Gentechnik und Biotechnologie

Ein Ziel, das die Weltbank erreichen wollte, als sie den Weltagrarbericht initiierte, war: Den Streit um den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Landwirtschaft beizulegen oder zumindest einen breiten, wissenschaftlichen Konsens zu diesem Thema zu erreichen. Der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen macht einen geringen Teil der modernen Biotechnologien in der Land- und Lebensmittelwirtschaft aus. Die Erfolge der wenigen kommerziell eingesetzten GVO sind nach wie vor umstritten. Umwelt- und Gesundheitsrisiken können weiterhin nicht seriös bewertet werden. Es fehlen bisher Ergebnisse und Konzepte einer langfristigen Sicherheitsforschung. Probleme, die sich aus der Privatisierung und Patentierung von Wissen und Saatgut ergeben, sind in der Gentechnik besonders gravierend. Der Grad ihrer Monopolisierung in den Händen weniger multinationaler Unternehmen ist beispiellos. Weil GVO besonders kapital- und forschungsintensiv sind, werden sie nach Einschätzung des Weltagrarberichtes in absehbarer Zeit für Kleinbauern in Entwicklungsländern und bei der Bekämpfung des Hungers keine besondere Rolle spielen. Aufwändige Sicherheits- und Kontrollbestimmungen, offene Fragen der Auskreuzung gentechnischer Eigenschaften sowie der Koexistenz mit gentechnikfreien Anbaumethoden stellen gerade ärmere Staaten vor besondere Probleme. >>mehr

Biotechnologie und privatwirtschaftliche Kontrolle

Innerhalb des Weltagrarberichts stehen sich zwei Sichtweisen zur bestmöglichen Nutzung moderner Biotechnologie für Entwicklung und Nachhaltigkeit gegenüber.
Die eine Seite argumentiert, eine Überregu- lierung der modernen Biotechnologie behindere das Tempo und die volle Entfaltung ihrer Vorteile, die den Armen zugute kommen könnte.
Die andere Seite ist der Auffasung, dass die weitgehend privatwirtschaftliche Kontrolle moderner Biotechnologie die Fähigkeit der öffentlichen Hand schwäche, Wissen, Forschung und Technologien zu schaffen und zu verbreiten, die dem Gemeinwohl dienen (Synthese, S. 43).

Fakten & Zahlen

Nach Angaben der Gentechnik-Lobbyorganisation ISAAA ist auf Europas Äckern im Jahr 2011 nur etwa 0,06% der Fläche - knapp 115.000 Hektar- zum Anbau von Gen-Pflanzen genutzt worden.

Der wirtschaftliche Erfolg des Anbaus von gentechnisch veränderten Saaten in Regionen wie Argentinien und den USA basiert zu großen Teilen darauf, dass dort weder Koexistenz-Maßnahmen noch ein Resistenz-Management vorgeschrieben sind.

Resistenz gegenüber Schädlingen und Herbizidtoleranz sind die zwei Eigenschaften, auf die sich das Gentechnik-Geschäft konzentriert, angeblich um den Pestizideinsatz zu reduzieren. In der EU betreffen 43 von 49 Anträgen auf Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen diese Merkmale. In den USA wurden 15 von 23 noch ausstehenden Anträgen für herbizidtolerante und insektenresistente Pflanzen gestellt.

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Stratus Agri-Marketing vergrößerten sich die Flächen, auf denen in den USA herbizidresistente 'Superunkräuter' wachsen, 2012 um 51% auf 24 Millionen Hektar. Die Hälfte der befragten Landwirte hat gegen Glyphosat resistente Unkräuter auf ihren Feldern.

2011 wurden in Südafrika auf einer Fläche von 2,3 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Laut der South African National Seed Organisation waren 77% des Saatgutes für Mais, 100% für Baumwolle und 78% für Soja gentechnisch verändert. Von 2008 bis Februar 2012 hat die zuständige südafrikanische Behörde insgesamt 1.458 GVO-Zulassungen erteilt, von denen 76% auf die drei größten Saatgutkonzerne des Landes, Monsanto, Pioneer Hi-Bred und Pannar, entfielen.

Für gentechnisch veränderten Mais und Soja stieg der Ertrag in den letzten 30 Jahren um den Faktor 1,7 während sich die Preise für das Saatgut ums Fünffache erhöhten.

99% aller Landwirte weltweit bauen nach wie vor keine Gen-Pflanzen an.

Videos: Gentechnik

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