Fleisch und Futtermittel

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die globale Fleischproduktion von 78 auf 308 Millionen Tonnen pro Jahr gut vervierfacht. Der Weltagrarbericht ging davon aus, dass dieser Trend anhält, vor allem weil sich in den Schwellenländern der Fleischkonsum an die sogenannte western diet Nordamerikas und Europas mit ihren Burgern, Steaks und Schnitzeln annähern wird. Die FAO erwartet eine Steigerung der Fleisch- produktion auf 455 Millionen Tonnen bis 2050.„Die Steigerung des Konsums von tierischen Produkten ist neben dem Bevölkerungswachstum eine der Hauptursachen für die weltweite Zunahme des Düngereinsatzes. Prognosen gehen davon aus, dass der weltweite Verbrauch (und die Produktion) von Fleisch von 2000 bis 2030 um 70% und bis 2050 um 120% steigen wird. Dabei werden die Erzeugung und der Verbrauch von Schweine- und Geflügelfleisch viel schneller zunehmen als von Rind- und Schaffleisch. In den letzten Jahren haben sich große vertikal und industriell organisierte Viehhaltungs- strukturen stark ausgebreitet; dieser Trend wird sich fortsetzen. Diese Systeme führen zu einer Konzentration organischer Dünger. Obwohl Mist und Gülle wertvolle Nährstoffquellen sind, führt ihre konzentrierte Ausbringung zu erheblichen Emissionen und schädigt Luft, Boden und Wasser.“ (Global, S. 281)
Derzeit verbraucht ein Erdenbürger im Schnitt etwa 42 Kilo Fleisch pro Jahr. In Deutschland sind es 87 Kilo Schlachtgewicht, von denen etwa 60 Kilo wirklich vertilgt werden. Seit kurzem nimmt der Verbrauch leicht ab und steigt die Zahl der Veganer und Vegetarier- innen rapide. Zudem verschiebt sich der Konsum immer mehr vom Rind aufs Huhn. Doch am meisten vertilgt der „Durchschnittsdeutsche“ Schweinefleisch. Das hat er mit dem „Durchschnittschinesen“ gemein, der in den letzten 40 Jahren seinen Fleischverbrauch versechsfachte. Da sich die Bevölkerung gleichzeitig auf 1,3 Milliarden fast verdoppelte, stieg die globale Nachfrage nach Fleisch und Futtermitteln enorm.

Direkt auf den Teller oder erst in den Trog?

Fleisch, Milch und Eier über den Umweg von Futter- mitteln aus Getreide und Ölsaaten vom Acker herzu-stellen führt zu einem gewaltigen Kalorienverlust. Die Umwandlungsrate von pflanzlichen in tierische Kalorien schwankt im Idealfall zwischen 2:1 bei Geflügel, 3:1 bei Schweinen, Zuchtfischen, Milch und Eiern und 7:1 bei Rindern. Rinder und Schafe fressen von Haus aus Gras. Mehr als zwei Drittel der weltweiten Agrarfläche ist Weideland. Wo Tiere Gras und Pflanzen fressen, die sich zur direkten menschlichen Ernährung nicht eignen, sind sie keine Nahrungsmittelkonkurrenz, sondern erhöhen das Lebensmittelangebot und leisten wichtige Beiträge zur Produktion: Sie liefern Dünger, tragen zur Bodenbearbeitung bei, arbeiten als Zug- und Transporttiere, verwerten Abfall und steigern die Ertrags- und Ernährungssicherheit der Besitzer.„Weltweit ist die Tierhaltung seit Jahrtausenden traditioneller Bestandteil der Landwirtschaft. Integrierte Systeme bieten Synergien zwischen Pflanzen und Tieren, bei denen die Tiere Gülle als Düngemittel und zur Verbesserung der Bodenstruktur (und auch als Brennstoffquelle) produzieren.“ (Global, S. 176)

Ein Großteil des heute genutzten Weidelandes eignet sich gerade in Trockengebieten zu keiner anderen landwirtschaftlichen Nutzung als extensiver Weidehaltung. Seine Produktionskapazität lässt sich aber nicht mehr wesentlich steigern. In einigen Regionen ist die Übernutzung von Weideflächen – auch durch traditionelle Tierhaltung – ein ernstes Problem. Auch Hühner, Schweine und andere Kleintiere, die traditionell gehalten werden, um Abfälle und Nebenprodukte zu verwerten, Würmer zu picken oder Eicheln zu fressen, ergänzen die Produktion und optimieren die Verwertung.  >>mehr

Zahlen & Fakten

2014 wurden weltweit etwa 315 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Für 2015 prognostiziert die FAO einen Anstieg der Fleischproduktion auf 318,8 Millionen Tonnen. Im globalen Schnitt standen 2014 pro Person 43,4 Kilogramm Fleisch im Jahr zur Verfügung.

