten. Mit Regulierungsmechanismen könnten dort Einflussnahme und Lobbying angegangen werden, wo Unternehmen und Sektoren ein Interesse haben, eine hohe Nachfrage, Monopole oder die weitere Nutzung von Pestiziden und chemischen Inputs aufrechtzuerhalten.“ (ab)

30.04.2019 |

Mächtige Multifunktionäre: Studie deckt Lobbynetz der Agrarindustrie auf

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Mehr Gülle dank Agrarlobby (Foto: CC0)

In Deutschland besteht ein enges Beziehungsgeflecht zwischen Agrarpolitik, Agrarwirtschaft und Landwirtschaftsverbänden, in dem der Deutsche Bauernverband (DBV) eine zentrale Position einnimmt. Diesem Lobbynetzwerk gelingt es immer wieder erfolgreich, Einfluss auf agrar- und umweltpolitische Entscheidungen auf europäischer und nationaler Ebene zu nehmen und so Veränderungen im Sinne des Gemeinwohls zu blockieren. Das hat nun das Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen in einer am 29. April erschienenen Studie eindrücklich offengelegt, deren Ergebnisse auch eine ARD-Reportage aufbereitet. Im Auftrag des NABU werteten die Wissenschaftler Vernetzungen von über 90 Akteuren und 75 Institutionen anhand öffentlich zugänglicher Informationen aus und führten diese zusammen. Unter die Lupe genommen wurden relevante Führungspositionen in Aufsichts- und Kontrollgremien in der Finanzwirtschaft, Agrochemie, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Verbänden. Sichtbar wurden insgesamt 560 personelle und institutionelle Verflechtungen sowie mehrere Netzwerk-Knotenpunkte in Berlin und Brüssel.

Das Fazit der Studie: „Das Netzwerk deckt mit seinen vielfältigen personellen und institutionellen Verflechtungen alle wesentlichen Bereiche der Agrarpolitik und des Agribusiness ab. Es kann auf etablierten Vernetzungen und Strukturen aufbauen und ist in seiner Komplexität kaum durchdringbar.“ Die Verbindung in die Politik und die Agrarausschüsse des Bundestages und EU-Parlaments gelingen durch eine starke Verknüpfung zu Abgeordneten der CDU/CSU und der Europäischen Volkspartei. In den Agrarausschüssen des deutschen Bundestags lag der Anteil von Mitgliedern mit einem Landwirtschaftsbezug, z.B. einem eigenen Betrieb, in den letzten zwei Wahlperioden bei mehr als 40%. Bei der CDU/CSU-Fraktion haben 85% einen direkten Bezug zur Land- und Agrarwirtschaft. Über die Hälfte ihrer Ausschussmitglieder hat mindestens auf einer Organisationsebene des Bauernverbandes ein Amt inne. „Diese direkten wie indirekten Verflechtungen geben Hinweise auf interessengeleitete Einflussnahmen auf rechtliche und förderpolitische Rahmensetzungen in der EU und in Deutschland“, so die Wissenschaftler. „Dies bietet einen Erklärungsansatz, warum – nach Ansicht vieler Experten und Expertinnen – wesentliche agrar- und umweltpolitische Entscheidungen im Widerspruch zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen stehen.“

Die Studie arbeitete eine kleine Gruppe an Akteuren heraus, die wesentliche und strategische Schlüsselpositionen unter sich aufteilen. Die Multi- oder Vielfachfunktionäre stammen dabei in erster Linie aus den Spitzen des Deutschen Bauernverbandes und seiner Landesverbände. Allen voran DBV-Präsident Joachim Rukwied, der insgesamt 18 höhere Positionen auf EU- und Bundesebene ausübt, vor allem in der Agrar- und Finanzwirtschaft und zahlreichen Verbänden (z.B. in Aufsichtsräten der BayWa AG, Südzucker AG und der R+V Allgemeine Versicherung AG). Zugleich ist Rukwied Chef des „europäischer Bauernverbandes“ COPA, der nach dem Zusammenschluss mit der COCEGA, dem europäischen Dachverband von Agrargenossenschaften, die stärkste repräsentative Interessensvertretung der EU-Landwirtschaft darstellt. Durch diesen Posten hat Rukwied Zugang zu den Sitzungen der Agrarminister in Brüssel. Dort blockiere er Veränderungen am Fördersystem der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP), wie der NABU kritisiert, und vertrete Interessen, die nicht unbedingt im Sinne der Landwirte sind. Fast die Hälfte der Landwirtinnen und Landwirte fühlt sich laut einer forsa-Umfrage im Auftrag des NABU mittlerweile vom DBV schlecht vertreten.

