Geschlechterrollen
Traditionell versorgen Frauen in Afrika und weiten Teilen Asiens die Familie mit den nötigen Lebensmitteln aus eigenem diversifizierten Anbau in Hausgärten und aus der Kleintierwirtschaft. Oft sind es die Frauen, die das Wissen über Wert und Nutzen lokaler Pflanzen und Tiere für Ernährung, Gesundheit und Einkommen als Familienversorgerinnen, Pflanzensammlerinnen, Kräuterspezialistinnen, Saatguthalterinnen und Züchterinnen besitzen. Ihre Experimente und Anpassungsversuche mit einheimischen Arten machen sie oft zu Expertinnen für pflanzengenetische Ressourcen. (Synthese, S. 78) Klassische Domänen männlicher Entscheidungsgewalt, einschließlich ihrer wirtschaftlichen Risiken, dagegen sind: Einsatz von Maschinen, Chemie und Hochleistungs-Sorten bei der Produktion von Getreide sowie die Produktion von Cash-Crops oder von Großvieh für überregionale Märkte. Häufig entwertet die auf überregionale Märkte ausgerichtete Wirtschaftsweise traditionell weibliche Hoheitsgebiete und Kompetenzen. Diese liegen eher in einer Risiken minimierender Lebensmittelproduktion und Verarbeitung sowie in hauswirtschaftlicher Ökonomie, sozialer Selbsthilfe und Gesundheitsvorsorge. Neue Technologien dienen vor allem dem bewässerten und besseren, von männlichen Bauern beherrschten Land. Armen, vor allem Bäuerinnen, dagegen fehlen Kredite und angepasste Technologien.
Chancen globaler Geschlechtersolidarität
In China und Indien leben über 40 % aller hungernden Menschen und rund 75 % aller Bäuerinnen und Bauern der Erde. In diesen größten asiatischen Übergangsökonomien sind die Erfolge der Armutsbekämpfung sehr unterschiedlich. Sie sind nicht zuletzt das Ergebnis einer unterschiedlichen Entwick- lung der Geschlechterbeziehungen in diesen Ländern. Beispiel Mikrokredite: Mikrofinanz-Gruppen haben über 10 Millionen Mitglieder in der Region, davon fast 90% Frauen (...). Frauen-Selbsthilfe- und Mikrokreditgruppen in Indien und anderen Ländern in der Region haben den weiblichen Verdienst zum dauerhaften Bestandteil des Haushaltseinkommens gemacht und durch diese Reduzierung der Abhängigkeit von männlichen Ernährern die partriarchalischen Verhältnisse geschwächt. (...) In Indien haben solche Selbsthilfegruppen begonnen, in Gemeindeprojekte wie Kleinbewässerungsanlagen und Bodenerhaltung zu investieren. Anders als männliche Gruppen mit ähnlichen Aufgaben haben sie dabei beachtliches Kapital angespart und in Traktoren und sonstige Mechanisierung investiert. (Ost- und Südasien & Pazifik, S. 181)
Die Feminisierung der Landwirtschaft hat weitreichende Auswirkungen. Ihr Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktivität ist im Moment noch nicht absehbar. Sie könnte ein Hauptschwerpunkt künftiger Forschung und Politik sein, die sich auf die Qualifizierung, Beratung und die agrartechnische Ausbildung von Frauen konzentriert. Und die sich einsetzt für die effektiven Rechte der Frauen an Land, Wasser, Tieren und Maschinen.
















