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03.11.2016 |

Oxfam: „Biosprit“ vertreibt Menschen und heizt den Klimawandel an

Palmoil
Einst Wald, nun Ölpalmen (glennhurowitz, bit.ly/Palm5, bit.ly/7_CC_BY-ND_2-0)

Die aktuelle EU-Bioenergiepolitik führt zu einer Zunahme von Landkonflikten, Armut und Umweltschäden und steht im Widerspruch zu internationalen Nachhaltigkeits- und Klimazielen. Darauf macht ein neuer Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam aufmerksam, der das Aus für die EU-Biospritförderung fordert – doch genau dem steht eine übermächtige Biosprit-Lobby entgegen, die Reformen auf EU-Ebene blockiert. Oxfam zufolge arbeiten in Brüssel rund 400 Lobbyisten der „Biosprit“-Industrie, von der Rohstoffproduktion bis hin zu „Biosprit“-Herstellern, die allein 2015 insgesamt mehr als 14 Millionen Euro ausgegeben haben, um ihre Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Die Biosprithersteller allein investieren bis zu 5,7 Millionen Euro für Lobby-Arbeit und haben damit sogar die Tabak-Lobby überholt. „Um den Hunger zu beenden und den Klimawandel zu begrenzen, muss sich die EU aus dem Zugriff der Biosprit-Industrie und ihrer Verbündeten befreien“, fordert Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Denn wenn an der Bioenergiepolitik der EU und der Staaten, die Subventionen und Quoten für Biosprit festgelegt haben, nichts ändert, werden im Jahr 2030 rund 600.000 Quadratkilometer Land durch die Biospritproduktion belegt – ein Fläche so groß wie Frankreich. Der Oxfam-Bericht zeigt anhand von Beispielen aus Tansania, Peru und Indonesien auf, wie Wälder gerodet werden, um zum Beispiel Platz für Ölpalmen zu machen, und wie Menschen ihr Land und damit ihre Existenzgrundlage verlieren. In Indonesien wurden 2014 allein 731 Landkonflikte gezählt, die mit dem Palmölanbau zu tun haben. Das Land produziert mehr als die Hälfte des weltweiten Palmöls und hat seit 2006 seine Produktion verdoppelt auf 33 Millionen Tonnen in 2015. Der zweitgrößte Abnehmer nach Indien ist die EU: Seit 2003, als die EU-Biospritziele eingeführt wurden, hat sich der EU-Palmölmarkt verdoppelt. Der Großteil der Palmöl-Importe wird inzwischen im Verkehrs- und Energiesektor verbraucht. Oxfam kritisiert, dass die Folgen der rasanten Palmölexpansion jedoch meist nur kurz ins Licht der Öffentlichkeit rücken, wenn Bilder brennender Wälder und smogverhüllter Städte die Runde machen. Der Bericht zeigt die negativen Auswirkungen der Ankunft des Wilmar-Zulieferers PT Sandabi Indah Lestari (PT SIL) für die Menschen auf der Insel Sumatra. PT SIL erhielt 2011 eine Konzession für 2.812 Hektar Land in der Provinz Bengkulu und hat seither die Menschen vor Ort am Zugang zu rund 1000 Hektar gehindert, die bisher für die gemeinschaftliche Nutzung zur Verfügung standen. „Der Zugriff von PT SIL auf kleine Parzellen von Land, auf denen die Bewohner viele Jahre lang Lebensmittel angebaut haben und von dem ihr Einkommen abhängig ist, wirkt sich negativ auf die Existenzen und Ernährungssicherheit der Menschen vor Ort aus“, warnt der Bericht. Doch auch aus klimapolitischer Sicht sei Biosprit ein Irrweg, betont Oxfam, denn bei der Umwandlung von Land oder Wald zu Ackerflächen und deren agrarindustrieller Bewirtschaftung entstehen riesige Mengen an Treibhausgasen. „Die EU verfolgt eine falsche Strategie, die mit ihren entwicklungs- und klimapolitischen Zielen kollidiert“, warnt Wiggerthale. Am 7. Dezember wird die EU-Kommission die Überarbeitung ihrer Bioenergie-Politik diskutieren. „Die Bundesregierung darf diese Chance nicht verstreichen lassen“, so Wiggerthale. (ab)

31.10.2016 |

In Saus und Braus: Menschheit übernutzt natürliche Ressourcen

Erde
2030 benötigt die Menschheit eine zweite Erde (Foto: CC0)

