Ernährungs-Souveränität
Das Konzept der Ernährungs-Souveränität (Food Sovereignty) wurde ursprünglich von der internationalen Kleinbauernorganisation Via Campesina entwickelt. Der klassische Begriff der „Ernährungs-Sicherheit" bezieht sich lediglich auf die Menge an Nahrungs-mitteln, die den Menschen eines Landes oder einer Region zur Verfügung steht. „Ernährungs-Souveränität" fragt darüber hinaus, wie die Nahrungsmittel produziert und verteilt werden.
Auch der Weltagrarbericht arbeitet mit dem Konzept der Ernährungs-Souveränität. >>mehr
Liberalisierung des Welthandels gefährdet Ernährungs-Souveränität
Der Welthandel hat großen Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik vieler Entwicklungs-länder. Anstatt die Versorgung der eigenen Bevölkerung und die Entwicklung der heimischen Märkte und ländlichen Gebiete zu fördern, versuchen deren Regierungen und Eliten häufig, durch Agrarexporte Devisen und Steuereinkommen zu erzielen.
Viele Länder, deren Bevölkerung unter Hunger leidet, versorgen gleichzeitig die Futter-, Faser-, Treibstoff und Genuss-mittelindustrie des Nordens mit billigen Rohstoffen - zu hohen ökologischen und sozialen Kosten.
Fakten & Zahlen
Ernährungs-Souveränität wird als das Recht der Menschen und souveränen Staaten definiert, auf demokratische Weise ihre eigenen Agrar- und Ernährungspolitiken zu bestimmen.
Wir kämpfen für eine Veränderung der politischen Regulierungen und der Verwaltungsstrukturen, die unser Lebensmittelsystem beherrschen – von der lokalen bis zur nationalen, von der europäischen bis zur globalen Ebene; und für eine Delegitimierung der Konzernmacht. Politiken müssen kohärent und aufeinander abgestimmt sein und unsere Lebensmittelsysteme und Ernährungskulturen schützen und stärken. Sie müssen auf dem Recht auf Nahrung basieren; Hunger und Armut beseitigen; die Erfüllung der grundlegenden Menschenrechte sicherstellen; und zur Klimagerechtigkeit beitragen – in Europa und weltweit.
„Ernährungssouveränität ist das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne."
Das Konzept ist auch als „Gegen-Konzept“ zur Ernährungssicherheit zu verstehen, da unter dem Begriff Ernährungssicherheit auch Programme und Maßnahmen fallen können, die sich negativ auf Kleinbauern und die ländlichen Armen auswirken.
Das Konzept der Ernährungssouveränität gilt grundsätzlich für alle Länder – reiche und arme – und definiert keine einheitliche politische Strategie, die als Patentrezept in verschiedenen Ländern weltweit anwendbar wäre.




