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12.02.2020 |

Öko-Anbaufläche wächst – in Deutschland und weltweit

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Auf 10% der Anbaufäche wachsen Bioprodukte in Deutschland (Foto: CC0)

Bio boomt weltweit wie nie zuvor: Rund um den Globus wurden 2018 mehr als 71,5 Millionen Hektar Land ökologisch bewirtschaftet – ein Anstieg um 3% gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt der Bericht „The World of Organic Agriculture“, der vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und IFOAM – Organics International am Mittwoch auf der Messe BIOFACH präsentiert wurde. Ausgewertet wurden Daten zum Ökolandbau in 186 Ländern. Die Bioanbaufläche nahm demnach 2018 um 2 Millionen Hektar zu. Die Hälfte der ökologisch bewirtschafteten Fläche (36 Millionen Hektar) liegt aufgrund des Spitzenreiters Australien in Ozeanien, gefolgt von Europa mit 15,6 Millionen Hektar (22%) und Lateinamerika mit 8 Millionen Hektar (11%). Das Länder-Ranking führt Australien mit einer absoluten Bioanbaufläche von 35,7 Millionen Hektar an, danach kommen Argentinien und China mit 3,6 bzw. 3,1 Millionen Hektar.

Beim weltweiten Anteil des Ökolandbaus ist mit 1,5% noch deutlich Luft nach oben, doch einige Länder sind bereits sehr viel weiter: Liechtenstein liegt mit einem Bioanteil von 38,5% an der Gesamtfläche vorne – vor Samoa (34,5%) und Österreich (24,7%). Insgesamt gab es 16 Länder, die es 2018 auf einen Bioanteil von 10% oder mehr brachten. In Europa gehörten noch Estland, Schweden, Italien, Lettland, die Schweiz, Finnland und die Slowakei dazu. Weltweit gab es dem Bericht zufolge 2018 rund 2,8 Millionen Bioproduzenten. Davon sollen 1.149.000 in Indien, 210.000 in Uganda und 204.000 in Äthiopien leben. Der globale Markt für Bioprodukte wird für 2018 auf umgerechnet 97 Milliarden Euro geschätzt. Hier sind hier die USA führend mit einem Umsatz von 40,6 Milliarden Euro, gefolgt von Deutschland mit 10,9 und Frankreich mit 9,1 Milliarden Euro. Der französische Markt für Bioprodukte legte am stärksten zu mit einem Plus von 15%, während in Dänemark der Marktanteil der Bioprodukte mit 11,5% am höchsten ist.

Auch in Deutschland befindet sich der Ökolandbau im Aufwind, wie die aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zeigen. Die deutsche Öko-Fläche vergrößerte sich 2019 um 107.000 Hektar auf 1.622.103 Hektar Biofläche – ein Zuwachs von 6,6% gegenüber 2018. In den letzten 5 Jahren legte die Bio-Fläche insgesamt um fast 50% zu. Mittlerweile wird hierzulande 10% der gesamten Landwirtschaftsfläche von Bio-Bauern beackert. „Jeder zehnte Hektar in Deutschland ist enkeltauglich“, sagte BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig. „Auf jedem der insgesamt 1.622.103 Bio-Hektar schützen Öko-Landwirte Böden, Gewässer, Klima und Artenvielfalt.“ Die Zahl der Bio-Betriebe erhöhte sich im letzten Jahr auf 33.698 Betriebe, ein Plus von 6,3%. Damit wirtschaften 12,6% aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ökologisch. Während in der Bundesrepublik seit 2005 im Schnitt jede Stunde ein Betrieb aufgab, hat sich im selben Zeitraum die Zahl der Bio-Höfe fast verdoppelt. „2019 stellten täglich durchschnittlich fünf Bauern ihren Betrieb auf ökologische Landwirtschaft um“, erläutert Röhrig.