Die Menschheit geht so verschwenderisch mit den natürlichen Ressourcen um, dass im Jahr 2030 zwei Planeten zur Deckung des Bedarfs an Lebensmitteln, Wasser und Energie nötig wären. Der Raubbau an der Natur hat fatale Folgen, wie den enormen Verlust der Artenvielfalt, warnt die Umweltschutzorganisation WWF in ihrem am 27. Oktober veröffentlichten „Living Planet Report 2016“. Bereits heute verbraucht die Weltbevölkerung rein rechnerisch 1,6 Erden, da sie mehr Ressourcen in Anspruch nimmt als die Natur regenerieren kann. Seit 1970 sind die untersuchten Wildtierbestände um durchschnittlich 58% zurückgegangen und werden bis zum Jahr 2020 voraussichtlich um 67% schrumpfen. „Die Menschheit treibt die Erde in einen lebensbedrohlichen Burn-Out“, warnte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „In einer Welt mit begrenzten Ressourcen muss deren nachhaltige Nutzung endlich zu einer der obersten Handlungsmaximen von Politik und Wirtschaft werden. Wir brauchen eine neue Definition von Wohlstand und Erfolg, die die Gesundheit von Individuen, der Gesellschaft und der Umwelt einbezieht.“

Deutschland gehört zu den Ländern mit einem besonders hohen ökologischen Fußabdruck und überschreitet seit Langem die Grenzen der ökologischen Nachhaltigkeit. Hauptursache für den Verlust von Tier- und Pflanzenarten sowie der Belastung von Böden und Gewässern sei die Landwirtschaft: „Die konventionelle Nahrungsmittelproduktion gehört zu den Hauptverursachern des Verlusts biologischer Vielfalt. Sie zerstört wertvolle Lebensräume, übernutzt Fischbestände, sie hinterlässt Schadstoffe und trägt zum Bodenverlust bei. Diese Form der Nahrungsmittelproduktion ist außerdem Ursache für die Überschreitung planetarer Grenzen bei Stickstoff und Phosphor. Sie beeinflusst stark den Klima- und Landnutzungswandel, den Wasserverbrauch und die Biosphäre“, betont der Bericht. Die Zeche für diesen Raubbau zahlt Deutschland aber nicht allein, denn große Teile des ökologischen Fußabdrucks wurden in andere Länder ausgelagert. So importierte der deutsche Agrarsektor im Durchschnitt der Jahre 2011–2013 Produkte, für deren Anbau rund 5,5 Millionen Hektar Anbaufläche benötigt wurden. Knapp die Hälfte dieser Fläche entfällt auf die Fleischproduktion, für die Deutschland Flächen für den Anbau von Soja in Südamerika beansprucht. Der Anbau dieser meist gentechnisch veränderten Soja geht einher mit der Abholzung von Wäldern und einem hohen Pestizideinsatz. Für die Produktion von Palmöl, das für Biokraftstoffe, Kosmetik, Nahrungs-, Futter- und Reinigungsmittel benötigt wird, belegt Deutschland rund 400.000 Hektar in Indonesien und Malaysia.

Der WWF fordert von der Bundesregierung tiefgreifende Reformen. Notwendig seien eine erfolgreiche Energiewende, eine ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft und ein Finanzsystem, das auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit abziele. In der Landwirtschaft müsse Wert auf eine natur- und landschaftsverträgliche Produktion im Inland gelegt werden. Um die künftige Nachfrage nach Agrarprodukten zu decken, müsse es gelingen, die damit verbundenen Umweltschäden und die Verluste entlang der Nahrungsmittelkette zu vermeiden. Dafür sei eine Agrarwende nötig, denn „die gegenwärtigen Strukturen des industrialisierten globalen Lebensmittelsystems stärken den Status quo. Dazu gehören Agrarsubventionen, einseitige Forschungsprogramme und die Marktdominanz multinationaler Agrar- und Lebensmittelkonzerne“, betont der Bericht. „Der Übergang zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion, die vielfältige, gesunde Lebensmittel für alle bereitstellt, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten, ist eine gewaltige Herausforderung“, lautet das Fazit. (ab)

27.10.2016 |

Jahrbuch: Saatgut gehört in die Hände von Kleinbauern statt Großkonzernen

Saatgut
Saatgut für Kleinbauern statt wenige Konzerne (Foto: CC0)

