Nachrichten

17.01.2018 |

Kritik an EPA: Schluss mit Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen

Sonnebl
Keine Patente auf Sonnenblumen! (Foto: A. Beck)

Das Europäische Patentamt (EPA) erteilt weiterhin Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung. Rund 25 dieser Patente wurden 2017 vergeben, unter anderem auf Salat, Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln, Gurken, Sonnenblumen, Sorghum und Soja. Das geht aus einem Bericht des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!“ hervor, der am 16. Januar veröffentlicht wurde. „Wenn dieser gegenwärtige Trend nicht gestoppt wird, werden Konzerne wie Bayer, Monsanto, DowDu-Pont, Syngenta und andere Konzerne mehr und mehr Macht bekommen, darüber zu entscheiden, was in Europa und anderen Regionen der Welt angebaut und geerntet und als Lebensmittel zur Verfügung gestellt wird“, warnt der Bericht. Die Zahl der Patentanmeldungen auf konventionelle Züchtungen hat in den letzten 10 bis 15 Jahren stetig zugenommen: Das Bündnis berichtet von über 1500 Anmeldungen und mehr als 200 erteilten Patenten in diesem Bereich.

Das EPA hatte im Juni 2017 in Reaktion auf den Druck der EU und Zivilgesellschaft neue Regeln für die Auslegung der europäischen Patentrechte beschlossen. Diese untersagen – anders als bei gentechnisch veränderten Pflanzen – eigentlich Patente auf Pflanzen und Tiere, „die aus im Wesentlichen biologischen Verfahren“, das heißt konventioneller Züchtung, stammen. Doch das EPA legte dies anders aus: Seine Große Beschwerdekammer entschied 2015 in der „Brokkoli“-Grundsatzentscheidung, dass Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere weiterhin zulässig sind, auch wenn die Züchtungsverfahren als solche nicht patentierbar sind. Im Juni regelte der Verwaltungsrat jedoch neu, dass durch konventionelle Züchtung gewonnene Pflanzen und Tiere von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind. Damals hatte „Keine Patente auf Saatgut!“ schon vor Schlupflöchern gewarnt. Denn nach der Neuregelung sind Pflanzen und Tiere patentierbar, bei denen genetische Veranlagungen und zufällige Mutationen identifiziert werden, die für die Züchtung wichtig sind.

Ein Beispiel sind die Patente auf Gerste und Bier für die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken. Die 2016 vom EPA gewährten Patente umfassen Gerstenpflanzen aus konventioneller Züchtung, ihre Verwendung im Brauverfahren sowie das daraus gebraute Bier. Die Patente basieren auf zufälligen Mutationen im Genom der Gerste. „Getreidekörner wurden mit Chemikalien in Kontakt gebracht, um eine größere Bandbreite an genetischen Variationen hervorzurufen. Dann wurden daraus spezifische Mutationen, deren Nutzen bereits bekannt war, durch Standardverfahren selektiert“, erklärt der NGO-Bericht. Die Getreidekörner sind angeblich besser zum Bierbrauen geeignet, das Bier soll seinen frischen Geschmack länger bewahren. Andere 2017 vom EPA erteilten Patente betreffen Sonnenblumen mit einer Herbizidresistenz, die mit oder ohne Gentechnik erzielt werden kann, oder Salat mit einer durch zufällige Mutationen erzielte Resistenz gegen rötlich-braune Fleckenbildung. „Derartige Patente haben nichts mit dem ursprünglichen Kern des Patentrechts zu tun oder mit der Idee, einen fairen Anreiz für Innovation und Erfindungen zu liefern. Oft basieren diese Patente nur auf der Grundlage von trivialen technischen Entwicklungen und sind nichts anderes als ein rechtlicher Trick, um die Grundlagen unserer Ernährung in das „geistige Eigentum“ einiger großer Konzerne zu verwandeln“, so der Bericht.

Die Saatgut-Konzerne versuchen gar, ihr Geschäftsfeld noch auszuweiten: Syngenta will, dass bestehende Beschränkungen im Patentrecht abgeschafft werden und hat daher eine Beschwerde beim EPA eingereicht, die am 17. Januar verhandelt wird. Aber auch der Widerstand gegen die EPA-Vergabepraxis wächst. „Keine Patente auf Saatgut!“, der Weltdachverband des Ökolandbau IFOAM und der Zusammenschluss der EU-Bauernverbände COPA/ COGECA hat die EU-Kommission in einem gemeinsamen Brief zum Handeln aufgefordert. Zudem wurde unter anderem Einspruch eingelegt gegen die Patente auf Gerste und Bier für Carlsberg und Heineken. „Patente auf konventionelle Züchtung werden die Situation von Landwirten, Gemüseanbauern und Züchtern dramatisch verändern“, warnen die Organisationen hinter „Keine Patente auf Saatgut!“. „In Zukunft werden Landwirte, Gemüseanbauer oder Züchter, die keine Verträge mit den Patentinhabern unterzeichnen, keinen Zugang zu patentiertem Saatgut haben – weder für den Anbau noch für die Vermehrung oder weitere Züchtung.“ Sie fordern, dass die Politik die großen Konzerne daran hindern muss, die Grundlagen unserer Ernährung noch weiter zu monopolisieren.“ (ab)

