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17.07.2018 |

Lebensmittelimporte - eine schwere Bürde für arme Länder

Getreide
Lebensmittelimporte bürden den ärmsten Ländern hohe Kosten auf (Foto: CC0)

Die Kosten für den Import von Lebensmitteln stellen eine zunehmende Last für die ärmsten Länder der Welt dar. Das betont die Welternährungsorganisation FAO in einem Bericht, der am 10. Juli veröffentlicht wurde. Laut „Food Outlook“ fressen Lebensmittelimporte einen großen und stetig wachsenden Anteil der Deviseneinnahmen vieler Länder mit niedrigem Einkommen und Nahrungsmitteldefizit (LIFDC) auf. Die globale Rechnung für Lebensmittelimporte hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdreifacht und erreichte 2017 rund 1,43 Billionen US-Dollar. Für jene Länder aber, die besonders oft mit Lebensmittelknappheit zu kämpfen haben, hat sich die Summe verfünffacht. Der Bericht schaut sich im Detail an, wie sich die Kosten für Lebensmittelimporte seit der Jahrtausendwende entwickelt haben und wie sich ihre Zusammensetzung (tierische Eiweiße, Obst und Gemüse, Getreide, Getränke, Ölsaaten, Kaffee, Tee und Gewürze) verändert hat. Die Importe stiegen im weltweiten Schnitt seit 2000 um jährlich 8% an, doch für die große Mehrheit der ärmsten Länder bewegte sich diese Zuwachsrate im zweistelligen Bereich. Die am wenigsten entwickelten Länder der Welt (LDCs) geben mittlerweile 28% aller Exporteinnahmen für Lebensmittelimporte aus – fast doppelt so viel wie noch 2005. Die Industrieländer, in denen auch das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt höher ist, geben im Schnitt nur 10% ihrer Exporterlöse für Lebensmittel aus.

Die Studie zeigt auch, dass der Getreideanteil im Vergleich zu höherwertigeren Nahrungsmitteln bei den Importen der ärmsten Länder nicht zurückgegangen ist, während er bei den reicheren Ländern deutlich abnahm. Das Fazit lautet, dass ärmere Länder heute für weniger Lebensmittel immer tiefer in die Tasche greifen müssen. „Angesichts der Tatsache, dass fast alle internationalen Transaktionen in US-Dollar bewertet werden, kann der Import auch durch negative Währungseffekte der Landeswährung gegenüber dem US-Dollar belastet werden“, schreiben die Autoren. „Eine weitere negative Entwicklung ist, dass der Wechselkurs zahlreicher Länder generell gegenüber dem US-Dollar real gesunken ist und sich so die Kaufkraft verringert – auch hier in armen Ländern deutlich stärker als in den Industrieländern. Die Zahlen und Grafiken des Berichts zeigen einen Trend, der sich „im Laufe der Zeit verschärft hat und der vor allem die ärmsten Länder vor die wachsende Herausforderung stellt, ihren Bedarf an Lebensmittel auf den internationalen Märkten zu decken“, erklärte Adam Prakash, Wirtschaftsexperte der FAO und Verfasser der Studie.

Künftig droht sich dieser Trend fortzusetzen. Bereits Anfang Juli hatte ein von der FAO und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gemeinsam veröffentlichter Bericht mit Prognosen für die Jahre 2018 bis 2027 vor einer wachsenden Abhängigkeit der ärmsten Länder von Lebensmittelimporten gewarnt. Die Organisationen rechnen mit steigenden Nettoexporten aus Staaten und Regionen, die viel Land zur Verfügung haben, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. In Ländern mit starkem Bevölkerungswachstum, vor allem im Nahen Osten und Nordafrika, Subsahara-Afrika und Asien, werden die Nettoimporte hingegen steigen. „Viele ärmere Länder mit wachsenden Bevölkerungen und begrenzten Landflächen werden zunehmend in Abhängigkeit geraten von Lebensmittelimporten, um die Menschen zu ernähren“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. (ab)

12.07.2018 |

EU-Umweltagentur: Nitrat und Pestizide belasten europäische Gewässer

See
Die Gewässerqualität in der EU lässt zu wünschen übrig (Foto: CC0)

Die Wasserqualität vieler Seen, Flüsse, Küstengewässer und des Grundwassers in Europa ist trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahrzehnten immer noch besorgniserregend. Das zeigt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA), der am 3. Juli veröffentlicht wurde. Hauptverantwortlich dafür seien vor allem der hohe Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden aus der Landwirtschaft, Bauobjekte wie Dämme und übermäßige Wasserentnahme. Eine große Mehrheit der europäischen Gewässer erfüllt nach wie vor nicht das in der EU angestrebte Minimalziel des „guten Zustands“. Insgesamt erreichen nur 40% der überwachten Seen, Flüsse, Mündungsgebiete und Küstengewässer die Mindestanforderungen der EU-Wasser- Rahmenrichtlinie mit einem „guten“ oder „sehr guten“ ökologischen Zustand im Zeitraum 2010-2015, berichten die Autoren. Und nur 38% dieser überwachten Gewässer sind in einem guten chemischen Zustand, sodass die Schadstoffkonzentration die Umweltqualitätsstandards der EU nicht überschreitet. In Deutschland wurden nur 8,4% der Oberflächengewässer in ökologischen Hinsicht mit gut oder sehr gut bewertet, beim chemischen Zustand schnitten alle mies ab.

Dem Bericht zufolge weisen Nordskandinavien, der Norden Großbritanniens (Schottland) und Estland sowie die Slowakei, Rumänien und mehrere Flussgebietseinheiten im Mittelmeerraum einen hohen Anteil von Oberflächenwasserkörpern in sehr gutem oder gutem ökologischem Zustand auf. Schlecht ist es hingegen um die Wasserkörper in vielen der mitteleuropäischen Einzugsgebiete mit höherer Bevölkerungsdichte und intensiverer Landwirtschaft bestellt. Die europäischen Grundwasserkörper, wie Grundwasserleiter, sind im Vergleich zu den Oberflächengewässern in den meisten Fällen in einem besseren Zustand. Ein guter chemischer Zustand wurde EU-weit für 74% des Grundwassers erreicht, während 89% des Grundwassers einen guten quantitativen Zustand aufweisen. Hauptursachen für das Verfehlen der Qualitätsziele sind hier die Verunreinigung des Wassers durch Nitrate und Pestizide aus der Landwirtschaft, das Eindringen von Salz oder von gefährlichen Chemikalien aus verunreinigten Standorten (z. B. Industrie- und Bergbauanlagen oder Abfalldepots).

