Nachrichten

13.04.2016 |

Masseneinspruch gegen Syngentas Patent auf konventionell gezüchtete Tomate

Einspruch
Kein Patent auf Leben: Einspruch gegen Syngentas Tomaten-Patent (Foto: Randi Boice/Flickr.com)

Der Schweizer Agrarriese Syngenta hält ein Patent auf konventionell gezüchtete Tomaten - doch damit soll bald Schluss sein, denn das europaweite Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ hat nun zu einem massenhaften Einspruch aufgerufen. Im August 2015 erteilte das Europäische Patentamt (EPA) Syngenta das Patent auf eine Tomate, die besonders viele Flavonole enthält - sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird und die Krebs vorbeugen sollen. Das Patent EP1515600 erstreckt sich auf die Pflanzen, das Saatgut und die Tomatenfrüchte und wurde unter der sperrigen Bezeichnung „Flavonolexprimierende domestizierte Tomate und Herstellungsverfahren“ am 12. August im Europäischen Patentblatt veröffentlicht. Die Tomate stammt aus einer Kreuzung wilder Tomaten aus Lateinamerika mit bereits gezüchteten Sorten – dies wird als „Erfindung“ gelten gemacht. Die Tomate ist somit nicht gentechnisch verändert. Damit verstößt das Patent eigentlich gegen europäische Patentgesetze, die Patente auf Pflanzensorten ebenso wie auf klassische Züchtungsverfahren untersagen. Doch das EPA erteilt munter weiter Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Bisher wurden etwa 1400 Anträge eingereicht, etwa 180 sind bereits erteilt. Im März fällte die Große Beschwerdekammer eine viel kritisierte Grundsatzentscheidung über die Auslegung der Patentgesetze: Während Verfahren der konventionellen Züchtung nicht patentierbar seien, sollen Pflanzen und Tiere, die aus dieser Züchtung stammen, patentiert werden können. Doch das sieht das NGO-Bündnis anders: Bis zum Ende der Einspruchsfrist gegen das Patent am 12. Mai sollen Tausende den Sammeleinspruch unterzeichnen, der dann anlässlich einer Tagung des Ausschusses Patentrecht am EPA übergeben werden soll. „Wir hoffen, dass sich möglichst viele BürgerInnen an den Einsprüchen beteiligen werden und einen Stopp der Politik des Ausverkaufs unserer Lebensgrundlagen fordern. Die Großkonzerne missbrauchen das Patentrecht, um die Kontrolle über unsere Lebensmittelversorgung zu übernehmen“, kommentierte Christoph Then für Keine Patente auf Saatgut!. „Wir müssen das jetzt stoppen.“ Die Organisatoren appellieren schon seit Langem an die Bundesregierung, über die politischen Kontrollgremien des EPA aktiv zu werden und endlich die Patentierung von Pflanzen und Tieren zu stoppen. (ab)

12.04.2016 |

Süddeutsche: Bundesregierung will Glyphosat weiterhin erlauben

Chafer (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/, https://www.flickr.com/photos/chafermachinery/)
Ja zu Glyphosat auf dem Acker? (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/, https://www.flickr.com/photos/chafermachinery/)

