Agrarökologie
Die Analysen des Weltagrarberichts zeigen: Wir brauchen eine agrarökologische Evolu- tion der Landwirtschaft, der Lebensmittel-produktion und des Konsums.
Die Landwirtschaft hat sich seit ihren Ursprüngen vor 10.000 Jahren immer ihren jeweiligen Umweltbedingungen angepasst. Erst in den letzten 100 Jahren hat sich diese Anpassung und Weiterentwicklung der Landwirtschaft im Zusammenspiel mit den Veränderungen der Umwelt radikal gewandelt.
Die Erschließung fossiler Energiequellen gestattete einem Teil der Menschheit den aufmerksamen Austausch mit der Natur durch den Einsatz von Maschinen und moderner Chemie zu ersetzen. Dies führte in den letzten 50 Jahren zu einer beispiellosen globalen Umgestaltung und Ausbeutung der natürlichen Lebensräume und der regionalen Agrar- und Ernährungssysteme. Die Folgen dieses Wandels sind heute zu einem zentralen Problem der Menschheit geworden. >>mehr
Ansätze der Agrarökologie
Agrarökologische Konzepte gründen in erster Linie auf traditionellem und lokalem Wissen sowie dessen Kulturen. Agrarökologie ver- bindet dieses Wissen mit Erkenntnissen und Methoden moderner Wissenschaft, der das traditionelle und lokale Wissen dabei wichtige Impulse gibt. Die Stärke der Agrarökologie liegt in der Verbindung sowohl von Ökologie, Biologie und Agrarwissen- schaften als auch von Medizin, Anthropologie sowie von Sozial- und Kommunikations- wissenschaften.
Agrarökologie bezieht das Wissen aller Beteiligten ein. Entscheidend ist deren praktischer Beitrag zur Lösung komplexer Probleme mit den vor Ort verfügbaren Ressourcen. Zu diesen Ressourcen gehören neben Sonne, Wasser, Boden und den Menschen und ihren Gemeinden insbesondere die natürliche und kultivierte Arten- und Sortenvielfalt und das Wissen über ihr Zusammenspiel.
Die Agrarökologie gewinnt als wissenschaftliche Disziplin und wirtschaftliches Erfolgskonzept seit den 1980er Jahren weltweit immer mehr Anhänger. Der Weltagrarbericht spricht ihr eine zentrale Rolle bei der Gestaltung künftiger, nachhaltiger Landwirtschaft zu. Das zeigt, dass die Agrarökologie in der Mitte der wissenschaftlichen und politischen Debatte angekommen ist.
Lesenswert: Glyphosat und Superunkräuter in den USA

Der Einführung von Gentechnik-Pflanzen, gepaart mit massivem Herbizideinsatz, hat in den USA Superunkräuter entstehen lassen. Alleine in Arkansas sind 400.000 ha Soja und Baumwolle betroffen. Die Landwirte verwenden nun mehr statt weniger Pestizide. Glyphosate, von Monsanto unter dem Namen Roundup vertrieben und in Kombination mit patentiertem GV-Saatgut aus dem gleichen Hause verwendet, ist seit 15 Jahren auf dem Markt und seither stieg der Umsatz um 1500%. Doch die Superunkräuter lassen sich damit nicht mehr kleinkriegen.
Centre for Research on Globalization: Genetically Manipulated Crops
Video zum Thema: ABC News: Super Weed Can't Be Killed
Streit um die neuen Bauernregeln

Gibt es in 50 Jahren noch Kleinbauern oder nur noch Agrarfabriken? Birgt die Wissenschaft Lösungen für all unsere Probleme oder sollten wir den Stimmen vom Lande Gehör schenken? In der Zeit diskutierten zwei Kontrahenten, die kaum gegensätzlicher sein könnten - Urs Niggli und Reinhard Hüttl. Lesenswert…
Fakten & Zahlen
Das Rodale Institute vergleicht seit 30 Jahren die Erträge konventioneller und Biobetriebe. Das Ergebnis: Die Erträge der Biobauern können problemlos mithalten, nach der Umstellung erzielten sie zudem höhere Gewinne. Gerade in Jahren mit Dürren verzeichnet der biologische Landbau 31% mehr Erträge - und verbraucht dabei 45 % weniger Energie und stößt 40 % weniger Treibhausgase aus.
Eine Ausweitung agrarökologischer Praktiken kann gleichzeitig die landwirtschaftliche Produktivität und die Ernährungsicherheit erhöhen, Einkommen und Lebensbedingungen im ländlichen Raum verbessern und den Trend zum Verlust der Sortenvielfalt und zur genetischer Erosion umkehren.
Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie nahm 40 Projekte in 20 Ländern unter die Lupe, die seit den 1990er Jahren eine nachhaltige Intensivierung anstrebten, z.B. durch Agroforstwirtschaft, integrierten Pflanzenschutz oder Bodenschutz. Bis Anfang 2010 profitierten 10,39 Millionen Bauern, auf 12,75 Millionen Hektar wurden Verbesserungen erzielt. Innerhalb von 3-10 Jahren verdoppelten sich die Erträge im Schnitt dank der agrarökologischen Praktiken.
2012 nahm in Deutschland die ökologisch bewirtschaftete Fläche um 27.8902 Hektar auf 1.043.528 Hektar zu, ein Zuwachs von 2,7% im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Bio-Höfe wuchs von 22.506 auf 23.096 Betriebe an. Damit betreiben in Deutschland 8% der Betriebe ökologischen Landbau.
Oft verfügen Männer und Frauen über unterschiedliches traditionelles Wissen zu Nahrung und Landwirtschaft. Dieses Wissen zusammen zu führen unterstützt die Nahrungssicherheit, die Agrobiodiversität und die ländliche Entwicklung.
Alle Aktivitäten, die die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel unterstützen, fördern auch die zukünftige Ernährungssicherheit.
Von den 10.000-15.000 als essbar bekannten Pflanzen sind in der Landwirtschaft der gesamten Menschheitsgeschichte etwa 7.000 Sorten verwendet worden. Heute gelten weniger als 2% von ihnen als wirtschaftlich bedeutend. Derzeit bilden 20 kultivierte Pflanzen 90% der pflanzlichen Ernährung der Menschen. 12 Pflanzen- und fünf Tierarten stellen 70% der menschlichen Nahrung.
Bei anhaltendem Bevölkerungswachstum von derzeit 6 auf 9 Milliarden Menschen wird sich im Zeitraum 2025-2050 die Nachfrage nach Nahrungsmitteln verdoppeln.





