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07.02.2017 |

Rote Liste: Ein Drittel aller ökologischen Lebensräume in Europa sind bedroht

Noor Hochmoor: Habitat für Tiere und Pflanzen (Foto: A. Beck)

Ob Moore, artenreiche Wiesen, Tümpel oder Wälder – um den Zustand der ökologischen Lebensräume in Europa ist es schlecht bestellt. Laut der Europäischen Roten Liste der Habitate sind mehr als ein Drittel aller Lebensräume in Europa gefährdet und damit auch die Tier- und Pflanzenarten, die in ihnen beheimatet sind. Für die im Januar von der Europäischen Kommission veröffentlichte Publikation hatten rund 300 Forscherinnen und Forscher Informationen und Daten zum Zustand von 490 Lebensräumen in 35 Ländern Europas gesammelt und ausgewertet. „Erstmals ist nun schwarz auf weiß belegt, wie es um Gefährdung von Lebensräumen in Europa bestellt ist, und wo der größte Handlungsbedarf liegt“, erklärte Mitautor David Paternoster von der Universität Wien.


Von den untersuchten Lebensräumen zu Land und zu Wasser wurden in den 28 EU-Staaten 36% als gefährdet eingestuft. Nimmt man Island, Norwegen, die Schweiz und die Balkanländer noch hinzu, sind es mit 31% zumindest etwas weniger. Am dramatischsten ist die Lage der europäischen Moore: Drei Viertel stehen auf der Roten Liste. „Moore sind nicht nur ökologisch besonders wertvoll, sie haben auch eine wichtige Funktion im Klimasystem – als große Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid“, erklärte Mitautor Franz Essl von der Uni Wien im Interview mit klimaretter.info. „Doch ausgerechnet sie sind in Europa am stärksten gefährdet von allen ökologischen Lebensräumen.“ Aber auch der Zustand von artenreichen Wiesen, Süßwasser- und Küstenlebensräumen ist beklagenswert – gut die Hälfte dieser Lebensräume gelten in Europa als bedroht.


Grund sind vor allem intensive Landnutzung, Verbauung, Klimawandel und übermäßige Düngung. „Die Haupteinflüsse und -bedrohungen variieren je nach Lebensraum, doch insgesamt sind verschiedene landwirtschaftliche Aktivitäten die weitverbreitetste und größte Gefahr für Europas terrestrische und Süßwasserlebensräume“, ist der Zusammenfassung der Studie zu entnehmen. „Dazu gehört sowohl die landwirtschaftliche Intensivierung als auch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen – Veränderungen, die vor allem das Grünland treffen. Die Ausbeutung von Torf und ein Übergang zur Fortwirtschaft, zusammen mit Veränderungen hydrologischer Prozesse, stellen eine besondere Gefahr für Sümpfe und Moore dar, während die Überdüngung von Gewässern durch die Landwirtschaft Süßwasserlebensräumen stark zusetzt“, schreiben die Autoren weiter.


Was kann also getan werden, um die ökologischen Lebensräume zu bewahren? „Klar ist, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen – also der Arten- und Lebensraum-Vielfalt – einen höheren politischen Stellenwert benötigt“, betont Franz Essl gegenüber klimaretter.info. Es mangele nicht an Zielen und Absichtserklärungen, sondern an der Umsetzung des Vereinbarten. „Das bedeutet konkret, dass etwa in der Agrarpolitik und in der Raumplanung der Schutz der Biodiversität ein wichtiges Ziel werden muss. Und generell ist die massive Unterfinanzierung des Naturschutzes zu beenden. Ich bin überzeugt: Die breite Bevölkerung würde dies mittragen, denn den meisten Menschen ist der Wert schöner, lebenswerter Landschaften intuitiv bewusst“, glaubt Essl. (ab)

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