Die Bundesregierung will für die Neuzulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat grünes Licht geben, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom Dienstag berichtet. Dies gehe aus einem Schreiben des Agrarministeriums im Namen Deutschlands an die EU-Kommission hervor. „Mit seiner Zustimmung möchte Deutschland dazu beitragen, das Verfahren zur Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat ... erfolgreich abzuschließen“, zitiert die Zeitung einen Brief des Leiters des Referats Pflanzenschutz des Ministeriums, der Ende März an die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission in Brüssel gerichtet wurde. In der EU steht die Entscheidung über die weitere Zulassung von Glyphosat an, da die derzeitige Genehmigung im Sommer ausläuft. Die Kommission hatte für eine Neuzulassung bis 2031 plädiert. Eine Abstimmung darüber war im März dieses Jahres verschoben worden, da sich keine ausreichende Mehrheit der Mitgliedsstaaten abzeichnete. Mitte Mai wollen die EU-Länder nun in einem erneuten Anlauf über die Neuzulassung entscheiden. Seit Monaten tobt zwischen Wissenschaftler, Behörden und in der Öffentlichkeit ein erbitterter Streit über die Gesundheitsgefahren durch Glyphosat. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation hatte im März 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich“ krebserregend für den Menschen eingestuft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) halten den Wirkstoff für „wahrscheinlich“ nicht krebserregend.“ Auch zwischen den zuständigen Ministerien herrschte keine Einigkeit: Während Agrarminister Christian Schmidt (CSU) ein Verbot ablehnt, hatte sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dafür ausgesprochen. In dem Schreiben, auf das sich die Süddeutsche Zeitung beruft, heißt es nun: „Deutschland unterstützt daher die Risikobewertung der Efsa, auf welcher der Verordnungsvorschlag im Wesentlichen beruht.“ Umwelt- und Verbraucherschützer machen sich seit Langem für ein Verbot von Glyphosat stark, auch die Mehrheit der Verbraucher ist skeptisch. Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage zeigt, dass 70% der deutschen Bevölkerung ein Verbot des Pestizids fordern. Die vom Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführte Umfrage ergab, dass die Deutschen mit ihrer Ablehnung an zweiter Stelle nach Italien folgen, wo mit 76% die Ablehnung am größten ist. Auch 60% der Franzosen und 56% der Briten lehnen eine erneute Zulassung ab, berichtet der Guardian. (ab)

11.04.2016 |

Studie: Lebensmittelverschwendung beenden für Klima und Ernährungssicherheit

Tonne
Oft vermeidbar: Tonne statt Teller (Foto: Starr/Flickr.com)

Würde der Verschwendung von Lebensmitteln Einhalt geboten werden, könnte künftig ein Zehntel aller Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft vermieden werden. Das zeigt eine neue Studie, für die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) die Nahrungsmittelverluste für die Länder der Erde einschätzten und die damit einhergehenden Emissionen berechneten. Weltweit gelangt ein Drittel aller produzierten Lebensmittel nicht vom Feld in die Mägen der Menschen. „1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden derzeit verschwendet“, sagt Ko-Autor Jürgen Kropp vom Forschungsbereich Klimawirkung und Vulnerabilität. Während Lebensmittelverluste überwiegend auf weniger effiziente landwirtschaftliche Infrastrukturen in Entwicklungsländern zurückgehen, werden in reichen Ländern Lebensmittel meist verschwendet. Und es steht zu befürchten, dass sich dies künftig noch verstärkt: „Für Schwellenländer wie China und Indien ist ein Anstieg der Lebensmittelverschwendung zu erwarten – als Konsequenz aus weitreichenden Lebensstiländerungen, wachsendem Wohlstand und einem Ernährungswandel hin zu mehr Produkten aus Tierhaltung. Dies könnte gleichzeitig jedoch Bemühungen zum Klimaschutz unterminieren“, so Kropp. Die Forscher gehen davon aus, dass die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2050 auf bis zu 18 Gigatonnen CO2-Äquivalente hochschnellen werden. Etwa ein Zehntel dieser Emissionen könnte allein die Verschwendung von Nahrungsmitteln ausmachen. Der Studie zufolge könnten die damit verbundenen Emissionen von heute 0,5 auf 1,9-2,5 Gigatonnen CO2-Äquivalente bis 2050 ansteigen. „Die Emissionen, die auf verschwendete Nahrungsmittel zurückgehen, sind daher nur die Spitze des Eisbergs“, erklärt Ko-Autor Prajal Pradhan. „Dennoch ist es erstaunlich, dass bis zu 14 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft relativ einfach vermieden werden könnten, zum Beispiel durch eine bessere Nutzung und Verteilung von Nahrungsmitteln.“ Die Ergebnisse der Forscher zeigten, dass die Lebensmittelverfügbarkeit in den letzten 50 Jahren stark angestiegen ist, obwohl der Nahrungsmittelbedarf pro Person im globalen Mittel fast konstant bleibt. In vielen Ländern werde mehr Nahrung konsumiert als gesund sei oder eben verschwendet. Dass einige Entwicklungsländer weiterhin mit Unterernährung und Hunger zu kämpfen haben, führt Prajal Pradhan auf das Problem der ungleichen Verteilung und die Verschwendung zurück. „Die Vermeidung von Nahrungsmittelverlusten könnte deshalb ein Hebel sein, der gleich mehrfach greift: für die Minderung der landwirtschaftlichen Folgen für Klima und Umwelt, für die Schonung von Ressourcen in der landwirtschaftlichen Produktion, und zur Verbesserung lokaler, regionaler und globaler Lebensmittelsicherheit“, lautet das Fazit von Kropp. (ab)

