Nachrichten

12.02.2015 |

Deutsche Fleischproduktion erreicht 2014 neue Rekordmarke

Pute
Geflügelfleisch boomt (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Im Jahr 2014 wurde in Deutschland so viel Fleisch produziert wie noch nie zuvor. Mit 8,2 Millionen Tonnen Fleisch stellten die gewerblichen Schlachtunternehmen einen Rekordwert auf, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die erzeugte Fleischmenge stieg um 1,3 % oder 102.800 Tonnen gegenüber 2013. Zuwächse gab es vor allem im Geflügelsektor, der gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 4,8 % verbuchte: 1,5 Millionen Tonnen Geflügelfleisch wurden in Deutschland hergestellt und 728 Millionen Tiere geschlachtet. Damit hat sich die Geflügelproduktion in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht. Aber auch bei Rind und Schwein nahm die Produktion zu: Mit 3,6 Millionen geschlachteten Rinder wurden 1,9 % mehr Tiere getötet als noch 2013. Die Anzahl der geschlachteten Schweine stieg leicht an auf 58,7 Millionen. Der Deutsche Tierschutzbund bezeichnete die Zuwächse als „fatale Entwicklung“, da der Fleischkonsum in Deutschland selbst leicht rückläufig sei und daher immer mehr Fleisch exportiert werde. „Den Export-Wettkampf bei Fleisch können wir auf Dauer nur verlieren. Der Kampf über die Exportmasse geht zu Lasten der Landwirte und damit auch zu Lasten der Tiere in den Ställen“, kommentierte Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Dem letzten Geschäftsbericht des Deutschen Fleischer-Verbands zufolge wurde hierzulande zuletzt ein Fünftel mehr Fleisch produziert als verbraucht. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch lag bei 118 %, bei Rind- und Geflügelfleisch waren es 109 %. Der Fleischverbrauch betrug in Deutschland 2013 statistisch gesehen 88,1 Kilogramm pro Kopf, die tatsächlich konsumierte Fleischmenge lag bei 60,4 Kilogramm Fleisch und sank leicht ab von 60,8 Kilo im Vorjahr. Dieser Abwärtstrend scheint anzuhalten: Für die ersten drei Quartale 2014 hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland einen Rückgang des Fleischkonsums um 1,3 % oder ein Kilogramm gegenüber dem Vorjahreszeitraum berechnet. (ab)

09.02.2015 |

Studie: Mehr Bioprodukte im Einkaufskorb - weniger Pestizide im Körper

Bio
Bio essen statt Pestizide (Foto: Michael Coghlan/flickr)

Wer regelmäßig Biolebensmittel isst, belastet den Körper mit weniger Pestiziden als Menschen, die meist konventionell angebaute Produkte verzehren, zeigt eine neue Studie im Fachmagazin Environmental Health Perspectives. Den Forschern gelang es erstmals anhand der Ernährungsgewohnheiten von Testpersonen, zuverlässig deren Pestizidbelastung vorauszusagen. Dazu analysierten sie Angaben zum Essverhalten von fast 4.500 US-Bürgern aus sechs Städten, um die Belastung mit Organophosphaten zu bestimmen. Diese werden in der konventionellen Landwirtschaft als Insektizide gegen Schädlinge eingesetzt. Die Wissenschaftler untersuchten, welches Obst und Gemüse die Testpersonen in welchen Mengen konsumierten und verknüpfte dies mit Daten des US-Landwirtschaftsministeriums zur durchschnittlichen Pestizidbelastung dieser Lebensmittel. Ihre Prognosen verglichen die Autoren dann mit der Metabolitkonzentration in Urinproben von Testgruppen, die in der Regel ähnliche Mengen der gleichen Obst- und Gemüsesorten verzehrten. Das Ergebnis: Die Menschen, die sich ‚oft oder immer' mit Bioprodukten ernährten, wiesen deutlich geringere Rückstände an Organophosphat-Pestiziden im Urin auf als jene, die ‚kaum oder nie‘ Bio aßen. „Für die meisten US-Amerikaner ist die Ernährung die Hauptquelle für die Organophosphat-Belastung. Die Studie legt nahe, dass wir was Pestizidrückstände im Körper angeht einen messbaren Unterschied erreichen können, wenn wir bei den Lebensmitteln, die am stärksten mit Pestiziden belastet sind, zur ökologisch angebauten Alternative greifen“, sagte die Hauptautorin der Studie, Cynthia Curl von der Boise State University. Zu konventionellen Produkten, die häufig mit Organophosphaten behandelt sind, zählen Äpfel, Nektarinen, Pfirsiche, Sellerie und Spinat. Die Stoffe werden mit einer Reihe negativer Gesundheitsauswirkungen in Verbindung gebracht, vor allem bei Landarbeitern, die ihnen direkt ausgesetzt sind. „Der nächste Schritt ist nun, diese Prognosen zur Belastung zu nutzen, um den Zusammenhang zwischen dem Verzehr pestizidbelasteter Produkte und den Gesundheitsfolgen zu untersuchen, einschließlich der neurologischen und kognitiven Beeinträchtigungen “, so Curl. (ab)