Die ARD-Doku zeigt, wie bei der Ausarbeitung der Düngeverordnung strengere Grenzwerte für die Ausbringung von Gülle auf den Feldern zur Senkung des Nitratgehalts im Grundwasser blockiert wurden. Ab 2016 wurde im Agrarausschuss des Bundestages verhandelt. Wissenschaftler legten Gutachten dazu vor, wie viel Stickstoff Pflanzen aufnehmen können. Doch die dann festgelegten Werte fielen deutlich höher aus. Die EU forderte zum Nachbessern auf, es drohen Strafzahlungen von bis zu 860.000 Euro täglich. Franz-Josef Holzenkamp, ein weiterer Multifunktionär im Fokus der Studie, brachte die Düngeverordnung im Bundestag mit auf den Weg, bevor er 2017 Vorsitzender des Deutschen Raiffeisenverbands wurde, dem größten Wirtschaftsverband der Agrarindustrie. Er ist vernetzt im Vorstand des Forums Moderne Landwirtschaft, in dem auch Bayer und andere Konzerne sitzen. Schon zuvor war er Vorsitzender im Aufsichtsrat der AGRAVIS Raiffeisen AG, die 6 Milliarden Euro Jahresumsatz mit Futtermitteln, Saatgut und Pestiziden macht. Ein Geschäftszweig sind auch Mineral- und Stickstoffdünger, eine schärfere Düngeverordnung hätten hier Umsatzeinbußen bedeutet. Während Holzenkamp die Düngeverordnung verhandelt, wird sein Einkommen bei der AGRAVIS von Stufe 2 (Einkünfte bis 7.000 Euro) auf Stufe 3 (bis 15.000 Euro) angehoben. Der ARD antwortete er, Nebentätigkeiten seien zulässig und er sehe keinen Interessenkonflikt.

Sein Nachfolger im Agrarausschuss und ein weiterer zentraler Funktionär ist Johannes Röring, der Vorsitzende des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Er ist Mitglied im Bundestag, ebenfalls aktiver Landwirt und besetzt 14 zusätzliche Posten. Auch er ist für die AGRAVIS tätig und ist aktiv beteiligt an der Ausgestaltung der Düngeverordnung. Zugleich ist er Vorsitzender im DBV-Fachausschuss für Schweinefleisch, sein Wahlkreis sowie der familiäre Schweinemastbetrieb liegen in der Tierhaltungs-Hochburg Borken. „Die vielen Posten vereint in wenigen Personen müssen zwangsläufig zu Interessenskonflikten führen“, kritisiert der NABU die Multifunktionäre. Denn dass sich die unternehmerischen Zielsetzungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft von den Interessen der Landwirtinnen und Landwirte oder der Allgemeinheit oftmals unterscheiden, liege auf der Hand.

Die Verflechtungen der Multifunktionäre und des Bauernverbandes mit Politik und Wirtschaft sind so eng, dass Umwelt und Natur, Tierwohl, Gewässer- und Klimaschutz bei politischen Entscheidungen meist auf der Strecke bleiben. Die Studie der Uni Bremen legt Empfehlungen vor, um das zu ändern. Dazu gehört die Einführung eines Lobbyregisters, um Einfluss auf Entscheidungen transparent zu machen. Die Einführung eines solchen Registers ist bisher jedoch am Widerstand der CDU/CSU-Fraktion gescheitert. Zudem schlagen die Wissenschaftler eine Entkopplung von Politikbereichen aus der Agrarpolitik vor, um sicherzustellen, dass Entscheidungen für Umwelt- und Klimaschutz sowie für die ländlichen Räume von der Agrarpolitik und den dahinter stehenden Partikularinteressen losgelöst werden. Des Weiteren sei eine Stärkung des Fach- und Ordnungsrechts nötig, um Defizite bei Kontrollen und Sanktionierungen, z.B. beim Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden oder bei Verstößen in der Tierhaltung, zu erfassen und beheben. (ab)