16.01.2018 |

FIAN: Agrarökologie statt eine den Klimawandel anheizende Agrarpolitik

Klimawandel
Der Klimawandel trifft vor allem jene, die ihn nicht verursacht haben (Foto: CC0)

In Deutschland und weltweit ist eine Agrarpolitik vonnöten, die verhindert, dass die Landwirtschaft den Klimawandel weiter anheizt. Darauf macht die Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich der am 20. Januar in Berlin tagenden Agrarministerkonferenz aufmerksam. Denn der voranschreitende Klimawandel bedrohe die Rechte auf angemessene Nahrung und Wasser vieler Menschen – vor allem jener Bevölkerungsgruppen und in jenen Ländern, die selbst am wenigsten dazu beigetragen hätten. Die globale Durchschnittstemperatur hat sich seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um knapp 1° Celsius erhöht – Tendenz steigend. Dies führt bereits jetzt zu Bodenerosion, Ernteausfällen sowie dem Austrocknen und Versalzen von Wasserquellen, warnt FIAN. Zugleich tragen die industrielle Landwirtschaft und eine veränderte Landnutzung dem Weltklimarat IPCC zufolge direkt zu gut einem Drittel der globalen Klimagasemissionen bei. „Die Erderwärmung führt für viele Menschen im Globalen Süden bereits jetzt zu Hunger und Wasserknappheit. Wenn Staaten angesichts dieser Katastrophe nicht alle erdenklichen Maßnahmen vornehmen, verletzen sie die Menschenrechte auf angemessene Nahrung und Wasser der Betroffenen“, betont FIAN-Referentin Gertrud Falk.

FIAN sieht vor allem Industriestaaten wie Deutschland in der Pflicht, Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen. „Denn sie tragen durch ihre hohen Treibhausgas-Emissionen maßgeblich zum weltweiten Klimawandel bei“, so Falk. Doch die Aussichten sind nicht gerade rosig. Erst vergangene Woche sorgten CDU, CSU und SPD in den Sondierungsgesprächen für eine Neuauflage der Großen Koalition für Aufregung, als sie sich von dem deutschen Klimaziel für 2020 verabschieden wollten. Es sei unrealistisch, die Emissionen bis dahin um 40% gegenüber 1990 zu senken. Die Süddeutsche bezeichnete die Parteien daraufhin als Klimaversager. Doch auch der Weltklimarat ist skeptisch und scheint nicht mehr davon auszugehen, dass das ehrgeizige 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu halten ist. Die globale Erwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen sei „mit 66-prozentiger Wahrscheinlichkeit jenseits des Erreichbaren“, heißt es Medienberichten zufolge in einem internen Entwurf eines Berichts, der im Herbst erscheinen soll. Vor allem der zu langsam voranschreitende Umbau der Städte, Energiesysteme und der Landwirtschaft lässt die Wissenschaftler daran zweifeln.

Doch die miesen Prognosen sollten nicht zum Aufgeben sondern zu entschlossenem Handeln anregen. FIAN appelliert an die Agrarministerkonferenz, die Weichen auf eine ressourcenschonende und klimafreundliche Landwirtschaft umzustellen. „Agrarökologische Ansätze müssen gefördert werden. Monokulturen und Massentierhaltung dürfen dagegen nicht länger unterstützt werden“, fordert Falk. Dafür geht am 20. Januar in Berlin auch ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Bäuerinnen und Bauern, Verbraucherschützern und Umweltaktivisten auf die Straße. Unter dem Motto „Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ werden wieder Tausende für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, eine artgerechte Tierhaltung und weniger Fleischkonsum, für Ernährungssouveränität und gerechten Welthandel und für eine Landwirtschaft demonstrieren, die Umwelt und Klima schützt. Mit Kochtöpfen ausgestattet wollen die Demonstranten die in Berlin versammelten Agrarminister dazu animieren, bei der Agrarwende mehr Tempo zuzulegen. (ab)

11.01.2018 |

2ºC Erwärmung beschert 25% der Landfläche extreme Trockenheit

Wüste
Bei 2ºC Erwärmung droht der Welt extreme Trockenheit (Foto: CC0)

Mehr als ein Viertel der Landfläche des Planeten könnte von extremer Trockenheit betroffen sein, wenn die globale Erwärmung 2ºC erreicht. Dies würde zu verstärkten Dürren und Waldbränden führen und hätte schwerwiegende Folgen für die Landwirtschaft, betont eine Studie, die Anfang Januar im Fachmagazin „Nature Climate Change” erschienen ist. Bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5ºC gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter würden die am stärksten bedrohten Gebiete zumindest vor extremen Veränderungen bewahrt werden. Das internationale Forschungsteam unter Leitung der chinesischen Southern University of Science and Technology (SUSTech) und der britischen University of East Anglia (UEA) untersuchte historische Klimadaten sowie Prognosen von 27 globalen Klimamodellen, sowohl für das 1,5- als auch für das 2-Grad-Szenario. Die Wissenschaftler berechneten, in welchen Gebieten die Aridität, die durch das Verhältnis von Niederschlägen und Verdunstung bestimmt wird, zunehmend wird und ab welchem Temperaturanstieg.