Und auch die Nachfrage nach Bioprodukten steigt stetig. Der Markt mit Biolebensmitteln und -getränken verbuchte 2019 ein ordentliches Umsatzplus von 10% und erzielte ein Marktvolumen von rund 11,97 Milliarden Euro. „Immer mehr Menschen wollen unsere Bäuerinnen und Unternehmer stärken. Die Kunden und Kundinnen setzen sich mit dem Griff zu Bio für unser Klima, für Biene und Feldhase, die artgerechte Haltung von Kühen, Huhn und Co. und die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt ein“, kommentierte Röhrig die Zahlen. Der Lebensmitteleinzelhandel hat einen Anteil von 60% - die Kunden gaben dort 7,13 Milliarden Euro für Bioprodukte aus. Der Naturkosthandel kommt auf einen Marktanteil von 27%, der Rest entfällt auf sonstige Geschäfte.

„Damit auch neue Unternehmen die Bio-Chance nutzen können, müssen Bundesregierung und Länder den politischen Rahmen konsequent auf die auszurichten, die Gemeinwohlleistungen erbringen“, äußerte BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein. Es komme darauf an, die komplette Wertschöpfungskette mitzudenken und zu stärken. Die Notwendigkeit, einen besseren Rahmen zu setzen, sieht er vor allem auch bei der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. „Die EU-Agrarpolitik bestimmt mit Milliarden, welche Landwirtschaft sich lohnt. Wichtig ist, dass mindestens 70% der Agrargelder an freiwillige Umwelt-Leistungen gebunden werden“, so Löwenstein. Heimische Standards dürften nicht durch Handelsabkommen wie Mercosur ausgehebelt werden. „Nur wenn die Regierungen all diese Stellschrauben drehen, können Bundesministerin Julia Klöckner und ihren Kolleginnen und Kollegen in Bund und den Ländern das Ziel von Nachhaltigkeitsstrategie und GroKo-Koalitionsvertrag von 20 % Bio bis 2030 überhaupt erreichen“, betont der BÖLW-Vorsitzende. (ab)

05.02.2020 |

Deutsche Fleischproduktion 2019 erneut leicht gesunken

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Deutsche Schlachthöfe produzierten 2019 etwas weniger Fleisch (Foto: CC0)

Im letzten Jahr ist die Fleischerzeugung in Deutschland leicht auf knapp unter 8 Millionen Tonnen Fleisch gesunken. Das vermeldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Demnach verringerte sich die gewerblich erzeugte Gesamtschlachtmenge gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent beziehungsweise von 8,07 auf 7,96 Millionen Tonnen. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem die deutsche Fleischproduktion nachlässt, nachdem 2016 mit 8,28 Millionen Tonnen Schlachtmenge noch ein Rekordwert erreicht wurde. Insgesamt mussten 55,1 Millionen Schweine und 3,4 Millionen Rinder in deutschen Schlachthöfen ihr Leben lassen.

Der Rückgang bei der Gesamtmenge ist vor allem einer geringeren Schweinefleischerzeugung geschuldet, während die Produktion von Rind- und Geflügelfleisch gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. 2019 wurde in Deutschland mit 5,2 Millionen Tonnen 2,6 % weniger Schweinefleisch erzeugt als noch im Vorjahr. Die Zahl der geschlachteten Schweine inländischer Herkunft ging um 3,4 % auf 51,8 Millionen Tiere zurück, während die Zahl der Schweine, die für die Schlachtung in die Bundesrepublik eingeführt wurden, auf 3,3 Millionen stieg – ein Plus von 2,7 Prozent. Beim Rindfleisch stieg die Schlachtmenge um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es wurden zwar etwas weniger Rinder geschlachtet als noch 2018, aber da das durchschnittliche Schlachtgewicht zunahm, erhöhte sich auch die Schlachtmenge auf 1,13 Millionen Tonnen Rindfleisch.