26.04.2019 |

Regenwaldfläche so groß wie England 2018 abgeholzt

Regenwald
Wertvoller CO2-Speicher (Foto: CC0)

Weltweit wurden 2018 rund 12 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt – eine Fläche so groß wie England. Das zeigen neue Daten der University of Maryland, die am 25. April auf der Online-Plattform „Global Forest Watch“ veröffentlicht wurden. Jede Minute geht Wald im Umfang von 30 Fußballfeldern verloren. Seit Beginn der Erhebung der Satellitendaten in 2001 wurde nur in drei Jahren noch mehr abgeholzt als letztes Jahr. Hauptverursacher der Waldzerstörung sind Viehzucht und Landwirtschaft. In Asien und Afrika ist es vor allem die Palmölproduktion, in Südamerika der Anbau für die Produktion von Biosprit und von Soja als Futtermittel. Aber auch Bergbau, Infrastrukturprojekte oder Brände sind für den Verlust verantwortlich. Besonders alarmierend sei die Abholzung von 3,6 Millionen Hektar Primärregenwald, eine Fläche von der Größe Belgiens, da die alten Wälder mehr Kohlenstoff speichern als junge und eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt spielen. Erstmals seien Eingriffe in den bislang unberührten natürlichen Regenwald dokumentiert, der teils sogar jahrtausendealte Bäume enthalte, sagte Forschungsgruppenleiterin Mikaela Weisse den Nachrichtenagenturen APA/AFP. Trotz des Bekenntnisses von immer mehr Regierungen und Unternehmen zu einem Entwaldungs-Stopp brach die Abholzung von Primärregenwäldern 2016 und 2017 alle Rekorde und war auch 2018 hoch.

Global Forest Watch betont, dass sich der Verlust primärer Regenwälder je nach Land unterscheidet. Der traurige Spitzenreiter war 2018 Brasilien, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo und Indonesien. Während 2002 noch 71% der Abholung tropischer Regenwälder auf das Konto von nur zwei Ländern ging (Brasilien und Indonesien), zeigen die jüngsten Daten eine Kehrtwende. Brasilien und Indonesien waren 2018 „nur“ für 46% des Verlustes von Primärregenwald verantwortlich, während andere Länder aufholten. In Brasilien gingen dennoch 1,34 Millionen Hektar Primärwald verloren. Als Haupttreiber werden Aktivitäten wie Viehzucht, Bergbau und die Sojaproduktion angegeben. Der Wert lag unter den auch brandbedingten Spitzenwerten für 2016-2017, aber war höher als zwischen 2007 und 2015, als die Entwaldungsrate um 70% zurückging. Die Forschungsgruppe berichtet auch, dass mehrere der Abholzungs-Hotspots vor allem in der Nähe und in indigenen Gebieten liegen. Im Ituna-Itata-Reservat wurden etwa in der ersten Jahreshälfte 2018 mehr als 4.000 Hektar illegal abgeholzt, mehr als doppelt so viel, wie 2002 bis 2017 insgesamt dort verloren gingen. Es sei noch zu früh, um abzuschätzen, wie sich die Verwässerung der Umweltgesetze unter der neuen Regierung auf den Waldverlust auswirken werde, doch es sei zu befürchten, dass er sich unter Präsident Bolsonaro verschlimmern werde. Dieser hatte bereits angekündigt, dass er industrielle Landwirtschaft und Bergbau auf indigenen Territorien nicht strafrechtlich verfolgen werde.

In der Demokratischen Republik Kongo fiel der Verlust von Primärwald mit 481.248 Hektar 38% höher aus als noch 2011 bis 2017. Die Ausweitung der Waldrodung durch Kleinbauern für Landwirtschaft und Brennholz soll drei Viertel des Verlusts verursacht haben. Einige Schadensmuster deuteten jedoch darauf hin, dass auch neue und großflächigere landwirtschaftliche Aktivitäten und eine konfliktbedingte Vertreibung der Bevölkerung dazu beigetragen haben. In Indonesien wurden 339.888 Hektar Primärwald gerodet. Der Verlust von Primärwald sank auf den niedrigsten Stand seit 2003 und lagen 2018 um 40% unter der durchschnittlichen Jahresverlustraten im Zeitraum 2002-2016. „Das Land verzeichnete einen noch dramatischeren Rückgang der Waldverluste in geschützten Wäldern, was darauf schließen lässt, dass die jüngsten Maßnahmen der Regierung funktionieren“, schreibt Global Forest Watch in einem Blogartikel. Zum Feiern sei jedoch noch zu früh, denn es steht ein weiteres Jahr mit dem Klimaphänomen El Niño bevor, was in der Regel zu Trockenheit und Waldbränden in Indonesien führt, wie etwa 2015, als 2,6 Millionen Hektar Wald abbrannten.

