Gentechnik und Biotechnologie

Ein Ziel, das die Weltbank erreichen wollte, als sie den Weltagrarbericht initiierte, war: Den Streit um den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Landwirtschaft beilegen, oder zumindest einen breiten wissenschaftlichen Konsens zu diesem Thema erreichen.
Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.
Der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen macht einen geringen Teil der modernen Biotechnologien in der Land- und Lebensmittelwirtschaft aus. Die Erfolge der wenigen kommerziell eingesetzten GVO sind nach wie vor umstritten. Umwelt- und Gesundheitsrisiken können weiterhin nicht seriös bewertet werden. Es fehlen bisher Ergebnisse und Konzepte einer langfristigen Sicherheitsforschung. Probleme, die sich aus der Privatisierung und Patentierung von Wissen und Saatgut ergeben, sind in der Gentechnik besonders gravierend. Der Grad ihrer Monopolisierung in den Händen weniger multinationaler Unternehmen ist beispiellos. Weil GVO besonders kapital- und forschungsintensiv sind, werden sie nach Einschätzung des Weltagrarberichtes in absehbarer Zeit für Kleinbauern in Entwicklungsländern und bei der Bekämpfung des Hungers keine besondere Rolle spielen. Aufwändige Sicherheits- und Kontrollbestimmungen, offene Fragen der Auskreuzung gentechnischer Eigenschaften sowie der Koexistenz mit gentechnikfreien Anbaumethoden, stellen gerade ärmere Staaten vor besondere Probleme. >>mehr

Biotechnologie und privatwirtschaftliche Kontrolle

Innerhalb des Weltagrarberichts stehen sich zwei Sichtweisen zur bestmöglichen Nutzung moderner Biotechnologie für Entwicklung und Nachhaltigkeit gegenüber.
Die eine argumentiert, eine Überregulierung der modernen Biotechnologie behindere das Tempo und die volle Entfaltung ihrer Vorteile, die den Armen zugute kommen könnte.
Die andere Seite argumentiert, dass die weitgehend privatwirtschaftliche Kontrolle moderner Biotechnologie die Fähigkeit der öffentlichen Hand schwäche, Wissen, Forschung und Technologien zu schaffen und zu verbreiten, die dem Gemeinwohl dienen.

Fakten

• 78 % aller Bundesbürger lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, auch wenn sie billiger als herkömmliche Lebensmittel sein sollten.
(Slow Food, Deutschland e.V, Publikation, Mai 2009)

• Menschen besitzen nur etwa 30.000 statt der vermuteten 100.000 Gene- ein Gen besitzt somit nicht nur eine Wirkung. Die Wechselwirkungen der Gene untereinander sind komplexer als angenommen.
(Greenpeace Landwirtschaft, Was wollen wir essen? Gift und Gentechnik –nein danke!, Juli 2009)

•  Für gentechnisch veränderten Mais und Soja stieg der Ertrag in den letzten 30 Jahren um den Faktor 1,7 während sich die Preise für das Saatgut ums Fünffache erhöhten.
(Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, BOELW, Schadensbericht Gentechnik, März 2009)

• 50% des weltweiten GVO Anbaus findet in Amerika statt.
(Friend of the Earth, who benefits from gm crops?, Februar 2009)

• 99 % aller Landwirte weltweit bauen nach wie vor keine Gen-Pflanzen an.
(Greenpeace Landwirtschaft, Was wollen wir essen? Gift und Gentechnik –nein danke!, Juli 2009)

• Schäden durch Kontaminationsfälle mit nicht verkehrsfähigen, gentechnisch veränderten Saaten belaufen sich weltweit auf mehrere Milliarden US Dollar.
(Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, BOELW, Schadensbericht Gentechnik, März 2009)

• 80% aller weltweiten GVO’s besitzen ausschließlich ein Merkmal- sie sind herbizidtolerant.
(Friend of the Earth, who benefits from gm crops?, Februar 2009)

• 81 Prozent aller Bundesbürger stimmen der Meinung zu, dass von der Gentechnik unkalkulierbare Auswirkungen auf die Kreisläufe der Natur ausgehen.
(Slow Food, Deutschland e.V, Publikation, Mai 2009)

Videos: Gentechnik

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Grafiken

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