05.02.2015 |

Mehr Unterstützung für Kleinbauern von G7 gefordert

Mexiko
Kleinbauer in Mexiko (Foto: Sam Lee/flickr.com)

Mehr Gelder und politisches Engagement für die Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft forderte eine von der Welthungerhilfe organisierte internationale Konferenz am Mittwoch von den G7-Staaten. Vorgestellt und diskutiert wurde ein 'Berlin Memorandum', welches die Basis für Forderungen eines Bündnisses aus Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft an die deutsche Bundesregierung im Rahmen der G7-Präsidentschaft bilden sollte. Kleinbauern wurden von manchen Industrieländern und deren Institutionen in der Vergangenheit häufig übergangen und ihr Zugang zu Land, Wasser und Saatgut missachtet, schreiben die Autoren aus Deutschland, Indien, Äthiopien und Burkina Faso. Die G7-Regierungen sollten daher erstens die Rechte von Kleinbauern respektieren, schützen und umsetzen, zweitens nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und Existenzgrundlagen in ländlichen Regionen schaffen und drittens die ökologischen Grundlagen der Landwirtschaft, wie Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit, bewahren. Diesen allgemein formulierten Forderungen konnte auch Entwicklungsminister Gerd Müller zustimmen, der auf der Konferenz die Eröffnungsrede hielt. Die Welthungerhilfe fordert in einer Mitteilung, die Verantwortung für die weltweite Ernährungssicherung dürfe nicht Agrarkonzernen überlassen werden, wie es in der New Alliance for Food Security and Nutrition der Fall ist, die auf dem G8-Gipfel 2012 ins Leben gerufen wurde. Stattdessen müssten die G7-Staaten auf dem Gipfel im Juni konkrete Zusagen für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit machen. Ein „fairer“ Beitrag liege bei 31,3 Milliarden US-Dollar, wovon die G7 derzeit nur ein Drittel bereitstellen. Die Menschenrechtsorganisation FIAN bezeichnete das Memorandum als lückenhaft. „Ein wesentlicher Aspekt unterschlägt das Memorandum: Im Kampf gegen den Welthunger üben die Industrieländer zunehmenden den Schulterschluss mit mächtigen Agrarkonzernen. Die Regierungen öffnen den Saatgutunternehmen wie Bayer und Monsanto die Tür zu neuen Absatzmärkten, statt den ärmsten der Armen zu helfen“, äußerte FIAN-Referentin Gertrud Falk gegenüber EurActiv.de. (ab)

02.02.2015 |

Studie: Biosprit fördert Konkurrenz um Land und Lebensmittel statt Klimaschutz

Palme
Abholzung für Ölpalmen (Foto: Mokhamad/CIFOR)