07.04.2016 |

Dickes Problem: 2025 wird jeder fünfte Mensch weltweit fettleibig sein

Fett
Jeder zehnte Mann ist fettleibig (Foto: Kyle May/Flickr.com)

Die Weltbevölkerung hat ein gewichtiges Problem: Noch nie zuvor gab es so viele fettleibige Menschen – bis zum Jahr 2025 könnte die Zahl die Milliardengrenze sprengen. Davor warnt ein internationales Forscherteam in einer neuen Studie, die fünf Tage vor dem heutigen Weltgesundheitstag im Fachmagazin The Lancet erschien. Demnach galten 2014 mehr als 640 Millionen Erwachsene – jeder achte Mensch – als adipös. Mit einem Anteil von rund 59 Prozent sind Frauen besonders stark betroffen. Vor 40 Jahren litten lediglich 105 Millionen Menschen an Fettleibigkeit. Seit 1975 wurde die Weltbevölkerung alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm schwerer. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, könnten im Jahr 2025 über 1,1 Milliarden Menschen fettleibig sein, 18% aller Männer und 21% aller Frauen. Für die Studie werteten die Wissenschaftler um Majid Ezzati vom Imperial College Daten aus rund 1700 Studien mit mehr als 19,2 Millionen Teilnehmern aus, die 186 Länder und damit 99% der Weltbevölkerung erfassen. Grundlage ist der teils umstrittene, aber dennoch universell für Studien dieser Art zugrunde liegende Body-Mass-Index (BMI), bei dem Körpergröße und Gewicht ins Verhältnis gesetzt werden. Als übergewichtig gilt, wer einen BMI von über 25 aufweist, als fettleibig jeder mit einem Wert von über 30. Rund 58 Millionen Männer und 126 Millionen Frauen gelten mit einem BMI von über 35 sogar als stark fettleibig – 2025 könnten 6% aller Männer und 9% aller Frauen weltweit betroffen sein. Fettleibigkeit ist besonders in der reichen, englischsprachigen Welt ein Problem mit einem Anteil von 18,4%, gefolgt vom Nahen Osten und Nordafrika mit einem Anteil von 13,9%. „Ebenso wie die wirtschaftliche Ungleichheit hat auch die Ungleichheit beim Gewicht weltweit zugenommen“, schreibt der britische Gesundheitsforscher George Davey Smith in einem Begleitkommentar zur Studie. „Was Fettleibigkeit angeht, so sind in Ländern mit hohem Einkommen arme Menschen eher betroffen als reichere. Jedoch ist in vielen Ländern der Welt das Gegenteil der Fall und die Armen sind zu untergewichtig und zwar in einem Maße, das ihre Gesundheit und die wirtschaftliche Produktivität beeinträchtigt.“ Die notwendigen Bemühungen der Staaten im Kampf gegen Übergewicht dürften daher nicht dazu führen, dass der Kampf gegen die Unterernährung vernachlässigt werde. Doch auch ein Zuviel an Nahrung macht krank: Übergewicht gilt als Risikofaktor unter anderem für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und bestimmte Arten von Krebs. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat sich die Zahl der Menschen, die mit Diabetes leben, seit 1980 fast vervierfacht. 422 Millionen Menschen, vor allem in Entwicklungsländern, sind betroffen. Zu den Hauptfaktoren zähle der dramatische Anstieg von Übergewicht und Fettleibigkeit. (ab)

