Zusammen mit einigen Journalistinnen und Journalisten betreiben wir ein gemeinsames Portal, in dem wir Analysen, Meinungen und Hintergründe zur Diskussion über eine weltweit nachhaltige Landwirtschaft zusammentragen. Hier die neuesten Beiträge von agrardebatte.de

Grünland für Vieh und Klima

Wegen des steigenden Verbrauchs von Agrarkraftstoffen und Kraftfutter wird weltweit immer mehr Weideland zu Ackerflächen umgebrochen. Das ist fatal für das Klima ebenso wie für bisherige Nutzer wie tierhaltende Kleinbauern und Hirtenvölker. Ein Briefing-Papier von Susanne Gura

Wo der Brotkorb hängt

Anfang September wird in Ghanas Hauptstadt Accra enthüllt werden, wie nicht nur der Hunger in Afrika, sondern die Ernährungskrise überhaupt beendet werden soll: Mit der “Brotkorb-Strategie” will die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) einen Durchbruch bei der landwirtschaftlichen Produktion bringen. Afrikas Kleinbauern werden danach nicht nur den Kontinent ernähren, sondern auch noch Reis exportieren können. Ein Kommentar von Uwe Hoering

Sprunghaft steigende Preise für Getreide wecken Erinnerungen an die Krise vor zwei, drei Jahren, als der „Tortilla-Krieg“ in Mexiko Schlagzeilen machte. Um einer neuerlichen Ausweitung der Ernährungskrise zu begegnen, ertönt jetzt immer häufiger der Ruf nach einer Regulierung der globalen Nahrungsmittelmärkte. Was für die Finanzmärkte diskutiert wird, scheint doch für Spekulanten, die mit dem täglich’ Brot spielen, erst recht angesagt. Das klingt radikal. Es hilft aber leider wenig. Ein Kommentar von Uwe Hoering.

Schönredner bei der FAO

Die globale Landnahme setzt sich ungebremst fort. Wie einem IIED-Briefing Paper zu entnehmen ist, sind es vor allem private Investoren, die als Akteure in Erscheinung treten. Inzwischen wird deutlich, dass “freiwillige Verpflichtungen” für Landkäufe nicht greifen. Das wird von einem noch unveröffentlichten Weltbankbericht und den Erfahrungen bestätigt, die mit der seit acht Jahren nicht funktionierenden »Extractive Industry Transparency Initiative« gesammelt wurden. Trotzdem setzt die Weltbank auf eine »Land Transparancy Initiative«. Das einzige, was derzeit helfen könnte, wäre ein globales Moratorium.

Kuba: Revolution der Nachhaltigkeit

Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase. Es existieren günstige Voraussetzungen, um mittelfristig Ernährungssouveränität zu erreichen und es besteht der politische Wille, die ehemals industriell geprägte Landwirtschaft Kubas in eine solche zu transformieren, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird. Aber der bewunderten »Revolution der Nachhaltigkeit« droht Gefahr aus der eigenen gentechnischen Ecke. Seit kurzem ist die Diskussion um dieses Thema entbrannt.

Dies sei ein „historischer Tag“, jubeln Vertreter der seit zehn Jahren andauernden Kampagne, dass Wasser als Menschenrecht anerkannt wird. Die Verabschiedung einer entsprechenden Resolution durch die UN-Generalversammlung ist sicherlich ein Erfolg – und eine Gelegenheit, ein kleines Resümee zu ziehen über die Auseinandersetzungen um die Privatisierungspolitik im Wasserbereich seit Mitte der 1990er Jahre. Ein Kommentar

Seit einigen Jahren versuchen Agrokonzerne wie Monsanto, sich mit der Conservation Agriculture, bei der auf mechanische Bodenbearbeitung weitgehend verzichtet wird, ein grünes Image zu geben. Dabei werden sie tatkräftig unterstützt durch scheinbar neutrale Instanzen wie die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO. Besonders attraktiv an der „erhaltenden Landwirtschaft“: Sie könnte sich für die Agrarindustrie als zusätzlicher Profittriebsatz erweisen und Gensoja zum Klimaretter stilisieren.

Kein Patent auf Schrot und Gene

In einem streckenweise amüsant zu lesenden Urteil hat der Europäische Gerichtshof die Patentansprüche der Firma Monsanto auf Sojaschrot, der aus Argentinien nach Rotterdam verschifft wurde, vor die Wand laufen lassen. Seit Jahren ärgert sich der weltweite Gentech-Kaiser über die Praktiken der lateinamerikanischen Soja-Barone, seine “RounupReady” Soja einfach nachzubauen und dafür keine Patentgebühren zu bezahlen. Deshalb wollte er die Patentgebühr in Rotterdam abkassieren. Jetzt hat er sich ein Urteil eingefangen, das Wellen schlagen könnte.

Einen interessanten Beitrag dazu wie realistisch und ehrlich es ist, auf Basis der Übereinstimmung, über die grundlegende Fragen nicht übereinzustimmen, technische und wirtschaftliche Kompromisse der Koexistenz beim Gentechnik-Anbau zu suchen, lieferte der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministeriums. Mit etwas gutem Willen und reichlich Gentechnik in der gentechnikfreien Produktion, vor allem im Saatgut, ist in den Augen der Wissenschaftler die Quadratur des Kreises eigentlich gar kein Problem. Die Empfehlungen der Wissenschaftler ließ Ministerin Ilse Aigner vorsorglich nur durch einen Staatssekretär entgegennehmen.

Schwarz ist die Farbe des Erdöls. Das treibt die Wirtschaft an. Weil das globale Ölfördermaximum naht sollen Treibstoff, Strom und anderes Material im Wortsinn aus der Erde wachsen. Doch jede gute Idee kann kontraproduktiv werden, wenn sie verabsolutiert wird. Denn da gibt es noch die Nahrungsmittelkrise, sie wird vermutlich verschärft durch den neuen Kampf um das ursprünglichste aller Gemeingüter: Grund und Boden. Wenn es um Wachstumsfragen geht, habe ich diese Dinge im Kopf. Auf  einer Veranstaltung zu solchen Fragen erlebte ich jüngst einen bemerkenswerten Schlagabtausch. A: „Nachhaltiges Wachstum kann es nicht geben.“ -B: „Aber wir brauchen Wachstum, wir brauchen eine 3. industrielle Revolution.“ – A: „Wie soll sie aussehen?“ – B: „Wir verbrennen Biomasse statt Öl und bauen die Infrastruktur, um die so gewonnene Energie zu importieren.“ – A: „Habe ich Sie richtig verstanden? Läuft der Green New Deal, den sie vorschlagen, auf eine braune Akkumulation hinaus?”  Braun ist die Farbe der Erde. Zwischenrufe und Empörung im Saal …  hier geht’s weiter.


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