Eine globale Erwärmung um 2ºC würden der Studie zufolge dazu führen, dass viele Gebiete rund um den Globus immer trockener werden. „Die Aridisierung ist eine ernsthafte Bedrohung, da sie Bereiche wie die Landwirtschaft, die Wasserqualität und die Artenvielfalt ernsthaft beeinträchtigen kann. Sie kann auch zu mehr Dürren und Waldbränden führen, ähnlich wie jene, die in Kalifornien wüten”, sagte einer der Autoren, Dr. Chang-Eui Park von der SusTech. Die Studie prognostiziert, dass 20-30 Prozent der Landfläche der Erde von der Ausbreitung arider Verhältnisse betroffen wäre, sobald die Temperaturen um 2 Grad ansteigen. Würde die Erwärmung jedoch noch auf 1,5 Grad beschränkt, würde zwei Drittel der bedrohten Regionen eine erhebliche Austrocknung erspart bleiben. „Die Welt hat sich bereits um 1ºC erwärmt. Wenn wir aber weniger Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre ausstoßen, um die globale Erwärmung auf unter 1.5ºC oder 2ºC zu begrenzen, könnten dies die Wahrscheinlichkeit senken, dass viele Teile der Welt wesentlich trockener werden“, sagte Mitautor Prof. Su-Jong Jeong von der SUSTech.

Einem Szenario der Wissenschaftler zufolge könnte die Welt künftig kontinuierlich moderate Trockenperioden erleben, die auch heftigere Dürren nach sich ziehen könnten. Durch den Temperaturanstieg droht sich das Klima vieler Regionen grundlegend zu ändern. Humide Gebiete würden trockener werden und etwa 15% der heute noch halbtrockenen Gebiete könnten sich zu vollariden Regionen wandeln. Dürren haben im Mittelmeerraum, im südlichen Afrika und an der Ostküste Australiens im Laufe des 20. Jahrhunderts bereits deutlich zugenommen. Auch die semi-ariden Gebiete Mexikos, Brasiliens, des südlichen Afrikas und Australiens haben aufgrund der Erderwärmung seit längerer Zeit mit Wüstenbildung zu kämpfen. „Die Weltregionen, die am meisten von einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5ºC profitieren würden, wären Südostasien, Südeuropa, der Süden Afrikas, Zentralamerika und Südaustralien – wo mehr als 20 Prozent der Weltbevölkerung heute leben“, sagte Professor Tim Osborn from von der University of East Anglia. (ab)

09.01.2018 |

Glyphosat erntet Gegenwind in Argentinien: Verbot in Rosario

Cropduster
Gift aus der Luft (Foto: cdn-pix, crop duster, bit.ly/1_CC_BY-NC_2-0, bit.ly/cdn-pix)

In der Sojarepublik Argentinien nimmt der Widerstand gegen den Unkrautvernichter Glyphosat weiter zu. Nun hat der Stadtrat von Rosario, Argentiniens drittgrößter Stadt, die Verwendung des Herbizids verboten. Am 27. Dezember wurde die Verordnung 9798 im Amtsblatt veröffentlicht, die den Einsatz des weltweit meistverkauften Herbizid-Wirkstoffs auf Feldern, öffentlichen Flächen und privaten Gärten in der Stadt und ihrer Umgebung untersagt. Zumindest vorerst, denn die Agrarverbände laufen Sturm gegen die Entscheidung. Die Provinz Santa Fe ist ein Zentrum des Sojanbaus in Argentinien: Ein grünes Meer aus gentechnisch veränderter Soja bedeckt die Felder, die auch aus der Luft großflächig mit Glyphosat besprüht werden. In der Provinzhauptstadt Rosario und der Umgebung stehen riesige Verarbeitungsanlagen und Silos und von den Hafenterminals der Stadt wird das begehrte Futtermittel vor allem nach Europa oder China verschifft.

Der Stadtrat von Rosario hatte das Glyphosatverbot einstimmig am 16. November verabschiedet. Doch schon am 30. November ruderten die Stadträte zurück, nachdem sie in ihrer morgendlichen Sitzung Besuch von einer 16-köpfigen Delegation bestehend aus Mitgliedern verschiedener Agrarverbände erhalten hatten. Als die Sitzung am Nachmittag wiederaufgenommen wurde, hatten 12 Stadträte überraschend ihre Meinung geändert und brachten unter Missachtung des üblichen formalen Prozedere einen neuen Verordnungsentwurf ein, der den Einsatz von Glyphosat weiterhin gestatten würde. „Gerade einmal sechs Stunden Lobbyarbeit der Wirtschaftsmacht haben gereicht, um mehr als die Hälfte des Stadtrats zu überzeugen, sich gegen die Gesellschaft zu stellen“, kritisierte Stadtrat Juan Monteverde. Die Kehrtwende zog den empörten Protest von Bürgern und Umweltverbänden auf sich. Bürgermeisterin Mónica Fein sträubte sich, die ursprüngliche Verordnung zu verkünden, aber sie legte auch kein Veto gegen das Verbot ein. „Die Verordnung ist gültig, sie gilt als erlassen, wenn die Vetofrist verstrichen ist. Dies war der 13. Dezember und es fehlte aus technischer Sicht nur noch die Veröffentlichung“, erklärte Stadtrat Osvaldo Miatello, der den Verbotsantrag einbrachte.