Der EUA-Bericht, der eine aktualisierte Qualitätsbewertung für über 130.000 Oberflächen- und Grundwasserkörper auf Basis gemeldeter Daten für den Zeitraum 2010 bis 2015 enthält, lobt auch Fortschritte in den letzten Jahren. „Dank der Umsetzung der europäischen Rechtsvorschriften in den Mitgliedstaaten verbessert sich die Qualität der europäischen Binnengewässer allmählich, aber es muss noch viel mehr getan werden, bevor alle Seen, Flüsse, Küstengewässer und Grundwasser-körper sich in einem guten Zustand befinden“, erklärte Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei. „Die Bekämpfung der Verschmutzung aus der Landwirtschaft, der Industrie und den Haushalten erfordert gemeinsame Anstrengungen aller Wassernutzer in ganz Europa.“ (ab)

05.07.2018 |

OECD-FAO: Stabile Agrarpreise, hohe Importabhängigkeit armer Länder

Getride
Die Lebensmittelpreise sollen in den nächsten 10 Jahren stabil bleiben (Foto: CC0)

Die Agrarpreise werden in den nächsten zehn Jahren stabil bleiben, da die Weltbevölkerung nicht mehr so schnell wächst und der Pro-Kopf-Verbrauch der meisten Agrarrohstoffe stagniert. Viele ärmere Länder mit einer starken Bevölkerungszunahme und knappen natürlichen Ressourcen wie Ackerland oder Wasser werden verstärkt auf Lebensmittelimporte angewiesen sein, damit sie ihre Bürger ernähren können. Davon gehen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Welternährungsorganisation FAO aus, die am Dienstag ihren jährlichen Ausblick veröffentlichten.

Der OECD-FAO Agricultural Outlook 2018-2027 enthält Prognosen für alle wichtigen Agrarrohstoffe, Fisch und Biosprit. Ein Jahrzehnt nach dem sprunghaften Anstieg der Lebensmittelpreise in 2007 und 2008 hat sich die Lage auf den Agrarmärkten verändert. „Die Produktion ist bei allen Agrarrohstoffen stark gestiegen und erzielte 2017 Rekordwerte für die meisten Getreidesorten, Fleischarten, Milchprodukte und Fisch, während die Getreidevorräte zugleich ein Allzeithoch erreichten“, ist in der Zusammenfassung des Berichts zu lesen. Doch die Nachfrage steigt nicht mehr so schnell wie zuvor. Dies sei auf eine sinkende Nachfrage in den wichtigsten Schwellenländern, den stagnierenden Pro-Kopf-Verbrauch von Grundnahrungsmitteln und die langsamer wachsende Nachfrage nach Fleischprodukten zurückzuführen. Aber auch darauf, dass die Weltbevölkerung nicht mehr so schnell wachse. Aufgrund des großen Angebots, gut gefüllter Lager und einer weniger starken Nachfrage dürften die Lebensmittelpreise also in den nächsten Jahren stabil bleiben.

Der Bericht prognostiziert ein Wachstum auf den Agrarmärkten von 20% bis 2027, doch der Wert wird je nach Region stark variieren. Ein deutliches Wachstum wird in Entwicklungsländern mit schnell wachsenden Bevölkerungen erwartet, während in den reichen Regionen, vor allem in Westeuropa, die Produktionszuwächse niedriger ausfallen werden. Der Handel mit Agrargütern und Fisch wird voraussichtlich nur noch halb so schnell zunehmen wie noch in den letzten zehn Jahren. FAO und OECD rechnen mit steigenden Nettoexporten aus Staaten und Regionen, die viel Land zur Verfügung haben, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. In Ländern mit starkem Bevölkerungswachstum, vor allem im Nahen Osten und Nordafrika, Subsahara-Afrika und Asien, werden die Nettoimporte hingegen steigen. „Viele ärmere Länder mit wachsenden Bevölkerungen und begrenzten Landflächen werden zunehmend in Abhängigkeit geraten von Lebensmittelimporten, um die Menschen zu ernähren“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Die Nachfrage nach Fleischprodukten soll nicht mehr so stark wachsen wie bisher. „Einige Regionen mit niedrigem Einkommen, die aktuell einen geringen Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch haben, wie Subsahara-Afrika, werden dieses Niveau nicht bedeutend anheben können, da die Einkommen nicht ausreichend steigen“, betont der Bericht. „Einige Schwellenländer, vor allem China, haben bereits ein relativ hohes Niveau beim Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch erreicht. In Indien, wo die Einkommen stärker wachsen, schlägt sich dies aufgrund der Ernährungsgewohnheiten eher in einem steigenden Pro-Kopf-Verbrauch von Milchprodukten als von Fleisch nieder. Beim Biosprit scheint der Boom vorbei zu sein. FAO und OECD erwarten, dass die Nachfrage nach Getreide und Pflanzenöl für Biosprit sehr viel langsamer wachsen wird als in den letzten zehn Jahren, als der Boom mehr als 120 Millionen Tonnen Getreide zusätzlich einforderte, vor allem Mais. Die bestehende Politik in den Industrieländern unterstütze keine weitere Ausweitung der Biospritproduktion, daher werde eine steigende Nachfrage vor allem auf Schwellenländern zurückzuführen sein, von denen einige Gesetze zur Förderung von Biokraftstoffen verabschiedet haben.

Den steigenden Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker und pflanzlichen Ölen in Entwicklungsländern sehen die Organisationen mit Sorge. Die Urbanisierung wird dort zu einer höheren Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln und Fertiggerichten führen. „Veränderungen bei der konsumierten Lebensmittelmenge und der Zusammensetzung der Ernährung bedeuten, dass die dreifache Last von Unterernährung, Überernährung und Fehlernährung in den Entwicklungsländern weiter bestehen wird“, warnt der Bericht. Er ruft Staaten auch dazu auf, ihre Landwirtschaftssysteme nachhaltiger zu gestalten. „Die Grüne Revolution des letzten Jahrhunderts hat die Kapazitäten gesteigert, damit die Welt sich selbst ernähren kann, doch was wir jetzt brauchen ist eine Nachhaltigkeitsrevolution“, sagte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva. „Dazu gehört, dass wir bei Landwirtschaftssystemen ansetzen müssen, die viel Inputs und Ressourcen benötigen und hohe Kosten für die Umwelt verursachen. Böden, Wälder, Wasser, die Luftqualität und die Biodiversität verschlechtern sich weiter. Wir müssen nun zu nachhaltigen und produktiven Ernährungssystemen übergehen, die uns gesunde und nahrhafte Lebensmittel liefern und zugleich die Umwelt und die Artenvielfalt bewahren.“ (ab)