2019 wurde zudem etwas mehr Geflügel der Garaus gemacht als noch im Vorjahr. Die Schlachtmenge stieg um 0,8% auf 1,6 Millionen Tonnen. Die Tabellen und Grafiken des Statistischen Bundesamtes zeigen zudem auch eindrücklich den enormen Anstieg der Schlachtmenge beim Geflügel: In den letzten zehn Jahren ist die Geflügelfleischproduktion um 22% in die Höhe geschnellt. Für 2018 vermeldete das Amt 709.657.566 geschlachtete Hühnchen. Die produzierte Menge an Schweine- und Rindfleisch hingegen ist in den letzten zehn Jahren, abgesehen von leichten Schwankungen in einzelnen Jahren, in etwa auf dem gleichen Niveau geblieben. (ab)

29.01.2020 |

Sattelschwein und Skudde: Schutz für einheimische Nutztierrassen nötig

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Brillenschaf: Muttertier mit wenige Tage altem Lamm (Foto: Mostpatiently, bit.ly/by-sa30)

Ob Deutsches Shorthorn, Schwarzes Bergschaf oder Sattelschwein – sie alle gehören zu den gefährdeten Nutztierrassen in Deutschland. Von den insgesamt 77 einheimischen Nutztierrassen der Großtierarten Pferd, Rind, Schwein, Schaf und Ziege gelten momentan immer noch 54 Rassen als gefährdet. Das geht aus der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen 2019 hervor, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Anfang Januar veröffentlicht wurde. Die Liste hält aber auch positive Neuigkeiten bereit: Die Bestandszahlen einiger Nutztierrassen haben sich auch aufgrund von Haltungsprämien positiv entwickelt. Dem Rhönschaf gelang dank staatlicher Förderprämien, erfolgreicher Erhaltungszuchtarbeit, der Zusammenarbeit mit dem Naturschutz und einem umfangreichen Regionalmarketing der Absprung von der Liste – es gilt nun nicht mehr als gefährdet. Auch das Brillenschaf, das vor allem in Süddeutschland verbreitet ist, konnte von der vormals höheren Kategorie „Erhaltungspopulation“ in die geringere Gefährdungsstufe „Beobachtungspopulation“ eingeordnet werden. Es gibt nun wieder 58 Böcke und 867 Mutterschafe.

Großer Handlungsbedarf bestehe hingegen bei den Rinderrassen: 15 der 21 einheimischen Rassen sind weiterhin gefährdet. Zur Erhaltungspopulation zählen etwa das Gelbvieh, das Limpurger oder Murnau-Werdenfelser, während Angler, Glanrind und Hinterwälder zur als etwas weniger gefährdert eingestuften Beobachtungspopulation gehören. Die Autoren berichten, dass es 1930 noch rund 400.000 Glan-Donnersberger Rinder gab. „Sie galten als anspruchslose, futterdankbare und gesunde Wirtschaftsrinder und wurden als Dreinutzungsrind Milch, Fleisch und Arbeit eingesetzt. Wie bei vielen anderen Rassen auch, führte das Streben nach höherer Milchleistung in den 1950er Jahren zu einer intensiven Verdrängungskreuzung, wodurch die Zucht des Glanrindes zum Erliegen kam“, schildern sie den Ursachen für den Populationsrückgang. Heute werden noch 82 Bullen und 953 Kühe auf der Liste geführt. „Das Glanrind wird heute gerne in der Landschaftspflege eingesetzt, da die Tiere auch Hänge und Steillagen abweiden und durch den Verbiss von Dornen und Sträuchern einer Verbuschung der Kulturlandschaft entgegenwirken“, schreiben die Autoren. Das BLE empfiehlt, die bislang erfolgreichen Instrumente, wie Haltungsprämien und Projektförderung von Bund und Ländern, beizubehalten, um die heimischen Rinderrassen wieder zu stärken.

„Die Begriffe Biologische Vielfalt oder Biodiversität sind derzeit in aller Munde. Die meisten Menschen denken dabei zuerst an die Vielfalt in der Insekten- Vogel- oder Pflanzenwelt“, betont Dr. Stefan Schröder, Leiter des Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE im Vorwort des Berichts. „Die biologische Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion und in der Ernährung gehört aber auch dazu. Es ist die Vielfalt der verschiedenen Nutzpflanzensorten und Nutztierrassen, die unsere zukünftige Ernährung sichert“, schreibt er. „Wir haben in Deutschland eine große Vielfalt an einheimischen Nutztierrassen, die an die besonderen Gegebenheiten ihres Ursprungsgebietes bestens angepasst sind. Viele dieser Rassen sind heute leider vom Aussterben bedroht.“ Als Ursachen nennt das BLE „die weltweiten und sich beschleunigenden Konzentrationsprozesse in der Land- und Ernährungswirtschaft“. Einer offensichtlichen Produktvielfalt im Lebensmitteleinzelhandel stehe in den vorgelagerten Produktionsstufen eine immer stärkere Vereinheitlichung gegenüber. „Der Marktdruck zur kontinuierlichen Produktion großer Mengen uniformer agrarischer Rohstoffe (wie z. B. Milch oder Fleisch) führt häufig zum Verschwinden vielfältig strukturierter Landwirtschaftsbetriebe.“ Viele Nutztierrassen würden daher unwirtschaftlich.