Die Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die durch neue Fusionen weiter voranschreitet, bedroht bäuerliche Saatgutsysteme und damit das Menschenrecht auf Nahrung. Davor warnen das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich der Vorstellung des Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung 2016 am Dienstag in Berlin. Kleinbäuerinnen und -bauern produzieren den Löwenanteil der Lebensmittel weltweit, indem sie seit Jahrtausenden Saatgut bewahren, tauschen und weiterentwickeln. Doch diese Saatgutsysteme geraten vermehrt unter Druck: Gesetze schränken weltweit die Rechte von Bauern bei der Nutzung ihres Saatguts immer stärker ein und kriminalisieren diese. Dadurch werden Kleinbauern in ihrer Rolle als Lebensmittelproduzenten behindert und ihre Ernährungssouveränität gefährdet, betonen die Organisationen. „Es existiert weltweit ein informeller Saatgutmarkt, auf dem Bauern und Bäuerinnen Saatgut oft direkt tauschen und verkaufen“, sagt Roman Herre, Agrarreferent bei FIAN. „Dieser Markt ist noch immer die wichtigste Quelle für Saatgut in den Ländern des globalen Südens.“ Und nicht nur das, denn Saatgut ist ein Garant für das Recht auf Nahrung und damit das Überleben von Millionen Kleinbauern. Doch der von mehreren Organisationen und Netzwerken herausgegebene Bericht, der bereits am 13. Oktober in Rom veröffentlicht wurde, warnt vor der zunehmenden „Privatisierung, Monopolisierung und Kontrolle von Saatgut durch Agrarkonzerne, die diese Grundlage des Lebens durch Patentierung und Kommodifizierung“ an sich reißen wollen. Diese Machtkonzentration auf dem Saatgutmarkt ist kein neues Problem – bereits der Weltagrarbericht warnte 2009 davor, dass die zehn größten Unternehmen über die Hälfte des globalen Handels mit geschützten Sorten kontrollieren – doch mit den jüngsten Fusionsankündigungen erreicht der Prozess eine neue Dimension. „Die Mega-Zusammenschlüsse unter den Pestizid- und Saatgutkonzernen schreiten immer weiter voran. Was im letzten Jahr mit dem Zusammenschluss Dow - DuPont begann, setzte sich mit Syngenta - ChemChina fort und findet seinen vorläufigen Höhepunkt mit der Übernahme von Monsanto durch Bayer“, beklagt Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt, in einer Pressemitteilung. „Die drei neuen Konzerne werden damit 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes und 70 Prozent des Pestizidmarktes kontrollieren. Wir befürchten, dass diese Megafusionen das Recht auf Nahrung bedrohen.“ Denn für die Konzerne mag Saatgut eine Quelle enormer Profite darstellen – für unzählige Kleinbauern und indigene Gemeinschaften weltweit geht es jedoch nicht ums Geld, sondern um die elementare Grundlage ihrer Ernährung. (ab)

26.10.2016 |

Ökolandbau im Aufwind: EU-Anbaufläche wuchs seit 2010 um ein Fünftel

Österreich
Österreich: Spitzenreiter beim Ökoflächenanteil (Foto: CC0)

Die Ökofläche in den EU-Mitgliedstaaten ist in den letzten fünf Jahren um 21,1 Prozent gewachsen: Zwischen 2010 und 2015 stieg die ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche laut einer aktuellen Auswertung der EU-Statistikbehörde Eurostat von rund 9,2 auf 11,1 Millionen Hektar an. Damit sind 6,2 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Ökolandbau zertifiziert oder befinden sich gerade in der Umstellung. Auch die Zahl der Erzeuger befindet sich im Aufwind: Nach Eurostat-Angaben gab es 2015 rund 271.500 Biobauern – ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Federführend sind in absoluten Zahlen betrachtet Spanien (1.968.570 Hektar), Italien (1.492.579 ha), Frankreich (1.361.512 ha) und Deutschland (1.060.291 ha), die mehr als die Hälfte der ökologisch bewirtschafteten Fläche in der EU auf sich vereinen. Die größten Fortschritte bei der Ausweitung des Ökofläche haben in den letzten fünf Jahren Kroatien und Bulgarien gemacht, wo sich die Hektarzahl seit 2010 fast vervierfachte (+377% und +362%), auch wenn der Anteil an der Gesamtfläche mit 4,9% und 2,4% noch recht gering ist. Fortschritte bei der Ausdehnung der Ökofläche verzeichneten aber auch Frankreich mit einem Plus von 61%, Irland mit 53% sowie Litauen und Zypern mit einem Flächenzuwachs von 49% und 48%. Bergab ging es hingegen in Großbritannien (-29%) und den Niederlanden (-4%). Schaut man sich jedoch nicht nur die Fläche sondern den Anteil der Ökoflächen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche an, glänzen andere Länder: Den höchsten Anteil an der Gesamtfläche hat der Ökolandbau in Österreich: In der Alpenrepublik wird mit 552.000 Hektar ein Fünftel der gesamten Anbaufläche ökologisch bestellt. Doch auch in Schweden und Estland entfällt mit 17% und 16% ein hoher Flächenanteil auf den Ökolandbau. Immerhin noch die 10-Prozent-Marke knacken die Tschechische Republik (13,7% bzw. 478.033 ha), Italien (11,8%) und Lettland (12,3% bzw. 232.608 ha). Deutschland dümpelte 2015 bei einem Ökoanteil von 6,3% und ist bleibt damit noch weit von dem Ziel von der Bundesregierung formulierten Ziel entfernt, den Anteil des ökologischen Landbau auf 20 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche auszudehnen. Schlusslichter im EU-Vergleich sind Malta mit 0,3% der Agrarfläche, Irland mit 1,6% und Rumänien mit 1,8%. Dabei würde die Ausweitung des Ökolandbaus viele Vorteile für diese Länder bringen, wie Eurostat in der Pressemitteilung zusammenfasst: Denn „der ökologische Landbau kombiniert bewährte umweltschonende Verfahren, ein hohes Maß an Artenvielfalt, den Schutz der natürlichen Ressourcen und hohe Produktionsstandards auf der Basis natürlicher Substanzen und Prozesse. Er bedient einen spezifischen Markt und reagiert damit auf eine spezifische Verbrauchernachfrage, wobei er gleichzeitig öffentliche Güter bereitstellt, die einen Beitrag zu Umwelt- und Tierschutz ebenso wie zur Entwicklung des ländlichen Raums leisten.“ (ab)