In mehrere Länder Südamerikas hat die Rodung von Primärwald seit der Jahrhundertwende stark zugenommen. In Kolumbien gingen letztes Jahr 176.977 Hektar Primärwald verloren, ein Plus von 9% gegenüber 2017. „Ironischerweise hing dieser Verlust mit dem Friedensprozess zusammen, da Gegenden im Amazonasgebiet, die zuvor von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) besetzt waren, entwickelt wurden. Ein trauriges Beispiel sei der Tinigua-Nationalpark, wo 12.000 Hektar oder 6% der gesamten Waldfläche gerodet wurden. In Bolivien wurden 154.488 Hektar gerodet – der Löwenanteil für die großflächige Landwirtschaft und die Nutzung als Weideland, vor allem im Chaco. Der Waldverlust in Peru (140.185 Hektar) gehe hingegen eher auf das Konto von Kleinbauern, einschließlich für die illegale Kokaproduktion. Aber auch neue Straßen und der illegale Goldabbau trugen dazu bei. Obwohl sich hunderte Länder und Unternehmen verpflichteten, die Abholzung bis 2020 zu reduzieren, und auch Fortschritte erzielt wurden, deuten die aktuellen Zahlen zum Verlust des Primärwaldes darauf hin, dass die Ziele verfehlt werden, warnt Global Forest Watch. Angesichts der Dringlichkeit, den rasant voranschreitenden Klimawandel und den irreversiblen Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten, müssen wir die Entwaldung stoppen, bevor es zu spät ist.“ (ab)

23.04.2019 |

Intensivierung: Höhere Erträge auf Kosten der Artenvielfalt

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Große Flächen, intensive Nutzung, geringer Artenvielfalt (Foto: CC0)

Die Intensivierung in der Landwirtschaft hat ihren Preis, da sie zulasten der Biodiversität geht. Wie hoch der Verlust der Artenvielfalt allerdings je nach Grad der Intensivierung der Landnutzung ausfällt, haben nun Wissenschaftler unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ermittelt. Rund 80% der Landflächen in Europa sind besiedelt und werden land- und forstwirtschaftlich genutzt, schreibt das UFZ in seiner Pressemitteilung. „Um die Erträge weiter zu steigern, wird die Nutzung intensiviert: Flächen werden zusammengelegt, um sie mit größeren Maschinen effizienter zu bewirtschaften. Es werden vermehrt Pestizide und Düngemittel eingesetzt oder eine größere Anzahl an Tieren auf der Weide gehalten.“ Solche Maßnahmen wirken sich zwar positiv auf den Ertrag, aber auch gleichzeitig negativ auf die Biodiversität aus, erläutert der Erstautor der Studie, Dr. Michael Beckmann. „Denn auch landwirtschaftlich genutzte Flächen bieten Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum.“

Für die am 9. April im Fachmagazin „Global Change Biology“ veröffentlichten Metastudie sichteten die Forscher fast 10.000 wissenschaftliche Arbeiten. Sie suchten jene, die sowohl Daten zu Erträgen als auch zur Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt auf den Flächen vor und nach Intensivierungsmaßnahmen erhoben. Dabei stellten sie fest, dass nur wenige Studien in den Blick nehmen, in welchem Verhältnis Ertragssteigerungen zum Verlust der Artenvielfalt stehen. „Der Großteil der Studien ist durchs Raster gefallen. Nur 115 Studien haben tatsächlich beide Parameter auf den gleichen Flächen gemessen und waren damit für uns relevant“, so Beckmann. Die Wissenschaftler analysierten drei landwirtschaftliche Produktionssysteme: Ackerland, Graslandschaft und Wald. Letztlich in die Untersuchung einbezogen wurden 449 Nutzflächen rund um den Globus. Die Forscher entwickelten ein komplexes Rechenmodell, um die Daten zu den Flächen in verschiedenen Klimazonen und mit unterschiedlicher Nutzungsdauer tatsächlich miteinander vergleichen zu können.