Argentinien ist der weltweit drittgrößte Sojaproduzent nach den USA und Brasilien: Rund 60 Millionen Tonnen Soja werden jährlich produziert, in der Anbausaison 2016/17 wuchs die Pflanze auf etwa 19,2 Millionen Hektar im Land. „Die Landwirtschaft in Argentinien hat in den letzten Jahrzehnten große Veränderungen erlebt und das agroindustrielle Modell verfestigt, das stark auf Soja setzt, die Weizen und Mais verdrängt hat“, erläutert Professor Emilio Satorre von der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität von Buenos Aires (UBA) gegenüber dem Nachrichtenportal IPS News. Auf dem Großteil der Flächen wachsen gentechnisch veränderte Pflanzen. 335 Millionen Liter Pestizide wurden auf Argentiniens Felder im Jahr 2012 versprüht – das letzte Jahr, für das die Behörden noch Zahlen veröffentlichen. Das ist neun Mal so viel wie noch im Jahr 1990. Mehr als 200 Millionen Liter Glyphosat setzen argentinische Landwirte pro Anbausaison ein. Waren 1996 noch drei Liter je Hektar üblich, liegt der Durchschnitt heute bei 12 Litern, in manchen Gebieten noch weit darüber.

Seither häufen sich Berichte über die negativen gesundheitlichen Auswirkungen für Landarbeiterinnen und Landarbeiter sowie Menschen, die in der Nähe von Sojafeldern wohnen. Krebs, Atemwegs- und Hauterkrankungen oder Missbildungen bei Neugeborenen häufen sich. „Wir können nachweisen, dass sich die Todesursachen in den vergangenen 20 Jahren verändert haben“, sagte Damián Verzeñassi, Mediziner und Professor an der Universität Rosario der Deutschen Presse-Agentur. Erst kürzlich machten Wissenschaftler der Fakultät für Medizin, Pharmazie und Biochemie der Universität von Buenos Aires wieder auf die Gesundheitsgefahren aufmerksam und warnten vor der hohen Pestizidbelastung von Landarbeitern. In einer Studie hatten sie belegt, dass argentinische Feldarbeiter in der Provinz La Pampa 25-fach höhere Pestizidwerte im Blut aufwiesen. Doch der Widerstand der Bevölkerung wächst überall im Land, in mehreren Provinzen gibt es Bestrebungen, den Einsatz von Glyphosat zu verbieten. (ab)

02.01.2018 |

Die Welt wächst: 7.591.541.000 Menschen begrüßten das neue Jahr

Indien
Menschenmenge in Indien (Foto: CC0)

Zu Beginn des neuen Jahres bevölkerten 7.591.541.000 Menschen die Erde – rund 83 Millionen mehr als noch im Vorjahr. Das teilte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) zum Jahresende mit. Jede Sekunde kommen im Schnitt 2,6 neue Erdbewohner hinzu – statistisch nach Abzug der Todesfälle von der Zahl der Geburten. Am 2. Januar zählte die Weltbevölkerungsuhr der DWS daher bereits 7,592 Milliarden Menschen. Besonders stark ist die Zunahme in Afrika: Dort wird sich die Bevölkerung nach UN-Angaben von heute 1,26 Milliarden Menschen auf voraussichtlich 2,53 Milliarden im Jahr 2050 verdoppeln. Laut DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr gingen die Vereinten Nationen vor 15 Jahren noch davon aus, dass Mitte des Jahrhunderts nur 1,8 Milliarden Menschen in Afrika leben werden: „Das liegt vor allem daran, dass die Fertilitätsraten nicht so stark gesunken sind, wie man zuvor angenommen hatte.“ Rund 214 Millionen Frauen in Entwicklungsländern würden gern verhüten, haben dazu aber keine Möglichkeit, da nur unzureichender Zugang zu Familienplanung, Aufklärung und Gesundheitsdiensten bestehe. „Um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, sind bessere Aufklärungs- und freiwillige Familienplanungsangebote sowie Gleichberechtigung dringend nötig“, betont Bähr.

Auch das Kinderhilfswerk UNICEF lieferte Zahlen: 386.000 Kinder erblickten am Neujahrstag das Licht der Welt, 90 Prozent von ihnen in weniger entwickelten Regionen. Die Hälfte dieser Geburten entfalle auf gerade einmal neun Länder: 69.070 neue Erdenbürger wurden den Berechnungen zufolge in Indien geboren, 44.760 in China und 20.210 in Nigeria. Auf den übrigen Plätzen folgen Pakistan, Indonesien, die USA, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Bangladesch.