Die Nutzung von Pflanzen oder Land für die Produktion von Bioenergie läuft Bemühungen zuwider, den Klimawandel aufzuhalten und die Weltbevölkerung zu ernähren, lautet das Fazit eines neuen Berichts des US-amerikanischen World Resources Institute. Zum einen stelle die Umwandlung von Pflanzen zu Treibstoff eine ineffiziente Form der Landnutzung dar. Um im Jahr 2050 lediglich 10% des Spritbedarfs im Transportbereich mit Agrartreibstoffen zu decken, wären 30% mehr Energie nötig, als alle geernteten Pflanzen aktuell liefern. Sollen 20% des Energiebedarfs aus Bioenergie stammen, müsste die Gewinnung pflanzlichen Materials gar verdoppelt werden. Zudem konkurriere die Bioenergienutzung direkt mit dem Bedarf an fruchtbarem Land für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln. Auch Technologien der 2. Generation, die Ernterückstände oder andere Abfälle nutzen, könnten Konkurrenz bedeuten, da das Material bereits als Futter oder zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit verwendet werde. Des Weiteren gibt die Studie an, dass Agrartreibstoffe den Treibhausgas-Ausstoß weit weniger schmälern als oft betont. Berechnungen, wonach Agrartreibstoffe weniger Emissionen verursachen als fossile Brennstoffe, berücksichtigen nicht das Kohlenstoffdioxid, das bei der Verbrennung der Biomasse freigesetzt wird. Dies basiere auf der Theorie, die Emissionen würden dadurch wettgemacht, dass nachwachsende Pflanzen das Kohlendioxid absorbieren. Werden Pflanzen ohnehin angebaut, etwa als Lebensmittel, binden sie den Autoren zufolge nicht automatisch mehr CO2 aus der Atmosphäre, nur weil sie als Bioenergie verwendet werden. Die Emissionen steigen sogar, wenn Wälder abgeholzt werden, um Bioenergie oder neue Flächen für den Anbau von Lebensmittel zu gewinnen, da bisherige Flächen der Nutzung von Bioenergie gewidmet wurden. Der Bericht nennt aber auch Nutzungsformen, die nicht um Land und Lebensmittel konkurrieren und Emissionen einsparen könnten, wie den Anbau von bodendeckenden Pflanzen im Winter zur Energieproduktion, Abfälle aus der Holzverarbeitung, Methan von Mülldeponien oder Holz aus Agroforst-Systemen. Ihr Potential, einen wesentlichen Teil des Energiebedarfs zu decken, sei jedoch beschränkt. (ab)

29.01.2015 |

Gentechnik-Fläche wächst nur zögerlich: 96% der Agrarfläche gentechnikfrei

Soja
In den USA wächst meist Gentechnik-Soja (Foto: United Soybean Board/flickr)

Weltweit wurden 2014 auf 181,5 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut – mit 90% der Fläche entfällt der Löwenanteil auf gerade einmal fünf Länder: die USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada. Das geht aus dem Jahresbericht der als gentechnikfreundlich geltenden Organisation „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) hervor. ISAAA feiert den „Rekordwert“ und betont, dass die Anbauflächen seit 18 Jahren in Folge stetig zunehmen. Ein Blick in die letzten Jahresberichte offenbart jedoch, dass das Wachstum an Fahrt verliert: 2010 nahm die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 10% zu, während es 2012 noch 6% waren und sich 2014 lediglich ein Plus von 3,6% gegenüber der Vorjahresfläche von 175,2 Millionen Hektar ergab. Die Liste der Gentechnik-Anbauländer führen weiterhin die USA an, wo auf 73,1 Millionen Hektar vor allem Gentechnik-Mais, Soja, Baumwolle und Raps wachsen. In Brasilien stehen Gentechnikpflanzen auf 42,2 und in Argentinien auf 24,3 Millionen Hektar Land, insbesondere Soja. Indien, das gentechnisch veränderte Baumwolle anpflanzt, sowie Kanada liegen mit 11,6 Millionen Hektar Fläche gleichauf. Im einstelligen Millionen-Bereich folgen China, Paraguay, Pakistan, Südafrika, Uruguay und Bolivien. Die elf größten Gentechnik-Länder vereinen 90% der Anbaufläche auf sich. In der EU ging die Fläche, auf der der Monsanto-Mais MON810 wächst, um 3% auf 143.016 Hektar zurück, auch im Hauptanbauland Spanien sank sie auf 131.538 Hektar. Im Jahr 2014 sollen rund 18 Millionen Bauern weltweit Gentechnik-Pflanzen angebaut haben. 90% von ihnen seien „risikoscheue, arme Kleinbauern in Entwicklungsländern“, die mithilfe der Gentechnik Armut und Ernährungsunsicherheit entrinnen könnten. Das behauptet zumindest ISAAA, zu dessen Sponsoren laut Webseite Monsanto, Bayer und die Agrarindustrievereinigung CropLife International gehören. Die gute Nachricht: Noch immer sind 87,5% der weltweiten Ackerfläche von 1,4 Milliarden Hektar und 96,3% der 4,9 Milliarden Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gentechnikfrei! (ab)

27.01.2015 |

Biodiversität in „grünen“ Städten höher als im intensiv genutzten Agrarland

Birch
Urbane Birken gewinnen beim Biodiversitätsvergleich (Foto: Chris Conroy/Flickr.com)