Ihr Ergebnis: Die Intensivierung der Landnutzung führte im Mittel zu einer Ertragssteigerung von 20,3%, geht aber gleichzeitig einher mit einem Artenverlust von 8,9%. Um ein klareres Bild zu erhalten, unterteilten die Wissenschaftler die untersuchten Nutzflächen in drei Intensitätsklassen. Die niedrige Nutzungsintensität zeichnete sich unter anderem durch die manuelle Bearbeitung von Ackerland, den Verzicht auf Pestizide und keinen bzw. nur einen geringen Einsatz von organischem Dünger aus. Die mittlere Intensitätsklasse beinhaltete die Arbeit mit kleinen Maschinen, den gezielten Einsatz von Pestiziden und die Nutzung von organischem oder chemischem Dünger. Eine hohe Nutzungsintensität ging einher mit schweren Maschinen, chemischem Dünger und dem großflächigen Einsatz von Pestiziden. Flächen mit mittlerer Nutzungsintensität zeigten nach den Intensivierungsmaßnahmen mit 85% den höchsten Ertragsanstieg, verbuchten aber mit 23% auch den größten Verlust an Arten. Auf Flächen mit bereits hoher Nutzungsintensität war der Artenverlust kaum signifikant, aber es gab noch einen Ertragszuwachs von 15%. Beckmann warnt jedoch vor Trugschlüssen: „Wo schon zu Anfang durch hochintensive Nutzung nicht mehr viel Biodiversität vorhanden ist, kann natürlich auch nicht mehr viel verlorengehen. Hier ist der kritische Punkt womöglich schon überschritten.“

Beim Vergleich der Auswirkungen von Intensivierungsmaßnahmen auf Ackerland, Graslandschaft und Wald zeigten sich in Wäldern die geringsten Artenverluste. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass intensivierte Landnutzung in Einzelfällen, wie etwa der Holzproduktion, auch zu Ertragssteigerungen führen kann, ohne dass dies auf Kosten der Biodiversität geht. Allerdings liegt bei den Zahlen zum Biodiversitätsverlust auch ein möglicher Schwachpunkt der Studie, wie Beckmann gegenüber dem Deutschlandfunk einräumt. Denn ein Verlust von 9% der Arten sagt nur bedingt etwas über das wahre Ausmaß, da es auch um die Masse der Insekten gehe, die abnehme. Die Studie mache aber deutlich, dass die Intensität der landwirtschaftlichen Produktion großen Einfluss auf den Schutz der Artenvielfalt hat. „Um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Landnutzung mit geringem bzw. besonders hohem Risiko für die Artenvielfalt verbunden ist, ist weitere Forschung notwendig“, so Beckmann. „Nur so können wir in Zukunft effiziente Landnutzung betreiben und gleichzeitig die Artenvielfalt schützen. Denn Artenschutz kann und muss auch in unseren genutzten Kulturlandschaften stattfinden.“ (ab)

17.04.2019 |

FIAN: Rechte von Kleinbauern müssen konsequent umgesetzt werden

Farmer
Bauer in Mato Grosso, Brasilien (Foto: Eduardo Aigner/MDA, bit.ly/EdAigner)

Kleinbauern und Menschen auf dem Lande sind besonders stark von Armut und Hunger betroffen. Daher muss die UN-Kleinbauernerklärung, in der die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, verankert sind, konsequent umgesetzt werden. Das fordert die Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich des Internationalen Tags der Landlosen am 17. April in einem Appell an die Bundesregierung. Die Organisation verweist darauf, dass Vertreibungen und Diskriminierungen ländlicher Gemeinden wesentliche Ursachen für den weltweit überdurchschnittlichen Hunger unter Kleinbauernfamilien darstellen. Dabei sind gerade sie es, die den Großteil der Nahrungsmittel weltweit produzieren. Und zwar auf begrenzten Flächen: Von den weltweit geschätzt 570 Millionen Bauernhöfen bewirtschaften 475 Millionen weniger als zwei Hektar. Obwohl Kleinbauern 84% aller Bauernhöfe betreiben, verfügen sie nur über 12% des Agrarlands. Und der Druck auf ihr Land steigt. „Mit Unterstützung der Politik macht die Agrarindustrie KleinbäuerInnen zunehmend den Zugang zu Land, Wasser und Saatgut streitig. Die UN-Erklärung stärkt dagegen deren Rechte auf diese Ressourcen“, erläutert FIAN-Referentin Gertrud Falk.