Doch „nicht die Zahl der Menschen an sich auf der Erde ist das Problem – sondern die Zahl der Konsumenten sowie der Umfang und die Art ihres Konsums“, sagt der österreichische Bevölkerungsforscher Wolfgang Lutz der Neuen Presse. Er verwies auf Daten des „Global Footprint Network“, das sowohl für einzelne Länder als auch die Welt insgesamt berechnet, wann die natürliche Belastungsgrenze der Erde erreicht ist – das heißt die Ressourcen verbraucht sind, die rein rechnerisch im gesamten Jahr nachhaltig genutzt werden könnten. Dabei wird der Bedarf an Acker-, Weide- und Bauflächen, die Entnahme von Holz, Fasern oder Fisch, aber auch die Belastung durch den Ausstoß von CO2 oder die Müllproduktion berücksichtigt. Das Problem seien Menschen mit einem Konsumverhalten wie etwa die Deutschen, so Lutz. Die Bundesbürger haben 2017 die nachhaltig nutzbaren Ressourcen für das Jahr schon am 24. April verbraucht. Würden alle Länder der Welt so wirtschaften wie Deutschland, wären 3,2 Planeten nötig, um den Verbrauch zu decken. Noch verschwenderischer mit den natürlichen Ressourcen gehen Australien und die USA um: Würde die gesamte Welt den dortigen Konsum- und Lebensstil übernehmen, wären 5,2 bzw. 5,0 Erden notwendig. Indien hingegen verbraucht rein rechnerisch nur 0,8 Erden. (ab)

29.12.2017 |

Mindestens 116 Landrechtsaktivisten im Jahr 2017 getötet

Phili
Die Philippinen sind kein Paradies für Landrechtsaktivisten (Foto: CC0)

Im Jahr 2017 bezahlten mindestens 116 Menschen die Verteidigung ihrer Landrechte mit dem Leben. Das vermeldet die Nichtregierungsorganisation PAN Asia Pacific (PANAP) in einem Mitte Dezember veröffentlichten Bericht, für den sie Nachrichten und Zeitungsartikel sowie Informationen von Partnerorganisationen und Netzwerken auswertete. Anspruch auf Vollständigkeit erhebt PANAP nicht – der Bericht gebe lediglich einen Einblick in die alarmierende Menschenrechtslage und die Gefahren, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich gegen Landraub wehren. Demnach ereigneten sich seit Jahresbeginn bis Ende November 2017 insgesamt 142 Fälle von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Landkonflikten, die sich in 21 Ländern in verschiedenen Regionen der Welt ereigneten. Darunter fallen politisch motivierte Tötungen von Bauern, Landarbeitern, Indigenen sowie von Aktivisten und Unterstützern, die eng mit von Landkonflikten betroffenen ländlichen Gemeinden zusammenarbeiten. Die registrierten Fälle umfassen auch verschiedene Arten von Repression, wie Festnahmen und Inhaftierungen, Strafverfolgung, Bedrohungen, Schikanen, körperliche Angriffe sowie Vertreibungen.

PANAP zählte 73 Tötungsdelikte, die das Leben von insgesamt 116 Menschen forderten. Ermordet wurden 71 Bauern und Landarbeiter, 23 Landrechtsaktivisten und 21 Mitglieder einer indigenen Gemeinschaft. In rund 86% der Fälle traf es Männer. In den Philippinen starben die meisten Landrechtsverteidiger mit 61 Opfern, gefolgt von Brasilien mit 22 Toten und Mexiko mit sieben Opfern. Aber auch in Peru, Kolumbien, Indien oder Uganda ließen Landrechtsaktivisten ihr Leben. Zudem dokumentierte die Organisation 17 Fälle von Bedrohungen, Schikanen oder physischen Übergriffen mit insgesamt 45 Leidtragenden. Meist traf es Bauern und Landarbeiter. Zudem registrierte PANAP weitere 52 Menschenrechtsverletzungen. Bei mehr als der Hälfte der Fälle waren Bergbaukonzerne involviert, während 15 Fälle sich auf Plantagen ereigneten. In 70% der Fälle waren staatliche Sicherheitskräfte in die Menschenrechtsverletzungen verwickelt, einschließlich Militärs, Polizisten oder Paramilitärs.

