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08.03.2017 |

FIAN: Freier Zugang zu Saatgut für Kleinbäuerinnen muss erhalten bleiben

Frau
Zugang zu Saatgut für Frauen! (Foto: CC0)

Millionen Frauen weltweit halten als Hüterinnen des Saatguts den Schlüssel zur Ernährung und Saatgutvielfalt, doch die starke Kommerzialisierung des Saatgutsektors gefährdet ihren freien Zugang zu Saatgut. Darauf macht die Menschenrechts-Organisation FIAN anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März aufmerksam. FIAN warnt, dass es großen Agrarkonzernen durch Sortenschutz und Patentrecht immer leichter gemacht werde, exklusive Saatgutrechte zu erlangen. Diese Gesetze beschneiden zunehmend den Zugang von Kleinbäuerinnen und -bauern weltweit zu Saatgut und kriminalisieren den traditionellen Austausch von Saatgut. Besonders Frauen kommt eine zentrale Rolle bei der Gewinnung, Weiterentwicklung und beim Austausch von Saatgut zu. In Afrika werden 80 Prozent des Saatguts informell hergestellt und weitergegeben – noch. Denn FIAN kritisiert, dass durch Entwicklungsprogramme wie die „Neue Allianz für Ernährungssicherung“ der G7-Staaten der Zugang von Frauen in Afrika zu Saatgut gefährdet werde. „Dieses so genannte Entwicklungsprogramm bedroht das Recht auf angemessene Nahrung vor allem von Frauen auf dem Land, denn der ungehinderte Zugang zu Saatgut ist eine Voraussetzung für die Verwirklichung dieses Menschenrechts“, erklärt FIAN-Referentin Gertrud Falk. Denn die im Rahmen dieses Programms abgeschlossenen Rahmenverträge zwischen Geberländern und afrikanischen Empfängerländern beinhalten Regelungen zur Änderung der Saatgutgesetze in den Ländern. Acht von zehn dieser Verträge verlangen FIAN zufolge die Anpassung der nationalen Saatgutgesetze an internationale Saatgutabkommen. „Diese dienen vor allem den Interessen großer Saatgutfirmen“, beklagt Falk.

Programme wie die G7-Initiative zielen einseitig darauf ab, formelle Saatgutmärkte aufzubauen, auf denen nur zertifiziertes Saatgut gehandelt werden darf, so FIAN. Für dieses Saatgut gelten strenge Regeln. So sehe das neue Saatgutgesetz in Tansania für die Gewinnung und Verwendung von Samen aus gesetzlich geschütztem Saatgut Strafen zwischen 200.000 Euro und zwölf Jahren Haft vor. Die G7-Staaten drängten die Regierung von Mosambik im Kooperationsplan gar dazu, die kostenlose Verteilung von Saatgut an bedürftige Bauernfamilien einzustellen. „Diese Entwicklung kriminalisiert Bäuerinnen und Bauern“, betont Falk. „Insbesondere arme Haushalte, von denen überdurchschnittlich viele von Frauen geführt werden, haben keine Wahl, als Saatgut selbst zu produzieren. Deutschland muss im Rahmen der G7 darauf drängen, dass diese Politik beendet wird“. (ab)

06.03.2017 |

Agroforstsysteme und Biokakao erhöhen Einkommen von Kleinbauern in Bolivien

Kakao
Biokakao in Bolivien (Foto: FiBL, Laura Armengot)

Ökologische Landwirtschaft und Agroforstsysteme fördern die Biodiversität und Ernährungssicherheit von Kleinbauern und sind profitabler als Monokulturen und konventionelle Landwirtschaft. Das zeigt eine Langzeitstudie in Bolivien, die im Fachblatt „Agronomy for Sustainable Development“ erschienen ist. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) nahm dafür gemeinsam mit Partnern verschiedene Kakaoanbausysteme in der Anden-Republik genauer unter die Lupe. Das Ergebnis: Die Biobauern verzeichneten zwar geringere Kakaoerträge, doch sie verdienten dennoch mehr.

Über fünf Jahre hinweg hatten die Wissenschaftler in Bolivien die Produktivität und das Einkommen pro Arbeitstag in vier verschiedenen Anbausystemen verglichen: in ökologisch und konventionell bewirtschafteten Kakao-Monokulturen sowie Agroforstsystemen, bei denen die Kakaobäume in Mischkultur mit Schattenbäumen und Nebenfrüchten wie etwa Bananen wuchsen. „Die globale Nachfrage nach Kakao hat in letzter Zeit zugenommen. Um diesen Bedarf zu decken, wurde die Anbaufläche systematisch in den tropischen Regenwald hinein ausgedehnt und die Produktion wurde intensiviert, indem traditionelle Agroforstsysteme durch Monokulturen ersetzt wurden“, schreiben die Autoren im Abstract der Studie. „Über die wirtschaftlichen Unterschiede der verschiedenen Produktionssysteme ist jedoch wenig bekannt“, sagt Laura Armengot, die Hauptautorin der Langzeitstudie. Zur Schließung dieser Wissenslücke leistet die Publikation nun einen ersten Beitrag.