29.06.2018 |

Bodendegradation: 2050 könnte 90% der globalen Landfläche betroffen sein

Boden
Die Bodendegradation nimmt zu (Foto: CC0)

Das Bevölkerungswachstum und veränderte Konsummuster üben einen gewaltigen Druck auf die natürlichen Ressourcen des Planeten aus. Bodendegradation ist zu einem enormen Problem geworden: Jedes Jahr wird weltweit eine Fläche degradiert, die halb so groß wie die Europäische Union ist, wobei Afrika und Asien die am stärksten betroffenen Regionen sind. Das ist die traurige Botschaft der neusten Ausgabe des Weltatlas der Wüstenbildung, der am 21. Juni von der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC), dem wissenschaftlichen Dienst der EU-Kommission, herausgegeben wurde. „In den letzten zwanzig Jahren, seit der Veröffentlichung des letzten Weltatlas der Desertifikation, hat sich die landwirtschaftliche Erzeugung verdreifacht und die bewässerte Fläche hat sich verdoppelt, was überall die Qualität der Böden schwer beeinträchtigt“, sagte Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, der für den Dienst zuständig ist. „Um unseren Planeten für künftige Generationen zu bewahren, müssen wir dringend unsere Umgangsweise mit diesen wertvollen Ressourcen ändern.“

Der Atlas soll Entscheidungsträgern überall umfassende und leicht zugängliche Einblicke in die Bodendegradation, deren Ursachen und mögliche Abhilfemaßnahmen geben, damit Desertifikation bekämpft und degradierte Flächen wiederhergestellt werden können. Er liefert zahlreiche Beispiele dafür, wie menschliche Aktivitäten Bodendegradation verursachen und so den Artenverlust anheizen, die Ernährungssicherheit gefährden, den Klimawandel verschärfen und letztendlich dazu führen, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Bis 2050 könnten bis zu 700 Millionen Menschen aufgrund knapper Landressourcen vertrieben werden, 2100 könnten es gar 10 Milliarden sein. Der Bericht enthält eine große Sammlung an Fakten, Prognosen und Datensets zum Zustand der Böden. Demnach ist über 75% der Landfläche der Erde bereits geschädigt und über 90% der Böden könnten bis 2050 degradiert werden. Das 67fache der Landfläche Belgiens wird jährlich degradiert, wobei Afrika und Asien am stärksten betroffen sind. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Verluste machen etwa 10% der weltweiten jährlichen Wirtschaftsleistung aus. Die Wissenschaftler des JRC schätzen, dass sich durch Bodendegradation und Klimawandel die globalen Anbauerträge bis 2050 um etwa 10% verringern werden. Am stärksten betroffen werden Indien, China und Afrika südlich der Sahara sein, wo die Bodendegradation die Lebensmittelproduktion halbieren könnte.

In den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften, inklusive Europa, wird die Bodendegradation dem Atlas zufolge durch den raschen Ausbau der Infrastruktur und die nicht nachhaltige Bewirtschaftung von Anbauflächen und Weideland zur Befriedigung verbrauchsintensiver Lebensstile angetrieben. In Asien stellt der übermäßige Einsatz von Düngemitteln eine Bedrohung für die Bodenressourcen dar, während in Afrika die geringe oder gar keine Verwendung von Düngemitteln der Bodendegradation Vorschub leistet. Der Atlas betont jedoch, dass gegengesteuert werden kann: Die weitere landwirtschaftliche Expansion – eine der Hauptursachen für die Bodendegradation – könnte durch Ertragssteigerung auf bestehenden landwirtschaftlichen Flächen, die Umstellung auf pflanzliche Ernährung, den Verzehr tierischer Proteine aus nachhaltigen Quellen und die Verringerung von Nahrungsmittelverlusten und -verschwendung begrenzt werden.

Der Atlas enthält viele konkrete Beispiele für nachhaltiges Bodenmanagement aus aller Welt. Eines davon ist die umfassende Einführung von Regenwassergewinnungssystemen für Kleinbauern, die die wertvollen Regenfälle in Trockengebieten besser nutzen. Kleine Wasserbecken, wie jene nahe des Mount Kenya, sind eine effektive Maßnahme, um die Regenwasserrückhaltung zu steigern. Um den Verlust der Bodenfeuchte durch Verdunstung zu verhindern, wird der Boden bedeckt. Das Belassen von Ernterückständen auf den Feldern und das Mulchen mit Gräsern beim Fruchtwechsel ist eine gute Praxis, um den Boden permanent zu bedecken und Feuchtigkeitsverlust einzudämmen. Ein anderes Beispiel ist die Terrassierung von Land im chinesischen Lössplateau, wodurch die Produktivität des Bodens und die Lebensbedingungen von Millionen Landnutzern verbessert wurden. Diese Maßnahme steigerte nicht nur die Lebensmittelproduktion, sondern verringerte auch die Folgen von Überschwemmungen. „Um die Produktivität der Böden zu bewahren und zu verbessern, muss die Bodendegradation gestoppt werden. Nur so können die Ökosystemdienstleistungen der Landressourcen bewahrt und gesteigert werden“, lautet das Fazit des Berichts. „Das nachhaltige Management von Böden, Wasser und Biodiversität kann dazu beitragen, Ertragslücken zu schließen, die Widerstandsfähigkeit der Böden zu verbessern und die Menschen unterstützen, deren Lebensunterhalt von ihnen abhängt. Das wird seinen Preis haben, aber Handeln und Vorbeugen wird mit geringeren Kosten verbunden sein als der Preis der Untätigkeit“, betonen die Autoren. (ab)

22.06.2018 |

Nitratbelastung des Grundwassers: EU verurteilt Deutschland

Gülle
Zu viel belastet das Grundwasser (Foto: CC0)

Deutschland erhält die Quittung dafür, dass in der Vergangenheit zu wenig gegen Überdüngung und die Nitratbelastung des Grundwassers unternommen wurde: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) verurteilte die Bundesrepublik am Donnerstag, da sie keine verstärkten Maßnahmen zur Begrenzung des Gülleeinsatzes in der Landwirtschaft und zum Schutz der Gewässer eingeleitet hatte. „Der Gerichtshof hat mit seinem heutigen Urteil festgestellt, dass Deutschland gegen die Nitrat-Richtlinie verstoßen hat“, sagte EuGH-Sprecher Hartmut Ost der Tagesschau. Nun drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Das Problem sind zu hohe Nitratwerte in Grund- und Oberflächengewässern. Laut dem Nitratbericht 2016 der Bundesregierung lag die Nitratbelastung im Zeitraum 2012 bis 2014 an 28% der Grundwassermessstellen in Deutschland über dem Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser. An weiteren 8,5% der Stellen betrug die Nitratkonzentration 40 bis 50 mg. Ein Bericht der EU-Kommission vom Mai zeigte, dass die Bundesrepublik bei der Grundwasserbelastung EU-weit Spitzenreiter ist – nur in Malta werden Nitrat-Grenzwerte noch öfter überschritten als hierzulande.

