Agrarökologie

Der Weltagrarbericht beschreibt das enorme Potential der Agrarökologie. Sie kann dazu beitragen Erträge zu steigern, Ressourcen zu schonen, die örtliche Wirtschaft zu beleben und Gesundheit, Wohlstand sowie die Wider- standsfähigkeit zu verbessern:
„Agrarökologische Systeme wie der biologische Landbau, die Permakultur und andere Varianten sind wissensintensiv und benutzen weniger oder keine externen synthetischen Inputs. Sie zielen darauf ab, durch nachhaltiges Management agrar- ökologischer Kreisläufe gesunde Böden und Feldfrüchte zu produzieren.
Ihre bessere Nutzung lokaler Ressourcen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft erhöht die Produktivi- tät und bringt wertvolle Innovationen hervor. Agrarökologische und biologische Landwirtschaft kann eine höhere Energieeffizienz und bessere Produktionseffizienz pro Fläche erreichen als die konven- tionelle industrielle Landwirtschaft. Trotz geringerer Arbeitsproduktivität als in der (hoch mechani- sierten) industriellen Landwirtschaft und unterschiedlichen wirtschaftlicher Erfahrungen zeigen neueste Kalkulationen, dass sie genügend Lebensmittel für die derzeitige Weltbevölkerung produ- zieren kann. Ihr vergleichsweise höherer Bedarf an Arbeitskräften kann da ein Vorteil sein, wo wenig Beschäftigungsalternativen existieren.“ (Global, S. 67)

Biologische Landwirtschaft als Leitbild

Standardisierte und zertifizierte Methoden, namentlich der biologische Landbau, sind ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil der agrarökologischen Landwirtschaft.
Biologischer Landbau macht wichtige Merkmale wie den Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel nachprüfbar. Damit wird internationale Vermarktung möglich und ein weltweites Netzwerk von Produzenten und Konsumenten für Informationsaustausch, Ausbildung und wissenschaftliche Fortentwicklung kann entstehen. Dennoch entzieht sich die Vielfalt der Agrarökologie auch solchen Standardisierungsversuchen. Sie ist weder ein perfektes System noch eine universelle Ideologie, sondern die ständige Annäherung an jeweils bestmögliche Lösungen und Kompromisse (siehe auch > Bäuerliche und industrielle Landwirtschaft & Saatgut und Patente auf Leben).

Stärkung agrarökologischer Systeme

Die meisten agrarökologischen Bewirtschaf- tungsformen sind keine guten Kunden für Agrarchemie, industrielles Saatgut und Groß- maschinen. Für den globalen Rohstoffhandel liefern agrarökologischen Bewirtschaftungs- formen kaum standardisierte Produkte. Daher ist die internationale Agrarindustrie nicht an ihrer Ausweitung interessiert.
Allerdings entwickelt sich im Kleinen, auch international, ein hoffnungsvoller Markt für nachhaltig und fair produzierte, „ethische” und „ethnische” Produkte mit nachweisbarer Herkunft, eigener Geschichte und beson- derer Qualität.
Agrarökologische Bewirtschaftungsformen eignen sich wenig für flächendeckende staatliche und internationale Großprojekte der Entwicklungshilfe, sie erschienen vielen Wissenschaftlern als undankbare Forschungsobjekte, und sie verfügen über keine schlagkräftige Lobby. Daher fallen sie häufig, trotz gegenteiliger Beteuerungen, durch das Raster öffentlicher Förderung und Unterstützung. Nichtregierungsorganisationen, lokale Initiativen und Bauernorganisationen spielen dagegen bei der Verbreitung der Agrarökologie eine wichtige Rolle, die es zu stärken gilt, durch:
- zielgerichtete institutionelle und politische Unterstützung partizipativer, ökologisch orientierter Entscheidungsprozesse von Landwirten,
- agrarökologischen Partnerschaften, die gemeinsames, soziales und ökologisches Lernen fördern,
- striktere und durchsetzbare gesetzliche und politische Rahmenbedingungen,
- Investitionen des öffentlichen Sektors, von Geberorganisationen und Privatunternehmen in nachhal- tige und agrarökologische Forschung, Beratung, Bildung, Produktinnovation und Vermarktung (Global, S. 107).

Bauer ohne Boden

Mit dem Fahrstuhl in den Gemüsegarten, Reisfeld auf einem Fließband, von der Außenwelt abgeschlossen und unter völliger Kontrolle - so könnte es in sogenannten  „vertical farms“, oder „skyfarms“ aussehen. In Hochhäusern will man auf wenig Fläche viel produzieren -ökologisch und klimaneutral. Auch in Stuttgart träumt man davon. „Wir wollen testen, ob das technisch möglich ist“, sagt Professor Sauerborn von der Universität Hohenheim.  Doch offen sind nicht nur die Kosten! „Alle technischen und ökologischen Fragen sind noch ungelöst“, sagt Petra Hagen Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

…mehr dazu vom Rat für Nachhaltige Entwicklung
pressetext, Reisanbau auf zwanzig Etagen (13.07.10)
Steffen Klatt, Reis soll in den Himmel wachsen (26.05.09)

…und so könnte es aussehen!

 

Videos: Agrarökologie

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M. Altieri: Warum ist Agrarökologie die Lösung für das Hungerproblem?

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