Die in Monokultur angebauten Kakaobäume brachten im Schnitt 41% mehr Ertrag, doch diesen Unterschied machten Agroforstsysteme durch das Einkommen wieder wett, das für Nebenprodukte erzielt wurde. Denn die Bauern konnten in den Agroforstsystemen nicht nur Kakao ernten, sondern in direkter Nachbarschaft wuchsen auch Orangen, Bananen, Kochbananen oder Avocados. Diese Produkte konnten nicht nur die im Vergleich zu Monokulturen geringeren Erträge ausgleichen – die Vielfalt erhöhte auch die Ernährungssicherheit der Kleinbauern. Das Einkommen der Bauern, die Agroforstsysteme bewirtschaften, war im Fünfjahreszeitraum etwa doppelt so hoch wie in den Monokulturen, obwohl die Pflege der Schattenbäume mehr Arbeit verursachte. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass Erträge und Einkommen unter ökologischem und konventionellem Management in Agroforstsystemen ähnlich hoch ausfielen. In den Bio-Monokulturen waren die Kakaoerträge um 48% geringer als in den konventionell bewirtschafteten Monokulturen. Doch auch hier profitierten die Bauern von einem vergleichbaren Einkommen, da sie geringere Kosten hatten als ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen und für Biokakao höhere Preise erzielen konnten.

„Kakaoagroforstsysteme erzielen mehr Einkommen“, schlussfolgern die Autoren. Essentiell sei jedoch die Entwicklung von Märkten für die Nebenfrüchte. Nur wenn die Bauern Zugang zu Märkten erlangen, bleiben Agroforstsysteme rentabel und tragen durch Nebenfrüchte zur Ernährungssicherung von Kleinbauern bei. Die Bolivienstudie ist Teil eines von FiBL mit Projektpartnern auch in Indien und Kenia durchgeführten Systemvergleichs landwirtschaftlicher Produktionssysteme. Die vor Kurzem zu Kenia veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Ökolandbau in Kenia beim Mais vergleichbare Erträge wie konventionelle Anbausysteme erzielt und Biobauern nach der Umstellungsphase mehr Gewinne einbringt, da sie für ihre Erzeugnisse höhere Preise verlangen können. (ab)

03.03.2017 |

Studie: Weniger Pestizide, konstante Erträge und Einkommen

Pestizde
Pestizideinsatz (Foto: CC0)

Landwirte könnten den Einsatz von Pestiziden ohne Ernte- oder Umsatzeinbußen reduzieren, wenn sie ihre Anbaupraktiken ändern. Das zeigt eine neue Studie aus Frankreich, die am im Fachjournal Nature Plants veröffentlicht wurde. „Ein geringer Pestizideinsatz reduzierte nur selten die Produktivität und die Rentabilität auf Ackerbaubetrieben“, schreiben die Wissenschaftler. Für die Studie analysierten sie Daten von 946 kommerziellen Betrieben mit unterschiedlichen Produktionsbedingungen in ganz Frankreich, die nicht nach Ökostandards wirtschafteten. Die Intensität des Einsatzes von Pestiziden variierte von Betrieb zu Betrieb. Die Forscher untersuchten dann die Auswirkungen eines geringeren Einsatzes von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden auf mehrere Feldfrüchte. Das Ergebnis: Auf 77% der Betriebe beeinträchtigte weniger Chemie die Erträge nicht. Die restlichen 23% der Betriebe, bei denen sich der Verzicht auf Ackergifte mit Ernte- und Umsatzeinbußen bemerkbar machte, betrieben größtenteils eine stark industrielle Landwirtschaft mit sehr hohem Pestizideinsatz. Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass die Ergebnisse je nach Anbauprodukt unterschiedlich ausfielen. Während bei Getreide die Erträge kaum schwankten, verringerten sich die Erträge und damit auch die Einkünfte hingegen bei Landwirten, die Rote Beete oder Kartoffeln anbauten.