Die Kommission war 2016 gegen Deutschland vor Gericht gezogen, weil die Bemühungen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat nicht verstärkt worden waren. Daraufhin wurden die Dünge-Vorschriften 2017 geändert, doch das Urteil bezieht sich auf den Zeitraum davor. Der Deutsche Bauernverband wettert daher gegen das Urteil: Es sei der Abschluss eines alten und mittlerweile in der Sache überholten Verfahrens. Doch Gerichtssprecher Ost betont, dass das Urteil begründet sei, denn „zum für dieses Verfahren maßgeblichen Zeitpunkt, nämlich Mitte September 2014, hatte Deutschland keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um die Gewässer vor Verunreinigung mit Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen zu schützen“. Deutschland wird nun als für die Versäumnisse der Vergangenheit zur Kasse gebeten, doch es steht zu befürchten, dass die nächste Klage bald folgen könnte. Denn Kritiker der neuen Düngeverordnung bezweifeln deren Wirksamkeit.

Ein am Montag veröffentlichtes Gutachten der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel, das vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Auftrag gegeben worden war, stellt den Neuregelungen ein schlechtes Zeugnis aus. Sie führten zu „keiner nennenswerten Reduzierung der Stickstoff-Überdüngung“, lautet das Fazit. Hauptgrund für die Unwirksamkeit des neuen Düngerechts sei die „weitgehende Missachtung aller agrar- und umweltwissenschaftlichen Fachempfehlungen“: Der Studie zufolge ermöglichen die neuen Regelungen, dass bei gleichen Ertragswerten mitunter mehr Dünger auf den Feldern ausgebracht werde als bisher. Zudem lasse die neue Dünge-Verordnung weiterhin zu, dass die Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar selbst in ohnehin „gefährdeten Gebieten“ weiterhin überschritten werde.

Der Verfasser der Studie, Professor Friedhelm Taube von der Universität Kiel, der auch Mitglied im Sachverständigenrat des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist, kritisierte, dass zahlreiche Schlupflöcher die Wirksamkeit positiver Regelungen wieder zunichtemachten. „Es gibt eine Regelung, die sich damit beschäftigt hat, wie man mit Nährstoffüberschüssen - gerade beim Stickstoff - in Intensivregionen umgehen soll“, sagte Taube dem NDR. „Die Experten hatten vorgeschlagen, dass dort ein maximaler Überschuss an Stickstoff pro Hektar und Jahr von 120 bis maximal 130 Kilogramm – schon ein großes Entgegenkommen an den Sektor – akzeptabel ist. Und was steht jetzt drin mit allen Schlupflöchern und Ausnahmegenehmigungen? Bis über 200 Kilo, also fast eine Verdopplung. Das hat nichts mit seriöser Politik fürs Allgemeinwohl zu tun, sondern das ist eine Politik, die einige wenige befördert und die große Breite guter Landwirtschaft bestraft“, empörte sich Taube.

Der Bundesregierung wirft er vor, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auf taube Ohren stießen. Es sei nicht akzeptabel, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Arbeitsgruppe einsetzt, die ein Jahr lang mit 30 Leuten Vorschläge erarbeite – darunter auch Vertreter, die dem Agrarsektor nahe stehen und Vorschläge machen, die für diesen vergleichsweise milde sind – und dann würden diese Empfehlungen ignoriert. Wenn die Politik aufgrund von Einflussnahmen bestimmter Gruppen später etwas ganz anderes entscheide, das alles nochmal komplett aufweiche, sei dies problematisch. Es sei „klassisches Politikversagen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in Gesetzestexten nicht mehr erkennbar sind“, sagte er dem NDR. Martin Weyand vom BDEW forderte eine Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik. „Die europäische Agrarpolitik darf die Landwirtschaft nicht länger für die Missachtung des EU-Rechtes bezahlen.“ Eine Umweltorientierung im Rahmen der Reform der Agrarpolitik se überfällig, damit Böden und Wasserressourcen auch für künftige Generationen gesichert werden, so Weyand. Er forderte verursachungsgerechte und umweltgerechte Lösung: „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn der Verbraucher die Milliarden-Strafzahlungen an Brüssel zahlen müsste, die eine direkte Folge einer verfehlten Landwirtschaftspolitik sind.“ (ab)

19.06.2018 |

Der Kampf gegen Bodendegradation beginnt beim täglichen Einkauf

Düürr
17. Juni: Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre (Foto: CC0)

Die Bodendegradation gefährdet das Wohlergehen von 3,2 Milliarden Menschen weltweit – doch jeder einzelne kann etwas gegen diese Bedrohung tun, indem er bei jedem Griff ins Supermarktregal und Portemonnaie nachhaltige Formen der Landnutzung unterstützt. Das ist die Botschaft des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) anlässlich des diesjährigen Welttags für die Bekämpfung der Wüstenbildung, der am 17. Juni begangen wurde. „Alles, was wir produzieren und konsumieren, hat einen Landfußabdruck. Ein Fahrrad benötigt 3,4 Quadratmeter Land. Zehn Quadratmeter verschlingt die Herstellung eines Laptops. Ein Kilo Rindfleisch verbraucht im Schnitt 22 Quadratmeter“, sagte UNCCD-Exekutivsekretärin Monique Barbut. Sie beklagte, dass sich nur wenig Menschen um den Landfußabdruck ihres Lebensstils Gedanken machten, da „die Verluste nicht sichtbar seien – oder sich zumindest nicht in den Produkten niederschlagen, die wir verbrauchen“.