Die UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten wurde im Dezember 2018 von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Bei der Erarbeitung und Verabschiedung der Erklärung bekleckert sich die Bundesregierung jedoch nicht gerade mit Ruhm. Bei der Abstimmung in der UN-Vollversammlung und zuvor im UN-Menschenrechtsrat enthielt sich Deutschland der Stimme, während die große Mehrheit der Partnerländer im Globalen Süden für die Erklärung stimmte. „Zur Sicherung der Welternährung muss die Bundesregierung ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und die UN-Erklärung konsequent in allen Politikbereichen umsetzen“, fordert Falk. „Hier kann die Bundesregierung ihr Bekenntnis zum Multilateralismus konkret umsetzen“, fügte sie hinzu. Anstelle der Ausweitung der ressourcenintensiven Massenproduktion in Monokulturen benötige es eine Förderung agrarökologischer Ansätze, die schonend mit natürlichen Ressourcen umgehen und Treibhausgasemissionen in allen Schritten vom Anbau bis zur Vermarktung vermeiden, betont Falk.

Der Tag der Landlosen bzw. der internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes steht jedes Jahr am 17. April im Zeichen der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Hintergrund ist die Ermordung von 19 Aktivisten der Landlosenbewegung MST (Movimiento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) durch die brasilianische Polizei am 17. April 1996. Seither ruft La Via Campesina, einer weltweit organisierte Bewegung der Bauern, ländlichen Bevölkerung, Landlosen und Indigenen, um dieses Datum herum zu Aktionen und Kundgebungen auf. In Brasilien selbst sind zahlreiche Proteste geplant, die sich gegen die Politik des rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro wenden, der für die Rechte von Kleinbauern und Indigenen nicht viel übrig hat. Marina dos Santos von der bundesweiten Koordination von MST betont, dass die Politik der Regierung Fortschritte der Landreform, die seit Mitte der 1980er Jahre erzielt wurden, wieder zunichtemacht. „Wir sind der Meinung, dass eine Landreform einer der besten Wege ist, um die Probleme der Menschen zu lösen, soziale Gerechtigkeit und Arbeitsplätze zu schaffen und Lebensmittel in ausreichender Menge produzieren zu können, die günstig und gesund sind“, sagte sie. „Doch die Regierung setzt alles daran, dass es unmöglich wird, eine andere Agenda in der brasilianischen Landwirtschaft zu verfolgen als das Projekt, das das Agribusiness vorantreibt und in das die Regierung viel Geld investiert“, beklagt dos Santos. (ab)

15.04.2019 |

Energiepflanzen belegen ein Fünftel des deutschen Ackerlandes

Mais
Mais für Biogasanlagen wuchs 2018 auf 866.000 Hektar in Deutschland (Foto: CC0)

Auf 2,45 Millionen Hektar wuchsen 2018 in Deutschland Pflanzen, die nicht für die Ernährung, sondern die Energiegewinnung oder industrielle Nutzung angebaut wurden. Das teilte die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) am 10. April mit. Sie erhebt die Zahlen jedes Jahr im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums. Im Vergleich zum Vorjahr, für das die Anbaufläche rückwirkend auf 2,46 Millionen Hektar nach unten korrigiert wurde, blieb die Fläche für nachwachsende Rohstoffe konstant. In den letzten 15 Jahren gab es zunächst ein steiles Wachstum: Im Jahr 2004 wuchsen lediglich auf 1 Million Hektar nachwachsende Rohstoffe, doch schon 2007 wurde die 2-Millionen-Marke geknackt und 2015 und 2016 wurde mit einer Anbaufläche von 2,67 Millionen Hektar der bisherige Höchststand erreicht.

