Hunger im Überfluss

Akute Opfer von Dürre und anderen Naturkatastrophen, von Krieg und Bürgerkriegen, sind die Minderheit der von Hunger betroffenen Menschen. Das von den Medien geprägte Bild von Hunger und Elend zeigt nicht die Mehrheit der Hungernden, die dauerhaft zu wenig zu essen haben, um ein normales Leben zu führen. Hungernde Menschen können nicht normal wachsen, lernen und arbeiten. Sie sind anfällig für Infektionskrankheiten und Parasiten. Unterernährung trifft Mütter und Kinder während der ersten Lebensjahre am schlimmsten. Fast ein Drittel aller Kinder in Entwicklungsländern kommt untergewichtig zur Welt. Über ein Drittel der 7.6 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die 2010 weltweit gestorben sind, hätten bei besserer Ernährung überleben können.

Eine Frage des politischen Willens

Den Hunger der eigenen Bevölkerung zu bekämpfen, steht für die schwachen Regierungen in vielen der am härtesten getroffenen Länder nicht an oberster Stelle. Humanitäre Hilfe kann zu einer wichtigen Einnahmequelle für Machthaber werden. Sie nehmen das Elend der eigenen Bevölkerung gewissermaßen als Geisel. Eine Ursache für das Versagen vieler Regierungen beim Einsatz knapper eigener Mittel und der Katastrophen- und Entwicklungshilfe, sind Korruption, Krieg und interne Gewalt. Ein weiteres Problem sind städtische Eliten, die inkompetent und ignorant gegenüber der Entwicklung auf dem Land sind. Die Erosion und der Zusammenbruch staatlicher Ordnung führen gerade in entlegenen ländlichen Regionen häufig zu lokalen Gewalt- und Ausbeutungsstrukturen, in denen ein Menschenleben wenig zählt.

Zeichen der Hoffnung

Den unsäglichen Problemen stehen Tausende ermutigende Beispiele gegenüber, wie sich die Lage eines Dorfes und einer ganzen Region innerhalb kurzer Zeit nachhaltig verändern kann. Mit einfachen Mitteln, auch unter widrigen Bedingungen.
Einzelne Frauen und Männer, die mit Entschlossenheit gemeinschaftliche Zusammenarbeit organisieren, stehen hinter den meisten dieser Erfolgsgeschichten.
Selbstbestimmung ist der Schlüssel. Besonders erfolgreich sind Initiativen, bei denen Regierungen, Behörden und internationale Hilfsorganisationen die Selbstorganisation unterstützen. Maßnahmen, fernab der lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse erdacht, sind weitaus weniger nachhaltig. Eine robuste Selbstversorgung mit Lebensmitteln und eine eigenständige Produktion auf Grundlage der vor Ort verfügbaren Mittel und Möglichkeiten haben sich als das sicherste Rezept erwiesen. So können sich wirtschaftliche Aktivitäten entwickeln und gemeinschaftlicher Wohlstand kann entstehen.

Neuerscheinung INKOTA Brief: Die neue Landnahme: Der Globale Süden im Ausverkauf

Nachdem der ländliche Sektor jahrzehntelang vernachlässigt wurde, hat in den vergangenen Jahren eine regelrechte Jagd auf Acker- und Weideland eingesetzt. Schätzungen zufolge wurden im Globalen Süden bis zu 50 Millionen Hektar Land verkauft oder langfristig verpachtet, Verhandlungen über 10 bis 30 Prozent des weltweit verfügbaren Ackerlandes sollen laufen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die kleinbäuerliche Bevölkerung der große Verlierer beim Land Grabbing ist.

Der INKOTA-Brief 152 „Die neue Landnahme: Der Globale Süden im Ausverkauf“ bildet diesen Spannungsbogen ab. Er hat 48 Seiten und kostet nur 3,50 Euro plus Versandkosten. Den Schwerpunkt dieses INKOTA-Briefs 152 gibt es parallel als INKOTA-Dossier 7 (28 Seiten, 2,50 Euro plus Versandkosten).

Im September 2011 hat Oxfam unter dem Titel „Land and Power“ einen neuen Bericht zu Landgrabbing vorgelegt und zeigt darin die dramatischen Ausmaße des Ausverkaufs von Land an. Nach Schätzungen von Oxfam wurden in den letzten 10 Jahren 227 Millionen Hektar Land in Entwicklungsländern aufgekauft oder verpachtet.

Elend und Landflucht

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Situation der Armen auf dem Land in vielen Regionen der Welt drastisch verschlechtert. Die Erlöse der Kleinbauern sanken, die Erträge stagnierten.
Aids nahm besonders in Afrika Millionen von Familien ihre aktivsten Mitglieder. Mit der Versorgung der Kranken und Waisen entstehen für die Hinterbliebenen zusätzliche Kosten und Arbeit.
Vor allem junge Männer suchen Arbeit in den Städten und lassen Alte, Frauen und Kinder in einer gefährlichen Lage zurück: Sie können gerade das Nötigste zum Überleben anbauen, aber können keine Rücklagen für Krisen und Missernten anlegen. Den Familien auf dem Land bleibt nur die geschwächte eigene Arbeitskraft zum Überleben. Hier ist der Teufelskreis von Krankheit, Armut und Hunger kaum zu durchbrechen.
Landflucht trägt den Hunger immer mehr auch in die Slums und Vororte der Mega-Städte. Geld ist dort noch stärker als auf dem Land der entscheidende Faktor. Die Hungerrevolten im Jahr 2008 trieben dort die Menschen auf die Straße, die durch die Explosion der Lebensmittelpreise existenziell bedroht sind. Die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft aber auch ländliche Familien zusätzlich. Sie sind häufig von Wanderarbeitern abhängig, die als erste nach Hause geschickt werden. (siehe auch > Ernährungs-Souveränität)

Videos: Hunger im Überfluss

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Nahrungsmittelspekulation einfach erklärt. Weed.
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