Die Artenvielfalt ist in Städten mit viel Grünflächen und Bäumen deutlich höher als im intensiv genutzten Agrarland. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen der Universität Bern, die den Einfluss der Verstädterung auf die Biodiversität in sechs Schweizer Städten erforschten. Die Biologinnen, deren Studie im Fachblatt Global Change Biology erschien, verglichen die Vielfalt baumbewohnender Insekten und Spinnen in Zürich, Basel, Genf, Bern, Chur und Locarno mit den Beständen im umliegenden Agrarland. Dafür erfassten sie für beide Räume die Zahl der Käfer-, Wanzen-, Zikaden- und Spinnenarten auf ähnlich großen Birken, die weder geschnitten noch chemisch behandelt waren. Im urbanen Raum untersuchten sie Bäume in durch viel Grünflächen und Bäume geprägten Stadtteilen sowie in grauen Vierteln. Die Artenvielfalt war mit durchschnittlich 39 Tierarten in grün geprägten Stadtteilen deutlich höher als im intensiv genutzten Agrarland, wo die Forscherinnen ebenso wie in den grauen Vierteln nur 29 Arten zählten. „Der negative Einfluss der intensiven Agrarwirtschaft auf die Biodiversität kann offenbar größer sein als jener der Verstädterung“, kommentiert Dr. Tabea Turrini vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern das selbst für die Biologen überraschende Ergebnis. Entscheidend sei jedoch, dass die urbane Landschaft ausreichend Grün biete. Bäume, die im Radius von 500 Metern von vielen Grünelementen umgeben waren, wiesen bei den vier Tiergruppen eine höhere Artenvielfalt auf als isoliert stehende Bäume. Untersucht wurden extra keine Bäume in der Nähe größerer Parks. Bedeutend seien also auch verstreute Grünelemente, zum Beispiel kleinere Gärten und Einzelbäume. „Städte müssen so geplant werden, dass sie ausreichend Grünelemente bieten“, fordert Turrini daher - nur so können die negativen Effekte der allgemeinen Verstädterung auf die Biodiversität verringert werden. (ab)

22.01.2015 |

Am Limit: Forscher sehen Belastungsgrenzen der Erde überschritten

Boundaries
Die Grenzen der Erde (Grafik: F. Pharand-Deschênes/Globaïa)

Die Menschheit hat durch Eingriffe in die Umwelt vier von neun Belastungsgrenzen des Planeten überschritten und gefährdet so dessen Stabilität, schreiben Forscher im Fachmagazin Science. Bei Klimawandel, Artenvielfalt, Landnutzung und den globalen Phosphor- und Stickstoffkreisläufen wurde der sichere Bereich bereits verlassen, warnen 18 Wissenschaftler um Will Steffen vom Stockholm Resilience Center. „Das Überschreiten dieser Grenzen erhöht das Risiko, dass menschliche Aktivitäten das System Erde weniger lebensfreundlich machen, Bemühungen zur Armutsbekämpfung beeinträchtigt werden und dass sich das menschliche Wohlergehen in vielen Teilen der Welt verschlechtern könnte, auch in reichen“, so Steffen. Beim Klimawandel liege die Belastungsgrenze bei einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 350 ppm. „Diese Grenze ist gleichbedeutend mit einer Stabilisierung der globalen Temperaturen bei etwa 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau“, erklärt Professor Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre. Mit aktuell 399 ppm und einem jährlichen Anstieg von etwa 3 ppm sei die „unsichere Zone“ erreicht. Alarmstufe Rot herrsche auch beim Artensterben: Die Verlustrate bei Tier- und Pflanzenarten sei zehnmal höher als verkraftbar. Den Klimawandel und die Biosphäre betrachten die Forscher als Kernbereiche, da „entscheidende Veränderungen“ dort schon für sich genommen ausreichen, um „das Erdsystem in einen neuen Zustand zu befördern“. Auch die Belastung durch Phosphor und Stickstoff, etwa durch Düngung in der Landwirtschaft, habe kritische Ausmaße erreicht. Bei der Landnutzung wurde das Limit ebenfalls überschritten: Während weltweit 75% der ursprünglichen Waldfläche für eine sichere Entwicklung nötig wären, sei der Anteil auf 62% gesunken. Selbst um Grenzen, die im globalen Schnitt noch eingehalten werden, steht es auf regionaler Ebene kritisch. So habe der Wasserverbrauch im Westen der USA sowie in Teilen Südeuropas und des Mittleren Ostens bereits das Limit erreicht: „Helfen können hier Methoden zur effizienteren Wassernutzung in der Landwirtschaft, um mit weniger Wasser auf gleicher Fläche womöglich mehr Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung zu erzeugen“, sagt Ko-Autor Dieter Gerten. Die Forscher wollen jedoch keine düstere Botschaft vermitteln: „Die Welt hat dieses Jahr die riesige Chance, die globalen Risiken auf eine gerechtere Art und Weise anzugehen. Im September werden die Staaten die UN-Nachhaltigkeitsziele vereinbaren. Mit dem richtigen Ehrgeiz kann dies die Bedingungen für langfristigen menschlichen Wohlstand in den Grenzen des Planeten schaffen“, so Rockström. (ab)

