Saatgut und Patente auf Leben

In den Agrarwissenschaften hat in den vergangenen Jahren eine zunehmende Privatisierung statt gefunden.
Die Privatisierung hat auch die öffentliche Forschung erfasst. Als Folge wird Wissen mehr und mehr als Privateigentum denn als Gemeingut verstanden.
Der Weltagrarbericht kritisiert die ausufernde Patentierung von Wissen, und kritisiert besonders die Patentierung von Saatgut und genetischen Informationen. Patentierung stärkt die Dominanz weniger multinationaler Unternehmen. Die Unternehmen kontrollie- ren mit komplizierten Lizenz-Systemen den internationalen Handel von geistigem Eigentum und natürlichen Ressourcen. Die patentierbare Neuheit eines Verfahrens oder Produkts wird oft wichtiger als sein allgemeiner Nutzen. Problemlösungen erscheinen nur dann interessant, wenn sie sich als Produkte vermarkten lassen. Effiziente und kostengünstige Methoden oder Lösungsstrategien, die diesen Kriterien nicht genügen, haben das Nachsehen und werden sogar diskreditiert, wo sie als Konkurrenz erscheinen. >>mehr

Dominanz weniger internationaler Unternehmen

Der Weltagrarbericht kritisiert die ausufernde Patentierung von Wissen, und kritisiert besonders die Patentierung von Saatgut und genetischen Informationen. Er bezweifelt den Nutzen von Patenten für die Forschung und Wissensverbreitung.Saatgutunternehmen geben bereits weit mehr Geld für Rechtsanwälte als für ihre Forschung aus. Dieses Übergewicht der Rechts- über die Forschungskosten, um sich durch das Patent-Dickicht zu kämpfen, mag öffentlichen Forschungsinstitutionen eine Warnung sein, dass kommerzielle Züchtungspraktiken zur Herstellung öffentlicher Güter kein optimaler Weg sind (Global, S.478)Der Weltagrarbericht weist auf die Dominanz weniger multinationaler Unternehmen hin, die Patente auf Saatgut, Pflanzen, Tiere und genetische Informationen horten und in einem komplizierten Lizenzsystem handeln und kontrollieren. Ihre Verwertungsstrategie für den neuen “Rohstoff Wissen” bestehe häufig nur darin, anderen seine Nutzung und Fortentwicklung zu verwehren. Der internationale Handel mit geistigem Eigentum widerspricht herkömmlichen bäuerlichen und indigenen Regeln der Weitergabe und Kontrolle ihres Wissens. Im Bereich der Züchtung von Pflanzen und Tieren, der Molekularbiologie und der Agrochemie wird der Handel mit geistigem Eigentum von einer kleinen Gruppe internationaler Konzerne in einem Netzwerk privater und öffentlicher Universitäten und Institutionen kontrolliert.

Zahlen & Fakten

Die Zahl der Patentanmeldungen im Bereich der konventionellen Züchtung steigt beständig: 2008 machten diese Anträge etwa 25 % aller Patentanträge auf Pflanzen und Saatgut aus, während sie in den Jahren 2000 – 2002 noch unter 5 % lagen.

Konzerne wie Monsanto melden Patente an, die sich gleichzeitig auf die Bereiche der Lebensmittel-, Futtermittel- und Energieerzeugung erstrecken. Ausgehend vom Saatgut beanspruchen die Konzerne die gesamte Produktionskette bis hin zur Verarbeitung der Ernte z. B. zu Salatöl und Agrosprit.

In der Europäischen Richtlinie "Rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen" (98/44 EC) wurde festgelegt, dass sich sogar Patente, die sich nur auf Verfahren zur Züchtung beziehen, auf alle nachfolgenden Produkte, Generationen und Kreuzungen von Pflanzen und Tieren erstrecken können.

97 % aller Saatgut-Patente befinden sich in den Händen von Unternehmen aus Industrieländern, obwohl 90 % der biologischen Ressourcen aus dem Süden stammen.

Videos: Saatgut und Patente auf Leben

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