05.04.2016 |

Neue UN-Dekade soll Hunger und Mangelernährung aus der Welt schaffen

Kind
159 Millionen Kinder sind chronisch unterernährt (Foto: Steve Evans/Flickr.com)

Die UN-Generalversammlung hat eine „Dekade für Ernährung“ ausgerufen mit dem Ziel, Hunger und Mangelernährung zu beseitigen. Eine entsprechende Resolution nahmen die Regierungen der 193 Mitgliedsstaaten am 1. April in New York an. Die Dekade wird von 2016 bis 2025 andauern und soll verschiedenen Akteuren und Initiativen als Rahmen dienen, um Maßnahmen im Bereich Ernährung und Hungerbekämpfung zu koordinieren. „Es wird eindeutig nicht genug unternommen, um das grundlegende Recht auf Nahrung zu sichern”, sagte Antonio de Aguiar Patriota, Brasiliens Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen anlässlich der Verabschiedung. Es sei schlichtweg inakzeptabel, dass chronischer Hunger, Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit in einer Welt vorkämen, die genug Lebensmittel für die gesamte Menschheit produziert. Weltweit gelten rund 800 Millionen Menschen immer noch als chronisch unterernährt und zwei Milliarden leiden an Mikronährstoffdefiziten. Zugleich sind 1,9 Milliarden von Übergewicht betroffen – 600 Millionen von ihnen sind fettleibig. Die UN-Dekade will auch ein spezielles Augenmerk auf die 159 Millionen Kinder unter fünf Jahren richten, die aufgrund chronischer Unterernährung unterentwickelt (stunted) und zu klein für ihr Alter sind, sowie die 50 Millionen Kinder, die aufgrund akuter Unterversorgung für ihre Größe zu wenig wiegen. „Kinder können die Vorteile des Schulbesuchs nicht voll nutzen, wenn sie nicht die benötigten Nährstoffe erhalten, und Schwellenländer werden ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen, wenn ihre Arbeiter chronisch müde sind, da ihre Ernährung unausgewogen ist. Deshalb begrüßen wir die Dekade zum Handeln für Ernährung und freuen uns darauf, zu ihrem Erfolg beizutragen“, sagte José Graziano da Silva, Generaldirektor der UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO). Die FAO und die Weltgesundheitsorganisation WHO sollen die Umsetzung der Dekade anleiten. „Diese Resolution stellt Ernährung ins Zentrum von nachhaltiger Entwicklung und erkennt an, dass die Verbesserung der Ernährungssicherheit und Ernährung grundlegend für das Erreichen der gesamten Agenda 2030 ist“, fügte da Silva hinzu. Ziel Nummer 2 der Sustainable Development Goals (SDGs), die im Herbst von den Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedsstaaten verabschiedet wurden, will den Hunger beseitigen, Ernährungssicherheit erzielen und die Ernährung verbessern sowie eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Doch heere Ziele hatte die Weltgemeinschaft schon 1996, als sie sich auf dem Welternährungsgipfel in Rom vornahm, bis 2015 die Zahl der Hungernden zu halbieren. Davon blieben die Staaten meilenweit bzw. 285 Millionen Menschen entfernt. Und selbst das erste Millenniumsentwicklungsziel, das lediglich die Reduzierung des Anteils der Hungernden an der Weltbevölkerung vorsah, wurde verfehlt. In Afrika südlich der Sahara ist die Zahl der unterernährten Menschen sogar angestiegen. Höchste Zeit also, den Worten Taten folgen zu lassen und die UN-Nachhaltigkeitsziele konsequent umzusetzen. (ab)

22.03.2016 |

Spenden statt verschwenden: Italiens Gesetz gegen Entsorgung von Lebensmitteln

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Italiens Supermärkte sollen spenden statt verschwenden (Foto: myfruit.it/flickr.com)

