Wasser

Ineffiziente Bewässerungssysteme, die Abholzung von Wasser speichernden Wäldern, die Übernutzung von Grundwasser- quellen und die Verschmutzung und Ver- giftung ganzer Wasserläufe, verknappen die begrenzte Ressource Wasser. Darüber hinaus führt der Anbau von Mais, Baumwolle und anderen Wasser zehrenden Pflanzen in Gegenden, die für deren Anbau zu trocken sind, zu einer weiteren Verknappung. In vielen wasserarmen Gebieten ist der gegenwärtige Wasserverbrauch pro Kopf nicht nachhaltig. Zwar ist weltweit genügend Wasser vorhanden, um Lebensmittel für eine wachsende und anspruchsvollere Bevölkerung zu produzieren. Doch eine Fortführung heutiger Wasserbewirtschaftungsformen wird in vielen Regionen der Erde zu akuten Wasserkrisen führen. (Global, S. 279)Gut 40 % aller Lebensmittel werden weltweit auf künstlich bewässerten Flächen angebaut. Vor allem in den dicht besiedelten Regionen Südostasiens haben gewaltige Investitionen in zusätzliche Bewässerungsanlagen während der 60er bis 80er Jahre, wesentlich zur Steigerung der Erträge beigetragen. Wie und wo eine Ausweitung der Bewässerung und die zusätzliche Entnahme aus Flüssen und vom Grundwasser in Zukunft möglich und sinnvoll sind, ist umstritten. (siehe auch > Agrarökologie)

Wasser für Cash-Crops: Der Tod des Aralsees

Dem Aralsee im heutigen Kasachstan und Usbekistan wurde seit den 1960er Jahren dauerhaft zu viel Wasser entnommen. Sein Wasserstand sank in großen Teilen bis zur Austrocknung. Das Frischwasser seiner beiden Hauptzuflüsse wurde zur Bewässerung von 2,5 Millionen Hektar Wüste verwendet - zum Anbau von Export-Pflanzen, hauptsächlich von Baumwolle.
Mitte des letzten Jahrhunderts von etwa 50 Kubikkilometern Frischwasser pro Jahr gespeist, kam in den frühen 1980er Jahren davon nichts mehr im Aralsee an. In den 1990er Jahren war die Fläche des Sees bereits um die Hälfte geschrumpft und sein Volumen um 75 % gesunken. Der Salzgehalt des Wassers hatte sich vervierfacht. Die meisten Fische und andere Lebewesen im und am See konnten nicht überleben. Die Austrocknung des Aralsees führte zum Zusammenbruch der Fischerei, zu Wasser- und Bodenverunreinigung, und es entstanden gefährliche Mengen verschmutzter Sedimente in der Luft (Salz- und Pestizid-Partikel). Der regionale Grundwasserspiegel sank und viele Oasen in der Nähe des Aralsee-Ufers wurden zerstört. 1990 hatten sich mehr als 95 % der Sümpfe und Feuchtgebiete um den See in Sandwüsten verwandelt.
Die Menschen in den anliegenden Gemeinden haben massive Gesundheitsprobleme. Das Trink- wasser ist verschmutzt. Chronische Bronchitis, Nieren- und Lebererkrankungen sind in der Region um 3000 % gestiegen. Die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen ist eine der höchsten weltweit.

Gerechte Verteilung von Wasser

Über eine Milliarde Menschen haben heute keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Millionen Frauen und Kinder gehen täglich lange, oft gefährliche Wege, um Wasser nach Hause zu schleppen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nutzwasser für die Landwirtschaft ist ebenso ungerecht verteilt, wie der zu Lebensmitteln und Grundbesitz. Besonders in Afrika und Lateinamerika sind Wasserrechte häufig extrem ungerecht verteilt. Erstens leben bereits mehr als eine Milliarde Menschen in Flusseinzugsgebieten mit physischer Wasserknappheit. Die Verfügbarkeit von Wasser ist hier ein wesentliches Hemmnis für die Landwirtschaft.(...), mehr und mehr Gebiete werden mit saisonalem oder permanentem Wassermangel konfrontiert sein. Zweitens wird sich die Konkurrenz unterschiedlicher Sektoren intensivieren. (...) In den meisten Ländern hat die städtische Wasserversorgung per Gesetz oder de facto Vorrang vor der Landwirtschaft. Ihr wird deshalb weniger Wasser zur Verfügung stehen; besonders in der Nähe der großen Städte wasserarmer Regionen wie dem Mittleren Osten und Nordafrika, Zentralasien, Indien, Pakistan, Mexiko und dem Norden Chinas. Wasser für Energie, d.h. Wasserkraft und Biokraftstoffe, wird zusätzlichen Druck auf die Wasserressourcen erzeugen. Drittens zeigen sich an immer mehr Orten Anzeichen schwerer Umweltschäden durch Wasserknappheit, überhöhte Entnahme und Wasserverschmutzung; oftmals mit gravierenden Folgen für die Armen, deren Lebensunterhalt von diesen Ökosystemen abhängt. (Global, S. 341)Der Weltagrarbericht schließt nicht aus, dass in Zukunft Lebensmittel aus wasserreicheren Regionen in wasserarme Regionen Afrikas und Zentralasiens exportiert werden müssen. Ein solcher Export von "virtuellem Wasser" findet heute bereits in großem Maßstab statt, allerdings in umgekehrter Richtung. Das Wasser fließt mit den importierten Cash-Crops aus Entwicklungsländern überwiegend in die Fleischproduktion der Industriestaaten.

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Grafiken

  • UNEP Access Drinking WaterUNEP Access Drinking Water
  • UNEP Irrigated Cropland by RegionUNEP Irrigated Cropland by Region
  • UNEP Water for Food Production 1960-2050UNEP Water for Food Production 1960-2050
  • UNEP Water Scarcity IndexUNEP Water Scarcity Index
  • UNEP Declining WaterUNEP Declining Water
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