2014 stieg die Fleischproduktion in Deutschland auf einen Rekordwert von 8,2 Millionen Tonnen - ein Plus von 1,3 % im Vergleich zu 2013. Zuwächse verbuchte mit 1,5 Millionen Tonnen erzeugtem Fleisch vor allem der Geflügelsektor. Seit 1994 hat sich die Geflügelproduktion fast verdreifacht. 2014 wurden 58,7 Millionen Schweine, 3,5 Millionen Rinder und 728 Millionen Tiere Geflügel geschlachtet.

Der Fleischverbrauch betrug in Deutschland 2014 statistisch 88,3 Kilogramm pro Kopf. Die tatsächlich konsumierte Fleischmenge (nach Abzug von Knochen, Fetten u.ä.) lag bei 60,3 Kilogramm Fleisch pro Kopf, ein leichter Rückgang im Vergleich zu 60,8 Kilo in 2012. 4,87 Millionen Tonnen Fleisch wurden exportiert und 3,3 Millionen Tonnen importiert. Es wurde 21% mehr Fleisch produziert als verbraucht.

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik der Bundesregierung kritisiert, dass "die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels und neuer wissenschaftlicher Bewertungsansätze nicht zukunftsfähig sind." Die Tiere brauchen mehr Platz und auf Amputationen von Schnäbeln und Schwänzen muss verzichtet werden.

Würden Männer in Deutschland ihre Essgewohnheiten an die der Frauen anpassen (weniger Fleisch, dafür mehr Obst und Gemüse), könnte eine Fläche von ca. 15.000 km² im In- und Ausland freiwerden und ca. 15 Millionen Tonnen Treibhausgase und 60.000 Tonnen Ammoniak weniger emittiert werden.

In der Intensivtierhaltung bleibt der Einsatz von Antibiotika eher die Regel als die Ausnahme: 2013 erhielten 9 von 10 Mast- und Zuchtdurchgängen in der Putenhaltung in Nordrhein-Westfalen Antibiotika, u.a. die für Menschen wichtigen Reserveantibiotika Colistin und Enrofloxacin.

Die Produktion von Rindfleisch in den USA verbraucht 28 Mal mehr Land, die elffache Wassermenge und sechs Mal mehr Stickstoffdünger als die Herstellung von Milch, Eier, Geflügel-, Schweinefleisch im Mittel. Zudem verursacht Rindfleisch die fünffache Menge an Treibhausgasemissionen.

Die Viehwirtschaft trägt weniger als 1,5% zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Aber sie verursacht 18% Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und steht damit sogar noch vor dem Transportsektor. Sie ist verantwortlich für 9% aller anthropogenen CO2-Emissionen.

Weideland und für den Futtermittelanbau genutztes Ackerland machen fast 80% der landwirtschaft-lichen Nutzfläche aus. Rund 3,4 Milliarden Hektar Land sind Weideflächen und 0,5 Milliarden Hektar entfallen auf Futtermittel. Von der eisfreien Erdoberfläche werden 26% für die Viehwirtschaft genutzt.

Weidende Rinder beeinflussen die Artenvielfalt des Grünlandes maßgeblich wie ein Langzeitexperiment der Uni Göttingen nachweisen. Weidetiere erzeugen bestimmte Muster der Vegetationsstruktur, die den Lebensraum von vielen Insektenarten wie Heuschrecken und Schmetterlingen prägen.

Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart fünf bis dreißig pflanzliche Kalorien verfüttert. Für eine Kalorie aus Rindfleisch benötigt man 10 Kalorien aus Getreide - 90 Prozent der Nahrungsenergie bleiben also auf der Strecke.

Nach einer Berechnung des UN-Umweltprogramms könnten die Kalorien, die bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.

Der Ausstoß von Methan und Lachgas nahm von 1990 bis 2005 um 17% zu. Das ist in erster Linie eine Folge des steigenden Fleischkonsums in vielen Teilen der Welt.

Literatur

Videos: Fleisch und Futtermittel

Bild anklicken zum Abspielen
Bild anklicken zum Abspielen

Gutes Soja, schlechtes Soja

WissensWerte zu Fleisch und Nachhaltigkeit

Pig Business: Schweinegeschäft

Grafiken

  • UNEP Dietary ChangeUNEP Dietary Change
  • UNEP Food Chain LossesUNEP Food Chain Losses
  • UNEP Global Trends ProductionUNEP Global Trends Production
Share |

Unterstützer

Unterstützer von www.weltagrarbericht.de biovision Verlag der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Demeter Naturland Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Swiss Aid, Ihr mutiges Hilfswerk Bioland Brot für die Welt Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland Zukunftsstiftung Entwicklung in der GLS Treuhand Erklärung von Bern Mission EineWelt Misereor Rapunzel - Wir machen Bio aus Liebe W-E-G Stiftung Heidehof Stiftung tegut
English versionEnglish versionDeutsche Version