Trotz der Stagnation der letzten beiden Jahre wird anhand der Daten der FNR deutlich, dass die Energieproduktion auf dem Acker immer noch einen beachtlichen Anteil der Flächennutzung in Deutschland einnimmt. „In der Landwirtschaft erzeugte nachwachsende Rohstoffe wuchsen 2017 auf rund 16% der landwirtschaftlichen Nutzfläche, hauptsächlich auf dem Acker“, schreibt die Agentur. Der Rest der 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche wurde größtenteils für die Produktion von Futtermitteln (60%) und Nahrung (22%) genutzt, während 2% Brache und Stilllegung ausmachten. Zwar wird auch ein Teil des Dauergrünlandes für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen genutzt, da etwa Mähgut in Biogasanlagen landet, aber der Großteil wächst auf einem Fünftel der 11,8 Millionen Hektar Ackerland. „Insgesamt bleibt die Biomasseerzeugung auf fast 21 Prozent der Ackerflächen ein bedeutendes Standbein für die Landwirte“, betont die FNR.

Der Großteil der Fläche für nachwachsende Rohstoffe entfiel 2018 mit 2,17 Millionen Hektar auf Energiepflanzen: An erster Stelle stand der Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen mit 1,35 Millionen Hektar. Silomais belegte fast zwei Drittel dieser Fläche bzw. 866.000 Hektar, während auf dem übrigen Drittel andere Energiepflanzen wie Gräser, Getreide, Zuckerrüben und Leguminosen wuchsen. An zweiter Stelle folgte der Anbau von Rohstoffen für die Herstellung von Biokraftstoffen mit 806.000 Hektar. Davon wurden 560.000 Hektar für den Anbau von Raps für die Herstellung von Biodiesel und Pflanzenöl genutzt, wobei die Fläche gegenüber 2017 deutlich zurückging. Damals wuchs Raps für diesen Zweck noch auf 598.000 Hektar. Der Rückgang sei vor allem auf die stärkere Verwendung von Soja- und Palmöl für die Biodieselherstellung in deutschen Anlagen zurückzuführen, vermeldet die FNR. Die restliche Fläche für den Anbau von Biokraftstoffen entfiel mit 246.000 Hektar auf die Bioethanolproduktion – vor allem aus Weizen, Roggen, Zuckerrüben und Körnermais. An dritter Stelle standen mit gerade einmal 11.000 Hektar Pflanzen für feste Brennstoffe, etwa Kurzumtriebsholz wie Pappeln und Weiden, oder Miscanthus. Festbrennstoffe nehmen jedoch gegenüber dem Holz aus Wäldern in diesem Bereich nur eine untergeordnete Rolle ein.

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf dem Acker zur Gewinnung von Industrierohstoffen macht mit 275.000 Hektar im Vergleich zu den Energiepflanzen einen kleineren Anteil aus. Es dominieren Industriestärke (Weizen, Körnermais, Kartoffeln) mit 129.000 Hektar und Rapsöl für technische Zwecke mit rund 109.000 Hektar. Zuckerrüben für Industriezucker wuchsen auf 12.000 Hektar sowie Arznei- und Färbepflanzen ebenfalls auf etwa 12.000 Hektar. (ab)

12.04.2019 |

Ökolandbau ist Triebkraft für nachhaltigere Ernährungssysteme

Bio
Bio und bunt (Foto: CC0)

Der Ökolandbau fristet kein Nischendasein mehr, sondern gibt wichtige Impulse, um unser Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten. Das zeigt ein internationales Expertenteam in einem Artikel im Fachjournal „Nature Sustainability“ auf. Und die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, muss sich dringend ändern, damit Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben bewältigt und die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) erreicht werden, betonen sie. Doch der Wandel komme viel zu langsam voran. Ein großes Hindernis sei die tiefe Kluft zwischen zwei konkurrierenden Denkschulen bezüglich der Frage, wie die Veränderung erfolgen soll: durch eine schrittweise Verbesserung der bestehenden landwirtschaftlichen Systeme oder durch eine radikale Neugestaltung basierend auf agrarökologischen Prinzipien. „Zu lange haben wir hitzige Debatten darüber geführt, mit welcher Technologie wir die Welt ernähren können. Wir müssen dringend ideologische Barrieren und Eigeninteressen überwinden, um den notwendigen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem zu beschleunigen“, so Frank Eyhorn, einer der Hauptautoren.