„Es ist alarmierend, dass globale und regionale Entwicklungen, die den zunehmenden Raub von Land und Ressourcen begünstigen, weiter auftreten und in ländlichen Gebieten soziale Konflikte und Unruhen anheizen“, betont der Bericht. „Die andauernde Herrschaft repressiver Regime schafft ein Klima der Straflosigkeit bei der Verletzung von Menschrechten von Landbewohnern und kleinen Lebensmittelproduzenten, um den Weg zu ebnen für die Interessen von Konzernen, auch aus dem Ausland, die sich Land und Ressourcen aneignen wollen.“ PANAP warnt, dass diese Entwicklungen ländliche Gemeinden vor große Herausforderungen stellen, ebenso wie Aktivisten, die für Landrechte, Ernährungssouveränität und echte Landreformen kämpfen. Daher sei eine starke breite Bewegung erforderlich, die sich gegen Landgrabbing und Menschenrechtsverletzungen einsetzt und die Täter zur Verantwortung zieht. (ab)

21.12.2017 |

Ungleichheit nahm seit 1980 in fast allen Weltregionen zu

Slun
Die ärmsten 50% der Weltbevölkerung profitierten kaum vom Wachstum (Foto: CC0)

Die Schere zwischen Arm und Reich ist in den letzten vier Jahrzehnten fast überall auf der Welt weiter auseinander gegangen: Das reichste 1% der Weltbevölkerung konnte seit 1980 mehr als doppelt so viel Wachstum auf sich vereinen wie die unteren 50%. Das verkündet der „Bericht zur weltweiten Ungleichheit“, den eine Gruppe von Wissenschaftlern um den französischen Ökonomen Thomas Piketty veröffentlicht hat. In einer Zukunft, die von „business as usual“ geprägt ist, wird die weltweite Ungleichheit weiter wachsen, warnen die Forscher. Für den Bericht haben mehr als 100 Wissenschaftler aus 70 Ländern auf einem Online-Portal öffentlich zugängliche Daten zusammengetragen, um aufzuzeigen, wie sich das Wachstum des globalen Einkommens seit 1980 auf die Gesamtheit der Weltbevölkerung verteilt. „Dank des hohen Wachstums in Asien (insbesondere in China und Indien) sind die Einkommen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung deutlich gestiegen“, lautet zunächst die vermeintlich gute Nachricht. „Dennoch konnte aufgrund der hohen und wachsenden Ungleichheit innerhalb einzelner Länder das reichste 1% der Welt seit 1980 mehr als doppelt so viel Wachstum auf sich vereinen wie die unteren 50%“, schreiben die Forscher. Die dazwischen liegende „globale Mittelschicht“, zu der dem Bericht zufolge alle unteren und mittleren Einkommensgruppen in Nordamerika und Europa zählen, erlebte ein schleppendes Einkommens-wachstum oder sogar ein Null-Wachstum.

Die Ungleichheit innerhalb der Weltregionen variiert erheblich. Am geringsten ist sie in Europa, am höchsten im Nahen Osten. „Seit 1980 ist die Einkommensungleichheit in Nordamerika, China, Indien und Russland rasant gestiegen. In Europa verlief der Anstieg moderat“, so die Ökonomen. Im Jahr 2016 betrug der Anteil des Nationaleinkommens, der nur den oberen 10% der Einkommensbezieher zufließt, 37% in Europa, 41% in China, und 46% in Russland. In den USA und Kanada betrug ihr Anteil 47% und in Subsahara-Afrika, Brasilien und Indien gar 55%. Im Nahen Osten, der Region mit der weltweit höchsten Ungleichheit, kassieren die oberen 10% der Einkommensbezieher 61% des Gesamteinkommens. Den Autoren zufolge deutet die Tatsache, dass Ungleichheit in verschiedenen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt ist, auch wenn sie ein ähnliches Entwicklungsniveau aufweisen, darauf hin, dass die Politik bei der Ausprägung der Ungleichheit eine wichtige Rolle spielt.

Die Wissenschaftler prognostizieren Einkommens- und Vermögensungleichheit bis 2050 mithilfe verschiedener Szenarien. Wird nicht gegengesteuert, würde die Vermögensungleichheit weltweit weiter wachsen und die globale Mittelschicht weiter „zusammengedrückt“. Folgen dagegen alle Länder dem moderaten Ungleichheitsverlauf, wie er in den letzten Jahrzehnten für Europa typisch war, kann die globale Einkommensungleichheit verringert werden, schreiben die Autoren. In diesem Fall kann es auch substanzielle Fortschritte bei der Beseitigung der weltweiten Armut geben. Die Forscher betonen, dass die Bekämpfung der weltweiten Einkommens- und Vermögensungleichheit „wichtige Änderungen in der nationalen und globalen Steuerpolitik. Bildungspolitik, Unternehmensführung und Lohnpolitik“ erfordere. Ein globales Finanzregister, in dem die Eigentümer von Vermögenswerten erfasst sind, würde Steuerflucht, Geldwäsche und steigende Ungleichheit eindämmen. Es brauche öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz, um sowohl die vorhandene Ungleichheit anzugehen als auch eine weitere Zunahme zu verhindern. Dies sei jedoch angesichts der Verarmung und Verschuldung der Regierungen reicher Länder besonders schwierig. (ab)

19.12.2017 |

Wassererosion stellt wachsende Gefahr für Böden und die Welternährung dar

Boden
Böden sind weltweit in Gefahr (Foto: CC0)