24.10.2016 |

GRAIN: Besserer Zugang zu Land für Bäuerinnen in Lateinamerika nötig

Frau
Bäuerinnen in Lateinamerika: Rückgrat ländlicher Entwicklung (Foto: Volker Gehrmann)

Der fehlende Zugang zu Land ist eines der gravierendsten Probleme für Frauen in ländlichen Gebieten in Lateinamerika und anderen Teilen der Welt. Darauf macht die Nichtregierungsorganisation GRAIN in einer neuen Veröffentlichung aufmerksam. Weltweit gibt es ungefähr 1,6 Milliarden Bäuerinnen – das sind mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung – doch laut Autorin Claudia Korol befinden sich nur zwei Prozent des Landes weltweit in deren Besitz und nur ein Prozent der landwirtschaftlichen Kredite werden Bäuerinnen gewährt. Auch wenn Frauen eine grundlegende Rolle in der Landwirtschaft spielen, besitzen sie weniger Land und vor allem weniger fruchtbares Land als Männer, betont Korol unter Berufung auf Studien zum Landbesitz in Frauenhand in Lateinamerika. Eine Vielzahl von Faktoren trage dazu bei, zum Beispiel die privilegierte Position des Mannes in der Ehe, das Erbschaftsrecht, das Männer begünstige oder die Bevorzugung von Männern bei staatlichen Programmen zur Landverteilung und Vergabe von Landtiteln. „Mit anderen Worten: Frauen arbeiten unermüdlich und sie tun dies unter Bedingungen tiefgehender Ungleichheit und Unterdrückung“, schreibt Korol. Denn Frauen im ländlichen Raum arbeiten oft bis zu 12 Stunden täglich im Garten und kümmern sich um die Tiere, sammeln Kräuter und Beeren, holen Wasser, kochen und konservieren Lebensmittel oder betreuen die Kinder und ältere oder kranke Familienmitglieder. Doch diese Arbeit der Millionen Bäuerinnen in Lateinamerika und weltweit bleibt unsichtbar, schreibt Korol, von der in Kürze ein spanischsprachiges Buch zum Thema erscheinen wird. „Wenn wir im Falle von Frauen auf dem Land von unsichtbarer Arbeit sprechen, beziehen wir uns auf diese Art der unbezahlten Arbeit im Haushalt“, schreibt Korol. „Sich um den Garten, Tiere, Saatgut, die Ernte von Obst und das Wasserholen zu kümmern, das sind unbezahlte Tätigkeiten, obwohl sie Lebensmittel bereitstellen und die Rahmenbedingungen schaffen für das Überleben von Millionen Menschen weltweit.“ Diese unsichtbare Arbeit von Millionen Bäuerinnen in Lateinamerika verfestigt ein System, in dem Frauen nicht wirtschaftliche entlohnt werden und verstärkt die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Bezug auf den Zugang zu Land, Krediten und Agrarberatung, betont Karol und fordert eine zügige Veränderung dieser Strukturen. (ab)

20.10.2016 |

FAO: Kleinbauern gegen den Klimawandel wappnen beugt Hunger vor

Duerre
Dürren bereiten Bauern und Hirten Probleme (Foto: CC0)