Das italienische Abgeordnetenhaus hat ein Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln verabschiedet. Mit einer satten Mehrheit von 277 Stimmen votierten die Abgeordneten für den Gesetzesentwurf der Abgeordneten der Demokratischen Partei, Maria Chiara Gadda. „Das Hauptziel des neuen Gesetzes ist es, Anreize für die Rettung von Lebensmitteln zu schaffen und die Spendenmenge von Überschüssen zu verdoppeln“, erklärt Gadda. Mit dem Gesetz sollen bürokratische Hürden abgebaut werden, die Supermärkten und Einrichtungen bisher das Spenden von überschüssigen, abgelaufenen oder unverkäuflichen Lebensmitteln erschwerten. So mussten bisher Lebensmittelspenden fünf Tag im Voraus angemeldet werden - nun soll dies nachträglich zum Monatsende möglich sein. Während Vorreiter Frankreich große Supermärkte per Gesetz zum Spenden von Lebensmitteln verdonnerte und Verstöße mit hohen Bußgeldern ahnden will, setzen die Italiener auf steuerliche Anreize für Unternehmen. In Italien enden jedes Jahr etwa 5,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Damit verbunden sind Kosten in Höhe von 12,5 Milliarden Euro, berichtet der italienische Agrarverband Coldiretti. Laut einer Untersuchung der Polytechnischen Universität Mailand fallen die meisten Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten an, doch 21% entfallen auf Restaurants, 15% auf den Lebensmittelhandel und 2% auf die Verarbeitung, während 8% der Agrarerzeugnisse gar nicht erst die Felder der Landwirte verlassen. Die Mitnahme von Essensresten im Restaurant soll mit der „Familientüte“ gefördert werden. Außerdem trifft das Gesetz Vorkehrungen für das Einsammeln und die Verteilung von auf dem Feld aussortierten Lebensmitteln, die noch für den menschlichen Verzehr oder als Tierfutter verwendet werden können. Lebensmittelspenden von Supermärkten und Unternehmen sollen kostenlos an die gut sechs Millionen bedürftigen Italiener verteilt werden. Die italienischen Tafeln begrüßten das Abstimmungsergebnis: „Es handelt sich um ein Gesetz, das endlich den rechtlichen Bezugsrahmen für das Spenden nicht verkaufter Lebensmitteln mit Vereinfachungen, Anpassungen und Anreizen neu regelt – aber das auch vor allem die Rettung von Lebensmitteln und deren Verteilung an arme Menschen zur Priorität macht“, sagt Marco Lucchini, Direktor der Fondazione Banco Alimentare. Das Gesetz muss nun noch den Senat passieren. Italiens Landwirtschaftsminister Maurizio Martina zeigte sich am Donnerstag zufrieden: „Die heutige Abstimmung bestätigt, dass Italien beim Kampf gegen die Verschwendung an vorderster Front dabei ist – nun ist die schnelle, endgültige Zustimmung des Senats notwendig. Mit dem Gesetz lohnt es sich für die Unternehmen, Lebensmittel zu spenden statt zu verschwenden.“ (ab)

17.03.2016 |

Ökobilanz verschiedener Ernährungsstile: Weniger Fleisch - mehr Klimaschutz

Veg
Mehr Pflanzliches soll auf den Teller (Foto: Premshree Pillai/Flickr.com)