20.01.2015 |

UN: Startschuss für Verhandlungen zu globalen Nachhaltigkeitszielen

Welt
Der Fahrplan für die Welt bis 2030 wird gerade verhandelt (Foto: Royce Bair/Flickr)

Bei den Vereinten Nationen wird diese Woche über neue Nachhaltigkeitsziele verhandelt. Diese sollen die 2015 auslaufenden Millenniumentwicklungsziele (MDGs) ablösen und bis 2030 unter anderem Hunger und Armut weltweit ein Ende bereiten. „Der heutige Tag markiert den Beginn entscheidender zwischenstaatlicher Verhandlungen zur Vollendung der Post-2015-Agenda“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Montag in New York bei der Eröffnung der Gespräche. „Die Welt schaut zu und die Erwartungen sind hoch.“ Im September hatte die sogenannte Open Working Group der UN-Generalversammlung ihren Vorschlag mit 17 Sustainable Development Goals (SDGs) zu Themen wie Gesundheit, Armuts- und Hungerbekämpfung, Wasser, Gleichstellung der Geschlechter und Energie, sowie 169 Unterziele und 62 „Mittel zur Umsetzung“ vorgelegt. Ziel 2 soll den Hunger beseitigen, Ernährungssicherheit und bessere Nahrung erreichen sowie nachhaltige Landwirtschaft fördern. Im Gegensatz zu den MDGs soll der Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die in Armut leben oder an Unterernährung leiden, nicht nur halbiert, sondern vollständig beseitigt werden. Ban Ki-moon hatte diesen Zielkatalog in seinem Synthesebericht „The Road to Dignity 2030“ im Dezember begrüßt. Uneinigkeit herrscht unter den UN-Mitgliedsstaaten noch in vielen Punkten, etwa ob die Anzahl der Ziele reduziert werden oder dem Klimaschutz ein eigenes Ziel gewidmet sein soll. „Wir finden, dass es bei 17 Zielen bleiben soll“, sagte Tobias Reichert von der Entwicklungsorganisation Germanwatch gegenüber klimaretter. Zu Ziel 2 sagt er: „Es geht diesmal eben nicht nur darum, den Hunger zu beenden. Im Ziel ist explizit formuliert, dass der Hunger durch nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft bekämpft werden soll.“ Entwicklungshilfegelder müssten nach so einem Nachhaltigkeitskriterium dann auch in kleinbäuerliche Strukturen investiert werden, so Reichert. Bis Juli folgen weitere Verhandlungsrunden. Die SDGs sollen dann auf einem Gipfel Ende September in New York verabschiedet werden. (ab)

19.01.2015 |

50.000 Menschen demonstrieren in Berlin für eine Agrarwende

Demo
Auftaktkundgebung zur Demo (Foto: Die Auslöser/Flickr)