Der Klimawandel erfordert die zügige Umgestaltung unserer Agrar- und Ernährungssysteme und mehr Unterstützung für Kleinbauern, damit nicht noch mehr Menschen in die extreme Armut abgleiten. Darauf macht ein am 17. Oktober veröffentlichter Bericht der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO aufmerksam. Die Landwirtschaft stehe vor der enormen Herausforderung, Lebensmittel für eine wachsende Weltbevölkerung zu produzieren, die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen zu verringern und sich an den Klimawandel anzupassen. Die Autoren von „The State of Food and Agriculture 2016” betonen, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft sowie die Folgen für die Ernährungssicherheit schon heute alarmierend seien. Doch bei einem “Weiter wie bisher” könnten bis 2030 weitere 122 Millionen Menschen in die extreme Armut stürzen, der Großteil von ihnen Kleinbauern, da landwirtschaftliche Einkommen sinken. „Es besteht kein Zweifel daran, dass der Klimawandel die Ernährungssicherheit beeinträchtigt“, sagt FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva. „Er bringt die Unsicherheiten aus den Zeiten zurück, als wir noch Jäger und Sammler waren. Wir können uns nicht mehr sicher sein, dass wir das ernten, was wir gepflanzt haben.” Die Ernteerträge einiger Getreidesorten brechen bereits ein. Subsahara-Afrika und Südostasien werden am stärksten betroffen sein – und damit die Regionen, in denen jetzt schon die meisten Hungernden leben. Die Menschen, deren Existenz von der Landwirtschaft abhängt, trifft es am härtesten. Arme Menschen in den Städten und auf dem Land werden mit höheren und schwankenden Lebensmittelpreisen rechnen müssen. „Jeder wird den Preis dafür zahlen müssen, nicht nur jene, die von Dürren betroffen sind“, warnt Graziano da Silva. Es sei entscheidend für die Armuts- und Hungerbekämpfung, dass die mehr als 500 Millionen Kleinbauern weltweit mehr Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel erhalten. Kleinbauernfamilien sollten klimafreundliche Anbaupraktiken anwenden, die Agrarproduktion auf den Höfen diversifizieren und sich breiter aufstellen, damit sie auch über von der Landwirtschaft unabhängige Arbeit und Einkommen verfügen. Agrarökologie und nachhaltige Intensivierung sind laut FAO Beispiele für Ansätze, die Erträge und Widerstandsfähigkeit steigern können, z.B. durch Praktiken wie Gründüngung, stickstoffbindende Zwischenfrüchte und nachhaltiges Bodenmanagement, sowie die Einbindung von Agroforstsystemen und Tierhaltung. Schätzungen zufolge könne allein durch die ausgeweitete Nutzung stickstoffeffizienter Sorten die Zahl der 2050 einem Hungerrisiko ausgesetzten Menschen um gut 120 Millionen sinken. Statt Nassreisanbau könnte durch abwechselndes Wässern und Trocknen der Reisfelder der Methanausstoß um 45% verringert werden. Das spart Wasser und erzielt vergleichbare Erträge wie bei dauerhafter Flutung der Felder. Es gibt kostengünstige und nachhaltige Anbaupraktiken, betont die FAO, nur die Hürden für ihre Anwendung müssen überwunden werden. Dazu zählen Subventionen für nicht nachhaltige Anbaumethoden, schlecht abgestimmte Anreize und unzureichender Zugang zu Märkten, Krediten, Agrarberatung und Sozialprogrammen – hier sind besonders Frauen benachteiligt. Nun ist schnelles Handeln gefragt, betonen die Autoren, denn die Folgen des Klimawandels werden sich mit der Zeit verstärken. (ab)

18.10.2016 |

Interview: Hans Herren fordert radikale Umgestaltung der Landwirtschaft

Herren
Hans Herren (Foto: Peter Lüthi/Biovision)

