Agrarsprit und Bio-Energie
Erdöl durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen - das erschien im vergangenen Jahrzehnt vielen Regierungen als grüner Königsweg, um die Abhängigkeit von der fossilen Energie zu verringern und den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren. Gleichzeitig sollten die nachwachsenden Rohstoffe der Landwirtschaft neue Absatzmärkte erschließen.
2008 gab es eine Explosion der Lebens- mittelpreise. Der Agrarsprit-Boom spielte dabei eine wesentliche Rolle. Seitdem ist weltweite Ernüchterung eingetreten. Denn eine starke Expansion von Biokraftstoffen schafft einen enormen Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen und Wasser. Das birgt die Gefahr großer negativer sozialer und ökologischer Folgen: Steigende Lebensmittelpreise, Entwaldung und die Erschöpfung von Wasserressourcen. >>mehr
Ethanol und Biosprit
Vor allem in Europa und Nordamerika haben staatliche Beimischungs-Vorgaben und Subventionen einen Boom beim Anbau der nachwachsenden Rohstoffe ausgelöst. Brasilien, Malaysia und Indonesien exportieren in immer größeren Stil Zuckerrohr und Palmöl als Biosprit-Rohstoffe. Afrikas ungenutzte Agrarflächen gelten manchen Zukunfts-Strategen als gelobtes Land für die Produktion nachwachsender Treibstoffe.
Land Grabbing für Agrartreibstoffe

Das Ausmaß des Landraubs in Afrika für den Anbau von Agrosprit wird unterschätzt und unterliegt keinerlei Kontrollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Friends of the Earth International (FoEI), dem internationalen Netzwerk des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch deutsche Firmen sind an der Landnahme beteiligt. So hat die in München ansässige Firma Acazis AG in Äthiopien 56.000 Hektar gepachtet und hält Konzessionen für weitere 200.000 Hektar Land überwiegend zur Biokraftstoffproduktion. Die deutsche Version der Studie zum download.
Fakten & Zahlen
Der Anbau von Agrospritpflanzen weitet sich immer stärker aus: Seit dem Jahr 2006 stieg die Produktion von Agrodiesel von 7,8 Milliarden Liter auf geschätzte 23,5 Milliarden Liter in 2011, die Produktion von Ethanol erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 58 auf 105,6 Milliarden Liter.
Der Anteil der US-Maisernte, der zur Ethanolproduktion verwendet wird, stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2000 auf 35,4 Prozent im Jahr 2010.
Die EU-Beimischungsquote für Agrartreibstoffe führt zu Vertreibungen und Hunger in Afrika. Der Zusammenhang zwischen Land Grabbing und Agrartreibstoffen ist gewaltig: 66 Prozent aller großflächigen Landnahmen in Afrika werden getätigt, um Agrartreibstoffe zu produzieren.
Der Abfluss von Nahrungsmitteln zur Produktion von Biokraftstoffen hat die Nahrungsmittelpreise von 2002 bis 2007 um rund 30% erhöht. Die größten Auswirkungen waren bei den Maispreisen zu verzeichnen, für deren Steigerung Agrartreibstoffe nach Schätzungen zu 39% verantwortlich sind.
Für die Produktion von 50 Litern Bioethanol benötigt man 232 Kilo Mais. Davon kann ein Kind in Sambia oder Mexiko ein Jahr lang leben.
Biomasse stellt im Subsaharischen Afrika 60% der Primärenergie. Fast 90% der Bevölkerung nutzt Biomasse zum Kochen und Heizen.