Land wird von vielen genutzt, als wäre es eine unbegrenzte Ressource, betonte das UN-Sekretariat in einer Pressemitteilung. Diese Fahrlässigkeit bedroht die Nahrungs- und Wasserversorgung, die Artenvielfalt und sogar die menschliche Sicherheit. Landraub, die ungeplante Ausbreitung von Städten, nicht nachhaltige Landwirtschaft und Überkonsum können zwar kurzfristig wirtschaftliche Vorteile einbringen, aber führen gleichzeitig zu Degradierung und dem Verlust wichtiger Ökosystemleistungen. In den letzten 30 Jahren hat sich der Verbrauch der natürlichen Ressourcen der Erde verdoppelt und mittlerweile gilt ein Drittel der Landflächen des Planeten als degradiert. Das stellt die 1,3 Milliarden Menschen, deren Lebensunterhalt von degradierten Agrarflächen abhängt, vor enorme Schwierigkeiten. Sie leben meist in ländlichen Gegenden in Entwicklungsländern und das Land liefert ihnen – zumindest bisher – Arbeit, Einkommen, Nahrung, Wasser, Energie und Medizin.

Doch die UNCCD ist zuversichtlich, dass veränderte Verhaltensmuster und effizientere Planung und Praktiken gewährleisten können, dass auch künftig ausreichend Landressourcen verfügbar sind, damit sich die Menschheit ihren Lebensunterhalt nachhaltig sichern kann. „Es kommt auf jeden einzelnen von uns an“, sagte Barbut in ihrer Botschaft zum Welttag gegen die Wüstenbildung, der dieses Jahr unter dem Motto „Land hat einen wahren Wert – investiere in es“ steht – im übertragenen Sinne versteht sich. „Landwirte können in kluge landwirtschaftliche Praktiken investieren, die ihnen auch mit wenig Inputs wie Pestiziden gute Erträge bescheren. Und die Verbraucher können in Geld für ökologisch und fair produzierte Lebensmittel ausgeben, um Bodendegradation zu vermeiden. Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, um sinnvoll in Land zu investieren.“ Und Barbut spinnt den Traum weiter: „Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn sich die mehr als 7 Milliarden Verbraucher weltweit jedes Jahr nur zu einer einzigen Änderung ihres Lebensstils verpflichten würden, die die Bereitstellung von Produkten von nachhaltig bewirtschaftetem Land unterstützt!“ Ihr Appell an die Verbraucher lautet daher: „Wenn ihr auswählt, was ihr esst, anzieht oder wie ihr euch fortbewegt: Denkt daran, wie eure Entscheidung sich auf das Land auswirkt – in positiver oder negativer Hinsicht.“

Bodendegradation spielt auch eine wichtige Rolle in der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Ziel 15 der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) sieht unter anderem vor, bis 2030 die Wüstenbildung bekämpfen, die geschädigten Flächen und Böden einschließlich der von Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen betroffenen Flächen zu sanieren und eine Welt anzustreben, in der die Landverödung neutralisiert wird. Die UNCCD will, dass jeder einzelne hierfür Verantwortung übernimmt und betont, dass jede unserer kleinen Entscheidungen im Alltag dazu beitragen kann, die Welt zu verändern. „Im Jahr 2030, wenn die internationale Gemeinschaft Bilanz zur Zielerreichung bei den SDGs zieht, kannst du auf die positiven Veränderungen verweisen, mit denen du einen Beitrag zum Wohle heutiger und künftiger Generationen geleistet hast!“ (ab)

14.06.2018 |

Klimaschutzbericht: Deutschland verfehlt seine Klimaziele

Gülle
Die Emissionen aus der Landwirtschaft sanken zuletzt kaum mehr (Foto: CC0)

Deutschland wird seine Klimaziele krachend verfehlen: Statt die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40% zu verringern, wird die BRD voraussichtlich nur eine Minderung von 32% erzielen – bestenfalls. Das steht nun auch schwarz auf weiß im Klimaschutzbericht 2017, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss. Vor allem im Verkehrssektor und der Landwirtschaft gab es zuletzt kaum Fortschritte bei der Senkung der Emissionen. Um das geplante 40%-Ziel zu erreichen, müsste Deutschland die Emissionen im Vergleich zu 1990 um etwa 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf 750 Millionen Tonnen bis 2020 senken. Doch 2016 wurden immer noch 909 Millionen Tonnen verursacht und für 2017 prognostiziert das Umweltbundesamt nur einen leichten Rückgang auf 905 Millionen Tonnen. „In der Klimapolitik hat es in den vergangenen Jahrzehnten Versäumnisse gegeben, die man nicht in kurzer Zeit wiedergutmachen kann. Wir müssen dringend wieder auf Kurs kommen und unser 40-Prozent-Etappenziel so schnell wie möglich erreichen“, teilte Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit.

Doch woran liegt es, dass Deutschland das Ziel nicht einmal ansatzweise erreichen wird? Das Ministerium schiebt dies auf mehrere Faktoren: Erstens sei überschätzt worden, um wie viele Tonnen die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen den CO2-Ausstoß mindern, gerade im Verkehrssektor. Zudem sei die Wirtschaft deutlich stärker gewachsen als erwartet ebenso wie die Bevölkerung. Die aktuellen Trends bei Wirtschaft und Verkehr ließen gar befürchten, dass die Lücke 2020 noch größer ausfallen werde als 8 Prozentpunkte. Ein Blick auf die Entwicklung in den einzelnen Sektoren zeigt, dass in der Energiewirtschaft die Emissionen um 30% von 466 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 1990 auf geschätzte 328 Millionen in 2017 sanken. Auch in der Industrie gelang eine Reduktion von 32% und bei den Haushalten um 31%. In der Landwirtschaft jedoch konnten im gleichen Zeitraum nur 20% der Emissionen eingespart werden und im Verkehrssektor stieg der Ausstoß sogar um 4%.

Der Klimaschutzbericht zeigt auch die aktuellen Trends für die einzelnen Sektoren auf. Daraus ist ersichtlich, dass der Energiesektor zumindest geringe Fortschritte verbucht – die Emissionen sanken von 349 Mio. t CO2-Äquivalenten in 2015 auf 343 Mio. t CO2-Äq in 2016 und geschätzte 328 Mio. t CO2-Äq in 2017. Die Landwirtschaft allerdings dümpelt in den drei Jahren konstant bei etwa 72 Mio. t CO2-Äquivalenten und damit nahezu unverändert bei gut 7% der Gesamtemissionen. 2014 hatte die Bundesregierung das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 beschlossen, um die Emissionslücke zu schließen. Für die Landwirtschaft nennt der Bericht hierzu zwei Maßnahmen: die 2017 beschlossene Novelle der Düngeverordnung sowie die Erhöhung des Flächenanteils des ökologischen Landbaus.