Das Prinzip „Viel hilft viel“ trifft der Studie zufolge nicht zu. „Das Potenzial für eine Verringerung des Pestizideinsatzes war größer auf Betrieben, die momentan viele Pestizide einsetzen, als auf Höfen mit geringem Pestizideinsatz“, so die Autoren. „Die Botschaft unserer Studie lautet, dass es möglich ist, den Pestizideinsatz deutlich herunterzuschrauben. Auch wenn das nicht unbedingt heißt, dass es einfach ist“, erklärt Mitautor Nicolas Munier-Jolain vom französischen Agrarforschungsinstitut INRA, denn dafür ist einiges an Wissen notwendig. „Der Übergang erfordert eine Erhöhung der Komplexität der Betriebe, vor allem durch die Diversifizierung des Anbaus.“ Wenn sie diesen Weg beschreiten würden, könnten rund 59% der französischen Betriebe ihren Pestizideinsatz im Schnitt um 42% reduzieren, ohne dass sie auf Erträge oder Einkünftige verzichten müssten. Am größten wäre das Einsparpotenzial mit 60% bei Insektiziden, gefolgt von 47% bei Fungiziden und 37% bei Herbiziden. Damit den industriell wirtschaftenden Agrarbetrieben eine Landwirtschaft mit weniger Ackergiften gelingt, müssen sie ihre Praktiken ändern, schreiben die Autoren. Statt großflächigen Monokulturen sind kleinere Einheiten mit Fruchtfolgen und einer größeren Sortenvielfalt auf dem Acker nötig. „Eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts ist eine nachhaltige Lebensmittelproduktion für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung“, fassen die Autoren zusammen. „Die Bewältigung dieser Herausforderung erfordert zwangsläufig eine drastische Reduzierung der negativen Umweltfolgen landwirtschaftlicher Aktivitäten. Die Verringerung des Pestizideinsatzes ist einer der entscheidenden Hebel für die Bewahrung der Umwelt und der menschlichen Gesundheit.“ (ab)

27.02.2017 |

Berlin könnte sich regional ernähren: Änderung von Anbau und Konsum nötig

Acker
2000m²-Acker in Berlin: Könnte ausreichen, tut es aktuell aber nicht (Foto: Volker Gehrmann)

Kann sich eine Großstadt wie Berlin mit Lebensmitteln aus der Region selbst versorgen? Ja – wenn die Verschwendung von Lebensmitteln eingedämmt würde, statt Futter- und Energiepflanzen mehr Lebensmittel angebaut würden und die Stadtbewohner ihre Ernährung auf weniger ressourcenintensive Produkte umstellen würden. Das ist das Ergebnis einer Studie von Agrarwissenschaftlern der Uni Halle-Wittenberg, die in der neusten Ausgabe der Ernährungsumschau erschienen ist. Die Forscher berechneten dafür die Flächenbilanz des Verbrauchs der Berlinerinnen und Berliner basierend auf Daten der Nationalen Verzehrsstudie und ermittelten anhand von Agrarstatistiken, was auf Brandenburgs Äckern und Wiesen wächst und was importiert und exportiert wird.

Jeder Berliner benötigt demnach für seine Ernährung fast 2.400 Quadratmeter Land. Davon liegen 72% in Deutschland, 7% in anderen EU-Staaten und 21% außerhalb der EU. Diese Flächen, die andernorts für die Ernährung der Hauptstadt belegt werden, sei es für Kaffee oder Mangos, gleicht die Region Berlin-Brandenburg derzeit jedoch nicht durch Exporte aus. „Angesichts knapper werdender Ressourcen stellt das unsere aktuellen Konsummuster in Frage“, gibt die Hauptautorin der Studie, Susanna Hönle, zu bedenken. Ein weiteres Problem stellt die Lebensmittelverschwendung dar: „Von den fast 2.400 Quadratmetern, die jede Person in Berlin durchschnittlich über den Globus verteilt für ihre Versorgung beansprucht, wird nur der Output von weniger als zwei Dritteln tatsächlich verzehrt“, erläutert Ko-Autor Dr. Toni Meier vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften. Allein 202 m² werden für die Produktion von Lebensmitteln verschwendet, die gar nicht erst in Berliner Supermärkte gelangen oder die später in der Tonne landen. Um die 3,46 Millionen Berliner zu versorgen, sind aktuell 821.433 Hektar Ackerland nötig. Ohne Lebensmittelverluste bei der Verteilung und in Haushalten könnte diese Fläche allein schon auf 518.435 Hektar reduziert werden.

