Lebens-Mittel und Krankmacher
Gut 85 % aller Menschen sind ausreichend mit Proteinen und Kalorien versorgt. Nur zwei Drittel von ihnen jedoch nehmen genügend Vitamine und essentielle Mineralstoffe auf.
Die Versorgung der armen Bevölkerung mit vielen Nährstoffen hat sich verschlechtert. Eine Reihe von nährstoffreichen Pflanzen in den lokalen Ernährungssystemen ist verlo- ren gegangen. Ein Grund dafür ist der zuneh- mende Anbau von Grundnahrungsmitteln (Reis, Weizen, Mais) in Monokulturen.
Mangelernährung und Krankheit verstärken einander häufig auf fatale Weise. Kurzfristige Maßnahmen, wie die Verteilung von Vitamin-A an Schwangere, können in akuten Fällen zwar Leben retten und Symptome lindern. Die nachhaltige Verbesserung der Gesundheit ist jedoch eine langfristige und integrierte Aufgabe ländlicher Entwicklung (Synthese, S.54). Der Schlüssel zu ausgewogener Ernährung ist die Vielfalt der angebauten Pflanzen und ihrer unterschiedlichen Inhaltsstoffe. Die Analyse von Nährwert und Verfügbarkeit traditioneller und lokaler Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten haben in den den letzten Jahren zu kulturell angepassten und lokal einfach umsetzbaren Ernährungsempfehlungen geführt. Über Nährstoffgehalt und Lebensmittelgruppen hinaus entwickeln sie eine ganzheitliche Perspektive, die danach fragt, wie Lebensmittel hergestellt, verarbeitet und entwickkelt werden. Dabei berücksichtigen sie auch die Gesundheitsauswirkungen von Anbauformen, der Produktion und Verteilung von Lebensmitteln, von Hygienestandards und üblicher Zubereitung. Solche Richtlinien empfehlen lokal verfügbare, gesunde traditonelle Rezepte sowie eine Steigerung der Vielfalt durch gesunde Alternativen. Kampagne für "Lokales essen", die die örtliche Landwirtschat unterstützen, haben Bewsstsein für die Bedeutung frischer Produkte erzeugt und dabei soziale Kooperation wiederbelebt und die allegemeine Gesundheitslage verbessert. (Global, S.33-34)
Neue und alte Gefahren
Die Lebensmittelsicherheit in Entwicklungs- und in den Industrieländern ist durch neue und alte Bedrohungen gefährdet. Mikro- biologische Verunreinigungen durch Bakte- rien, Pilze, Viren und Parasiten führen die Liste der Gesundheitsgefahren an.
Sie verursachen meist akute Symptome.
Vergiftungen und Belastungen durch Pestizide, Schwermetalle und andere Rückstände wie Dioxine, PCBs oder künstliche Hormone haben häufig eine langfristige Wirkung. Sie bleiben deswegen oft unbemerkt.
Zu den bedrohlichsten Gesundheitsrisiken in der Landwirtschaft gehören ansteckende Krankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden. Sie werden von bestimmten Anbaumethoden begünstigt. So spielen Bewässerungsmethoden eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung von Malaria und anderen von Insekten übertragenen Krankheiten. Von 204 ansteckenden Krankheiten, die sich derzeit in reichen wie armen Ländern verbreiten, werden 75 % zwischen Tieren und Menschen übertragen. Sie bedrohen direkt die menschliche Gesundheit und indirekt die ländliche Ökonomie, wo sie zu Handelsbeschränkungen führen. Die Übertragung von Rinderwahn (BSE) und Geflügelgrippe (H5N1), zwei prominente Beispiele, wird auf niedrige Standards der Tierfutterindustrie zurückgeführt. (Global, S.198)
Hinzu kommen steigende Resistenzentwicklungen durch den Antibiotika-Einsatz in der industriellen Landwirtschaft. Die WHO hatte bereits 1997 empfohlen, Antibiotika in der Tierproduktion nicht präventiv einzusetzen, da Resistenzentwicklungen die Bekämpfung von Krankheiten mit Antibiotika erschweren .
Kontrollen weltweit?
Lebensmittel verweilen immer länger in der Kette von Produktion, Verarbeitung, Lagerung und Verteilung. Das erschwert die Kontrolle. Das Risiko absichtlicher, unentdeckter oder unbeabsichtigter Verunreinigungen steigt.
Mit den globalen Ernährungsstrukturen sind Sicherheitsrisiken verbunden: Der Einsatz von Pestiziden und Dünger, von Hormonen in der Fleischproduktion und von Zusatzstoffen in der Lebensmittelverarbeitung. (Global, S.111)
Eine zweischneidige Reaktion auf die wachsenden Gesundheitsgefahren des globalen Ernährungssystems sind immer teurere und aufwändigere technische Sicherheitsstandards. Komplexe Rückverfolgungs- und Kennzeichnungs-Systeme vom Acker bis zum Teller, die von den Industrieländern und internationalen Konzernen festgelegt werden, überfordern kleine Produzenten. In den Industriestaaten strangulieren sie die traditionelle Lebensmittelherstellung und Qualität. In Entwicklungsländern, die die Kosten solcher Hygiene-, Test- und Überwachungssysteme nicht aufbringen können, gelten sie meist nur für Exportgüter, während einfache und effektive lokale Sicherheitsmaßnahmen unterbleiben.

