Jedes Jahr gehen weltweit 35 Milliarden Tonnen Boden durch Wassererosion verloren – Tendenz steigend. Das ist das Ergebnis eines internationalen Forscherteams unter Leitung der Universität Basel und des Joint Research Centre der Europäischen Kommission, das im Fachjournal „Nature Communications“ ein neues Bodenerosionsmodell veröffentlicht hat. Verantwortlich für den Verlust fruchtbaren Bodens ist „der menschliche Ackerbau und der durch die starke Intensivierung entstandene Wandel in der Landnutzung“, betont die Uni Basel in einer Pressemitteilung. „Menschliche Aktivitäten und die damit verbundene Nutzungsänderungen sind die Hauptursachen der beschleunigten Bodenerosion, die wesentlichen Einfluss auf die Nährstoff- und Kohlenstoffkreisläufe, die Produktivität von Ackerland und damit auch auf die sozioökonomischen Bedingungen weltweit hat“, schreiben die Wissenschaftler. Die Forscher beziffern die jährliche Rillen- und Flächenerosion für das Jahr 2012 auf 35,9 Milliarden Tonnen und bleiben damit hinter anderen Schätzungen zurück. Doch die flächenhafte Ausdehnung der Bodenerosion habe weltweit zugenommen – für den Zeitraum von 2002 bis 2012 prognostiziert das Modell einen Anstieg um 2,5%.

Der Studie zufolge ist die Wassererosion besondern in den am wenigsten entwickelten Ländern ein Problem. Für den Zeitraum 2002–2012 traten vor allem in Subsahara-Afrika, Südamerika und Südostasien enorme Bodenschäden auf. Als Bodenerosions-Hotspots nannten die Forscher China, wo 0,47 Millionen Quadratkilometer oder 6,3% des Landes betroffen sein sollen, gefolgt von Brasilien, afrikanischen Gebieten rund um den Äquator sowie Indien. Den Wissenschaftlern zufolge ermöglicht ihr hochauflösendes Modell, aussagekräftige Einschätzungen der Bodenerosionsraten rund um den Globus zu treffen: „Es ist wichtig, die Auswirkungen der Bodenbewirtschaftung auf die Erosion besser zu verstehen, um Entscheidungsträger mit wissenschaftlich abgesicherten Informationen dabei zu unterstützen, die Qualität unseres Bodens zu schützen und so die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen“, sagte Hauptautor Dr. Pasquale Borrelli vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. Das Modell soll dabei helfen, nachhaltige Konzepte zur Bodenbewirtschaftung zu entwickeln und so die Landdegradierung zu beenden. Der Kampf gegen den weltweiten Bodenverlust steht auch im Fokus der UN-Nachhaltigkeitsziele. SDG 15 sieht vor, Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, Wüstenbildung zu bekämpfen sowie Bodenverschlechterung zu stoppen und umzukehren. (ab)

14.12.2017 |

Klimawandel wird deutsche Landwirtschaft stark beeinträchtigen

Dürre
Heiße Sommer, bedrohte Ernten (Foto: CC0)

Der Klimawandel wird die Landwirtschaft in Deutschland hart treffen, wenn in der internationalen Klimapolitik nicht aktiv gegengesteuert wird. Darauf machen Klimaforscher der Universität Hohenheim aufmerksam, die Anfang Dezember die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vorstellten. Machen wir weiter wie bisher und die Treibhausgasemissionen verbleiben auf dem aktuellen Niveau, sehen die Prognosen düster aus: Heftige Starkregenereignisse drohen und die durchschnittliche Jahrestemperatur könnte auf fast 4 Grad Celsius ansteigen. Dies hätte verheerende Folgen, warnen die Wissenschaftler. Hitzeperioden würden zunehmen, während Kälteperioden seltener würden oder gar ganz ausblieben. „Das wäre ein Desaster“, betont Klimaforscher Prof. Dr. Volker Wulfmeyer von der Uni Hohenheim. „Viele Menschen würden schwere gesundheitliche Probleme bekommen und auch die Landwirtschaft geriete in Schwierigkeiten.“ So könnte der Anbau von ertragreichem Winterweizen problematisch werden, weil dieser zum Wachstum auf eine Frostperiode angewiesen ist. Werden die Klimaziele jedoch konsequent umgesetzt, würde die Erwärmung im 21. Jahrhundert nur rund 1 °C betragen. Über drei Jahre hinweg hatten die Experten in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt eine umfassende Datenbasis geschaffen, um die Folgen des Klimawandels für die Bundesrepublik simulieren zu können. Neben der Stuttgarter Uni waren auch die BTU Cottbus-Senftenberg, das Climate Service Center Germany, der Deutsche Wetterdienst, das Deutsche Klimarechenzentrum und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beteiligt.