Ein weiterer Grund, warum die Region sich rein rechnerisch noch nicht selbst versorgen kann, ist der enorme Flächenbedarf tierischer Produkte mit 62% der rund 2.400 m². Etwa 850 m² der Fläche, die ein Berliner für seine Ernährung verbraucht, werden für die Produktion von Fleisch benötigt. Weitere 630 m² entfallen auf Milchprodukte. Pflanzliche Produkte machen nur 523 m² oder 22% der Fläche aus, während Genussmittel wie Tee, Kaffee, Zucker und Alkohol 16% oder 371 m² der Fläche belegen. Damit eine weitgehend regionale Selbstversorgung für Berlin möglich wäre, müssten in Brandenburg mehr Lebensmittel für die Ernährung der Menschen erzeugt werden. Bisher bauen viele Landwirte wenige Kulturen, wie Mais, Raps und Weizen, an, die oft als Futtermittel oder zur Energiegewinnung dienen. Dagegen werden andere Kulturarten, vor allem Obst, Nüsse, Gemüse und Hülsenfrüchte, in Brandenburg eher selten angebaut, sodass hier der Berliner Bedarf bei weitem nicht aus der Region gedeckt wird. Würde weniger verschwendet, weniger Fleisch gegessen, aber dafür mehr regionale und saisonale Produkte konsumiert und mehr Lebensmittel auf Brandenburgs Äckern angebaut, könnte sich Berlin weitgehend mit regionalen Lebensmitteln versorgen. Und komplett auf Kakao und Avocados verzichten müsste dabei auch niemand, schreiben die Autoren. (ab)

21.02.2017 |

EU-Staaten gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung

Broklo
Keine Patente auf Brokkoli und Co (Foto: CC0)

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung ausgesprochen – und damit gegen die viel kritisierte Praxis des Europäischen Patentamts (EPA), das diese Patente immer wieder erteilt. Der Europäische Rat für Wettbewerbsfähigkeit bestätigte in seiner Sitzung vom 20. Februar, dass konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere – anders als gentechnisch veränderte – nicht patentierbar sind und rief die EU-Staaten dazu auf, das EPA in die Schranken zu weisen. Das Patentamt mit Sitz in München gewährt Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung, obwohl dies gegen EU-Patentrecht verstößt. Zuletzt sorgten 2016 die „Bierpatente“ für Aufregung: Carlsberg hatte drei Patente erhalten, die sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und deren Nutzung für das Brauen und das durch diesen Prozess entstehende Bier erstrecken. Aber auch Melonen, Brokkoli, Tomaten, Sojabohnen oder eine Paprika, die von wilden Chili-Sorten aus Jamaika mit einer natürlichen Insektenresistenz abstammt, sind vor der Patentierungswut des EPA nicht sicher.

Das europäische Patentrecht untersagt Patente auf Pflanzen und Tiere, „die aus im Wesentlichen biologischen Verfahren“ gewonnen wurden. Das EPA legt diesen Text jedoch anders aus. Dessen Große Beschwerdekammer hatte im März 2015 in einer Grundsatzentscheidung zum „Brokkoli-Patent“ entschieden, dass Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere weiterhin zulässig sind, auch wenn die Züchtungsverfahren als solche nicht patentierbar sind. Im Dezember 2015 hatte das EU-Parlament dies mit deutlicher Mehrheit zurückgewiesen. Auch die EU-Kommission stützt diese Ansicht und widersprach der EPA-Praxis am 3. November 2016 in einer Stellungnahme. Nun legen die EU-Mitgliedsstaaten nochmals nach: In den gestern verabschiedeten Schlussfolgerungen bestätigt der Rat, dass das EPA diese Patente erteilt, „obwohl das Verfahren zur Herstellung dieser Produkte im Wesentlichen biologisch und damit nicht patentierbar sind“. Er „drängt die Mitgliedsstaaten in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Europäischen Patentsamts (EPA) dazu, sich dafür einzusetzen, dass die Praxis des EPA mit dem Inhalt der Schlussfolgerungen übereinstimmt.“

Die Entscheidung folgt auf jahrelange Proteste der Zivilgesellschaft gegen Patente auf Pflanzen und Tiere. „Das ist ein wichtiger Erfolg für alle Menschen, die sich in den letzten Jahren gegen die Monopolisierung von Saatgut, Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung eingesetzt haben. Endlich erfolgen politische Korrekturen“, sagt Lara Dovifat von Campact. Vor allem das internationale Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“, das weltweit von über 300 NGOs und Bauernorganisationen unterstützt wird, fordert schon lange, dass diese Patente gestoppt werden. Die Organisationen fürchten eine zunehmende Monopolisierung der Tier- und Pflanzenzüchtung und damit der Basis von Landwirtschaft und Ernährung sowie die Ausweitung der Marktmacht der Konzerne zulasten von Landwirten, Züchtern und Verbrauchern. „Keine Patente auf Saatgut!“ hatte bereits mehrere Einsprüche gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung eingereicht und im Juni 2016 dem Verwaltungsrat des EPA über 800.000 Unterschriften übergeben. Bisher zeigte sich das EPA jedoch uneinsichtig. Laut einem aktuellen Bericht des Bündnisses wurden beim EPA etwa 1400 Anträge zur Patentierung von Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung eingereicht und etwa 180 solcher Patente gewährt. „Diese Patente sind nicht erfinderisch, sie beruhen vielmehr auf einem Missbrauch des Patentrechts und müssen deswegen verboten werden“, sagt Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). „Nachdem weder die Konzerne noch das Patentamt einsichtig sind, muss jetzt die Politik das Europäische Patentamt in die Schranken weisen.“ (ab)