Bezüglich der Überdüngung lautet das Ziel, die landwirtschaftlichen Stickstoffüberschüsse in der Gesamtbilanz auf 70 kg pro Hektar und Jahr zu reduzieren. „Die mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 beschlossenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen und damit insbesondere die Nicht-CO2-Emissionen in der Landwirtschaft (Lachgas –N2O) zu reduzieren“, heißt es im Klimaschutzbericht. Doch Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass 2015 der Stickstoffüberschuss in der Gesamtbilanz Deutschlands immer noch rund 100 kg pro Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug. Besser fällt die Bilanz auch nicht bei der Ausweitung der Flächen für den Ökolandbau aus. Die Bundesregierung bekennt sich nun zwar zum Ziel, den Anteil des ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 20% zu steigern. Doch von 20% ist sie noch meilenweit entfernt, auch wenn die Fläche von 2016 auf 2017 um 10% zulegte. Aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zufolge wurde 2017 in Deutschland jedoch erst 8,2 % der gesamten Landwirtschaftsfläche ökologisch bewirtschaftet.

Umweltschutzorganisationen warfen der Bundesregierung anlässlich des Scheiterns des 40%-Ziels Versagen vor: „Wer Klimaziele nach hinten verschiebt, erhöht die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre und heizt die Klimakrise damit weiter an“, sagte Michael Schäfer vom WWF. „Die Klimaziele 2020 und 2030 sind noch erreichbar, aber nur mit den richtigen Maßnahmen. Dafür müssen auch der Verkehrssektor, der Gebäudebereich, die Landwirtschaft und die Industrie endlich handeln.“ Auch Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sparte nicht an Kritik: „Der Beschluss ist ein politisches Armutszeugnis und zeigt einmal mehr, dass die Regierungen von Angela Merkel in den zurückliegenden Jahren den Klimaschutz verschlafen haben.“ (ab)

13.06.2018 |

ILO prangert gefährliche Kinderarbeit in der Landwirtschaft an

Arbeit
Kinderarbeit in der Landwirtschaft ist vielerorts keine Seltenheit (Foto: CC0)

Der Kampf gegen die Kinderarbeit gerät ins Stocken: Millionen Kinder weltweit arbeiten immer noch unter gefährlichen Bedingungen, gerade in der Landwirtschaft, doch die Zahl der jüngsten Kinderarbeiter nimmt sogar weiter zu. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni veröffentlichte. Rund um den Globus verrichten immer noch 152 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren Kinderarbeit – rund die Hälfte von ihnen bzw. 72,5 Millionen Kinder arbeiten unter gefährlichen Bedingungen. Sie schuften in Minen, Fabriken, in Privathaushalten oder auf dem Acker. Dabei sind sie häufig Pestiziden oder anderen giftigen Substanzen ausgesetzt, tragen schwere Lasten und arbeiten viele Stunden, während die Bildung auf der Strecke bleibt. An den psychischen und physischen Folgen der Kinderarbeit leiden sie oft ein ganzes Leben lang. „Wir müssen dringend handeln, damit kein Kind unter 18 Jahren gefährliche Kinderarbeit verrichten muss, da Kinder viel anfälliger für Risiken sind als Erwachsene“, teilte ILO-Generaldirektor Guy Ryder mit.

Doch die Bilanz der letzten Jahre fällt gemischt aus: Zwar ist die Gesamtzahl der Kinder, die gefährliche Arbeiten erledigen, zwischen 2012 und 2016 von 85,3 auf 72,5 Millionen gesunken und der prozentuale Anteil verringerte sich von 5,4% auf 4,6%. Doch der Fortschritt beschränkte sich vor allem auf die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen mit einem Minus von 2,5%. Die Zahl der Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren, die gefährliche Kinderarbeit verrichten, stieg von 18,5 auf 19 Millionen im Jahr 2016. Das ist fatal, da diese Phase besonders wichtig für das Wachstum und die Entwicklung ist, betont die ILO. In der Landwirtschaft bleibt gefährliche Kinderarbeit besonders stark verbreitet: 62% spielt sich in diesem Sektor ab. In der Landwirtschaft ist vor allem der Anteil der jüngsten Kinder besonders hoch: 34,8% der gefährlichen Kinderarbeit wird von Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren erledigt – im Industrie- und Dienstleistungssektor ist diese Altersgruppe mit etwa 12% weniger vertreten. Der größte Anteil der Kinderarbeit in der Landwirtschaft entfällt auf Afrika mit 80,7%.

Der ILO-Bericht widmet sich den Folgen der Kinderarbeit in der Landwirtschaft. Gerade Pestizide stellen eine große Gesundheitsgefahr für die jungen Feldarbeiter dar. Die Organisation zitiert eine dreijährige epidemiologische Studie unter 297 Jugendlichen in Ägypten, die Organophosphor- und Pyrethroid-Pestizide ausbrachten. Die Wissenschaftler stellten eine verringerte Lungenfunktion, neurologische Verhaltensstörungen, vermehrtes Auftreten von Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Veränderungen des neurologisches Verhaltens fest. Einige Veränderungen hielten über Monate hinweg an, obwohl die Kinder den Pestiziden nicht mehr ausgesetzt waren und durch die Präsenz der Gifte in der Umwelt litten auch Kinder, die selbst keine Pestizide ausgebracht hatten. Eine Auswertung aktueller Daten aus Äthiopien, dem Niger, Nigeria und Tansania zeigt laut ILO zudem, dass Kinder in der Landwirtschaft ebenso hart arbeiten und gefährliche Tätigkeiten ausführen wie Erwachsene. Die Risiken sind für sie jedoch größer als für Erwachsene. Zwar gelinge es vielen Kinder, die Schulbildung mit der Arbeit in der Landwirtschaft unter einen Hut zu bekommen, doch die Anwesenheit in der Schule und die Leistung der zehnjährigen Jungen und Mädchen seien wahrnehmbar zurückgegangen. Dass viele Familienbetriebe stark auf unbezahlte Kinderarbeit angewiesen sind, sei eine der großen Herausforderungen, betont die ILO.