Wer statt zu Schnitzel und Steak verstärkt zu pflanzlichen Proteinen greift, verursacht durch seine Ernährung deutlich weniger Treibhausgasemissionen. Das zeigt eine Studie des Ökobilanz-Spezialisten ESU-services, die vom WWF Schweiz in Auftrag gegeben wurde. Diese vergleicht sieben verschiedene Ernährungsstile in Bezug auf ihren Treibhausgasausstoß und die Umweltbelastung. Die Schweizer aßen 2014 im Schnitt 52,4 Kilogramm Fleisch pro Kopf – immerhin gut sechs Kilo weniger als ihre deutschen Nachbarn mit 60,3 Kilogramm. Mit dieser Ernährung verursacht der Durchschnitts-Schweizer gut 1.837 kg CO2. Das entspricht in etwa 9.200 Autokilometern mit einem durchschnittlichen Privatwagen und damit in etwa der Entfernung, die laut Bundesamt für Statistik die Schweizer Bevölkerung pro Kopf und Jahr zurücklegt. Auf Fleisch, Fisch und tierische Produkte entfällt mit 956 kg CO2 die Hälfte der Treibhausgasemissionen. „Wer seinen Speiseplan mit vegetarischen Gerichten anreichert und Fleisch- und Milchprodukte als etwas Besonderes genießt, tut der Umwelt viel Gutes“, sagt Christoph Meili, Ökobilanzexperte beim WWF Schweiz. Denn Flexitarier, die gemäß den Empfehlungen der Schweizer Gesellschaft für Ernährung nur etwa 300 Gramm Fleisch und 3-4 Eier pro Woche sowie 1-2 Portionen Milchprodukte pro Tag verzehren, verursachen nur 1.495 kg CO2. Veganer, die sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten ernähren, bringen es gerade einmal auf 1.124 kg CO2. Der sogenannte „Protein-Junkie“ hingegen, der 1,5 Kilo Fleisch pro Woche, 10 Eier und viele Milchprodukte vertilgt, belastet mit 2.350 kg CO2 pro Jahr das Klima doppelt so stark wie ein Veganer. „Vielen Schweizern ist die stärkere Belastung durch tierische Produkte nicht bewusst“, erklärt Meili mit Blick auf die Daten einer aktuellen Umfrage des Bundesamtes für Umwelt. Für die Berechnung der Treibhausgasemissionen bezogen die Studienautoren die gesamte Produktionskette von Nahrungsmitteln ein, einschließlich Transport, Verpackung, Kühlung und Futtermittelproduktion. „Gerade die Futtermittelproduktion verbraucht enorm viel Energie und belastet die Umwelt stark, zum Beispiel bei der Soja-Produktion. Hierfür wird häufig Regenwald abgeholzt“, sagte Meili dem Schweizer Radio und Fernsehen. Nicht in die Analyse flossen Heimtransport, kochen und kühlen im Haushalt und jegliche gesundheitlichen und medizinischen Aspekte ein. Für die Studie wurden konventionell produzierte Produkte untersucht und verglichen, eine Berücksichtigung von Biolebensmitteln erfolgte nicht. (ab)

14.03.2016 |

Klimawandel erfordert Anpassung der Landwirtschaft in Subsahara-Afrika

Uganda
Der Klimawandel setzt Mais zu (Foto: FAO/Matthias Mugisha)