Rund 50.000 Menschen haben am Samstag in Berlin für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik demonstriert. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ gingen Landwirte, Verbraucher, Tierschützer und Imker auf die Straße, um gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, Gentechnik und den Ausbau von Mega-Ställen zu protestieren. Aufgerufen zur Demonstration hatte ein breites gesellschaftliches Bündnis aus über 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsverbänden. „Das EU-USA-Handelsabkommen (TTIP) dient einseitig global agierenden Konzernen und wird vielen bäuerlichen Betrieben hier und weltweit die Existenzgrundlage entziehen. Gleichzeitig drohen die Verbraucherstandards gesenkt zu werden“, warnte der Sprecher des Bündnisses, Jochen Fritz, und forderte die Bundesregierung auf, TTIP zu stoppen. Dem Protestzug vom Potsdamer Platz zum Bundeskanzleramt voraus rollte ein Traktorenkonvoi mit über 90 Fahrzeugen. Auch zahlreiche internationale Teilnehmer waren vertreten. Bei der Abschlusskundgebung forderte Elizabeth Mpofu vom Internationalen Sekretariat von La Via Campesina eine globale Ernährungswende im Sinne von Ernährungssouveränität und Agrarökologie. „Wir Kleinbauern brauchen Schutz vor einer Industrialisierung von Landwirtschaft und Ernährungssystemen, die im Namen von Fortschritt und Wachstum von den multinationalen Konzernen, aber auch der Politik vorangetrieben wird.“ Als Negativbeispiel nannte sie die „Neue Allianz für Ernährungssicherheit“ der G7 Staaten. Die „Wir haben es satt“-Demonstration findet bereits zum fünften Mal statt – mit wachsender Teilnehmerzahl und auch dieses Jahr parallel zur in Berlin stattfindenden Agrarmesse Grüne Woche. Auf dem 7. Internationalen Agrarministergipfel am Samstag sprachen sich die Agrarminister sowie Vertreter internationaler Organisationen aus über 70 Staaten für mehr Zusammenarbeit zur Bioökonomie in der Landwirtschaft und eine stärkere Nutzung nachwachsender Rohstoffe aus. (ab)

15.01.2015 |

Kritischer Agrarbericht: bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarindustrie

Vietnam
Kleinbauern in Vietnam (Foto: UN Photo/Kibae Park)

Eine klare Ausrichtung der Agrarpolitik auf bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarindustrie fordert das AgrarBündnis anlässlich der Vorstellung des Kritischen Agrarberichts 2015 heute in Berlin. „Bäuerliche Wirtschaftsstile haben sich weltweit bewährt und die Ernährungssicherung auch in Krisenzeiten garantiert. Eine Landwirtschaft, die hochwertige Lebensmittel erzeugt, schonend mit Natur und Ressourcen umgeht und die ökologischen Grenzen dieser Erde nicht überschreitet, kann nicht industriell, sondern muss bäuerlich organisiert sein“, betonte Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnisses, dem 25 Verbände aus Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, Ernährung und Entwicklungsarbeit angehören. Dieses Jahr widmet sich der Bericht der Debatte um „Agrarindustrie und Bäuerlichkeit“ und versucht abzustecken, was eine bäuerliche Landwirtschaft eigentlich ausmacht. „Auffallend ist, dass das ‚Bäuerliche’ oftmals über das definiert wird, was es nicht ist: keine Massentierhaltung, keine Vergiftung der Böden, keine öden Monokulturen, keine Agrarfabriken. Umgekehrt auch das Positive zu benennen, was bäuerliche Arbeit ausmacht, fällt schwerer, ist aber durchaus möglich“, ist im Editorial nachzulesen. Den Herausgebern zufolge erlebt die bäuerliche Landwirtschaft gerade eine Renaissance - zumindest rhetorisch. Die UN erklärte 2014 zum „Internationalen Jahr der Familienlandwirtschaft“, doch deren Definition von Familienbetrieben umfasst neben den weltweit knapp 500 Millionen Höfen mit unter 2 Hektar auch US-amerikanische Farmer, die 500 bis 1000 Hektar Land bewirtschaften, betont Benedikt Haerlin in seinem Beitrag für den Kritischen Agrarbericht. Darin zieht er sechs Jahre nach Erscheinen des Weltagrarberichts Bilanz, welche Botschaften auf fruchtbaren Boden gefallen sind und wo der Weltagrarbericht politisch folgenlos geblieben ist. Agrarstrategen aller Herkunft seien sich mittlerweile einig über die Wichtigkeit, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Mittelpunkt der Bemühungen zu stellen, wie dies der Weltagrarbericht forderte. Vorrangiges Ziel sei aber meist, sie „fit für den Markt“ zu machen und sie in die alte, globale Tretmühle des „Wachse oder Weiche“ zu integrieren, weshalb die meisten Programme sich auf die „innovationswilligen und -fähigen“ Eliten unter den Landwirten konzentrieren. Die Ergebnisse des Weltagrarberichts zum Welthandel und zur Überproduktion hingegen stoßen Haerlin zufolge jedoch weiterhin auf taube Ohren. Auch die Agrarpolitik der EU und der USA erweise sich bisher vollständig resistent gegen die unabweisbaren Einsichten zur ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Nachhaltigkeit. Das und noch viel mehr hat das AgrarBündnis satt und schließt sich daher dem Aufruf zur von über 40 Organisationen der Zivilgesellschaft getragenen Großdemonstration „Wir haben es satt“ am Samstag in Berlin an. (ab)

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