Zur Bewältigung künftiger Herausforderungen bedarf es einer radikalen Umgestaltung der Landwirtschaft und industrieller Lebensmittelsysteme. Das fordert Hans Herren, Ko-Präsident des Weltagrarberichts und Gewinner des Welternährungspreises sowie zahlreicher anderer Auszeichnungen, in einem Interview. In der neuen Broschüre „Agriculture at a Crossroads: IAASTD findings and recommendations for future farming“ zieht Herren Bilanz zur Wirkung des 2009 veröffentlichten Weltagrarberichts und nimmt aktuelle Debatten im Bereich Welternährung, Klima und Landwirtschaft in den Blick. „Die entscheidende Handlungsoption, die vom Weltagrarbericht ausging, lautet, dass in der globalen Landwirtschaft ein Kurswechsel hin zur Agrarökologie erfolgen muss, um die Herausforderungen einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung zu meistern“, betont Herren, der nun Präsident des Millennium Institute in Washington und der Schweizer Stiftung Biovision ist. Die Erkenntnis, dass unsere heutigen Agrar- und Ernährungssysteme nicht im Einklang mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Welt sind, habe sich mittlerweile etabliert. „Es ist befriedigend zu sehen, dass die Debatten und das Geschehen rund um die Agrarökologie an Schwung gewonnen haben.“ Die Botschaft des Weltagrarberichts, dass die Landwirtschaft zur Lösung globaler Probleme beitragen muss, statt diese weiter zu befeuern, und dass ein „radikaler Neustart“ notwendig ist, um ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit zu verwirklichen, sei endlich im Mainstream angekommen – „trotz des starken Widerstands von Interessengruppen, der Agrarindustrie und großer Stiftungen.“ Herren räumt aber auch ein, dass nicht alle Erkenntnisse auf fruchtbaren Boden fielen: Weitgehend ignoriert werde die Empfehlung, dass auch eine radikale Umgestaltung industrieller Lebensmittelsysteme nötig sei. „Es wird weiter davon ausgegangen, dass Industrienationen mit ihren nicht nachhaltigen industriellen Agrar- und Ernährungssystemen die ‚Welt ernähren‘ müssen. Die Botschaft, dass Länder ihre eigene Fähigkeit ausbauen müssen, Lebensmittel zu produzieren und ihre Bäuerinnen und Bauern zu schützen – oft auch als Ernährungssouveränität bezeichnet – muss erst noch in der Agrar- und Ernährungspolitik der Industriestaaten ankommen.“ Entwicklungsländer müssten ebenfalls noch stärkere Anstrengungen unternehmen, um die vom Weltagrarbericht aufgezeigten Handlungsoptionen umzusetzen. Herren zufolge laute eine Hauptausrede, dass die Umsetzung radikaler Veränderungen zu teuer sei. „Tatsächlich ist es jedoch unverantwortlich, nicht jetzt Geld zu investieren, um das System umzustellen auf agrarökologische und regenerative Praktiken und Wissenschaft“, stellt Herren klar. Der vom UN-Umweltprogramm (UNEP) veröffentlichte Green Economy Report habe bereits 2011 aufgezeigt, dass die Umsetzung der Empfehlungen des Weltagrarberichts bis 2050 möglich wäre – mit gerade einmal einem Drittel der aktuell gezahlten Agrarsubventionen. „Wir würden mit weniger Land und Wasser immer noch genug Lebensmittel in der Menge und Qualität produzieren, die benötigt wird, um 9 bis 10 Milliarden Menschen zu ernähren.“ Herren zeigt sich optimistisch: „Positive Entwicklungen können vielerorts beobachtet werden, es gibt eine gute Wissensproduktion im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft wie vom Weltagrarbericht definiert, doch die Regierungen sind noch nicht dazu bereit, die Kosten für Forschung und Entwicklung im Bereich Agrarökologie, ökologische und regenerative Landwirtschaft zu tragen und überlassen die Arbeit den NGOs.“ Die 2015 verabschiedeten UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) betrachtet Herren als Chance. „Es gibt viele Unterziele zu Landwirtschaft und Ernährung und sie sind von großer Relevanz, um die vom Weltagrarbericht empfohlene Umgestaltung der Landwirtschaft zu fördern. Es besteht die fantastische Gelegenheit, Synergien zu schaffen angesichts der Tatsache, dass Landwirtschaft und Ernährung so eng mit allen Sektoren und Dimensionen nachhaltiger Entwicklung verknüpft sind. Es ist nun unerlässlich, dass die SDGs unverzüglich umgesetzt werden mit einem Fokus auf das Ernährungssystem, eine nachhaltige Landwirtschaft und Agrarökologie.“ (ab)

