Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Rund 821 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,9 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,65 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2018 weltweit geerntet, mehr denn je zuvor. Doch nur 43% des Getreides dient als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Weltbank und der UN den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, bietet alle Original-Berichte sowie Fakten und Zahlen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen - vor allem aber zum Handeln.

„Weiter wie bisher ist keine Option”, lautete die Botschaft des 2009 veröffentlichten Weltagrarberichts. Seither hat sich die globale Debatte über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung weiterentwickelt, doch die Erkenntnisse des Berichts besitzen immer noch Relevanz. Die englischsprachige Broschüre „Agriculture at a Crossroads” fasst die Kernaussagen des Weltagrarberichts auf 52 Seiten zusammen und verknüpft diese mit aktuellen Herausforderungen und Zielen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Vier Jahre SDGs: Ziele für eine Welt ohne Armut und Hunger

9/19: Im September 2015 beschlossen die Vereinten Nationen eine neue Entwicklungsagenda für die Zeit bis 2030: Mit 17 Nachhaltigkeitszielen sollen u.a. Armut und Hunger bekämpft sowie Umwelt und Klima geschützt werden. Die Sustainable Development Goals (SDGs) mit ihren 169 Unterzielen lösen die auslaufenden Millenniums-Entwicklungsziele ab und gelten für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen. Ziel 2 widmet sich der Beseitigung des Hungers und der Förderung von Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bis 2030 sollen alle Menschen das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung erhalten, alle Formen der Mangelernährung beseitigt sein und die Produktivität und das Einkommen von Kleinbauern verdoppelt werden.

7/19: Auf den 29. Juli fällt dieses Jahr der Erdüberlastungstag – das Datum, an dem die Menschheit die für 2019 nachhaltig nutzbaren Ressourcen verbraucht hat. Für den Rest des Jahres leben wir auf Pump und strapazieren das Ressourcenbudget der Natur wieder über das regenerierbare Maß hinaus. Um unseren Konsum zu decken, wären rein rechnerisch 1,75 Erden notwendig. Und der Raubbau an der Natur beschleunigt sich immer mehr: So früh wie 2019 wurde die Belastungsgrenze noch nie erreicht: In den letzten 20 Jahren ist das Datum um ganze zwei Monate im Kalender nach vorne gerückt. Die internationale Nachhaltigkeitsorganisation „Global Footprint Network berechnet den „Earth Overshoot Day“ jährlich neu. Weiterlesen

IPES-Food: Vision für ein nachhaltiges Ernährungssystem in Europa

2/19: Führende Agrar- und Ernährungsexperten haben ihre Vision für nachhaltige europäische Lebensmittelsysteme vorgestellt – die Gemeinsame Lebensmittelpolitik. Sie fordern eine grundlegende Reform der Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme der EU, um den Klimawandel zu bekämpfen, das Artensterben zu stoppen, Fettleibigkeit zu verringern und eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu ermöglichen. Alle Politiken, die die Erzeugung, Verarbeitung, Verteilung und den Konsum von Lebensmitteln betreffen, müssen zusammengeführt werden. Wie das gelingen kann, zeigt IPES-Food – ein internationales Expertenteam, dem auch mehrere am Weltagrarbericht beteiligte Wissenschaftler angehören – in einem am 7. Februar veröffentlichten Bericht. Mehr dazu oder direkt zum Download des Berichts.

Agrar-Atlas 2019: Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft

1/19: Durch die EU-Agrarpolitik werden jährlich fast 60 Milliarden in Europas Landwirtschaft gesteckt. Das sind 114 Euro pro EU-Bürger im Jahr. Der Agrar-Atlas zeigt, dass kaum etwas von dem Geld den Zielen zugutekommt, die den Menschen wichtig sind, und die untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden sind: gesunde Lebensmittel, der Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität oder der Erhalt von kleinen und mittleren Betrieben. Im Gegenteil: Von 80% der Gelder profitieren nur 20% der Betriebe – und dies weitestgehend ohne Auflagen. Trotzdem zeigt der Atlas, der vom BUND, der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique herausgegeben wird, dass es falsch wäre, die Förderung der Agrarpolitik einfach abzuschaffen. Denn der Umbau zu einer nachhaltigen und global gerechten Landwirtschaft ist nicht umsonst. Weiterlesen oder direkt zum Download

UN verabschiedet Erklärung für die Rechte von Kleinbauern

12/18: Die UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, wurde am 17.12. vom Plenum der UN-Vollversammlung in New York offiziell verabschiedet. Eine deutliche Mehrheit von 121 Staaten stimmte für die Resolution Nr. A/C.3/73/L30, bei acht Gegenstimmen und 54 Enthaltungen. Deutschland enthielt sich der Stimme. Die UN-Erklärung stärkt die Rechte ländlicher Bevölkerungsgruppen und hält individuelle und kollektive Rechte von Kleinbauern fest, darunter das Recht auf Land, Saatgut und Wasser. Weiterlesen

10 Jahre Weltagrarbericht: Weiter wie bisher ist keine Option!

4/18: Vor zehn Jahren am 15. April 2008 war es soweit – der Weltagrarrat verkündete das Ergebnis seiner vier Jahre andauernden Arbeit: Die Art und Weise, wie die Welt Lebensmittel anbaut, muss sich radikal ändern, damit Armut und Hunger besiegt werden können – nur so kann es gelingen, eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels zu ernähren und den sozialen und ökologischen Kollaps zu vermeiden. Das war die Kernbotschaft des International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD), besser bekannt als Weltagrarbericht. Hier geht es zur Zusammenfassung der wichtigsten Themen des Berichts.

Neuauflage der Broschüre zum Weltagrarbericht

„Weiter wie bisher ist keine Option“ – was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleisch und Futtermittel, Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut- vielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von erfolgreichen Ansätzen und Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaft-lichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Weg, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn konkrete Lösungsvorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten. Lesen Sie mehr dazu in unserem Kommentar in der Le Monde Diplomatique, im Interview mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts, Hans Herren, und in der Sammlung wichtiger Berichte und Zusammenfassungen. 

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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

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