Die Autoren argumentieren, dass die beiden Ansätze, die konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger zu machen und alternative Systeme wie den Ökolandbau zu fördern, Hand in Hand gehen und sich gegenseitig befruchten können. „Die Politik in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung spielt eine entscheidende Rolle sowohl für die Aufrechterhaltung nicht nachhaltiger als auch für die Entstehung nachhaltigerer Systeme, da sie Landwirtschafts- und Geschäftspraktiken, Kosten, Preise und Verbraucherentscheidungen stark beeinflusst.“ Die Experten fordern daher eine Kombination aus vier politischen Maßnahmen für die Schaffung nachhaltiger Ernährungssysteme. Erstens sollten Systeme mit Transformationspotenzial gezielt gefördert und verbessert werden. Da die Kosten der Umstellung auf alternative Agrarsysteme recht hoch seien, unter anderem durch höheren Bedarf an Arbeitskräften, Wissen und Schulung, sind wirtschaftliche Anreize und technische Beratung für Landwirte wichtig. Zudem müsse die Leistung dieser Systeme weiter verbessert werden, vor allem mit Blick auf die Erträge, Wassermanagement und das Erreichen der Verbraucher. In einigen Ländern gebe es schon ehrgeizige Programme für die Förderung des Ökolandbaus, die Push-Maßnahmen, wie Gelder für Agrarforschung und Beratungsdienste, und Pull-Maßnahmen, wie Infokampagnen für Verbraucher, umfassen.

Die zweite Maßnahme ist die Stärkung der Nachfrage nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Dies könne gelingen, indem bei Verbrauchern Bewusstsein geschaffen wird für den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Umwelt und sozialem Wohlergehen, und indem der Einzelhandel und jene, die viele Lebensmittel verarbeiten, dazu gebracht werden, solche Produkte anzubieten und zu nutzen. Da die konventionelle Landwirtschaft stark subventioniert wird und die Marktpreise die externen Kosten nicht widerspiegeln, seien Bioprodukte für Verbraucher aber noch teurer. Doch das sei ein Trugschluss: „Im Grunde genommen bezahlen wir mehrmals für scheinbar günstige Lebensmittel: an der Kasse, mit Steuern für Agrarsubventionen, bei der Behebung der durch die intensive Landwirtschaft verursachten Schäden und für die steigenden Gesundheitskosten. Das können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Hauptautor Adrian Müller vom FiBL. Drittens seien Anreize für Verbesserungen in der Landwirtschaft nötig. Praktiken, die zum Erreichen der SDGs beitragen, sollten gefördert und nicht nachhaltige Praktiken für konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe unattraktiv gemacht werden. Zahlungen an Betriebe müssten an die Bereitstellung öffentlicher Güter geknüpft werden und ihre Besteuerung von den verursachten externen Kosten abhängen. Als Beispiel hierfür nennen die Autoren Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen (PES), wie z.B. für die Erhöhung der organischen Bodensubstanz oder den Einsatz biologischer Schädlingsbekämpfung. Negative Anreize seien etwa Steuern auf schädliche Pestizide oder zu hohe Stickstoffeinträge in die Umwelt.

Als vierte Maßnahme fordern die Autoren die Verschärfung rechtlicher Anforderungen und Industrienormen, um nicht nachhaltige Praktiken zu verhindern, wie etwa die Nutzung hochgefährlicher Pestizide oder das Abholzen von Regenwäldern. Die Experten betonen, dass der erforderliche Paradigmenwechsel schon im Gange sei. UN-Organisationen wie die FAO erkennen zunehmend die Bedeutung der Agrarökologie als Wissenschaft, Praxis und soziale Bewerbung an, die dazu beiträgt, Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltiger zu machen. Nun sei es erforderlich, die Politik kohärent auf die Förderung nachhaltiger Praktiken auszurichten. „Es ist an der Zeit zu erkennen, dass transformative Systeme wie der Ökolandbau keine irrelevante Nische sind, sondern eine wichtige Rolle bei diesem Übergang spielen können. Sie können als wichtige Treiber für die Entwicklung nachhaltigerer Alternativen genutzt werden, die Nachfrage der Verbraucher verändern, konventionelle Systeme zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit anregen und insgesamt die Messlatte für das, was in der Landwirtschaft im 21. Jahrhundert akzeptabel ist, höher legen“, schreiben die Autoren. (ab)

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