Neben den steigenden Temperaturen würden auch ausbleibende oder zu starke Niederschläge Landwirte in Deutschland vor große Probleme stellen. Im Winter gäbe es vermehrt Niederschläge, doch aufgrund des Temperaturanstiegs würden Hochdruckgebiete aus Sibirien zurückgedrängt, während mehr atlantische Tiefdruckgebiete Einzug hielten, erklärt Prof. Dr. Wulfmeyer. Die wärmeren Temperaturen brächten mehr Regen statt Schnee. „Schnee dient aber als Speicher, der bei der Schneeschmelze im Frühjahr die Grundwasservorräte auffüllt, Regen dagegen wird rasch in die Meere abgeführt. „Wir müssen uns auf mehr Hochwasser im Winter einstellen“, warnt Dr. Viktoria Mohr vom Projektteam. Auch die Grundwasservorräte würden zurückgehen. Im Sommer wäre es trockener und die ausbleibenden Niederschläge könnten die Ernten gefährden. Während der Nordosten mit einem blauen Auge davonkommen könnte, drohen vor allem dem Südwesten Deutschlands häufigere Trockenperioden mit mehr als 14 Tagen ohne Regen. Die Forscher richten daher einen eindringlichen Appell an die Politik, den Ausstoß von Treibhausgasen entsprechend dem Klimaschutzabkommen zu reduzieren. Denn wenn alle Vereinbarungen konsequent umgesetzt werden, so ihre gute Nachricht, sei das in Paris vereinbarte Zwei-Grad-Ziel immer noch erreichbar. (ab)

12.12.2017 |

Wilde Reis-, Yams- und Weizenarten vom Aussterben bedroht

Reis
Roter Reis - bald verschwunden? (Foto: CC0)

Die Intensivierung der Landwirtschaft und die zunehmende Verstädterung bedrohen die wilden Verwandten von Reis, Weizen und Yams. Das teilt die Weltnaturschutzunion (IUCN) am 5. Dezember bei der Vorstellung ihrer aktualisierten Roten Liste vor. Für die Liste, auf der vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten stehen, wurde erstmals auch untersucht, wie es um die wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen bestellt ist. Berücksichtigt wurden 26 Arten von wildem Weizen, 25 Reisarten und 44 wilde Vertreter der Yamswurzel. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass drei wilde Reisarten, zwei wilde Verwandte des Weizens und 17 Yams-Arten vom Aussterben bedroht sind. „Die aktualisierte Rote Liste schlägt Alarm bezüglich ihres Rückgangs und unterstricht die Dringlichkeit, etwas dagegen zu unternehmen – um unserer eigener Zukunft willen“, sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen in einer Presseerklärung.

Denn der Verlust dieser wild wachsenden Arten könnte zulasten der künftigen Ernährungssicherheit gehen: „Gesunde, artenreiche Ökosysteme sind elementar für unsere Fähigkeit, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und das zweite UN-Nachhaltigkeitsziel – die Beseitigung des Hungers in der Welt bis 2030 – zu erreichen“, fügte Andersen hinzu. „Der von der IUCN belegte Druck auf die wilden Verwandten unserer Feldfrüchte gefährdet die genetische Vielfalt, die in der Zucht von modernem Saatgut von Bedeutung sein könnte“, kommentierte Christoph Heinrich, WWF-Vorstand Naturschutz, die Veröffentlichung der Roten Liste. „Wir nehmen uns den Spielraum, für unsere Ernährung wichtige Pflanzen durch Forschung und Züchtung gegen immer extremer werdende klimatische Bedingungen und deren Folgen zu wappnen“, fügte er hinzu. Dadurch würden künftige Generationen möglicherweise wichtiger Optionen beraubt, um ihre Ernährung zu sichern.

Die Abholzung von Wäldern, Verstädterung und wachsender Druck durch die Intensivierung der Landwirtschaft, besonders durch Überweidung und die übermäßige Nutzung von Pestiziden, sind die Hauptfaktoren für die Gefährdung wilder Pflanzenarten. „Ein übermäßiger Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie der fortschreitende Landnutzungswandel bedrohen nicht nur wildlebende Pflanzen- und Tierarten, sondern auch die Ernährungssicherung von morgen“, betonte Heinrich. Daher dürfe die Landwirtschaft der Zukunft nicht weiter abhängig sein von wenigen Pflanzensorten, künstlichen Düngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Die Weltnaturschutzunion fordert vor allem aber auch verstärkte Bemühungen zur Bewahrung wilder Pflanzensorten. Sie verweist auf eine kürzlich veröffentlichte Studie, wonach 72% der wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen nicht ausreichend in Saatgutbanken aufbewahrt werden. Auch die in-situ-Erhaltung in der Natur stelle eine große Herausforderung dar. Der Schutz der wilden Sorten sei jedoch nicht nur von unschätzbarem Wert für die Zukunft unserer Ernährung, sondern generiere schon heute einen hohen ökonomischen Wert: Laut IUCN bringen die wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen der Weltwirtschaft jedes Jahr 115 Milliarden US-Dollar ein. (ab)

Andere Nachrichten-Quellen

Blogs

Unterstützer

Unterstützer von www.weltagrarbericht.de Verlag der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Bioland biovision Brot für die Welt Brot für alle Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland Demeter Zukunftsstiftung Entwicklung in der GLS Treuhand Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Heidehof Stiftung Mission EineWelt Misereor Naturland Public Eye | Erklärung von Bern Rapunzel - Wir machen Bio aus Liebe Swiss Aid, Ihr mutiges Hilfswerk tegut W-E-G Stiftung
English versionEnglish versionDeutsche Version