Nicht nur in Deutschland schwindet die Vielfalt der Nutztierrassen. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO werden weltweit 38 Tierarten und 8.774 Rassen in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion genutzt. Davon sind 1.458 Tierrassen oder 17% vom Aussterben bedroht. Aufgrund der schlechten Datenlage sei zudem bei fast 60% der Nutztierrassen unklar, wie es um ihren Erhaltungszustand bestellt ist. In Europa ist bereits etwa die Hälfte aller zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch verbreiteten Tierrassen ausgestorben. Ein Drittel der bestehenden Rassen gilt als stark bestandsgefährdet. Um den Genpool zu bewahren und sicherzustellen, dass die Vielfalt seltener Nutztierrassen künftigen Generationen erhalten bleibe, seien also verstärkte Anstrengungen notwendig. Die FAO betont, dass die Erhaltung der Nutztierrassenvielfalt gerade in Zeiten des Klimawandels für die Welternährung enorm an Bedeutung gewinnen wird. (ab)

20.01.2020 |

27.000 Menschen demonstrieren für eine Agrar- und Ernährungswende

WHS
Agrarwende anpacken (Foto: Fabian Melber/www.wir-haben-es-satt.de)

Tausende Menschen haben am Samstag in Berlin für eine Agrar- und Ernährungswende demonstriert. Angeführt von 170 Traktoren zogen rund 27.000 Menschen unter dem Motto „Agrarwende anpacken, Klima schützen!“ vom Brandenburger Tor durch das Regierungsviertel. Die „Wir haben es satt!“-Großdemonstration findet bereits zum 10. Mal am Rande der Grünen Woche und der Agrarminister-Konferenz in Berlin statt. Bei schönem Winterwetter ging eine bunte Menschenmenge aus Natur-, Klima- und Tierschützern, Bäuerinnen und Bauern, Jung und Alt auf die Straße und forderte unter anderem einen konsequenten Klimaschutz, mehr Unterstützung für Bauernhöfe und effektive Maßnahmen gegen das Insektensterben. Die teils aus ganz Deutschland angereisten Demonstranten trugen selbstgebastelte Plakate, waren als Schweine, Hühner oder Bienen verkleidet oder verliehen mit Kochtöpfen und Trommeln ihrem Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung lautstark Ausdruck. „Wir haben die Alibi-Politik des Agrarministeriums gehörig satt!“, äußert die Sprecherin des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, Saskia Richartz. „Die Bundesregierung trägt die Verantwortung für das Höfesterben und den Frust auf dem Land. Seit 2005, als Angela Merkel Kanzlerin wurde, mussten 130.000 Höfe schließen – im Schnitt gab ein Familienbetrieb pro Stunde auf.“

Schon am Vormittag überreichten die Bäuerinnen und Bauern, die auf ihren Treckern aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, eine Protestnote, die sich an die bei der Internationalen Agrarministerkonferenz vertretenen Ministerinnen und Minister aus aller Welt richtet. Ihre Botschaft lautet: Statt mit unfairen Freihandelsabkommen neue Märkte für Auto- und Chemie-Konzerne zu erschließen, braucht es gerechten Handel, die Durchsetzung von Bauernrechten und Schutz von bäuerlichen Betrieben auf der ganzen Welt. Das Demobündnis forderte ein Veto Deutschlands gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. „Kein Mercosur! Für Vielfalt in Feld und Flur“ war auf einem der Trecker auf der Demo zu lesen. Der brasilianische Uniprofessor und Agrarexperte Antonio Andrioli erläutert: „Das geplante Freihandelsabkommen (…) wäre fatal für die bäuerliche Landwirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Damit würde sich das agrarindustrielle Modell mit Gentechnik, Pestiziden und Tierfabriken noch mehr verfestigen. Wir freuen uns, dass auch in Deutschland der Protest gegen das Abkommen wächst.“ Deutschland müsse ein Veto einlegen, auch damit die Brandrodungen im Amazonas eingedämmt werden. Bundesagrarministerin Julia Klöckner nahm die Protestnote persönlich entgegen und wandte sich, balancierend auf einer Milchkanne, mit einer kurzen Rede an die Demonstranten.