Bäuerinnen und Bauern in Subsahara-Afrika müssen sich auf gewaltige Veränderungen einstellen, da der Klimawandel den Anbau wichtiger Nutzpflanzen stark beeinträchtigen wird. Traditionelle Hirse- und Sorghumsorten könnte bei der Anpassung an den Klimawandel eine große Rolle spielen, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Climate Change“. Die am 7. März erschienene Studie untersuchte die zu erwartenden Auswirkungen verschiedener Klimaszenarien auf neun Grundnahrungsmittel, die gut die Hälfte der Lebensmittelproduktion in Subsahara-Afrika ausmachen. Die Forscher glichen Wachstumsanforderungen der verschiedenen Kulturen mit Daten zu künftigen Temperatur- und Niederschlagsbedingungen ab. „Die Studie zeigt, wo und vor allem wann in Afrika Interventionen unerlässlich sind, um die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch den Klimawandel zu stoppen“, sagt der Hauptautor der Studie, Dr. Julian Ramirez-Villegas vom Internationalen Zentrum für Tropische Landwirtschaft (CIAT) in Kolumbien. „Wir wissen, was getan werden muss und zum ersten Mal haben wir nun auch Zeitfenster für den Handlungsbedarf.“ Wenn keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel indem Bauern auf andere Feldfrüchte umsteigen, Bewässerungssysteme verbessert werden oder im Extremfall auch die Landwirtschaft ganz aufgegeben wird, könnte der Klimawandel die Ernährungssicherheit und die Lebensgrundlage von Kleinbauern gefährden, warnen die Autoren. Mais, Bohnen und Bananen wird der Klimawandel besonders stark zusetzen. Bis zu 30% der Mais- und Bananenanbaugebiete und 60% der Gegenden, in denen Bohnen wachsen, werden den Forschern zufolge am Ende des Jahrhunderts für den Anbau dieser Nutzpflanzen wegfallen. Etwa 1,85 Millionen Hektar in Uganda und Tansania, auf denen aktuell Bohnen wachsen und die 40% des Bohnenbedarfs von ganz Subsahara-Afrika decken, werden sich im Jahr 2100 nicht mehr für den Bohnenanbau eignen. In anderen Regionen ist eine Umstellung schon bis 2025 oder früher nötig. Bananenanbaugebiete im Westafrika und Maisgegenden im südlichen Afrika, z.B. in Namibia, Botswana oder Simbabwe, müssen schon in den nächsten zehn Jahren umsteuern. Mögliche Anpassungsstrategien für Subsahara-Afrika sehen abhängig von den jeweiligen Bedingungen vor Ort ganz unterschiedlich aus, so die Autoren. Traditionelle Pflanzensorten wie Hirse, Sorghum, Maniok, Erdnuss und Yams seien eine sichere Alternative, da sie Hitze und Trockenheit deutlich besser vertragen als Mais oder Weizen. Bei der Anpassung an den Klimawandel helfen können auch Verbesserungen bei der Bewässerung oder spezielle Beratungsdienste für Bauern. Kleinbauern könnten ihr Auskommen auf eine breite Basis stellen, indem sie auch Tiere halten. Doch die Autoren verweisen auf Studien aus Uganda als Beispiel für eine erfolgreiche Anpassung. Dort habe der Mischkulturanbau von Banane und Kaffee das Einkommen von Landwirten um 50% erhöht und sie widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels gemacht. Manche Gebiete in Subsahara-Afrika werden nach den Berechnungen der Forscher in knapp 100 Jahren aber vollkommen ungeeignet für die Landwirtschaft sein. „Für diese Areale gilt es, Alternativen zu entwickeln, um der Bevölkerung ein Auskommen zu ermöglichen – zum Beispiel durch die Entwicklung touristischer Potenziale“, sagt Studienautorin Ulrike Rippke von der Universität Bonn. (ab)

09.03.2016 |

EU verschiebt Entscheidung über Glyphosat-Zulassung

Glyphosat
Glyphosat auf EU-Äckern noch bis 2022? (Foto: Chafer Machinery/Flickr.com)

Die Entscheidung über eine weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der EU ist vorerst vertagt worden. Die EU-Kommission verschob die für Dienstag erwartete Abstimmung darüber, ob das Herbizid auch in den nächsten 15 Jahren eingesetzt werden darf, da sich Medienberichten zufolge keine ausreichende Mehrheit der Mitgliedsstaaten abzeichnete. Ein Diplomat in Brüssel habe bestätigt, dass die Verlängerung im zuständigen Fachausschuss nicht zur Abstimmung gestellt wurde. Die EU-Mitgliedsstaaten Frankreich, Italien, Schweden und die Niederlande hatten angekündigt, mit Nein stimmen zu wollen, die Bundesregierung konnte bis Montag noch keine gemeinsame Position finden. Für eine qualifizierte Mehrheit wären 55% der Mitgliedstaaten notwendig, die mindestens 65% der EU-Bevölkerung vertreten. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Martin Häusling, bezeichnete die Vertagung der Entscheidung als ersten großen Erfolg gegen das deutschland- und weltweit am häufigsten verkaufte Herbizid. Seit Monaten tobt ein erbitterter Streit über die Gesundheitsgefahren durch Glyphosat. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation hatte im März letzten Jahres Glyphosat als „wahrscheinlich“ krebserregend für den Menschen eingestuft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) halten den Wirkstoff für „wahrscheinlich“ nicht krebserregend. Häusling nannte den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission, die Zulassung bis 2031 zu verlängern, unverantwortlich. „Nach wie vor ist nicht geklärt, wie sich der Einsatz von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirkt. Die WHO hat Glyphosat als krebserregend eingestuft. Die EU-Kommission muss in den kommenden Wochen für eine umfangreiche und ausgewogene Analyse der Risiken sorgen und die Bewertungen der gemeinsamen Pestizid-Kommission (JMPR) der UN-Weltgesundheits- und Ernährungsorganisationen WHO und FAO abwarten,“ teilte er am Dienstag mit. Das entspreche dem Vorsorge-Prinzip, dem die EU-Kommission verpflichtet sei. Die Bundesregierung hielt sich bedeckt: „Wir haben die Entscheidung der EU-Kommission zur Kenntnis genommen. Wir gehen davon aus, dass die EU-Kommission in Kürze einen neuen Abstimmungstermin benennt. Wir werden auf Basis der dann vorliegenden Informationen eine Ressortabstimmung im Rahmen der Bundesregierung durchführen,“ erklärte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. (ab)