17.10.2016 |

Broschüre: SDGs erfordern Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft

Umschlag der Broschüre
Umschlag der Broschüre

„Weiter wie bisher ist keine Option” – so lautete der Weckruf des Weltagrarberichts. Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2009 hat sich die globale Debatte über die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung weiterentwickelt, doch die Erkenntnisse des Berichts besitzen immer noch Relevanz. Einige seiner Kernbotschaften haben sich etabliert und fanden auch Eingang in die UN-Nachhaltigkeitsziele. Die von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft veröffentlichte Broschüre „Agriculture at a Crossroads: IAASTD findings and recommendations for future farming” fasst die Ergebnisse des Weltagrarberichts zusammen und verknüpft diese mit aktuellen Herausforderungen und Zielen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung. Für den Weltagrarbericht hatten mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Kontinente und Fachrichtungen im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank vier Jahre lang gemeinsam an einer globalen Bestandsaufnahme von landwirtschaftlichem Wissen, Forschung und Technologie gearbeitet. Sie wählten eine Perspektive, die 50 Jahre zurückschaute und soweit möglich auch die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte in den Blick nahm. Das Resultat war das International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD). Die Autoren dieses Weltagrarberichts zogen ein klares Fazit: Ein radikaler Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft ist notwendig, um künftige Herausforderungen wie den Klimawandel, eine wachsende Weltbevölkerung sowie soziale und ökologische Probleme bewältigen zu können. Der Weltagrarbericht räumt mit dem Mythos der Überlegenheit industrieller Landwirtschaft aus wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht auf und plädiert für einen Paradigmenwechsel, der die entscheidende Rolle von Kleinbauern für die Welternährung anerkennt. Denn kleinbäuerliche Strukturen sind die besten Garanten für lokale Ernährungssicherheit, die Bewahrung der natürlichen Ressourcen und sie können als Motor ländlicher Entwicklung dienen. Die englische Broschüre präsentiert auf 52 Seiten die Kernbotschaften des Weltagrarberichts und beleuchtet diese neu, angereichert mit aktualisierten Fakten und Zahlen, Grafiken und Karten sowie Erkenntnissen von nachfolgenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Broschüre deckt eine große Bandbreite an Themen ab wie Hunger und Gesundheit, Fleisch und Futtermittel, bäuerliche und industrielle Landwirtschaft, Agrarökologie, Klima und Energie, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut oder Landgrabbing. Eingebettet in den Text sind Kernzitate aus dem Originalbericht sowie eine Sammlung von Leuchtturmprojekten und vielversprechenden Ansätzen für nachhaltige Landwirtschafts- und Ernährungssysteme. Die Broschüre verknüpft zudem die Ergebnisse des Weltagrarberichts mit den 2015 von der internationalen Gemeinschaft verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs). „Der Weltagrarbericht hat einen Paradigmenwechsel ausgelöst weg vom Produktivismus hin zur Suffizienz“, sagt Benedikt Haerlin, Leiter des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und ehemaliger NGO-Vertreter im IAASTD-Aufsichtsrat. Hans Herren, Ko-Präsident des Weltagrarberichts und Gewinner des Welternährungspreises, sagt in einem Interview in der Broschüre: „Die Landwirtschaft muss sich wandeln: Statt Probleme zu verursachen, muss sie einen Beitrag leisten zur Bewältigung von Herausforderungen wie Klimawandel, öffentliche Gesundheit, Umweltzerstörung, Höfesterben und die Abwanderung vom Land in die Städte. Die entscheidende Handlungsoption, die vom Weltagrarbericht ausging, lautet, dass die globale Landwirtschaft zur Agrarökologie übergehen muss, um die Herausforderungen einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung zu meistern.“ Herren betonte zudem: „Es ist nun unerlässlich, dass die SDGs unverzüglich umgesetzt werden mit einem Fokus auf das Ernährungssystem, eine nachhaltige Landwirtschaft und Agrarökologie.“

14.10.2016 |

Ökolandbau als ressourcenschonender Weg aus der Hungerkrise

Bäuerin
Die meisten der Hungernden sind Kleinbauern (Foto: CC0)

Die Weltbevölkerung muss auf eine Art Landwirtschaft betreiben und sich ernähren, die weder Menschen im globalen Süden noch künftige Generationen ihrer Lebens- und Produktionsgrundlagen beraubt. Darauf macht der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober aufmerksam. „Wenn wir zulasten von Umwelt und Natur Lebensmittel im Überschuss herstellen, die wir zu Dumping-Preisen auf den Märkten des Südens verkaufen, schädigt das die lokalen Märkte. Wenn wir auf über 30 Millionen Hektar in Südamerika die Sojabohnen für unsere industrielle Tierhaltung anbauen lassen, fehlen die Flächen dort für Lebensmittelerzeugung. Und wenn unsere Entwicklungspolitik statt auf agrarökologische Ansätze auf die Verbreitung unseres teuren, inputintensiven Landwirtschaftssystems setzt, geraten Kleinbauern in die Abhängigkeit von Chemieriesen wie Bayer und Co“, warnte BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein. Millionen von Kleinbauern weltweit, die im Schnitt weniger als zwei Hektar bewirtschaften, produzieren den größten Teil aller Lebensmittel. In Asien und Afrika sind es nach Angaben der FAO gut 80 Prozent. Gleichzeit stellen sie den Löwenanteil der weltweit 800 Millionen Menschen, die chronisch unterernährt sind. Wenn also das zweite UN-Nachhaltigkeitsziel (SDG2) erreicht werden soll, bis 2030 Hunger und Mangelernährung zu beseitigen, bedarf es mehr Unterstützung für Kleinbauern. Der BÖLW verweist auf die Ergebnisse des Weltagrarberichts: Kleinbäuerliche, arbeitsintensivere und auf Vielfalt ausgerichtete Strukturen sind die Garanten einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lebensmittelversorgung durch widerstandsfähige Anbau- und Verteilungssysteme, lautet dessen Fazit. Investitionen in die kleinbäuerliche Produktion hält der Bericht für das dringendste, sicherste und vielversprechendste Mittel, um den Hunger zu bekämpfen und zugleich die ökologischen Auswirkungen der Landwirtschaft zu minimieren. In verbesserten Anbaumethoden, einfachen Technologien und Kenntnissen, angepasstem Saatgut und einer Vielzahl agrarökologischer Strategien sieht der Weltagrarbericht ein gewaltiges Produktivitäts- und Nachhaltigkeitspotenzial. „Die Frage ist zunächst einmal, welche Art der Landwirtschaft sich die Menschen leisten können“, sagt Löwenstein im Interview mit Oekolandbau.de. „Je weniger die Bauern zukaufen müssen, um Landwirtschaft zu betreiben, umso besser.“ Doch ökologische Anbaumethoden sind nicht nur für Kleinbauern in Entwicklungsländern als Ausweg aus der Hungerkrise relevant. „Auch die Klimakrise lässt sich nur lösen, wenn die Landwirtschaft klimafreundlicher und damit ökologischer wird." (ab)

