Weltmarkt und Handel
Die ärmsten Länder und die Armen auf dem Land gehören eindeutig zu den Verlierern des Welthandels und seiner weiteren Liberalisierung.
Kleinen, eher traditionell geprägten landwirtschaftlichen Existenzen, stehen große auf den Weltmarkt ausgerichtete Agrarunternehmen in einem ungleichen Konkurrenzkampf gegenüber.
Die Bedingungen des globalen Agrarhandels, unter denen sich diese Konkurrenz abspielt, entstanden in der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts. Sie werden heute durch die Welthandelsorganisation WTO und eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Handelsabkommen geregelt. Ihr erklärtes Ziel sind die Steigerung und Liberalisierung des internationalen Handels durch die Abschaffung von Zöllen und Handelsbeschränkungen.
Um der Grundversorgung mit Lebensmitteln und ihrer nachhaltigen Produktion zu dienen, müssten die Bedingungen des globalen Agrarhandels radikal verändert werden. >>mehr
Entwicklung von Erzeuger- und Endverkaufspreisen
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Rohstoffe sind in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gefallen und damit auch das Einkommen der Mehrzahl der Landwirte. Demgegenüber sank, wenn auch weltweit sehr unterschiedlich verteilt, der Anteil des verfügbaren Einkommens, den die städtische Bevölkerung für Lebensmittel ausgibt.
Der vorhergesagte Anstieg der Agrar- und Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt verbesserte jedoch nicht automatisch die Lage der Erzeuger. Denn ihr Anteil am Endverbrauchspreis sinkt zugunsten des Handels und der Verarbeiter sowie der Hersteller von Saatgut, Dünger, Pestiziden und Maschinen.
Lesenswert: The Great Hunger Lottery & Broken Markets

2008 kletterten die Grundnahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe - eine Steigerung um fast 80% in 18 Monaten. Nach einer Erholung zogen sie im Herbst 2010 erneut rasant an: Der FAO Nahrungsmittel-Preisindex erreichte im Februar 2011 Werte, die weit höher lagen als während der Krise zuvor. Rund um den Globus wurden Nahrungsmittel für unzählige Hungernde zum Luxus. Wie damals drehen auch heute Goldman Sachs, Deutsche Bank & Co an den Schrauben der Finanzmärkte, spekulieren mit dem Getreide von morgen und sähen damit Hunger.
Der 2010 erschienene Bericht The great hunger lottery des World Development Movement zeigte auf, wie die Spekulationen der Banken und anderer Finanzinvestoren zu Preisanstiegen beitrugen. Im Folgebericht Broken markets, veröffentlicht im September 2011, werden Argumente entkräftet, die Spekulation mit Nahrungsmitteln führe nicht zu Preisschwankungen.
Machtstrukturen der Supermarktketten

Eine immer kleiner werdende Anzahl von Supermarktketten steht gegenüber ihren Lieferanten in einer immer mächtiger werdenden Verhandlungsposition. Von dieser nachfrageseitigen Marktmacht profitieren jedoch nicht die Verbraucher, da sich niedrigere Einkaufspreise keineswegs in niedrigeren Verbraucherpreisen sondern nur in den Profiten der Supermarktketten niederschlagen! Der Miss- brauch der Nachfragemacht hat eine Dimension erreicht, die gesetzlichen Handlungsbedarf aufzeigt.
Mehr dazu von der Supermarktinitiative…
Fakten & Zahlen
China war jahrelang Selbstversorger bei wichtigen Getreidesorten. In den ersten elf Monaten 2012 importierte das Land jedoch 2,1 Millionen metrische Tonnen Reis, 3,6 Millionen Tonnen Weizen und 5 Millionen Tonnen Mais und droht so bei Getreide extrem abhängig vom Weltagrarmarkt zu werden.
Afrika ist von einem Nettoexporteur landwirtschaftlicher Produkte zu einem Nettoimporteur von Nahrungsmitteln geworden. Seit den 1980er Jahren, als die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe (vor allem Kaffee, Kakao und Gewürze) sanken, stiegen die Importe stärker an als die Exporte. 2007 betrugen die Importe Afrikas $47 Milliarden, wodurch ein Handelsdefizit von $22 Milliarden entstand.
Die EU ist aufgrund jahrzehntelanger Milliardensubventionen zum größten Agrarexporteur weltweit neben den USA geworden. Die Exporte erreichten 2011 rund 105 Milliarden Euro. Die EU ist heute der größte Exporteur von verarbeiteten Lebensmitteln, die 64% der Agrarexporte ausmachen, aber spielt auch bei Milchprodukten, Schweinefleisch, Weizen und Geflügel eine große Rolle. Dabei haben die Exporte in arme Länder stark zugenommen.
Die 10 größten Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Danone, Unilever, Kellogg’s, Mars, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, General Mills und Associated British Food nehmen zusammen $1,1 Milliarden am Tag ein, verpflichten sich aber nicht, Bauern und Lieferanten faire Preise für ihre Ware zu bezahlen.
Saatgut, Jungtiere, Futtermittel, Dünger – was früher auf dem Bauernhof produziert wurde, wird heute von der Saatgut-, Tierzucht-, Futter-/Düngemittel und Pestizidindustrie hergestellt. Der Marktanteil der TOP-4-Geflügel-Konzerne beträgt 99%. Vier Getreide- und Sojahändler - Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Dreyfus - kontrollieren etwa 75% des Weltmarktes.
Fairer Handel trägt zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kleinbauern und Plantagenarbei- tern bei. Eine Wirkungsstudie zu den Bereichen Kaffee, Bananen, Tee, Baumwolle, Kakao und Blumen in Afrika, Lateinamerika und Asien ergab, dass Fairtrade das Einkommen verbessert und ländliche Entwicklung fördert. 64% der Befragten gelang es zu sparen gegenüber 51% der Vergleichsgruppe.



