Hunger im Überfluss

Ein Mensch braucht am Tag mindestens 1.700 - 2.000 Kalorien, um gesund zu bleiben und ein aktives Leben führen zu können. Einem Sechstel der Menschheit steht dieses Minimum an Kalorien nicht zur Verfügung. Heute hungern mehr Menschen als je zuvor auf der Erde. 70% von ihnen leben auf dem Land.
Weltweit ernten Landwirte ein Drittel mehr (in Kalorien) als nötig wäre, um alle Menschen ausreichend zu versorgen.
Doch immer größere Mengen des weltweit produzierten Getreides werden als Tierfutter, als Treibstoff oder für andere industrielle Zwecke genutzt - und nicht zur Ernährung. Hunger hat viele Gesichter und Ursachen. Sicher ist jedoch: Er kann nur lokal überwunden werden. >>mehr

Die Weltkarte der Unterernährung

Seit dem Welternährungs-Gipfel von 1996 geloben die Staatschefs, die Zahl der hungernden Menschen bis zum Jahr 2015 auf 415 Millionen zu reduzieren. Seitdem steigt jedoch die Zahl der Unterernährten. Seit den Preisexplosionen auf dem Weltagrarmarkt 2007/2008 nimmt auch ihr prozentualer Anteil an der Weltbevölkerung zu: Derzeit hungern etwa 870 Millionen Menschen, das sind 12,5% der Weltbevölkerung.
Der Zugang zu Boden, Wasser, Saatgut, Dünger und Arbeitsgeräten ist für die Menschen auf dem Land existenziell. Eine soziale Mindestabsicherung, Bildung und zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten auf dem Land entscheiden zudem darüber, ob das Menschenrecht auf ausreichende und gesunde Ernährung umgesetzt wird. In den meisten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind Hunger und Armut daher auch eine wesentliche Frage der regionalen Selbstversorgung. Eine zentrale Botschaft des Weltagrarberichtes lautet deshalb: Hunger ist vor allem ein ländliches Problem und kann nachhaltig nur vor Ort überwunden werden.

Lesenswert: Politik des Hungers

Knapp 900 Millionen Menschen - ein Achtel der Menschheit - leiden an Hunger. Walden Bello fragt nach den Ursachen des Hungers. Der Träger des Alternativen Nobelpreises findet sie in der Kapitalisierung der Landwirtschaft. Sein 2010 erschienenes Buch „Politik des Hungers" befasst sich mit den Folgen der von Weltbank und IWF verordneten Strukturanpassungsprogramme für Kleinbauern und Landarbeiter. Bellos Buch ist eine tiefgehende Analyse der politischen Ökonomie des Hungers sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den gängigen Theorien wirtschaftlicher Entwicklung.
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Fakten & Zahlen

Nach Angaben der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation waren im Zeitraum 2010-2012 weltweit 868 Millionen Menschen unterernährt - jeder achte Mensch. 2010 waren über 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren untergewichtig. Jedes Jahr sterben 2,5 Millionen Kinder an Mangelernährung.

65% der 868 Millionen Hungernden leben in Asien und der Pazifikregion, gefolgt vom subsaharischen Afrika, wo 27% bzw. 234 Millionen der unterernährten Weltbevölkerung wohnen sowie Lateinamerika und Karibik mit 7% bzw. 49 Millionen der Hungernden. Afrika südlich der Sahara ist am stärksten von Hunger betroffen - 26,8% der Bevölkerung sind dort unterernährt.

2012 war die Hungersituation in 20 Ländern laut dem Welthunger-Index sehr ernst, v.a. in Südasien und im subsaharischen Afrika. Besonders gravierend war die Lage in Burundi, Eritrea und Haiti - dort sind über 50% der Bevölkerung unterernährt. Der Index spiegelt noch nicht die Folgen der jüngsten Hungersnot am Horn von Afrika und die unsichere Nahrungssituation im Sahelgebiet wider.

Unterernährung ist verantwortlich für mehr als ein Drittel aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Im Jahr 2010 starben 2,6 Millionen Kinder an Unterernährung - das sind täglich 300 Kinder pro Stunde oder fünf Kinder pro Minute!

Die landwirtschaftliche Produktion würde ausreichen, um alle Menschen der Welt zu ernähren. Die Kalorienmenge, die jedem Menschen täglich zur Verfügung steht, stieg von 2.200 Kilokalorien (kcal) Anfang der 1960er Jahre auf 2.790 kcal in den Jahren 2006-2008. In den Entwicklungsländern erhöhte sie sich sogar von 1.850 kcal auf 2.640 kcal im selben Zeitraum.

Für 2012 wird die Weltgetreideproduktion auf 2.284 Millionen Tonnen geschätzt, das sind nur 2,7% weniger im Vergleich zur Rekordernte 2011mit 2.348 Millionen Tonnen. Trotz dieses Rekords wurde nur 47% des Getreides zur Ernährung genutzt, 34% wurde als Tierfutter verwendet und der Rest zu Treibstoff oder anderen Industrieprodukten verarbeitet.

Der Lebensmittelpreisindex der FAO verzeichnete für März 2012 einen Wert von 216 Punkten. Damit waren Nahrungsmittel ebenso teurer wie während der Lebensmittelpreiskrise 2008 und lagen nur geringfügig unter den neuen Spitzenwert im April 2011 mit 235 Punkten.

Videos: Hunger im Überfluss

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Nahrungsmittelspekulation einfach erklärt. Weed.
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