08.03.2016 |

Frauenrechte sind der Schlüssel zur Bekämpfung von Hunger und Armut

Frau
Frauenpower auf dem Feld (Foto: Sean Sprague/CARITAS)

Frauen sind überdurchschnittlich stark von Hunger und Armut betroffen – ihrer mehrfachen Diskriminierung muss ein Ende bereitet werden, damit das Recht auf Nahrung aller Frauen weltweit durchgesetzt werden kann. Darauf macht die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland anlässlich des Internationalen Frauentags aufmerksam. 70 Prozent der Hungernden sind Frauen und Mädchen, insbesondere Bewohnerinnen ländlicher Regionen. Auf dem Lande sind es meist Frauen, die die Hauptlasten zur Versorgung ihrer Familien tragen und einen großen Teil kleinbäuerlicher Subsistenzarbeit leisten. „Obwohl Frauen in den meisten Ländern für die Ernährung ihrer Familien verantwortlich sind, haben sie häufig keinen gleichberechtigten Zugang zu Land, landwirtschaftlichen Förderprogrammen oder Krediten“, kritisiert FIAN-Referentin Gertrud Falk. Entwicklungsprogramme seien zudem vielmals kontraproduktiv, da sie die Bedürfnisse von Frauen nicht einbeziehen. Denn durch die zunehmende Ausrichtung von Entwicklungsprogrammen auf exportorientierte und industrialisierte Landwirtschaft werde insbesondere Frauen die Möglichkeit genommen, Nahrungsmittel zur Selbstversorgung anzubauen, bemängelt FIAN in einer Pressemitteilung zum Weltfrauentag. Durch die Verknappung landwirtschaftlicher Flächen durch Landnahmen und großflächige Infrastrukturprojekte im globalen Süden würden vor allem Frauen ihre Existenzgrundlage beraubt. Das trifft sie besonders hart, da sie hauptsächlich für die Versorgung der Kinder sowie alter und kranker Familienangehöriger zuständig seien und daher nicht im gleichen Maße wie Männer auf andere Einkommensquellen ausweichen könnten. Die Menschenrechtsorganisation verweist auch auf einen aktuellen Bericht der UN-Sonderberichterstatterin zum Recht auf Nahrung, Hilal Elvers. Dieser bemängelte, der starke Fokus internationaler Entwicklungszusammenarbeit auf technische Fortbildungen missachte, dass Frauen vor allem Zugang zu Land und ausreichenden finanziellen Ressourcen benötigen, um sich und ihre Familien versorgen zu können. FIAN appelliert daher an die Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft, bei allen Landwirtschaftsprojekten im Vorfeld die menschenrechtlichen Folgen für Frauen zu überprüfen. Außerdem sei es unbedingt erforderlich, betroffene Frauen bereits in der Planungsphase entsprechender Projekte einzubeziehen, damit diese Vorhaben nicht zu Verletzungen des Rechts auf Nahrung von Frauen führen. (ab)

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