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22.03.2016 |

Spenden statt verschwenden: Italiens Gesetz gegen Entsorgung von Lebensmitteln

Fruit Italiens Supermärkte sollen spenden statt verschwenden (Foto: myfruit.it/flickr.com)

Das italienische Abgeordnetenhaus hat ein Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln verabschiedet. Mit einer satten Mehrheit von 277 Stimmen votierten die Abgeordneten für den Gesetzesentwurf der Abgeordneten der Demokratischen Partei, Maria Chiara Gadda. „Das Hauptziel des neuen Gesetzes ist es, Anreize für die Rettung von Lebensmitteln zu schaffen und die Spendenmenge von Überschüssen zu verdoppeln“, erklärt Gadda. Mit dem Gesetz sollen bürokratische Hürden abgebaut werden, die Supermärkten und Einrichtungen bisher das Spenden von überschüssigen, abgelaufenen oder unverkäuflichen Lebensmitteln erschwerten. So mussten bisher Lebensmittelspenden fünf Tag im Voraus angemeldet werden - nun soll dies nachträglich zum Monatsende möglich sein. Während Vorreiter Frankreich große Supermärkte per Gesetz zum Spenden von Lebensmitteln verdonnerte und Verstöße mit hohen Bußgeldern ahnden will, setzen die Italiener auf steuerliche Anreize für Unternehmen. In Italien enden jedes Jahr etwa 5,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Damit verbunden sind Kosten in Höhe von 12,5 Milliarden Euro, berichtet der italienische Agrarverband Coldiretti. Laut einer Untersuchung der Polytechnischen Universität Mailand fallen die meisten Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten an, doch 21% entfallen auf Restaurants, 15% auf den Lebensmittelhandel und 2% auf die Verarbeitung, während 8% der Agrarerzeugnisse gar nicht erst die Felder der Landwirte verlassen. Die Mitnahme von Essensresten im Restaurant soll mit der „Familientüte“ gefördert werden. Außerdem trifft das Gesetz Vorkehrungen für das Einsammeln und die Verteilung von auf dem Feld aussortierten Lebensmitteln, die noch für den menschlichen Verzehr oder als Tierfutter verwendet werden können. Lebensmittelspenden von Supermärkten und Unternehmen sollen kostenlos an die gut sechs Millionen bedürftigen Italiener verteilt werden. Die italienischen Tafeln begrüßten das Abstimmungsergebnis: „Es handelt sich um ein Gesetz, das endlich den rechtlichen Bezugsrahmen für das Spenden nicht verkaufter Lebensmitteln mit Vereinfachungen, Anpassungen und Anreizen neu regelt – aber das auch vor allem die Rettung von Lebensmitteln und deren Verteilung an arme Menschen zur Priorität macht“, sagt Marco Lucchini, Direktor der Fondazione Banco Alimentare. Das Gesetz muss nun noch den Senat passieren. Italiens Landwirtschaftsminister Maurizio Martina zeigte sich am Donnerstag zufrieden: „Die heutige Abstimmung bestätigt, dass Italien beim Kampf gegen die Verschwendung an vorderster Front dabei ist – nun ist die schnelle, endgültige Zustimmung des Senats notwendig. Mit dem Gesetz lohnt es sich für die Unternehmen, Lebensmittel zu spenden statt zu verschwenden.“ (ab)

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