20.02.2017 |

Wildkräuter stehen auf Bio: Studie belegt höhere Artenvielfalt auf Ökoäckern

Schertler
Ackerwildkräuter auf Bioacker (Katharina Schertler/ Bioland)

Auf ökologisch bewirtschafteten Äckern findet sich eine deutlich höhere Vielfalt an Wildkräutern als auf konventionellen Flächen. Das zeigt eine Erhebung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die vom WWF Deutschland beauftragt wurde. Demnach ist nicht nur die Vielfalt an Ackerwildkräutern um bis zu neunmal größer – es finden sich auf Bioäckern auch bis zu 20 Mal mehr Exemplare. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler des ZALF insgesamt 155 ökologisch und konventionell bewirtschaftete Felder in 5 Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Auf jedem Acker erfassten sie auf drei Probeflächen Wildkräuter mit so klangvollen Namen wie Acker-Hundskamille, Gewöhnlicher Reiherschnabel, Mäuseschwänzchen und Zottelwicke. Das Ergebnis: Die Vielfalt war auf Bioflächen im Schnitt drei- bis neunmal höher, die Ackerwildkräuter waren auf den Ökoflächen vier- bis 20-mal häufiger vertreten. Zudem betrug auf den Bioflächen die Bodendeckung der Ackerwildkräuter 18% bis 37%, während es auf den konventionell bewirtschafteten Flächen im Schnitt nur bis zu 7% waren.

Diese bunte Vielfalt auf den Feldern ist nicht nur hübsch anzusehen, sie liefert auch Bestäubern eine wichtige Nahrungsquelle: „Hummel und Biene finden länger einen reich gedeckten Tisch, denn Kornblume, Lämmersalat oder Feld-Rittersporn blühen zu unterschiedlichen Zeiten“, erklärt Christoph Heinrich vom WWF. Gibt es mehr Bestäuber und Insekten, finden auch die seltener werdenden Vögel der Agrarlandschaft leichter Nahrung. Doch leider ist es um die Artenvielfalt auf den Äckern insgesamt schlecht bestellt: „Die jahrzehntelange Intensivierung in der Landwirtschaft hat zu einem dramatischen Rückgang dieser Artengruppe geführt“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Zwischenbericht. Gut ein Drittel der etwa 350 in Deutschland auf Äckern vorkommenden Arten gelten bundesweit als gefährdet. Hauptursachen für die Abnahme und Gefährdung sind den Forschern zufolge der flächendeckende Einsatz von Pestiziden, die hohe Düngung, vor allem in Form von Mineraldünger und Gülle, sowie die geringe Vielfalt an angebauten Kulturen. „Wir stehen kurz vor einem Arten-Kollaps auf unseren Feldern und Wiesen“, warnte Heinrich. Er fordert ein Verbot von Totalherbiziden. „Verboten gehören auch Neonikotinoide, mit denen Saatgut behandelt wird. Sie stehen in Verdacht, das Bienen- und Insektensterben mit zu verursachen“, so Heinrich weiter.

„Noch ist eine Trendwende möglich, wenn es gelingt, die Fläche des Ökolandbaus zügig erheblich auszuweiten“, betonte Heinrich. Dem schloss sich auch der Sprecher für Bioökonomiepolitik der Grünen im Bundestag, Harald Ebner, an: „Die Untersuchung zeigt sehr anschaulich und mehr als deutlich, welche Bedeutung der Ökolandbau weit über seine eigenen Produkte hinaus hat“, sagte er Topagrar. Die Biofläche legte in Deutschland zuletzt ordentlich zu: Nach aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wuchs die Ökofläche 2016 auf 1.185.471 Hektar – ein Plus von 8,9% gegenüber 2015. Doch die Fläche hinkt immer noch der Nachfrage der Verbraucher hinterher und viele Landwirte zögern mit der Umstellung, da ausreichend Unterstützung fehlt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte zum Auftakt der Biofach-Messe seine „Zukunftsstrategie ökologischer Landbau“ vorgestellt, mithilfe derer er den ökologischen Landbau in Deutschland stärken und den Anteil der Biofläche ausweiten will. Dafür hat er das 20%-Ziel neu entdeckt, das sich die Bundesregierung erstmals im Jahr 2002 setzte. Erreichen will Schmidt den Bioanteil von 20% „mittelfristig“, aber zumindest noch „zu Lebzeiten“. Das ist Harald Ebner zu schwammig: „Wir brauchen auch im Bund kein Nachkleckern, sondern konkrete Öko-Ausbauziele, einen Zeitplan, und vor allem die Bereitschaft, in Aus- und Weiterbildung, Verbraucherkommunikation, Marktentwicklung und in Forschung, Züchtung und ökologische Alternativen zu investieren.“ (ab)

