Landwirtschaft am Scheideweg - Weiter wie bisher ist keine Option

Rund 800 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,9 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,5 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2014 weltweit geerntet, mehr als je zuvor. Doch nur 43% des Getreides dient als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.

Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Weltbank und der Vereinten Nationen den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Dieser Weltagrarbericht ist unbequem und alarmierend, warnt vor Irrwegen und zeigt Lösungen auf. Diese Seite fasst seine wichtigsten Ergebnisse zusammen, dokumentiert alle Original-Berichte, bietet Hintergründe und Detailinformationen. Sie will zum Nachdenken und zur Diskussion anregen - vor allem aber zum Handeln.

Neuauflage der Broschüre zum Weltagrarbericht

„Weiter wie bisher ist keine Option“ - Was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden? Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleischverbrauch und Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut- vielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Ko-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren. Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Gemeinsam machten sich die Schauspielerin Mélanie Laurent und der Aktivist Cyril Dion auf den Weg, um mit Experten zu sprechen und weltweit Projekte und Initiativen zu besuchen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Am ersten Punkt ihrer Reise entdecken die beiden, dass es möglich ist, ohne Düngemittel oder Pestizide und mit wenig Technik mehr Nahrung zu produzieren als in der industriellen Landwirtschaft. Einfach, indem man die Erde von der Natur „reparieren“ lässt, anstatt sie zu zerstören. Internationale Experten bestätigen ihnen, dass der Westen und die Länder Afrikas, Lateinamerikas und Asiens ohne Öl versorgt und dabei sogar – dank der Agrarökologie – unzählige Jobs geschaffen werden können. Dies und viele weitere Punkte beleuchtet der Film „Tomorrow“, der ab Oktober auf DVD erhältlich ist.

Gleichberechtigung als Schlüssel zur Hungerbekämpfung

Kleinbäuerinnen sind für Anbau und Ernte von mehr als der Hälfte der Lebensmittel weltweit verantwortlich, in Subsahara-Afrika produzieren sie bis zu 80% der Grundnahrungsmittel. Doch der Zugang zu Land, Saatgut, Dünger, Krediten und Geräten bleibt ihnen häufig versperrt. In einem Bericht fordert die Sonderberichterstatterin zum Recht auf Nahrung die Beseitigung diskriminierender Gesetze und Praktiken. Wenn Frauen über das Haushaltseinkommen entscheiden, sinkt das Risiko, dass die Kinder unterernährt sind. Bessere Bildung für Frauen in Entwicklungsländern ist der Schlüssel zur Hungerbekämpfung, sagt der Weltagrarbericht.

23.000 Menschen haben es satt und demonstrierten für die Agrarwende

Tausende Menschen haben am 16.1. in Berlin für eine Agrarwende hin zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft demonstriert. Angeführt von mehr als hundert Traktoren zogen rund 23.000 Menschen unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt! Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern“ vom Potsdamer Platz zum Bundeskanzleramt. Die Teilnehmer protestierten für eine umwelt- und klimafreundliche Form der Landwirtschaft ohne Gentechnik, die die Strukturen im ländlichen Raum erhält, artgerechte Tierhaltung ermöglicht und das Recht auf Nahrung aller Menschen weltweit sichert. Mehr Infos

Kritischer Agrarbericht 2016 zum Thema Wachstum erschienen

„Weniger ist schwer“ – so dürfte jeder antworten, der sich in der Landwirtschaft auskennt. Über Jahrzehnte hat sich die Agrarwirtschaft dem Diktat des „Wachsen oder Weichen“ gebeugt. Doch mit dem agrarindustriellen Wachstum der Betriebe wachsen die Probleme mit: beim Tierschutz, bei der Nährstoffversorgung der Böden, beim Einsatz von Pestiziden, beim Schutz der biologischen Vielfalt, aber auch bei der Arbeitssituation der Menschen, die auf den Betrieben leben. Der Kritische Agrarbericht 2016 behandelt die Frage, wie dem blinden „Weiter so!“ der Agrarindustrie etwas Sinnvolleres entgegenzusetzen ist: eine bäuerliche Landwirtschaft, die ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber gerecht wird, aber auch gegenüber den Tieren und der Natur, mit und von der wir alle leben. Weitere Informationen gibts hier.

