Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Über 800 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,4 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,5 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2013 weltweit geerntet, mehr als je zuvor. Doch nur 45% dieser Ernte dienen als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltvergiftung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, dokumentiert alle Original-Berichte, bietet Hintergründe und Detailinformationen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, vor allem aber zum Handeln.

Die neue Broschüre zum Weltagrarbericht ist erschienen!

„Weiter wie bisher ist keine Option“ - Was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleischverbrauch und Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut- vielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Afrikas Böden: Bedeutend und bedroht

Der erste Bodenatlas für Afrika betont die Bedeutung von Böden für die Nahrungs-, Futtermittel- und Brennholzversorgung und die Anpassung an den Klimawandel - sowie ihre Gefährdung:
• 500 Millionen Hektar der Landfläche sind von Degradation bedroht
• Afrikas Böden speichern 200 Gigatonnen organischen Kohlenstoff - 2,5 Mal so viel wie die Pflanzen Afrikas enthalten
• 98% des Kalorienverbrauchs in Afrika stammt von lokalen Böden
• organische Substanzen im Boden können 10 Mal ihr Gewicht an Wasser speichern und verringern so das Überschwemmungsrisiko

Agropoly - wenige Konzerne beherrschen die Lebensmittelproduktion

Saatgut, Jungtiere, Futtermittel, Dünger – was früher auf dem Bauernhof selbst produziert werden konnte, sind heute separate Sektoren der industrialisierten und globalisierten Wertschöpfungskette für Nahrungs-mittel. Dazu gehören auch der Handel, die Verarbeitung und der Verkauf von Lebensmitteln. Das schwächste Glied in der Kette sind die Bauern, die die Lebensmittel produzieren. Besonders Kleinbauern im Globalen Süden geraten im Zuge des Konzentrationsprozesses in der Nahrungs- mittelproduktion immer mehr unter Druck durch Patente auf Saatgut, Verdrängung vom Land, unfaire Arbeitsbedin- gungen, zu niedrige Preise und die Verdrängung von informellen Märkten. Die Agropoly-Broschüre dokumentiert den Konzentrationsprozess und zeigt, wie immer weniger Firmen Geschäftsbedingungen, Preise und teils politische Rahmenbe- dingungen diktieren. Bestellung beim Forum Umwelt und Entwicklung

Videomitschnitt zur Veranstaltung „Die Zukunft der Welternährung"

Welche Landwirtschaft kann 10 Milliarden Menschen ernähren? Ist die industrielle Agrarwirtschaft unabdingbar oder sind Kleinbauern das Rückgrat der Welternährung? Wird nicht bereits genug produziert, um 12 Milliarden zu ernähren? Wäre die Fortführung des Weltagrarbericht- Prozesses nicht sinnvoll? Darüber diskutierten am 22. Mai bei Brot für die Welt VertreterInnen von BMZ, BMEL, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und Prof. Hans Herren von Biovision. Zum Video!

UNCTAD-Bericht: Weniger Agrarindustrie, mehr Kleinbauern fördern

Der Trade and Environment Report 2013 der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD will als Weckruf dienen: Er fordert eine Abkehr von der industriellen Agrarproduktion, Vielfalt statt Mono- kulturen, agrarökologische Methoden statt Mineraldünger und Pestizide - aber vor allem mehr Unterstützung für Kleinbauern. Schnelles Handeln sei geboten angesichts des Klimawandels und dessen Folgen für die landwirtschaftliche Produktion. Steigende Lebensmittelpreise, Dürren und Land Grabbing drohen das Hunger- problem zu verschärfen: Obwohl genug für alle produziert wird, leiden 1 Milliarde Menschen an Unterernährung, die meisten auf dem Land - hier gilt es anzusetzen. Die Transformation der Landwirtschaft ist eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts, so der Bericht.

Land Matrix Reloaded: Datenbank zur globalen Landnahme online

Die neue Version der Plattform Land Matrix gibt einen Überblick über Investitionen in Land weltweit: Rund 1000 abgeschlossene Geschäfte über 39 Millionen Hektar Land enthält die Datenbank bisher, dazu kommen beabsichtige oder gescheiterte Verträge. Die USA sind mit 7 Millionen Hektar der größte Investor, beliebte Zielländer sind Südsudan, Indonesien oder Mosambik. Die meisten Flächen dienen der Agrartreibstoffproduktion und dem Anbau von Lebensmitteln.

Preise und Prognosen zur Landwirtschaft bis 2022

Die OECD hat den Landwirtschaftsausblick 2013-2022 veröffentlicht, dazu eine interaktive Datenbank, deren Grafiken Entwicklungen bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen abbilden - von schwankenden Getreidepreisen über die boomende Agrartreibstoffproduktion bis hin zu Zahlen zum weltweiten Fleischkonsum für die nächsten 10 Jahre. Die Weizenpreise sollen sich z.B. bei 260-270 US-Dollar pro Tonne einpendeln. Dass Prognosen irren können, zeigt der Ausblick 2009: Die Weizenpreise sollten 2010 auf rund 200$ sinken, sprengten dann jedoch die 300-Dollar-Marke. Der neue  Bericht räumt daher ein: Dürren und knappe Bestände könnten die Preise für Agrarprodukte um 15 bis 40% hochtreiben.

Weltumwelttag 2013: Think.Eat.Save

Dieses Jahr steht der Weltumwelttag, der mit vielen Aktionen am 5. Juni weltweit begangen wird, unter dem Motto „Think.Eat.Save“. Verbraucher sollen zum Nachdenken über ihr Konsumverhalten angeregt werden, denn jährlich werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmitteln verschwendet – so viel wie in ganz Subsahara-Afrika produziert werden. Der Weltumwelttag 2013 will den ökologischen Fußabdruck unserer Ernährungsweise ins Bewusstsein rufen und Alternativen aufzeigen, wie Bioprodukte, für deren Herstellung keine Chemikalien verwendet wurden, oder regionale Produkte.

Fünf Fakten zum Weltwassertag

• 748 Millionen Menschen haben kein sauberes Trinkwasser
• 6 bis 8 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von verschmutztem Wasser
• Weltweit entfällt 70% der globalen Wasserentnahme auf die    Landwirtschaft - bis 2050 wird ihr Verbrauch um 19% steigen
• Um ein Kilogramm Reis zu produzieren, werden 3.500 Liter Wasser benötigt – ein Kilo Rindfleisch verschlingt 15.000 Liter
• Jeder Europäer konsumiert täglich 3 Kubikmeter virtuelles Wasser durch den Import von Nahrungsmitteln

Gleichberechtigung als Schlüssel zur Hungerbekämpfung

Frauen stellen weltweit 30% der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte – der Zugang zu Land, Saatgut, Dünger, Krediten und Geräten bleibt ihnen jedoch häufig versperrt. In einem anlässlich des Weltfrauentags am 8. März veröffentlichten Bericht fordert der Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung die Beseitigung diskriminierender Gesetze und Praktiken. In Ländern, in denen Frauen Landrechte und Kredite verwehrt werden, leben 60-85% mehr unterernährte Kinder. Bessere Bildung für Frauen in Ent- wicklungsländern ist der Schlüssel zur Hungerbekämpfung.

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaftlichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Wege, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn die konkreten Lösungs- vorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar in Le Monde Diplomatique und unsere Sammlung wichtiger aktuellerer Berichte und Zusammenfassungen.

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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

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