13.02.2017 |

Bio boomt: Anbaufläche in Deutschland und der Welt wächst weiter

Bio
Bio boomt! (Foto: CC0)

Bio boomt: Rund um den Globus wurden 2015 rund 50,9 Millionen Hektar Land ökologisch bewirtschaftet und der globale Markt für Bioprodukte verbuchte Umsätze in Höhe von 81,6 Milliarden US-Dollar. Dies zeigt der Bericht „The World of Organic Agriculture“, der vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und IFOAM – Organics International auf der Messe BIOFACH präsentiert wurde. Ausgewertet wurden Daten zum Ökolandbau in 179 Ländern. Die Bioanbaufläche wuchs demnach 2015 um 6,5 Millionen Hektar gegenüber dem Vorjahr. Rund 45% der Biofläche liegt in Ozeanien, gefolgt von Europa mit 12,7 Millionen Hektar (25%) und Lateinamerika mit 6,7 Millionen Hektar (13%). Australien führt die Liste der Länder mit der größten absoluten Bioanbaufläche (22,7 Millionen Hektar) an und verweist Argentinien und die USA auf die Plätze. Anders sieht es bei der anteiligen Fläche aus: Hier liegt Liechtenstein mit einem Bioanteil von 30,2% an der Gesamtfläche vor Österreich (21,3%) und Schweden (16,9%). Weltweit gibt es 2,4 Millionen Bioproduzenten, davon leben 585.200 in Indien, 203.602 in Äthiopien und 200.039 in Mexiko. Das Marktforschungsunternehmen Organic Monitor schätzt den globalen Markt für Bioprodukte 2015 auf 75 Milliarden Euro. Spitzenreiter sind die USA mit 35,9 Milliarden Euro, es folgen Deutschland und Frankreich mit je 8,6 bzw. 5,5 Milliarden.

Auch in Deutschland befindet sich der Ökolandbau im Aufwind, wie die am Donnerstag präsentierten aktuellen Zahlen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) belegen. Die deutsche Öko-Fläche vergrößerte sich 2016 um 96.633 Hektar auf 1.185.471 Hektar – ein Plus von 8,9% gegenüber 2015. Die Zahl der Biobetriebe wuchs im selben Zeitraum um 26.855 Höfe, ein Anstieg von 8,6%. „2016 stellten etwa fünf Bauern pro Tag auf Bio um, fast jeder zehnte Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland wirtschaftet ökologisch“, kommentierte BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig. „Das stärkere Engagement für den Ökolandbau in vielen Bundesländern und stabile Bio-Erzeugerpreise in Krisenzeiten sorgten dafür, dass sehr viele Landwirte die Chance Ökolandbau nutzten.“ Und auch die Nachfrage nach Bioprodukten in Deutschland nimmt gewaltig zu. Der Markt mit Biolebensmitteln und -getränken verbuchte 2016 ein Umsatzplus von 9,9% und ein Marktvolumen von rund 9,48 Milliarden Euro. Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein rief Agrarminister Christian Schmidt dazu auf, die Weichen für mehr Bio zu stellen, damit weitere Landwirte, Produzenten und Händler die Chance nutzen und auf Bio umstellen können: „Dazu ist es notwendig, die EU-Agrar-Gelder für die Umstellung auf Bio in allen Bundesländern in ausreichender Höhe zu sichern, um mehr konventionellen Betrieben eine Perspektive im Bio-Bereich zu geben. Auch die Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik nach 2020 gehört auf die politische Agenda“, unterstrich Löwenstein. Zudem müsse in allen Politikbereichen eine ökologische Land- und Ernährungswirtschaft gefördert werden, die die natürlichen Ressourcen für künftige Generationen bewahre, statt auf „scheinbar billige Lebensmittel“ zu setzen, deren wahre Kosten dann die Allgemeinheit zu tragen habe. (ab)

09.02.2017 |

Fleisch in Massen: Deutsche Schlachtmenge erreicht Rekordwert

Schwein
2016: 59,3 Millionen Schweine geschlachtet (Foto: Stefan Schwarz/Pixelio.de)

2016 wurde in Deutschland so viel geschlachtet wie noch nie: Die Fleischproduktion erreichte einen Rekordwert von 8,25 Millionen Tonnen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Demnach stieg die gewerblich erzeugte Gesamtschlachtmenge gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,1% an. Damit wurde das bis dato höchste Produktionsergebnis von 2015 noch um weitere 4.500 Tonnen übertroffen. Rund 59,3 Millionen Schweine wurden 2016 getötet. Zwar gab es einen Rückgang um 0,8% bei der Schlachtung von deutschen Schweinen, doch die Zahl der aus dem Ausland für die Schlachtung importierten Schweine schnellte um 9% in die Höhe. Da zudem das Schlachtgewicht der Schweine zulegte, erhöhte sich die Produktion von Schweinefleisch gegenüber 2015 leicht auf 5,57 Millionen Tonnen. Auch die Menge des produzierten Geflügelfleisches stieg um 0,3% an auf 1,53 Millionen Tonnen. Vor allem Truthuhnfleisch boomte mit einem Plus von 4,8%. Zudem wurden 3,6 Millionen Rinder in deutschen Schlachthäusern getötet.