Frauen hungern anders: Neuer Bericht zu Mangelernährung

Frauen sind stärker als Männer von Hunger und Armut betroffen - und damit auch von Mangelernährung. Das zeigt ein neuer Bericht von Brot für die Welt zum "stillen Hunger". In armen ländlichen Regionen sind sie es meist Frauen, die die Hauptlasten zur Versorgung ihrer Familien tragen und einen großen Teil kleinbäuerlicher Subsistenzarbeit leisten. Sie benötigen Nahrungsenergie und wichtige Nährstoffe. Doch für arme Haushalte sind Früchte, Gemüse, Fleisch und Fisch, die Hauptquelle wichtiger Mikronährstoffe, oft knapp. Wird die Ernährungslage der Familie kritisch, so sind es meist die Frauen, die verzichten. Download

17 Nachhaltigkeitsziele für eine Welt ohne Armut und Hunger

Die Vereinten Nationen haben eine neue Entwicklungsagenda für die Zeit bis 2030 beschlossen: Ende September werden in New York offiziell die 17 Nachhaltigkeitsziele verabschiedet, die Armut, Hunger und weitere Menschheitsprobleme lösen sollen. Die Sustainable Development Goals (SDGs), die 169 Unterziele enthalten, lösen die 2015 auslaufenden Millenniums-Entwicklungsziele ab. Ziel 2 mit seinen acht Unterzielen widmet sich der Beseitigung des Hungers und der Förderung von Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bis 2030 sollen alle Menschen das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung erhalten, alle Formen der Mangelernährung beseitigt sein und die Produktivität und das Einkommen kleiner Nahrungsmittelproduzenten verdoppelt werden.

Landraub - Der Film: Kinostart in Österreich und Deutschland

Ackerland wird immer wertvoller und seltener. Jedes Jahr gehen etwa 12 Millionen Hektar Agrarfläche durch Versiegelung verloren. Nach der Finanzkrise 2008 hat das globale Finanzkapital die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt. Mit dem Landraub wollen die Reichsten der Welt sich Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Welt sichern. Statt Bauern bestimmen dann Profitinteressen über die Böden. Der Film LANDRAUB portraitiert die Investoren und ihre Opfer, erzählt in großen Bildern von den Folgen des Landraubs und zeigt auf, warum wir alle damit zu tun haben. Der Film läuft seit September in Österreich, seit 8. Oktober ist er auch in deutschen Kinos. Hier gibt es den Trailer, alle Termine und Materialien für den Schulunterricht.

10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden anwachsen. Doch wo soll die Nahrung für alle herkommen? Kann man Fleisch künstlich herstellen? Sind Insekten die neue Proteinquelle? Oder baut jeder bald seine eigene Nahrung an? Regisseur Valentin Thurn erkundet auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wie wir verhindern können, dass die Menschheit durch die hemmungslose Ausbeutung knapper Ressourcen die Grundlage für ihre Ernährung zerstört, die wichtigsten Grundlagen der Lebensmittelproduktion. Er spricht mit Machern aus den gegnerischen Lagern der industriellen und der bäuerlichen Landwirtschaft, trifft Biobauern und Nahrungsmittelspekulanten, besucht Laborgärten und Fleischfabriken. Hier gibt es Infos, Trailer, DVD und Schulmaterial.

Argentinien: Wo Soja-Plantagen die Menschen krank machen

Soja half Argentinien aus der Wirtschaftskrise. Inzwischen wächst auf 60% der Flächen Soja für den Weltmarkt. Rinderweiden, Getreidefelder und Urwälder verschwinden immer mehr. Die Soja ist genmanipuliert und wird mit Pestiziden besprüht - mit Traktoren oder aus der Luft. Krankheits- und Todesfälle häufen sich. Michael Stocks für den Weltspiegel im Gespräch mit Wissenschaftlern und den Müttern von Ituzaingó.

Bodenatlas: Daten und Fakten über Acker, Land und Erde

Böden bilden nicht nur die Basis der Lebensmittelproduktion, sondern filtern Regenwasser, speichern Kohlenstoff und beherbergen eine unendliche Vielzahl an Mikroorganismen. Doch unsere Böden sind bedroht und umkämpft. Warum wird Land immer teurer? Wem gehört es? Wieviel Boden geht jährlich verloren? Wie viele Quadratkilometer Acker- und Weideflächen „importieren“ wir für unsere Ernährung?
Zum Auftakt des Internationalen Jahr des Bodens 2015 haben die Heinrich-Böll-Stiftung, das IASS, der BUND und Le Monde diplomatique den Bodenatlas veröffentlicht. Dieser präsentiert Daten und Fakten über die Bedeutung und den Zustand von Land, Böden und Ackerflächen in Deutschland, Europa und weltweit - angereichert mit vielen Grafiken. Der Atlas kann hier heruntergeladen oder online gelesen werden.

