Geschlechterrollen
Den größten Teil der Arbeitskraft in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und in der Subsistenz-Landwirtschaft tragen in Afrika und in weiten Teilen Asiens Frauen.
Der Weltagrarbericht beschreibt das als Feminisierung der Landwirtschaft. Aus dem Regionalbericht zu Ost- und Südasien & Pazifik: Zwei Fakoren bestimmen die Feminisierung der Landwirtschaft in der Region. Erstens haben Frauen sehr viel geringere Kontrolle über Produktionsmittel und schlechteren Zugang zu Ausbildung, Beratung und Krediten. Neue Technologien dienen vor allem dem bewässerten und besseren, von männlichen Bauern beherrschten Land. Armen, vor allem Bäuerinnen fehlen dagegen Kredite und angepasste Technologien. Zweitens verhindert die Struktur ländlicher Gesellschaften häufig den Umzug der ganzen Familie in die Städte, die Ungelernten, Mittellosen und Schwachen oft noch geringere Chancen bietet. Weil Frauen die Mehrheit jener Gruppe bilden, bleiben sie mit der doppelten Produktions- und Reproduktionsaufgabe zurück, das Land, die Kinder und die Alten zu betreuen, wenn die Männer sich als Wanderarbeiter verdingen. (Ost- und Südasien & Pazifik, S. 180) Die Rechte der Frauen in vielen Ländern des Südens sind jedoch immer noch stark eingeschränkt. Häufig beschneiden kulturelle Barrieren das Recht der Frauen auf eigenen Besitz von Grund und Boden, Wasserrechten oder von Tieren und Maschinen. Ein eigenes Konto und die Möglichkeit einen Kredit aufzunehmen, liegen meist ebenso außer Reichweite wie der Zugang zu Bildung, Information und politischer Mitentscheidung. Die Analysen des Weltagrarberichts zeigen: Wo Frauen in einer auf örtliche Versorgung ausgerichteten kleinbäuerlichen Landwirtschaft und Regional-Entwicklung handlungsfähig werden, steigen die Chancen auf Überwindung von Hunger und Verelendung überproportional. >>mehr
Feminisierung der Landwirtschaft
Die meisten Frauen im subsaharischen Afrika haben eine Fülle von Verantwortung: Sie produzieren Lebensmittel, sie jäten und ernten auf den Feldern der Männer, verarbeiten die Ernte, besorgen Feuerholz oder Wasser und kümmern sich um den Haushalt.
Eine Untersuchung in Kenia ergab, dass der Verlust des männlichen Vorstands in den Haushalten im Schnitt zur Verringerung der Lebensmittelproduktion um 68% führte - und das, obwohl hauptsächlich die Frauen für die landwirtschaftliche Produktion zuständig sind.
Um etwa im Falle von Aids die Krankheitskosten zu bezahlen, wird Besitz verkauft, Kredite platzen, Sicherheiten gehen verloren. Von Aids betroffene Haushalte gelten als nicht kreditwürdig. Häufig bemächtigen sich nach dem Tod des Mannes seine Verwandten des Besitzes der Witwe. Das führt zu weiteren Produktionsverlusten (Subsaharisches Afrika, S. 51-52).
Fakten & Zahlen
Frauen stellen im Schnitt 43% der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte in Entwicklungsländern. Wenn sie beim Zugang zu produktiven Ressourcen den Männern gleichgestellt wären, könnten sie die Erträge ihrer Höfe um 20-30% steigern.
Aufgrund rechtlicher und kultureller Hürden bei Vererbung, Besitz und Nutzung von Land sind nur 20% der Landbesitzer weiblich. In Nordafrika und Westasien machen Frauen weniger als 5% der Besitzer von Ackerland aus, während es in subsaharischen Afrika 15% sind (dieser Durchschnittswert verschleiert Unterschiede zwischen einzelnen Ländern, von 5% in Mali zu über 30% in Botswana). In Lateinamerika gibt es die meisten Landbesitzerinnen mit über 25% in Chile, Ecuador und Panama.
Frauen sind für die ländliche Wirtschaft von grundlegender Bedeutung. Sie bauen Lebensmittel an, halten Geflügel und Kleinvieh und sind in Entwicklungsländern für 60 bis 80% der Nahrungs- mittelproduktion verantwortlich.
Die globale Jagd nach Ackerland in Afrika beeinträchtigt den Zugang zu Land von Frauen und damit auch die Lebensmittelproduktion. Wenn Investoren um Ackerflächen werben, ist das Mitspracherecht der Frauen oft eingeschränkt. Verlieren sie das zum Anbau oder Sammeln von Nahrung genutzte Land, steht die Ernährungssicherheit der Familien auf dem Spiel.
Nur 5% aller landwirtschaftlichen Beratungsdienste kommen Bäuerinnen zugute laut einer FAO-Untersuchung in 97 Ländern. Weltweit sind nur 15% der landwirtschaftlichen Berater Frauen. Lediglich 10% der finanziellen Hilfen für Land- und Forstwirtschaft und Fischerei begünstigen Frauen.
In einigen Regionen Afrikas südlich der Sahara bauen Frauen bis zu 120 verschiedene Pflanzenarten an – neben den Cash Crops, die eine Domäne der Männer darstellen.
Frauen verbringen im Subsaharischen Afrika jedes Jahr insgesamt 40 Milliarden Stunden damit, Wasser holen zu gehen. In Malawi widmen sie dieser Aufgabe acht mal so viel Zeit wie Männer. Über 9 Stunden pro Woche sind malawische Frauen damit beschäftigt, Wasser und Feuerholz zu holen.