Das Bündnis fordert von der Bundesregierung ein Umsteuern bei der EU-Agrarreform. Deutschland komme bei der EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) zu. Das Bündnis fordert, die rund 60 Milliarden an Fördergeldern pro Jahr für eine sozial-gerechte und ökologische Agrarreform einzusetzen und mit gezielten Subventionen für artgerechte Tierhaltung und mehr Klima- und Umweltschutz zu sorgen. „EU-Geld nützt, wenn‘s die Umwelt schützt“ oder „Agrarwende jetzt: Gerechte Preise und eine bäuerlich ökologische Agrarförderung“ war auch auf den Schildern der Demonstranten zu lesen. „Ja, wir werden eine andere europäische Agrarpolitik bekommen, denn die Bürger, der Steuerzahler wird nicht mehr bereit sein, mehr Geld in die Hand zu nehmen für eine Politik, die in der Vergangenheit finanziert worden ist“, sagte Klöckner. „Wenn es mehr Geld geben sollte, dann nur für eine Politik mit neuen Ansätzen und die bedeuten Ecoschemes, Umweltleistungen, die Abgeltung der Mehrleistung im Sinne des Allgemeinwohls.“ Doch den Demonstranten ging es nicht um mehr Geld, sondern darum, dass die bisherigen Agrarmilliarden für mehr Klima- und Umweltschutz eingesetzt wird. „Reden reicht nicht, die Zeit der Ankündigungen ist vorbei“, betonte Richartz. „Wir messen Agrarministerin Klöckner daran, was bei ihrer Politik unter dem Strich für Bauernhöfe, Tiere und das Klima herauskommt. Bislang ist diese Ministerin in dieser Hinsicht eine Nullnummer!“ (ab)

17.01.2020 |

Deutsche Agrarkonzerne: Mangelnder Menschenrechtsschutz in Lieferketten

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Soja aus Südamerika ist oft menschenrechtlich bedenklich (Foto: CC0)

Die größten deutschen Agrarkonzerne ergreifen keine ausreichenden Maßnahmen gegen die Verletzung von Menschenrechten in ihren Lieferketten. Das zeigt eine Studie der Organisationen Germanwatch und Misereor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin wurden die größten Unternehmen aus der Geflügelfleisch-, Milch-, Futtermittel- und Agrarchemiebranche in Deutschland unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Kein einziges der insgesamt 15 Unternehmen erfüllt ausreichend die Anforderungen der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“, sagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch, Autorin der Studie. „Die Achtung der Menschenrechte ist bei den Geschäften dieser Unternehmen oft nicht sichergestellt.“ Dabei kommt es gerade in der Ernährungsindustrie und Landwirtschaft rund um den Globus häufig zu Menschenrechtsverletzungen, von denen Produzenten, Konsumenten oder Menschen vor Ort entlang der Wertschöpfungskette betroffen sein können. Dazu gehören die Verwehrung des Zugangs zu Land und Wasser, Gesundheitsschäden durch den Einsatz von Pestiziden, ausbeuterische Arbeitsbedingungen auf Plantagen oder die Marktverdrängung von Kleinbetrieben durch Dumpingexporte. Obwohl es viele Belege für Menschenrechtsverletzungen unter Beteiligung deutscher Unternehmen im Ausland gibt, konnten Betroffene bisher noch nie eine Entschädigungsklage vor deutschen Gerichten einreichen, kritisiert die Studie.