Diese Unmengen an Fleisch können die Bundesbürger gar nicht allein vertilgen. 2015 erhöhte sich der Ausfuhrüberschuss laut Deutschem Fleischer-Verband um 86.000 Tonnen auf 1,58 Millionen Tonnen Fleisch. Der Selbstversorgungsgrad der Deutschen mit Schweinefleisch liegt bei satten 120%, zudem wurde 12% mehr Geflügel und 7% mehr Rindfleisch erzeugt, als im Inland verbraucht wurde. Mehr als drei Viertel der deutschen Fleischexporte gingen in andere EU-Länder, doch zuletzt wuchs vor allem der Hunger der Chinesen auf deutsches Schweinfleisch. Greenpeace kritisierte die enorme Überproduktion: „Die Menschen essen weniger Fleisch, doch die Fleischproduktion steigt“, wird Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter in einer dpa-Meldung zitiert. Zuletzt hatte der deutsche Fleischhunger deutlich nachgelassen. Die Zahlen des Deutschen Fleischer-Verbands zeigen, dass die Bundesbürger 2015 im Schnitt „nur“ noch 59,9 Kilogramm Fleisch verzehrten – ein Kilogramm weniger als noch im Vorjahr. „Seit 2007 ist der Pro-Kopf-Verzehr mit zwischenzeitlichen Schwankungen langsam aber stetig zurückgegangen“, schreibt der Verband in seinem aktuellsten Jahresbericht. (ab)

07.02.2017 |

Rote Liste: Ein Drittel aller ökologischen Lebensräume in Europa sind bedroht

Noor
Hochmoor: Habitat für Tiere und Pflanzen (Foto: A. Beck)

Ob Moore, artenreiche Wiesen, Tümpel oder Wälder – um den Zustand der ökologischen Lebensräume in Europa ist es schlecht bestellt. Laut der Europäischen Roten Liste der Habitate sind mehr als ein Drittel aller Lebensräume in Europa gefährdet und damit auch die Tier- und Pflanzenarten, die in ihnen beheimatet sind. Für die im Januar von der Europäischen Kommission veröffentlichte Publikation hatten rund 300 Forscherinnen und Forscher Informationen und Daten zum Zustand von 490 Lebensräumen in 35 Ländern Europas gesammelt und ausgewertet. „Erstmals ist nun schwarz auf weiß belegt, wie es um Gefährdung von Lebensräumen in Europa bestellt ist, und wo der größte Handlungsbedarf liegt“, erklärte Mitautor David Paternoster von der Universität Wien.

Von den untersuchten Lebensräumen zu Land und zu Wasser wurden in den 28 EU-Staaten 36% als gefährdet eingestuft. Nimmt man Island, Norwegen, die Schweiz und die Balkanländer noch hinzu, sind es mit 31% zumindest etwas weniger. Am dramatischsten ist die Lage der europäischen Moore: Drei Viertel stehen auf der Roten Liste. „Moore sind nicht nur ökologisch besonders wertvoll, sie haben auch eine wichtige Funktion im Klimasystem – als große Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid“, erklärte Mitautor Franz Essl von der Uni Wien im Interview mit klimaretter.info. „Doch ausgerechnet sie sind in Europa am stärksten gefährdet von allen ökologischen Lebensräumen.“ Aber auch der Zustand von artenreichen Wiesen, Süßwasser- und Küstenlebensräumen ist beklagenswert – gut die Hälfte dieser Lebensräume gelten in Europa als bedroht.

Grund sind vor allem intensive Landnutzung, Verbauung, Klimawandel und übermäßige Düngung. „Die Haupteinflüsse und -bedrohungen variieren je nach Lebensraum, doch insgesamt sind verschiedene landwirtschaftliche Aktivitäten die weitverbreitetste und größte Gefahr für Europas terrestrische und Süßwasserlebensräume“, ist der Zusammenfassung der Studie zu entnehmen. „Dazu gehört sowohl die landwirtschaftliche Intensivierung als auch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen – Veränderungen, die vor allem das Grünland treffen. Die Ausbeutung von Torf und ein Übergang zur Fortwirtschaft, zusammen mit Veränderungen hydrologischer Prozesse, stellen eine besondere Gefahr für Sümpfe und Moore dar, während die Überdüngung von Gewässern durch die Landwirtschaft Süßwasserlebensräumen stark zusetzt“, schreiben die Autoren weiter.

