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10.11.2017 |

Emissionen der großen Fleisch- und Milchkonzerne gefährden Klimaziele

Rinder
Viel Vieh auf wenig Raum (Foto: bit.ly/RTpeat, bit.ly/2CCBYNCND20)

Die drei größten Fleisch- und Milchkonzerne weltweit stoßen mehr Treibhausgasemissionen aus als ganz Frankreich und stehen den großen Energie- und Öl-Konzernen in nichts nach. Das zeigen Berechnungen, die von den Nichtregierungsorganisationen GRAIN und Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) sowie der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht wurden. Wenn die Fleischproduktion wie bisher weiter wächst, können die Ziele des Klimaabkommens von Paris nicht erreicht werden und es droht eine Klimakatastrophe, warnen die Organisationen. Laut ihren auf aktuelle Zahlen der UN-Welternährungsorganisation FAO gestützten Rechnungen stießen die fünf größten Milch- und Fleischkonzerne - JBS aus Brasilien, die US-Konzerne Cargill, Tyson und Dairy Farmers of America sowie die neuseeländische Fonterra Group – 2016 gemeinsam 578 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (MtCO2e) aus. Das ist mehr als die gesamten Emissionen des Vereinigten Königreichs (507 MtCO2e in 2015) oder Frankreichs (464 MtCO2e) und übertrifft große Ölkonzerne wie Exxon oder Shell, die im Jahr 2015 rund 577 MtCO2e bzw. 508 MtCO2e verursachten. Die 20 größten Fleisch- und Milchkonzerne bringen es mit 932 MtCO2e in 2016 sogar auf mehr Emissionen als Deutschland. Wären die 20 Konzerne ein Land, würden sie als der siebtgrößte Klimasünder gelten.

Die Organisationen betonen, dass hier nicht die Rede von Rinderzüchtern oder Schweinehaltern ist, die Fleisch aus Freilandhaltung oder nachhaltiger Produktion liefern oder kleinen und mittleren Milchbauern, geschweige denn von den Millionen Hirten und Viehhaltern weltweit, die sich und die Menschen in ihrer Umgebung ernähren. „Verantwortlich sind die Konzerne, die Massentierhaltung betreiben und davon profitieren und Tiere in riesigen Tierfabriken mästen“, schreiben die Autoren. „Diese betreiben ein System, das so mächtig ist, dass es teilweise sogar Landnutzungsmuster weltweit prägt, auf globaler Ebene Produktion und Konsum von Proteinen antreibt und kulturelle Ernährungsnormen verändert – alles im Namen expandierender Märkte und Profite.“ Wenn sich das Wachstum der Fleisch- und Milchproduktion gemäß der FAO-Prognosen fortsetzt, würden im Jahr 2060 die Emissionen des Sektors allein das gesamte Budget der Emissionen ausschöpfen, die erlaubt wären, damit das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch erreicht werden könnte. Damit wäre die Begrenzung der Erderwärmung auf ein ansatzweise beherrschbares Maß gescheitert.

Die Herausgeber betonen, dass es an der Zeit ist, die Fleischindustrie von der Klimazerstörung abzuhalten und stattdessen kleine Bauern und Viehzüchter zu stärken. „Wenn wir es ernst mit der Ernährung des Planeten und der gleichzeitigen Bekämpfung des Klimawandels meinen, müssen wir dringend in eine Umstellung auf Ernährungssysteme investieren, die auf kleine Produzenten, Agrarökologie und lokale Märkte setzen. Diese Systeme beinhalten die Bereitstellung moderater Mengen an Fleisch und Milchprodukten, aber sie tun dies auf eine Weise, die Böden regeneriert, Existenzgrundlagen für Gemeinden auf dem Land und in der Stadt schafft und Pflanzen und Tiere widerstandsfähig gegen die Unwägbarkeiten eines nicht berechenbaren Klimas macht.“ Der Bericht nennt auch konkrete Maßnahmen, wie dies erreicht werden kann: Öffentliche Gelder müssen statt Massentierhaltung und Agribusiness künftig kleine agrarökologische Familienbetriebe begünstigen. Regierungen sollten all ihre Kaufkraft dafür nutzen, kleine Produzenten zu unterstützen und ihnen so dabei helfen, Arbeitsplätze und Märkte für lokale Produkte zu schaffen. Ebenso wie viele Städte im Energiebereich auf klimafreundliche Lösungen setzen, sollten Gemeinden auch in Krankenhäusern oder Schulen in Programme investieren, die gesundes Essen bereitstellen und ländliche Gemeinden stärken und zugleich weniger Treibhausgasemissionen ausstoßen. (ab)

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