Für die Erhebung versandten die Organisationen Fragebögen an die größten in Deutschland operierenden Geflügelproduzenten (PHW-Gruppe, Rothkötter, Sprehe Gruppe, Heidemark und Plukon) und Molkereien (Müller-Milch, Deutsches Milchkontor, Arla Foods, Friesland Campina und Hochwald), die Futtermittelunternehmen Agrarvis Raiffeisen, BayWa und Cargill sowie die Chemiekonzerne BASF und Bayer. Zudem wurden menschenrechtliche Grundsatzerklärungen, unternehmensinterne Verhaltenskodizes, Kodizes für Lieferanten, Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte und die Unternehmenswebseiten ausgewertet. Acht der befragten Unternehmen antworteten. Die Studie gelangt zu dem Fazit, dass die Agrarkonzerne ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bisher nur ungenügend umsetzen. Nur sieben Unternehmen verfügen über eine Grundsatzerklärung zu Menschenrechten, die den Mindestanforderungen der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte entspricht. Arla habe als einziges Unternehmen bislang eine systematische menschenrechtliche Folgenabschätzunge durchgeführt. Gegenmaßnahmen zur Vermeidung oder Beendigung von Menschenrechtsverletzungen oder Reaktionen gab es meist nur, wenn bereits öffentlich über Missstände berichtet wurde. „Die Studie zeigt, wie wichtig ein Lieferkettengesetz ist, das deutsche Unternehmen verbindlich zur menschenrechtlichen Sorgfalt verpflichtet“, betont Mitautor Armin Paasch von MISEREOR.

Der Studie zufolge gibt es vor allem im Geflügelfleischsektor hohe menschenrechtliche Risiken. Der Sojaanbau für Futtermittel führe vielfach zu Landvertreibungen und zum Einsatz giftiger Pestizide in Südamerika. Auch die Arbeitsbedingungen in deutschen Schlachtbetrieben seien zum Teil menschenverachtend. Exporte von Geflügelteilen aus der EU bedrohten in Westafrika das wirtschaftliche Überleben einheimischer Produzenten und gefährdeten ihre Lebensgrundlage. „Angesichts der bisher beobachteten Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Geflügelfleisch ist es erschreckend, dass sich diese Branche laut unserer Untersuchung am wenigsten mit den menschenrechtlichen Risiken beschäftigt“, moniert Heydenreich. Rothkötter, Sprehe und Heidemark hätten sich noch gar nicht öffentlich verpflichtet, die Menschenrechte zu achten. Auch die beiden anderen Geflügelunternehmen sehen allenfalls bedingt ihre Lieferanten in der Pflicht. Doch auch bei den anderen Branchen sehen die Organisationen große Defizite.

Der Bundesregierung stellt die Studie kein besseres Zeugnis aus, sondern wirft ihr vor, es versäumt zu haben, in der Handelspolitik Menschenrechtsstandards wirkungsvoll zu verankern. Paasch verweist darauf, dass Handelsabkommen der EU in Ländern des globalen Südens mitunter den Zugang von Kleinproduzenten zu Märkten, Saatgut und Land gefährden. „Die Bundesregierung hatte zugesagt, sich in der EU für wirkungsvollere Nachhaltigkeitsfolgenabschätzungen und verbindliche Menschenrechtsstandards in Handelsabkommen einzusetzen, ist bislang aber untätig geblieben.“ Die Organisationen warnen insbesondere aufgrund der massiven Menschenrechtsverletzungen und Regenwaldabholzung in Brasilien vor der Ratifizierung des EU-Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten. Zudem fordern sie die Bundesregierung auf, zügig ein Lieferkettengesetz auszuarbeiten und zu beschließen, wie es Arbeitsminister Heil und Entwicklungsminister Müller angekündigt hatten, nachdem ein Monitoring im Auftrag der Bundesregierung ergeben hatte, dass nur ein Fünftel der deutschen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen. Auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, sieht Handlungsbedarf. „Wir haben den Unternehmen die Möglichkeit gegeben, sich selbst auf die Einhaltung von Standards in ihren Lieferketten zu verpflichten, doch die Evaluierung hat gezeigt, dass da zu wenig passiert ist“, sagte er dem Handelsblatt. „Deshalb brauchen wir auch hier verbindliche Spielregeln.“ (ab)

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