Was kann also getan werden, um die ökologischen Lebensräume zu bewahren? „Klar ist, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen – also der Arten- und Lebensraum-Vielfalt – einen höheren politischen Stellenwert benötigt“, betont Franz Essl gegenüber klimaretter.info. Es mangele nicht an Zielen und Absichtserklärungen, sondern an der Umsetzung des Vereinbarten. „Das bedeutet konkret, dass etwa in der Agrarpolitik und in der Raumplanung der Schutz der Biodiversität ein wichtiges Ziel werden muss. Und generell ist die massive Unterfinanzierung des Naturschutzes zu beenden. Ich bin überzeugt: Die breite Bevölkerung würde dies mittragen, denn den meisten Menschen ist der Wert schöner, lebenswerter Landschaften intuitiv bewusst“, glaubt Essl. (ab)

01.02.2017 |

Oxfam fordert schärfere EU-Regeln gegen Nahrungsmittelspekulation

Getreide
Lebensmittel statt Spekulations- objekt (Foto: CC0/jhraskon)

Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat den Vorschlag der EU-Kommission zur Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation als wirkungslos kritisiert und vor Schlupflöchern gewarnt. Die von der Kommission vorgeschlagenen technischen Standards zur Finanzmarkt-Richtlinie würden der Spekulation mit Agrarrohstoffen weiter Tür und Tor öffnen, statt ihr endlich einen Riegel vorzuschieben, und die Kontrolle von Rohstoffmärkten durch nur wenige Händler ermöglichen. Das EU-Parlament hatte 2014 die Finanzmarkt-Richtlinie MiFID II verabschiedet, um die Spekulation mit Agrarrohstoffen einzudämmen. Diese spekulativen Geschäfte mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Mais wurden mitverantwortlich gemacht für die globalen Nahrungsmittelpreiskrisen. 2007 und 2008 sowie im Jahr 2011 waren die Getreidepreise in schwindelerregende Höhen geklettert.

Positionslimits, Obergrenzen für den rein spekulativen Börsenhandel mit Agrarprodukten, sollten die Marktverzerrung und extreme Preisschwankungen verhindern. Der damalige Verhandlungsführer für das EU-Parlament, der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber, hatte im April 2014 stolz das Ende der „Lebensmittel-Zockerei an Finanzmärkten“ erklärt: „Spekulationen mit Rohstoffen sind recht und gut, solange sie die notwendige Liquidität für die Abwicklung von Termingeschäften bereitstellen und ein echtes Interesse an der Ware besteht. Doch die rein spekulativen Geschäfte mit Nahrungsmitteln und Rohstoffgeschäften, die vor allem an Terminbörsen stattfinden, sind skandalös. Damit ist nun Schluss.“ Zunächst wurde jedoch einmal das Inkrafttreten der Richtlinie um ein Jahr auf den 3. Januar 2018 verschoben. Im Dezember 2016 verabschiedete die Europäische Kommission die Regulierungsstandards (RTS21) für die Umsetzung von MiFID II.

Doch Oxfam befürchtet, dass der Kommissionsvorschlag bei der Eindämmung von exzessiver Spekulation versagt, da zu hohe und damit unwirksame Grenzwerte erlaubt wären. „Unter bestimmten Voraussetzungen sind Positionslimits in Höhe von bis zu 35 Prozent möglich. Das bedeutet, dass ein einziger Spekulant am Ende des Termingeschäfts 35 Prozent des auf dem Markt lieferbaren Weizens halten kann“, erläutert die Organisation in einer Pressemitteilung. „Damit könnten nur drei Händler allein den Finanzmarkt eines Rohstoffes kontrollieren. Maßlose Spekulation ist dadurch vorprogrammiert.“ Oxfam fordert dagegen ein Positionslimit von 10 bis 15% für Nahrungsmittel und Rohstoffe. Zudem enthalte der Kommissionsvorschlag Schlupflöcher, da die Geltung der Grenzen für den Mutterkonzern einschließlich Tochtergesellschaften umgangen werden könne, wenn der Mutterkonzern nachweise, keinen Einfluss auf Anlageentscheidungen einer Tochtergesellschaft zu haben. „Wer die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln wirklich verhindern will, kann den Kommissionsvorschlag nur ablehnen“, erklärt Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale. „Die Europaabgeordneten müssen jetzt Flagge zeigen und sich dafür einsetzen, dass für diesen unzureichenden Kommissionsvorschlag keine Mehrheit zustande kommt. Mit einer Petition ruft Oxfam daher die EU-Parlamentarier dazu auf, bei der Abstimmung Mitte Februar mit Nein zu votieren. (ab)

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