Mit natürlichen Waffen gegen Schädlinge: Push-Pull in Äthiopien

Die Kleinbäuerinnen und -bauern um Tolay im Süd- westen Äthiopiens leben vor allem von Getreideanbau und Viehhaltung. Auf ihren ohnehin ausgelaugten Feldern haben sie mit zwei Feinden zu kämpfen: Die Stängelbohrer-Motte, die ihre Eier in Mais und Hirse legt und deren Larven dann die Pflanzenhalme aushöhlen, und Striga, ein parasitisches Unkraut, das die Maiswurzeln anzapft und der Pflanze Nährstoffe und Wasser entzieht. Gemeinsam können Striga und Stängelbohrer hohe Ernteausfälle verursachen – mit fatalen Folgen für eine Region wie Tolay, wo mehr als die Hälfte der Menschen unter der Armutsgrenze lebt.

Die Push-Pull-Methode hilft gegen beide Feinde. Zwischen den etwas gelockerten Reihen von Mais oder Hirse wird die Hülsenfrucht Desmodium gepflanzt. Sie unterdrückt die Striga-Pflanzen ganz ohne Chemie; anders als die patentierte Alternative von BASF, die mit StrigAway® gebeiztes Saatgut von Imazapyr-resistentem Hybridmais anbietet. Der Desmodium-Geruch dagegen „stinkt“ dem Stängelbohrer und vertreibt ihn so (push). Um die Felder herum pflanzen die Bauern Napiergras, das eine unwiderstehliche Wirkung auf Stängelbohrer-weibchen ausübt (pull). Die Larven, die aus den ins süße Napiergras gelegten Eiern schlüpfen, verenden bei dem Versuch, sich in das Gras hineinzufressen, in dessen klebrigem Pflanzensaft. Auch Boden und Vieh profitieren von Push-Pull: Als Leguminose fixiert Desmodium mit Knöllchenbakterien im Boden Stickstoff aus der Luft. Ihr Pflanzenkompost erhöht neben dem Tierdung die Bodenfruchtbarkeit. Das Napiergras dient als wertvolles Zusatzfutter für das Vieh, das die Milchproduktion erhöht oder von den Bauern verkauft wird.

Entwickelt wurde Push-Pull vor über 15 Jahren von Forschern am internationalen Insektenforschungs-institut icipe in Kenia gemeinsam mit Bauern. Hans Herren, damals Leiter des icipe, erhielt 1995 für die biologische Bekämpfung der Maniok-Schmierlaus den World Food Prize; einer der Gründe für seine spätere Berufung zum Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts. Seine Stiftung Biovision hilft bei der Verbreitung von Push-Pull von Hof zu Hof. Die Methode hat sich bewährt und wird in Ostafrika von mehr als 89.000 Bauern angewandt.
In Tolay kooperiert das icipe bei der Einführung von Push-Pull eng mit dem äthiopischen Institut für Agrarforschung. 2013 wurden die ersten Testflächen bepflanzt und über 200 Bauern in die Methode eingeführt. Gemeinsam soll sie nun optimal an die lokalen Bedingungen angepasst werden; zum Beispiel mit einer neuen Desmodiumsorte, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit ist.

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