Klima und Energie

Obwohl sie der wichtigste Faktor bei Klima-Emissionen ist, blieb die Landwirtschaft bisher bestenfalls ein Stiefkind nationaler wie internationaler Klimaschutzstrategien. Die meisten Agrarsubventionen der Industrieländer fördern weiterhin Anbau- und Produktionsmethoden sowie Konsum- gewohnheiten und Handelsströme, die das Klima zusätzlich aufheizen. Dabei wäre die Landwirtschaft als einziger Wirtschaftszweig in der Lage, maßgeblich zur Klimarettung beizutragen, da Pflanzen CO2 speichern und Böden Kohlenstoff aufnehmen. Kohlenstoffspeicherung im Boden kann global 5 bis 15% der jährlichen fossilen CO2-Emmissionen kurzfristig ausgleichen (Global, S. 190)Konzepte zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern verfolgen noch immer überkommene Strategien der Ertragssteigerung durch erhöhten Energieaufwand.
Der Weltagrarbericht fordert eine grundlegende Anpassung der Agrar- und Handelspolitik an die Klimaziele der Weltgemeinschaft. Emissionsarme und Kohlenstoff speichernde Anbaumethoden, aber auch klimafreundlichere Produktions- und Verbrauchsformen, müssen in die laufenden Klimaschutzverhandlungen aufgenommen werden (siehe auch > Klimawandel und Anpassung, Agrarökologie, Bäuerliche und industrielle Landwirtschaft).

 

57% Verluste in der Lebensmittelkette

Von 4.600 Kilokalorien, die auf dem Acker produziert werden, kommen im weltweiten Durchschnitt nur 2.000 Kilokalorien auf unseren Tellern an (Berechnungen des UNEP). Ernteverluste, die Umwandlung pflanzlicher in tierische Kalorien und weggeworfene Lebensmittel „fressen“ die weiteren Kalorien auf.
Diese Durchschnittswerte verbergen noch sehr viel extremere Formen der Verschwen- dung: In der industriellen Lebensmittel- erzeugung und beim Verbrauch in den reichen Wegwerfgesellschaften.
Die Kalkulation der UNEP berücksichtigt auch nicht die größer werdenden Ackerflächen, die nicht zur Lebensmittelproduktion genutzt werden. (siehe auch > Fleisch)

CO2-Einsparpotentiale der Landwirtschaft

Das größte CO2-Einsparpotential der Landwirtschaft sieht der Weltagrarbericht in einer klimaschonenderen Bodenbewirt- schaftung. Diese Maßnahmen schlägt der Bericht vor: Ackerland darf nicht brach liegen, es sollte durchgehend begrünt sein und es sollte so flach wie möglich bearbeitet oder gepflügt werden. Der systematische Aufbau des Humusgehalts erhöht den Kohlenstoff-Speicher und zugleich die Fruchtbarkeit der Böden. Hierfür sollten Erntereste genutzt werden, anstatt diese offen verrotten zu lassen. Gründünger sollte Kunstdünger ersetzen, biologische Schädlingskontrolle den Einsatz von Pestiziden. Weitere Abholzung muss vermieden, nicht genutztes Land wieder aufgeforstet werden. Die Integration von Bäumen in die landwirtschaftliche Produktion durch Agrarforstwirtschaft kann ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leisten.
Als vordringliches Ziel fordert der Weltagrarbericht, die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brenn- und Treibstoffen drastisch zu reduzieren. Gewaltige Potentiale liegen auch in der Optimierung und dem Ersatz pflanzlicher Brennstoffe wie Feuerholz.
Viele dieser Maßnahmen reduzieren nicht nur die CO2-Emissionen, sondern helfen auch, die Landwirtschaft besser an künftige Klimaveränderungen anzupassen, Ressourcen zu schonen und die Artenvielfalt zu erhalten. (siehe auch > Agrarökologie)

Kalorien-Effizienz steigern

Einzelne Maßnahmen zur CO2-Reduzierung in der Landwirtschaft müssen den jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sein. Und sie können nicht ausschließlich unter Klimaaspekten bewertet werden.
Der Weltagrarbericht warnt auch in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor allzu einfachen und globalen Rezepten. Ein weltweit sicheres Rezept ist jedoch die Steigerung der Effizienz bei der Frage: Wie viele Kilokalorien Energieeinsatz erfordert die Produktion einer tatsächlich verbrauchten Kilokalorie Lebensmittel? Solange in den USA und der EU 30% bis 50% aller Lebensmittel in Fabriken, im Handel, in Restaurants und in Privathaushalten einfach weggeworfen werden, sind hier die größten Effizienzsprünge möglich.

Videos: Klima und Energie

Klicken Sie auf das Bild um die Videoplaylist anzusehen
Klicken Sie auf das Bild um die Videoplaylist anzusehen

Grafiken

  • UNEP Greenhouse Gas EmissionsUNEP Greenhouse Gas Emissions
  • UNEP Human influenesUNEP Human influenes
  • UNEP Emissions from AgricultureUNEP Emissions from Agriculture
  • UNEP - Regional CO<sub>2</sub> emissionsUNEP - Regional CO2 emissions
  • UNEP - Coastal vulnerabilityUNEP - Coastal vulnerability
Share |

Unterstützer

Unterstützer von www.weltagrarbericht.de biovision Verlag der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Demeter Greenpeace Forum Umwelt und Entwicklung Eine Welt Stiftung Die Grünen, Europäische Freie Allianz Evangelischer Entwicklungsdienst NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V. Misereor Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit Zukunftsstiftung Landwirtschaft in der GLS Treuhand Zukunftsstiftung Landwirtschaft in der GLS Treuhand
English versionEnglish versionDeutsche Version