Agropoly - wenige Konzerne beherrschen die Lebensmittelproduktion

Saatgut, Jungtiere, Futtermittel, Dünger – was früher auf dem Bauernhof selbst produziert werden konnte, sind heute separate Sektoren der industrialisierten und globalisierten Wertschöpfungskette für Nahrungs-mittel. Dazu gehören auch der Handel, die Verarbeitung und der Verkauf von Lebensmitteln. Das schwächste Glied in der Kette sind die Bauern, die die Lebensmittel produzieren. Besonders Kleinbauern im Globalen Süden geraten im Zuge des Konzentrationsprozesses in der Nahrungs- mittelproduktion immer mehr unter Druck durch Patente auf Saatgut, Verdrängung vom Land, unfaire Arbeitsbedin- gungen, zu niedrige Preise und die Verdrängung von informellen Märkten. Die Agropoly-Broschüre dokumentiert den Konzentrationsprozess und zeigt, wie immer weniger Firmen Geschäftsbedingungen, Preise und teils politische Rahmenbe- dingungen diktieren. Bestellung beim Forum Umwelt und Entwicklung

UNCTAD-Bericht: Weniger Agrarindustrie, mehr Kleinbauern fördern

Der Trade and Environment Report 2013 der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD will als Weckruf dienen: Er fordert eine Abkehr von der industriellen Agrarproduktion, Vielfalt statt Mono- kulturen, agrarökologische Methoden statt Mineraldünger und Pestizide - aber vor allem mehr Unterstützung für Kleinbauern. Schnelles Handeln sei geboten angesichts des Klimawandels und dessen Folgen für die landwirtschaftliche Produktion. Steigende Lebensmittelpreise, Dürren und Land Grabbing drohen das Hunger- problem zu verschärfen: Obwohl genug für alle produziert wird, leiden 1 Milliarde Menschen an Unterernährung, die meisten auf dem Land - hier gilt es anzusetzen. Die Transformation der Landwirtschaft ist eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts, so der Bericht.

Land Matrix Reloaded: Datenbank zur globalen Landnahme online

Die neue Version der Plattform Land Matrix gibt einen Überblick über Investitionen in Land weltweit: Rund 1000 abgeschlossene Geschäfte über 39 Millionen Hektar Land enthält die Datenbank bisher, dazu kommen beabsichtige oder gescheiterte Verträge. Die USA sind mit 7 Millionen Hektar der größte Investor, beliebte Zielländer sind Südsudan, Indonesien oder Mosambik. Die meisten Flächen dienen der Agrartreibstoffproduktion und dem Anbau von Lebensmitteln.

Preise und Prognosen zur Landwirtschaft bis 2022

Die OECD hat den Landwirtschaftsausblick 2013-2022 veröffentlicht, dazu eine interaktive Datenbank, deren Grafiken Entwicklungen bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen abbilden - von schwankenden Getreidepreisen über die boomende Agrartreibstoffproduktion bis hin zu Zahlen zum weltweiten Fleischkonsum für die nächsten 10 Jahre. Die Weizenpreise sollen sich z.B. bei 260-270 US-Dollar pro Tonne einpendeln. Dass Prognosen irren können, zeigt der Ausblick 2009: Die Weizenpreise sollten 2010 auf rund 200$ sinken, sprengten dann jedoch die 300-Dollar-Marke. Der neue  Bericht räumt daher ein: Dürren und knappe Bestände könnten die Preise für Agrarprodukte um 15 bis 40% hochtreiben.

Weltumwelttag 2013: Think.Eat.Save

Dieses Jahr steht der Weltumwelttag, der mit vielen Aktionen am 5. Juni weltweit begangen wird, unter dem Motto „Think.Eat.Save“. Verbraucher sollen zum Nachdenken über ihr Konsumverhalten angeregt werden, denn jährlich werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmitteln verschwendet – so viel wie in ganz Subsahara-Afrika produziert werden. Der Weltumwelttag 2013 will den ökologischen Fußabdruck unserer Ernährungsweise ins Bewusstsein rufen und Alternativen aufzeigen, wie Bioprodukte, für deren Herstellung keine Chemikalien verwendet wurden, oder regionale Produkte.

Fünf Fakten zum Weltwassertag

• 748 Millionen Menschen haben kein sauberes Trinkwasser
• 6 bis 8 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von verschmutztem Wasser
• Weltweit entfällt 70% der globalen Wasserentnahme auf die    Landwirtschaft - bis 2050 wird ihr Verbrauch um 19% steigen
• Um ein Kilogramm Reis zu produzieren, werden 3.500 Liter Wasser benötigt – ein Kilo Rindfleisch verschlingt 15.000 Liter
• Jeder Europäer konsumiert täglich 3 Kubikmeter virtuelles Wasser durch den Import von Nahrungsmitteln

Der Paradigmenwechsel hat begonnen

Die Resonanz vieler internationaler Institutionen und der wissenschaftlichen Gemeinde auf den Weltagrarbericht war anfangs verhalten bis ablehnend. Viele Regierungen und Unternehmen ignorierten seine Ergebnisse zunächst. Mittlerweile sind wesentliche Botschaften des Berichts auf dem Wege, zur „herrschenden Meinung" zu werden. Auch wenn die konkreten Lösungs- vorschläge noch immer weit auseinandergehen, ist ein Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -wissenschaft kaum mehr aufzuhalten.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar in Le Monde Diplomatique und unsere Sammlung wichtiger aktuellerer Berichte und Zusammenfassungen.

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Originaltexte

des globalen Berichts, der fünf regionalen Berichte und der Synthese des Weltagrarberichts

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