Das ILO-Übereinkommen 138 zum Mindestalter und 182 zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit hat festgelegt, dass kein Kind unter 18 Jahren gefährliche Arbeiten verrichten darf. Die UN-Staaten bekannten sich in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zur Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, einschließlich gefährlicher Arbeit. UN-Nachhaltigkeitsziel 8 sieht in Unterziel 8.7 ein Ende aller Formen von Kinderarbeit bis 2025 vor. Doch wenn sich die aktuelle Tendenz fortsetzt, werden im Jahr 2025 immer noch 52 Millionen Kinder gefährliche Arbeiten verrichten. „Wenn wir dieses feierliche Versprechen an die Kinder der Welt halten wollen, müssen wir dringend die Ursachen für Kinderarbeit beseitigen. Dies trifft vor allem auf die Landwirtschaft zu, wo Kinder häufig bereits im Alter von sechs bis acht Jahren arbeiten“, verkündete die ILO. (ab)

06.06.2018 |

Studie: Pflanzliche Produkte belasten die Umwelt am geringsten

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Fleisch und Milch: oft mit großen Unterschieden in der Ökobilanz (Foto: CC0)

Weniger Fleisch und Milchprodukte zu essen ist der effektivste Weg, um die negativen Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt zu verringern, belegt eine neue Studie, die am 1. Juni im Fachmagazin Science erschien. Denn tierische Erzeugnisse decken nur 18% der Kalorien- und 37% der Eiweißversorgung, während ihre Produktion 83% der landwirtschaftlich genutzten Flächen belegt und 60% der Treibhausgase erzeugt. Doch Steak ist nicht gleich Steak und Tomate nicht gleich Tomate, denn der Umweltfußabdruck ein und desselben Lebensmittels kann sich extrem unterscheiden je nach Produktionsbedingungen, Herstellungsort und Verpackungsart. Für ihre umfassende Ökobilanz untersuchten Joseph Poore von der Universität Oxford und Thomas Nemecek vom Schweizer Forschungsinstitut Agroscope in einer Meta-Analyse die Umweltauswirkungen von 40 Lebensmitteln in puncto Treibhausgasemissionen, Flächennutzung, Süßwasserverbrauch, Überdüngung von Gewässern und Luftverschmutzung (Versauerung). Dabei verglichen sie verschiedene Produktionssysteme: Die Datensammlung umfasst 38.700 Betriebe und 1.600 Verarbeiter, Verpackungstypen und Handelsunternehmen aus aller Welt.

Die Auswertung zeigt klar, dass sich Rindfleisch, Milch oder Bier jeweils nicht über einen Kamm scheren lassen: „Die Auswirkungen desselben Produktes können je nach Produzent das Fünfzigfache betragen, was erhebliche Einsparungsmöglichkeiten schafft“, heißt es im Abstract der Studie. So etwa beim Bier: Allein der Anbau der Gerste für ein großes Glas kann drei Mal so viel CO2 verursachen und die vierfache Landfläche belegen im Vergleich zu einem anderen Bier. Noch größer wird Unterschied, wenn Verpackung und Entsorgung einfließen. Während Bier aus wieder befüllbaren Fässern mit etwa 20 Gramm Kohlendioxid pro Liter zu Buche schlägt, kommt ein Liter Bier aus Pfandflaschen auf 750 Gramm Kohlendioxid pro Flasche. Wird diese nicht recycelt, erhöht sich die CO2-Bilanz auf 2,5 Kilo, zitiert der ORF. Auch bei Rindfleisch gibt es gewaltige Unterschiede: Die umweltschädlichste Variante kommt auf 105 Kilo CO2-Äquivalente und verschlingt 370m² Land pro 100 Gramm Eiweiß und verursacht damit 12 Mal so viele Emissionen und benötigt 50 Mal so viel Land wie Rindfleisch aus der bestmöglichsten Produktionsweise, nämlich von auf Weiden grasenden Milchkuhherden. „Zwei Dinge, die im Geschäft gleich aussehen, können extrem unterschiedliche Auswirkungen auf den Planeten haben“, sagt Hauptautor Joseph Poore. „Aktuell wissen wir das nicht, wenn wir auswählen, was wir essen. Außerdem spiegelt sich dieser Unterschied nicht in Strategien und Politiken wider, die darauf abzielen, die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft zu verringern.“

Eine Sache lässt sich jedoch leicht auf den Punkt bringen: Pflanzliche Produkte sind besser für die Umwelt, denn selbst die mit den geringsten Umweltfolgen produzierten tierischen Produkte belasteten den Planeten meist mehr als pflanzliche Ersatzprodukte. So sind etwa die CO2-Emissionen von Rindfleisch aus Weidehaltung des im obersten Zehntel liegenden Top-Produzenten mit 9,1kg CO2eq pro 100 Gramm Eiweiß rund 36 Mal höher als vergleichbare Erbsenproduzenten mit 0,25 kg CO2eq. Und selbst im Vergleich zu 100 Gramm Erbsen mit der miesesten Umweltbilanz verursachte dieses Rindfleisch die Elffache Menge an Emissionen. Zudem belegte das am umweltfreundlichsten produzierte Rindfleisch mit 7,3m² sechs Mal mehr Land als vergleichbar produzierte Erbsen mit 1,2m². Möglichst umweltschonend hergestellte Kuhmilch (oberstes Zehntel) benötigte immer noch fast die doppelte Landfläche und die doppelte Treibhausgasmenge im Vergleich zur Durchschnitts-Sojamilch.

„Die Umstellung der gegenwärtigen Ernährung auf eine auf tierische Produkte verzichtende Ernährung hat ein riesiges Transformationspotenzial und könnte die Flächennutzung der Lebensmittelproduktion um 3,1 Milliarden Hektar (um 76%) reduzieren, einschließlich einer Einsparung von 19% Ackerfläche“, schreiben die Autoren. „Das würde den Druck auf die Regenwälder der Erde reduzieren und Land wieder für die Natur freigeben“, so Poore. Eine pflanzliche Ernährung würde aber auch die Emissionen um 6,6 Milliarden Tonnen CO2eq senken (eine Reduzierung um 49%), die Versauerung um 50%, die Eutrophierung um 49% und die Süßwasserentnahme um 19%.“ Doch nicht alle Menschen müssten gleich Veganer werden: „Ein für die Umwelt sehr vorteilhafter Kompromiss wäre daher, dass man weltweit auf die Hälfte des derzeitigen Konsums tierischer Produkte verzichtet und dafür die besonders umweltschädlichen Produktionsverfahren für Fleisch, Fisch und Milchprodukte einstellt“, sagt Nemecek der NZZ. Alleine dadurch würden sich 73% der CO2-Einsparungen erzielen lassen, die eine Umstellung auf eine weltweit vegane Ernährung einbrächten.