13.10.2016 |

Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten und Kleinbauern fördern

Paddy
Agrarökologie: für Bauern weltweit die Praxis (Foto: CC0)

Agrarökologische Ansätze und alternative Vermarktungsformen müssen stärker gefördert werden, damit eine Ernährungswende weiter vorankommt. Das zeigt eine von mehreren Organisationen publizierte Broschüre, die praxiserprobte Ansätze aus Nord und Süd für eine soziale und ökologische Neuorientierung der Landwirtschaft vorstellt. Auch die Bundesregierung stehe in der Pflicht, betonen Brot für Welt, FIAN, das Forum Umwelt und Entwicklung, die Heinrich-Böll-Stiftung, INKOTA, MISEREOR, Oxfam und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Statt um Profite für Agrarkonzerne müsse sie sich um mehr Unterstützung für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen weltweit, den Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie um gute Ernährung für alle bemühen. „Die Umsetzung einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft verlangt tiefgreifende strukturelle Veränderungen von der Politik“, unterstreicht Sarah Schneider, Referentin für Landwirtschaft bei MISEREOR. „Anbaumethoden, die natürliche Ressourcen schützen und die bäuerliche Selbstbestimmung fördern, müssen seitens der Politik und der Wissenschaft stärker unterstützt werden, sowohl finanziell als auch durch Beratung und partizipative Forschung“, so Schneider. Bereits der 2008 veröffentlichte Weltagrarbericht, an dem mehr als 400 Wissenschaftler aller Kontinente und Fachrichtungen mitgearbeitet hatten, bezeichnete Wissenschaft und Forschung als wichtige Stellschrauben zur Förderung von Agrarökologie. „Doch weltweit gibt es nur wenige öffentlich finanzierte Agrarforschungsprojekte, die eine Grundlage für agrarökologischen Wandel schaffen“, besagt die Broschüre. Mit vielfältigen Beispielen – von Saatgutbanken in Vietnam bis hin zu Bauernmärkten in Kolumbien, verdeutlicht sie, wie Kleinbauern mit agrarökologischen Anbauverfahren die Bodenfruchtbarkeit und natürliche Ressourcen schützen, die Vielfalt auf den Äckern und Tellern fördern, und wie durch innovative Vermarktungswege viele Menschen mit frischen und gesunden Lebensmitteln versorgt werden. „Bei der Agrarökologie geht es nicht nur um eine Landwirtschaft, mit der der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln verringert, Pflanzenreste recycelt und biologische Prozesse für den Anbau von Lebensmitteln nutzbar gemacht werden“, schreibt der Ex-UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Prof. Olivier De Schutter. „ Die Agrarökologie stellt eine bestimmte Sichtweise auf unser Verhältnis zur Natur dar. Um diese Sichtweise bildet sich eine wachsende soziale Bewegung, die den direkten Austausch von Informationen zwischen Bauern und Bäuerinnen fördert. Dabei geht es in erster Linie um die Entwicklung lokal angepasster bäuerlicher Lösungen, die mit den verfügbaren Ressourcen auskommen.“ Es gibt aber auch Widerstand von Unternehmen und Regierungen. „Große Player der Agrar- und Ernährungsindustrie widersetzen sich neuen Regeln, die ihre Position im Ernährungssystem bedrohen und bäuerlichen Erzeuger*innen nicht nur die Rolle als Abnehmer*innen von Saatgut, Pestiziden und Düngemitteln und als Lieferant*innen von Rohstoffen zuweisen“, schreibt De Schutter. Agrarökologie kann nur dann erfolgreich sein, wenn die politisch-ökonomischen Hindernisse eines Wandels überwunden werden, lautet das Fazit der Broschüre. Die deutsche Entwicklungspolitik sollte daher agrarökologische und bäuerliche Praktiken fördern, statt die Kooperation mit den Großkonzernen zu vertiefen“, fordert Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte bei Brot für die Welt. (ab)

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