Klima und Energie

Obwohl sie der wichtigste Faktor bei Klima-Emissionen ist, blieb die Landwirtschaft bisher bestenfalls ein Stiefkind nationaler wie internationaler Klimaschutzstrategien. Die meisten Agrarsubventionen der Industrieländer, fördern weiterhin Anbau- und Produktionsmethoden sowie Konsum- gewohnheiten und Handelsströme, die das Klima zusätzlich aufheizen. Dabei wäre, da Pflanzen CO2 speichern und Böden Kohlenstoff aufnehmen Kohlenstoffspeicherung im Boden kann global 5 bis 15% der jährlichen fossilen CO2-Emmissionen ausgleichen... (Global, S.190), die Landwirtschaft als einziger Wirtschaftszweig in der Lage, maßgeblich zur Klimarettung beizutragen. Konzepte zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern, verfolgen noch immer überkommene Strategien der Ertragssteigerung durch erhöhten Energieaufwand.
Der Weltagrarbericht fordert eine grundlegende Anpassung der Agrar- und Handelspolitik an die Klimaziele der Weltgemeinschaft. Emissionsarme und Kohlenstoff speichernde Anbaumethoden, aber auch klimafreundlichere Produktions- und Verbrauchsformen, müssen in die laufenden Klimaschutzverhandlungen aufgenommen werden.(siehe auch > Klimawandel und Anpassung & Agrarökologie & Bäuerliche und indutrielle Landwirtschaft)

56 % Verluste in der Lebensmittelkette

Von 4.600 Kilokalorien, die auf dem Acker produziert werden, kommen im weltweiten Durchschnitt nur 2.000 Kilokalorien auf unseren Tellern an (Berechnungen der UNEP). Ernteverluste, die Umwandlung pflanzlicher in tierische Kalorien und weggeworfene Lebensmittel „fressen“ die weiteren Kalorien auf.
Diese Durchschnittswerte verbergen noch sehr viel extremere Formen der Verschwen- dung: In der industriellen Lebensmittel- erzeugung und beim Verbrauch in den reichen Wegwerfgesellschaften.
Die Kalkulation der UNEP berücksichtigt auch nicht die größer werdenden Ackerflächen, die nicht zur Lebensmittelproduktion genutzt werden. (siehe auch > Fleisch)

CO2-Einsparpotentiale der Landwirtschaft

Das größte CO2-Einsparpotential der Landwirtschaft sieht der Weltagrarbericht in einer klimaschonenderen Bodenbewirt- schaftung. Diese Maßnahmen schlägt der Bericht vor: Ackerland darf nicht brach liegen, es sollte durchgehend begrünt sein, und es sollte so flach wie möglich bearbeitet oder gepflügt werden. Der systematische Aufbau des Humusgehalts erhöht den Kohlenstoff-Speicher und zugleich die Fruchtbarkeit der Böden. Hierfür sollten Erntereste genutzt werden, anstatt diese offen verrotten zu lassen. Gründünger sollte Kunstdünger ersetzen, biologische Schädlingskontrolle den Einsatz von Pestiziden. Weitere Abholzung muss vermieden, nicht genutztes Land wieder aufgeforstet werden. Die Integration von Bäumen in die landwirtschaftliche Produktion durch Agrarforstwirtschaft kann ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leisten.
Als vordringliches Ziel fordert der Weltagrarbericht, die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brenn- und Treibstoffen drastisch zu reduzieren. Gewaltige Potentiale liegen auch in der Optimierung und dem Ersatz pflanzlicher Brennstoffe wie Feuerholz.
Viele dieser Maßnahmen reduzieren nicht nur die CO2-Emissionen, sondern helfen auch, die Landwirtschaft besser an künftige Klimaveränderungen anzupassen, Ressourcen zu schonen und die Artenvielfalt zu erhalten. (siehe auch > Agrarökologie)

Kalorien-Effizienz steigern

Einzelne Maßnahmen zur CO2-Reduzierung in der Landwirtschaft müssen den jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sein. Und sie können nicht ausschließlich unter Klimaaspekten bewertet werden.
Der Weltagrarbericht warnt auch in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor allzu einfachen und globalen Rezepten. Ein weltweit sicheres Rezept ist jedoch die Steigerung der Effizienz bei der Frage: Wie viele Kilokalorien Energieeinsatz erfordert die Produktion einer tatsächlich verbrauchten Kilokalorie Lebensmittel? Solange in den USA und der EU 30 % bis 50 % aller Lebensmittel in Fabriken, im Handel, in Restaurants und in Privathaushalten einfach weggeworfen werden, sind hier die größten Effizienzsprünge möglich.

Fakten

• Die Landwirtschaft trägt mit 17-32 % erheblich zu dem von Menschen verursachten Klimawandel bei;
(Greepeace, Themen, Landwirtschaft und Klima, Januar 2008)

• Über 13 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland werden von der Landwirtschaft verursacht
(IÖW, Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung, Studie, Klimawirkung der Landwirtschaft, August 2008)

• Landwirtschaftlich verursachte Methan- und Lachgasemissionen sind  zwischen 1990 und 2005 um 17 Prozent gestiegen.
(Greenpeace, report, Cool Farming: Climate impacts of agriculture and mitigation potential, Januar 2008)

• Hochrechnungen zufolge sollen die Methan und Lachgasemission  bis 2030 um weitere 35 - 60 Prozent steigen.
(Greenpeace, report, Cool Farming: Climate impacts of agriculture and mitigation potential, Januar 2008)

• Lachgas ist ein besonders klimaschädliches Gas. Im Vergleich zu CO2 ist die klimaschädliche Wirkung etwa 300-mal stärker.
(Greepeace, Themen, Landwirtschaft und Klima, Januar 2008)

• Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie die Entwässerung von Feuchtgebieten entscheiden über das Ausmaß der „Klimakosten“
(IÖW, Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung, Studie, Klimawirkung der Landwirtschaft, August 2008)

•Die Landwirtschaft ist der einzige Wirtschaftszweig, der theoretisch mehr Klimagase binden als ausstoßen und so zur Klimarettung beitragen kann;
(National Sustainable Agriculture Coalition, policy position paper, Agriculture and Climate Change, Juli 2009)

 

 

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