Doch von selbst geschieht solch ein Wandel nicht. „Wir müssen Wege finden, um die Bedingungen zu verändern, damit es sich für Produzenten und Konsumenten auszahlt, umweltfreundlich zu handeln. „Umweltsiegel und finanzielle Anreize würden einen nachhaltigeren Konsum unterstützen und so eine positive Signalwirkung haben: Landwirte müssten ihre Umweltauswirkungen überwachen und würden so bessere Entscheidungen treffen“, betont Poore. Zudem könnten besonders umweltschädlich produzierte Produkte durch Abgaben belastet und umweltfreundlich hergestellte Lebensmittel entlastet werden, um Konsumenten die Entscheidung im Supermarkt zu erleichtern. (ab)

30.05.2018 |

EU-Agrarsubventionen 2017 - wohin die 6,5 Milliarden Euro in Deutschland flossen

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Molkereikonzerne erhielten auch 2017 hohe Direktzahlungen von der EU (Foto: CC0)

Behörden, öffentliche Institutionen und große Erzeugergemeinschaften haben 2017 in Deutschland die höchsten Gesamtsummen aus EU-Agrarfördertöpfen erhalten – doch bei den Direktzahlungen profitieren weiterhin vor allem Großbetriebe und Konzerne. Das ergibt eine von Spiegel und NDR Niedersachsen durchgeführte Auswertung der Agrarzahlungen 2017, die am 23. Mai von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in einer Datenbank veröffentlicht wurden. Die Auswertung, illustriert mit zahlreichen Grafiken und vier Karten, bildet eindrücklich die ungleiche Struktur der Landwirtschaft in Deutschland ab – hohe Einzelzahlungen flossen in durch Großbetriebe geprägte Landkreise im Osten und Norden, während in Bayern und Teilen Baden-Württembergs weniger Top-Empfänger zu finden sind: Dort gibt es noch viele kleinere Betriebe, bei denen aufgrund der kleineren Flächen auch die Auszahlungssummen geringer ausfallen.

Die Agrarausgaben machen im EU-Budget momentan jährlich etwa 58 Milliarden Euro aus. Rund 6,5 Milliarden flossen 2017 der BLE zufolge an 329.000 Begünstigte in Deutschland: Die Zahlungen umfassen sowohl den Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL), die sogenannte 1. Säule, mit der die Direktzahlungen an Landwirte finanziert werden, als auch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), der unter anderem Gelder für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen vorsieht. Laut Landwirtschaftsministerium stehen Deutschland für die 1. Säule von 2014 bis 2020 jährlich rund 4,85 Milliarden Euro und für die 2. Säule 1,35 Milliarden zur Verfügung. Addiert man die Zahlungen aus beiden Töpfen, so erhielten die 15 Top-Empfänger 2017 zusammen 86 Millionen Euro. Neun dieser Empfänger befinden sich in öffentlicher Hand, darunter Ministerien, Umweltämter und eine Naturschutzstiftung, die vor allem Gelder für Hochwasser- und Küstenschutz, ländliche Entwicklung und Naturschutz bekamen.

Ein anderes Bild ergibt der Blick allein auf die Direktzahlungen: Hier profitieren vor allem Erzeugerorganisationen für Obst und Gemüse und große Betriebe. Auf Platz fünf steht die schwedisch-dänische Molkerei Arla Foods, die 3,09 Millionen Euro für Interventionsmaßnahmen erhielt, mit denen die EU den Milchmarkt stabilisieren will. In der Top-20 vertreten sind auch der niederländische Molkereikonzern Friesland-Campina, der 1,6 Millionen Förderung für das Schulmilchprogramm erhielt, und die Südzucker AG, einer der größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschland mit einem Jahresumsatz von 7 Milliarden. Südzucker bekam 2017 ebenfalls rund 1,6 Millionen Euro an Direktzahlungen, dazu kommen 298.135 Euro aus dem ELER-Topf. Der Spiegel berichtete, das Unternehmen habe auf Anfrage mitgeteilt, die Direktzahlungen für die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen im Umfeld der eigenen Zuckerfabriken empfangen zu haben. An den Molkerei-Riesen Deutsches Milchkontor (DMK), der 2016 noch stolze 21,64 Millionen durch Interventionskäufe zur Stabilisierung des Milchmarktes und Beihilfen für die private Lagerhaltung erhielt, wurden 2017 nur noch 344.215 Euro für die private Lagerhaltung ausgezahlt.

Neben einer Karte, die die ausbezahlte Basisprämie je Quadratkilometer Landkreisfläche darstellt und deren tiefgrüne Einfärbung zeigt, welche Teile Deutschlands besonders intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, hat der Spiegel auch grafisch aufbereitet, wie viele Empfänger von Direktzahlungen es in den jeweiligen Landkreisen im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Fläche gibt. Die hellen Flecken im Osten der Republik zeigen, dass hier nur wenige Betriebe besonders große Flächen besitzen und sich die Zahlungen demnach auf nur wenige Begünstigte verteilen. „Der Hauptgrund für diese Struktur ist ein Erbe aus DDR-Zeiten“, schreibt das Blatt, da die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossen-schaften riesige Gebiete bewirtschafteten. „Nach der Wende entstanden daraus viele Großbetriebe, die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Fällen von landwirtschaftsfernen Investoren übernommen wurden.“ So flossen 2017 rund 1,49 Millionen an die Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH, die aus einer LPG hervorging und nun einem Großinvestor aus Niedersachsen gehört.

In Bayern und Teilen Baden-Württembergs ist bei den Direktzahlungen genau das Gegenteil der Fall: In diesen Regionen dominieren kleinbäuerliche Betriebe, darunter viele Nebenerwerbsbetriebe, die nur wenig Flächen haben. Daher gibt es zahlreiche Empfänger pro Landkreis, die jedoch kleinere Beträge erhalten – auf der Spiegel-Karte dunkelgrün markiert. Aktuell wird über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU für die Zeit nach 2020 debattiert. EU-Agrarkommissar Phil Hogan will am 1. Juni die Pläne vorstellen. Medien berichtete, dass der Entwurf der EU-Kommission vorsieht, eine Kappung der Flächenprämien bei 60.000 Euro pro Betrieb und Jahr einzuführen. (ab)

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