Lebens-Mittel und Krankmacher

Fast 900 Millionen Menschen leiden an Unterernährung und es mangelt ihnen an notwendigen Nährstoffen wie Eisen, Zink, Jod und Vitamin A. Diese Menschen leiden nicht immer akuten Hunger, sind aber gesundheitlich schwer beeinträchtigt. Gleichzeitig übertrifft die Zahl der Menschen, die übergewichtig oder fettleibig sind, mittlerweile die der Hungernden bei Weitem. Übergewicht ist die Hauptursache für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle und bestimmte Arten von Krebs. Zusammengenommen sind Unterernährung, krankhaftes Übergewicht und Fehlernährung für die meisten aller vermeidbaren Krankheiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortlich. Ihre gemeinsame Ursache ist die Entkoppelung, Zertrennung und Entfremdung von Lebensmittel-Produktion und Lebensmittel-Verbrauch. Es ist notwendig, diese Zusammenhänge auf allen Ebenen wiederherzustellen. >>mehr

Die Weltkarte der Überernährung

Weltweit leiden 1,4 Milliarden Erwachsene an Übergewicht. Etwa ein Drittel von ihnen ist krankhaft adipös (fettleibig).
Diese „weltweite Epidemie“ (WHO) breitete sich in den letzten Jahren rasant aus. Sie grassiert in den Industriestaaten, zunehmend aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Der Weltagrarbericht zeigt, dass Landwirt-schaft und Ernährung die wichtigste Grund- lage menschlicher Gesundheit, aber auch die wesentliche Krankheitsursache ist - in reichen wie in armen Ländern. Leiden und frühzeitiger Tod von Millionen Menschen können durch gesunde Ernährung, sichere Lebensmittelproduktion und nachhaltige Landwirtschaft verhindert werden. Dies sind entscheidende Faktoren für wirtschaftlichen Aufschwung in den Entwicklungsländern. Und sie sind das beste Rezept, um die ausufernden Kosten des Gesundheitswesens in den Industrieländern einzudämmen.

Fakten & Zahlen

Nach den neusten Angaben der Weltgesundheitsorganisation litten 2008 etwa 1,4 Milliarden Menschen über 20 Jahre an Übergewicht. Von ihnen waren 200 Millionen Männer und 300 Millionen Frauen krankhaft fettleibig. 2011 waren über 40 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig.

Unser Ernährungssystem macht krank. Die Zahl der Übergewichtigen übertrifft mittlerweile die der Unterernährten bei weitem. Der UN-Sonderberichterstatter schlägt vor, ungesunde Produkte zu besteuern; salz-, zucker- und fettreiche Lebensmittel zu regulieren; Werbung für Junkfood einzuschränken; Agrarsubventionen abzuschaffen, die ungesunde Zutaten billiger machen und die lokale Nahrungsmittelproduktion zu unterstützen, damit alle Zugang zu gesunder Nahrung haben.

In Deutschland sind sind 67% der Männer und 53% der Frauen übergewichtig. Jeder vierte Bürger (23% der Männer, 24% der Frauen) ist sogar adipös und hat einen Body-Mass-Index über 30. In der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen sind rund 74% der Männer und 63% der Frauen übergewichtig.

Jährlich erblinden 250.000 bis 500.000 Kinder an den Folgen von Vitamin-A-Mangel. Die Hälfte von ihnen stirbt innerhalb eines Jahres nach dem Verlust des Augenlichts.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz wurden 2011 in Deutschland rund 1.734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben und kamen in der Tierhaltung zum Einsatz.

Eine Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW hat ergeben, dass 9 von 10 Masthühnern (92,5%) während ihrer Mastdauer mit Antibiotika behandelt wurden. Die Studie bezog 832 Mastdurchgänge aus 184 Betrieben ein, die 2011 in NRW untersucht wurden.

Nach Angaben der WHO treten jährlich rund 440.000 neue Fälle von multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) auf, die zu mindestens 150.000 Todesfällen führen.

Von den 335.000 tödlichen Unfällen am Arbeitsplatz ereignen sich mindestens 170.000 Unfälle pro Jahr in der Landwirtschaft. Maschinen, wie Traktoren und Erntemaschinen, sind für die meisten Verletzungen verantwortlich. Hinzu kommen 70.000 Pestizidvergiftungen mit tödlichem Ausgang und 7 Millionen Fälle mit akuten und langfristigen Gesundheitsschäden durch Pestizide.

Etwa 60% der Kinderarbeit in gefährlichen Arbeitsbereichen findet in der Landwirtschaft statt. Circa 68 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten in diesem Sektor, die meisten von ihnen in Entwicklungsländern. Die Dunkelziffer ist hier besonders hoch.

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