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23.01.2017 |

Berlin: 18.000 haben Agrarindustrie satt und demonstrieren für eine Agrarwende

Demo Demozug in Berlin (Foto: „www.wir-haben-es-satt.de/ Die Auslöser Berlin“)

Tausende Menschen sind am Samstag in Berlin für eine Agrarwende hin zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft auf die Straße gegangen. Angeführt von 130 Traktoren zogen rund 18.000 Menschen unter dem Motto„Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ vom Potsdamer Platz vorbei am Landwirtschaftsministerium bis hin zum Brandenburger Tor. Die Polizei zählte 10.000 Teilnehmer. Die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Demonstranten forderten eine tier-, umwelt- und klimagerechte Umgestaltung der Landwirtschaft. Sie waren teils als Kühe, Schweine und Hühner verkleidet, hielten als Bienen oder Schmetterlinge der kalten Berliner Winterluft stand oder trugen Plakate mit der Aufschrift „Stoppt das Höfesterben“, „Glücklich ohne Glyphosat“ oder „Bäuerliche Landwirtschaft stärken“. Aufgerufen zu der anlässlich der Grünen Woche bereits im siebten Jahr stattfindenden Demonstration hatte ein breites gesellschaftliches Bündnis von über 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorganisationen und dem Lebensmittelhandwerk. Bereits vor Beginn der Demo hatten konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern am Bundeslandwirtschaftsministerium einen Neun-Punkte-Plan mit Forderungen zur Bundestagswahl überreicht. Darin plädieren sie für mehr Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe. „Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrarsektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften“, erklärte Jochen Fritz, Sprecher des Bündnisses. Bis 2020 soll mindestens die Hälfte der Lebensmittel der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft stammen, lautet ein Vorschlag. Zudem wurden die entschlossene Bekämpfung des Antibiotikamissbrauchs in der Tierhaltung sowie die massive Reduzierung des Pestizideinsatzes auf dem Acker gefordert. Das „Wir haben es satt!“- Bündnis betonte jedoch, dass sich die Demo gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen konventionell wirtschaftende Bauern richtete. Rund 700 Landwirte hatten sich am Samstag unter dem Motto „Wir machen euch satt“ zu einer Gegenkundgebung versammelt, da sie sich diffamiert fühlten. Ein Thema, das dieses Jahr viele Demonstranten der „Wir haben es satt!“-Demo umtrieb, war die anstehende Fusion der Chemiekonzerne Bayer und Monsanto. Ein Traktor rollte mit der Aufschrift „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“ durch Berlin. Aber auch internationale Gäste warnten bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor vor den Folgen einer weiteren Konzentration des Saatgutmarktes. „Nicht Konzerne ernähren uns, sondern die Bäuerinnen und Bauern der Welt“, betonte Miriam Mayet von der südafrikanischen Organisation „African Center for Biodiversity“, die auf Einladung von Brot für die Welt an der Demo teilnahm. „Daher müssen die Fusionen von Bayer-Monsanto und der anderen Konzerne verhindert werden. Sonst droht in vielen Staaten der Verlust der Saatgutsouveränität.“ Die Veranstalter forderten in ihrem 9-Punkte-Papier außerdem eine Agrarpolitik, die Aspekte der globalen Gerechtigkeit nicht aus dem Blick verliert: Statt durch übermäßige Fleischproduktion das Klima zu belasten und mit Dumpingexporten kleinbäuerliche Strukturen weltweit unter Druck zu setzen, muss die deutsche Agrarpolitik die Reduzierung der Exportabhängigkeit, die weltweite Stärkung der bäuerlichen Erzeugung und regionaler Märkte und die agrarökologische Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit zum Ziel haben. (ab)

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